Italien 2015

Italien – „Ooooh sole mio — ooooh diese Italiener!“

„Oh sole mio…“ sangen wir bei unseren Warmshowers in Caposile und „oh diese Italiener“ rufen wir fast täglich auf den Radwegen. Irgendwie sind diese Radwege, so schön dass es sie gibt, für uns nicht so ganz ausgereift. Entweder enden sie abrupt, also mit Vollsperrung ohne Umleitungshinweise, oder wir müssen uns durch einen Schilderwald im Slalom durchschlängeln. Kein Wunder, dass die Mehrzahl der Italiener mit dem Rad auf der Straße fährt. (zu den Radwegen siehe: Kurioses)
Die italienischen Straßenradler in ihren modernen Hightechklamotten rasen in Gruppen an uns vorbei und rufen uns ein „Bravo!“ zu. Es bleibt keine Zeit für ein Gespräch.

Unser erstes Ziel ist Venedig, da Martin dort noch nie war. Über Triest, entlang der schönen bevölkerten adriatischen Küste, einem Umweg über Caorle und Caposile, erreichen wir nach 3 Tagen den Campingplatz Silva bei Cavalino.  Von hier aus machen wir unseren Ausflug in die Lagunenstadt, die man gesehen haben sollte. Der Marcusplatz mit der Goldenen Basilika, die wir besichtigen, zieht uns in seinen Bann.

17_Italien_Venedig

Wir sitzen im Schatten der Arkaden und beobachten die Touristen, die sich einen Cappuccino im Café Fabian gönnen. Kostet ja nur mal gerade 9 Euro – oder ein Eiskaffee für 15,50 Euro. Doch dafür spielt eine kleine Kombo südamerikanische Schlagermusik. Wie passend!
Wir ziehen den ganzen Tag durch die schwimmende Stadt, kühlen uns in einigen Kirchen ab, besuchen eine Kunstausstellung, picknicken an einem Kanal und beobachten die Schifffahrt. Baumaterial, Lebensmittel, Getränke, Abfall — alles wird per Schiff befördert.
Die Handwerker transportieren ihre Lasten mit Schub- oder Sackkarren.

Unsere Weiterreise führt uns über die Inseln Lido und Pellestrina nach Choggia, so dass wir drei Mal die Fähre nehmen. Choggia, eine historische Stadt mit großer Kathedrale – der heiligen Agnès mit Schaf –  und kleinen Kanälen wirkt wie ein kleines Venedig auf uns.

45_Italien_Lagune von Venedig_Panorama

Richtung Padua ist es nicht so einfach einen guten Zeltplatz zu finden, da die ganze Landschaft kanalisiert ist. Padua mit seinem Dom, seiner Basilika, der gut erhaltenen Altstadt und dem drittgrößten Platz der Welt gefällt uns prima.

Von hier aus führt der Radweg entlang des Flusses Bacciglione bis nach Vicenza, wo wir bei den Warmshowers Giulia und Andrea herzlich aufgenommen werden. Gekocht wird ein leckeres Lakritze-Risotto, was besonders mit Rotwein mundet. So etwas hatten wir noch nie!
Auf der Plaza di Signori sehen wir an diesem Mittag eine rasante Aufführung einer Capoeira Gruppe, ein Theaterstück und einen Künstler mit Riesenseifenblasen, der ganze Kinder einhüllt. Tags darauf, am Morgen, findet Yoga für Jedermann hier statt. Ein tolles Flair!

Die nächste berühmte Stadt, Verona, die in einer schönen Flussschlaufe liegt, wartet mit römischer Arena, historisch wertvollen Gebäuden und Kirchen auf.

63_Italien_ Verona_Panorama

Doch es zieht uns schnell weiter, denn wir haben ein wichtiges Treffen in Aussicht. Die Ex-Herrenberger Sandra und Ribell, die nun in der Nähe des Gardasees wohnen, wollen von uns besucht werden. Sie ahnen noch nicht, dass wir gleich eine Woche bei ihnen bleiben werden. Wir machen zusammen viele schöne Ausflüge, wie nach Malcesine, ins malerische Lazise, hoch auf den Mt. Baldo, baden im Gardasee und trinken beim Winzer und Zuhause leckeren Fusilier und andere Weine. Wir werden super gut bekocht und sitzen gemütlich zusammen. Wie schön!
Und zu guter letzt:: der Fahrradständer von Agnès wird nach fast eineinhalb Jahren (!!) von Ribell geschweist. Vielen Dank für alles!

84_Italien_Ausflug nach Malcesine_Gardasee_Panorama

Der Radweg Via Claudia Augusta führt uns weiter an der Etsch „Adige“ entlang. Die Strecke bis Bozen und Meran verläuft durch riesige Apfelplantagen, Weinbaugebiete und Kiwifarmen, was mit der Zeit schon ein wenig eintönig ist.  Eine schöne Abwechslung bieten uns da die vielen erfrischenden Sprinkleranlagen der Plantagen, die kleine Regenbogen fabrizieren.
Es ist sehr heiß und wir kühlen uns täglich in der 13 Grad kalten Etsch ab.
In der Radlerstadt Bozen tauschen wir unsere Erfahrungen über China und dem Iran mit dem Radler Martin aus, der uns für eine Nacht herzlich beherbergt. Kurz nach Meran wird die Landschaft viel abwechslungsreicher. Ab Algund geht es hoch in die Berge, entlang der reißenden Etsch.
Teilweise müssen wir 19 Prozent Steigung bewältigen.

117_Italien_Haidersee

Wir baden im Haider See, kurz vor dem Reschenstausee, und genießen den Ausblick auf das Bergpanorama das uns umgibt. Direkt unterhalb des Staudammes bauen wir unser Zelt auf und bekommen abends noch Besuch von einem jungen Reh. Am nächsten Tag sind wir schnell über den Pass und wir passieren fast ohne es zu bemerken die österreichische Grenze. Von hier aus geht es zügig bergab nach Nauders.

Fotos zu Italien: