Albanien 2015

Albanien – Bunker, Mercedes, Hirten

Gleich nach der Grenze picknicken wir mit Blick auf die Bergmassive und den Ohrid See, da kommt doch glatt ein Radler von der anderen Seite den Berg hochgeradelt. Es ist der Slowene Matej, der nach Istanbul unterwegs ist. Sowohl er, als auch wir, haben nun eine schöne Abfahrt vor uns. Unser Weg führt am Fluss entlang durch einen Canyon hinab nach Elbasan. Die Berge rechts und links der Straße sind sehr schroff, die Steine schimmern rot. Kurz nach der Grenze säumen unzählige Waschanlagen den Weg. Frisches Quellwasser oder Bachwasser wird hier zum Autowaschen gebraucht und die Albaner machen regen Gebrauch davon. Leider fließt das Wasser seinen Naturgesetzen folgend wieder in den Bach zurück, doch das dürfte keine Rolle spielen, denn die Böschungen sind ohnehin mit viel Müll verunreinigt. Seit China haben wir eine solche Vermüllung der Flüsse nicht mehr gesehen.

Was uns gleich auffällt sind die vielen Mercedes Fahrer. Soviele, von alten bis zu neuen Modellen, haben wir noch nie gesehen. Auch nicht im Großraum Stuttgart. Landen mittlerweile alle Jahreswagen hier im Balkan fragen wir uns?

In Elbasan rasten wir im Stadtpark. Hier herrscht ein reger Betrieb: ältere Herren spielen Domino oder Schach, Mütter flanieren mit Kinderwagen durch die Wege, man sitzt im Schatten und beobachtet das Treiben oder man kommt zum Picknick hierher. Unsere Räder werden bewundert und man will von uns genaueres wissen.

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Mit Englisch kommen wir hier nicht sehr weit, wenn wir die sehr hilfsbereiten Albaner nach dem Weg fragen oder sonstige Auskünfte brauchen. Hier ist italienisch angesagt. So versuchen wir uns mit einer Mischung aus italienisch und spanisch und kommen dabei ganz gut zurecht.

Die Talfahrt hat nun ein Ende, denn der nächste Pass ist zu bewältigen. Es geht 20 km steil bergauf, mitten durch Olivenhaine in denen Schaf- und Ziegenherden grasen. Meistens werden diese von älteren Frauen betreut, die ein weißes Kopftuch tragen.
Oben angekommen verläuft die Straße auf einem Berggrat, rechts und links haben wir eine Sicht wie aus einem Airbus. Die 13 km Abfahrt ist Klasse, denn da im Tal die Autobahn verläuft, haben wir hier oben in den Bergen so gut wie keinen Verkehr und die Straße ist nagelneu.

Vor Tirana biegen wir auf noch kleinere Straßen ein, denn in die Hauptstadt wollen wir nicht. Die Felder und Wiesen werden hier größtenteils von Hand bewirtschaftet. Sense, Rechen, Hacke und Schubkarren sind noch nicht verdrängt. Die Kühe auf den Wegen umfahren wir in großem Bogen.

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Der Weg in den Norden ist teilweise beschwerlich. Es geht ziemlich hoch – wieder ein Pass – und runter, es ist heiß und die Straße ist löchrig. Vermutlich sehen wir ziemlich mitgenommen aus, denn die Verkäuferin im Marktladen schenkt uns zwei Eis und ein Kellner füllt unsere Flaschen mit eiskaltem Wasser.

In Lac erholen wir uns zwei Tage in einem Motel mit einem Playboy-Symbol auf dem Dach. Unser Zimmer, mit nicht ganz üblichen Postern und Einrichtung lässt uns vermuten, dass man hier auch stundenweise verweilen könnte. Müssen wir nun 15 Euro pro Nacht oder pro Stunde bezahlen?

Doch so schlimm war es nicht, denn im Restaurant nebenan können wir uns noch zwei leckere orginal Steinofenpizzas für je 400 Lek leisten. Der Koch war lange Zeit in Italien und er versteht sein Handwerk.

Vor Skoder kommt plötzlich ein starker Wind auf, der uns auf gerader Strecke mal schnell auf über 30 km/h beschleunigt, ohne dass wir groß in die Pedale treten müssen. Doch genauso schnell verfärbt sich der Himmel und es wird fast dunkel. Wir suchen in letzter Minute Zuflucht in einem Hotel, wo wir für 10 Euro die Nacht, inclusive Frühstück, Schutz finden. Das Gewitter, das sich nun draußen abspielt, wollten wir lieber nicht im Zelt erleben.
Fotos zu Albanien: