Türkei 2013

An der türkischen Grenze wissen sie wieder mal nicht was sie mit uns Radfahrern machen sollen. Erst sind wir bei den Fußgängern und bekommen einen Stempel, dann passen wir nicht durch die Türen und müssen zurück zu den Autos. Aber alles läuft glatt. Wir radeln entlang der Küste, über Rize nach Trabzon.
Gleich nach der ersten Stunde machen wir Picknick und werden sofort von einer türkischen Großfamilie mit Leckereien versorgt. Voll nett. Auffallend ist die Hilfsbereitschaft und dass die Türken immer zu Spässen aufgelegt sind.
Wir lassen uns Zeit und besuchen ein paar kleine Städte, d.h. wir fahren ins Zentrum und bummeln herum. Alles ist voller Leben und immer wieder hört man den Mullah-Gesang. Natürlich ist hier Teetrinken angesagt – zumal die Küste voller Teeplantagen ist. Die Teeernte ist in vollem Gang und wir sehen wie die Frauen die großen Ballen verladen und wie alles direkt vor Ort in die Teefabriken kommt. Der Geruch nach Tee liegt hier wirklich in der Luft.
Auffallend sind auch die Haselnüsse die gerade geerntet werden und die auf Gehewegen und Plätzen sortiert, getrocknet und in Säcke verpackt werden. Die Türkei ist angeblich der weltgrößte Lieferant von Haselnüssen. Wir finden sie in den vielen verschiedenen süßen Stückchen wieder:-)

04_Tuerkei Rize Haselnuss

Kurz vor Ablauf der 7 Woche kommen wir in den ersten Platzregen, der sich einen Mittag lang dann zum Dauerregen entwickelt. Wir flüchten uns durchnässt in ein Hotel und lassen es uns gut gehen.

In Trabzon beantragen wir unser iranisches Visum, was erstaunlicherweise innerhalb einer Stunde klappt. (Siehe FAQ)
Wir treffen hier auch auf andere Reisende, tauschen uns aus und freuen uns gemeinsam. Da alles so gut geklappt hat, wollen wir zwei Tage im Hotel bleiben und wir machen einen Tagesausflug mit dem Bus zu dem Felsenkloster Sumela. Imposant wie die Mönche vor ca. 1.700 Jahren so etwas errichten konnten und auch die Felsmalereien im Innern der Felskapelle sind beeindruckend.

19_Tuerkei Trabzon Felsenkloster Suemela
Unser Busfahrer hält unterwegs an seinem Haus an und seine Frau versorgt die Fahrgäste mit frischen Feigen und Gemüse aus dem Vorgarten.

Türkische Busfahrt:
Da zwischen Trabzon und türkischen/georgischen Grenzue ca. 20 Tunnel- die echt keine Laune machen- liegen, wollen wir mit einem Bus zurück. Wir erkundigen uns am Busbahnhof und wir bekommen die Auskunft, „no problem, big bus!“. Tags darauf als wir dann loswollen, ist der geplante Bus doch viel zu klein. Die Räder passen auf keinen Fall hinein. „no big bus!“
Agnès wird ruckizucki von einem „Vermittler“ angesprochen, der anscheinend eine Lösung kennt „big bus in 30 minutes“. Der Fahrpreis ist jedoch auch ziemlich „big“, denn er will mehr als das Doppelte und dies sofort. Wir zahlen dennoch den Fahrpreis bis Batumi (alle Tunnel per Fuß zu durchqueren ist voll übel) und bekommen eine Quittung, doch unser „Vermittler“ ist danach sofort verschwunden. Anfängerfehler? Wir warten. Nach einer halben Stunde kommt ein zweiter „Vermittler“. Er führt uns aus dem Busbahnhof zu der gegenüberliegenden Tankstelle. Dort sind nur LKws die repariert werden. Soll dies unser Fahrzeug werden? Aber nein! Kurz darauf kommt wirklich ein „big bus“ der an der Tankstelle hält. Er wird gewartet und während dieser Zeit haben wir die Möglichkeit unsere Räder zu verstauen. Doch dies geht auch nicht ohne Probleme. Bei einem Fahrrad muss ein Rad, Sattel und Spiegel demontiert werden, damit es passt. Aber wir sind froh, denn wir zählen auf der Fahrt tatsächlich 18 lange Tunnel.
Wir kommen an die Grenze. Es geht mit Handgepäck durch die Polzeiausreisekontrolle. Der Bus fährt auf einem anderen Weg über die Grenze und bevor wir zum georgischen Zoll kommen, müssen alle Passagiere ihr Gepäck ausladen. Auch unsere Räder? Ja klar alles. So stehen wir mit einem demontierten Fahrrad und 13 Gepäckstücken beim Bus. Damit 1 km zu Fuß zum Zoll? no way!
Wir verzichten auf die Weiterfahrt mit dem Bus und montieren und beladen unsere Fahrräder. Wir hoffen, dass wir wie bei der Einreise einfach durchgewunken werden. Falsch gedacht! Wir müssen uns dem Fußvolk anschließen und als wir am Zoll ankommen trifft uns fast der Schlag. Vor uns sind hunderte kreischende vollbeladene Menschen, die alle durch den Zoll wollen. Manche haben einen Einbauherd dabei, andere rießen Ballen mit Stoffen. Der Hammer: die Gepäckwägen passen nicht an der Abschrankung vorbei und werden über die Köpfe der Wartenden zurückgereicht. Selten so ne Fehlplanung gesehen!
Es wird gedrängt und gedrückt was das Zeug hält. Es bleibt uns nichts anderes übrig als in dem „Fluß mitzuschwimmen“. Nach ca. 1 Stunde bekommen auch wir dann unsere Stempel in den Pass und dürfen wieder losradeln. Endlich wieder „on the road.“