Kazachstan 2013

Kazachstan – in Weihnachtsstimmung

Grenzerfahrungen: Wir stehen um 16h am 19.12.2013 an der Grenze zu Kazachstan, unser Visa fängt jedoch erst am 20.12. an.
Der kazachische Grenzpolizist hat den Stempel schon in der Hand als er das Datum wahrnimmt. Er ruft nach Verstärkung und 4 weitere Grenzpolizisten kommen und diskutieren über unseren Fall. Wer hinter uns steht hat erstmal Pech gehabt. Der Chef wird gerufen, dieser hat eine andere Auffassung als die usbekischen Grenzer und seine kazachischen Untergebenen! Ohne zu Zögern schickt er uns zurück. Unser Einwand, dass wir nicht mehr nach Usbekistan zurück können (Wir hatten ein Visa mit nur einer Einreise) beeindruckt ihn reichlich wenig. Er schickt uns einfach ins Niemandsland bei Minusgraden und meint wir sollen in 7 Stunden wieder kommen! 7 Stunden in eisiger Kälte! Wir lassen nicht locker und verwsuchen unser Glück bei den Usbeken! Vorbei an 3 Kontrollen sind wir wieder im usbekischen Grenzgebäude. Dort wundert man sich über die „Problempolizisten“ auf der anderen Seite und wir bekommen einen Sitzplatz nahe der Ausgangstür, aber auf der Heizung! Nur noch 6 Stunden Wartezeit.

Diese gehen schnell vorbei, da die Grenzpolizisten und Zöllner immer wieder Kontakt zu uns suchen, sich neben uns setzen und uns über den Ablauf an der Grenze informieren. Am Ende bekommen wir sogar Hochzeitsfotos gezeigt und auch wir zeigen unsere Fotos von Zuhause. Ein kleiner Auflauf ist die Folge, denn jeder will die Fotos von unseren hübschen Töchtern sehen.

Wir erfahren auch, dass sie alle 24 Stunden am Stück „arbeiten“ müssen, danach haben sie einen Tag frei und die 24 Stunden beginnen von Neuem. Da hat man es doch in D ganz gut!

Zwischendurch kommt ein durchgeknallter Typ mit zwei nagelneuen Koffern, die er vor uns öffnet. Sie sind vollgestopft mit nagelneuen Tischtelefonen in Originalverpackung. Davon drückt er uns drei in die Hand und meint dass wir diese geschenkt bekämen. Gegenwehr zwecklos. Die Grenzpolizisten und Zöllner die dies sehen kommen sofort hinzu. Auch sie wollen beschenkt werden! Und sie bedienen sich reichlich und horten die Telefone hinter den Schreibtischen. Auch unsere drei Telefone schenken wir ihnen. Irgendwann kommt ein Laufbursche in Zivil, verpackt die Ausbeute in sichtdichte Plastiktüten und die Telefone verlassen den Zoll. Was für ein Laden!;-)

Kurz vor 23 Uhr (kazachische Zeit 24 Uhr) radeln wir wieder zu den Kazachen, müssen noch 3 Minuten bis Mitternacht warten, bekommen dann aber ohne Probleme als erste Einreisende am 20.12. unsere Stempel und werden auch am Zoll durchgewunken.
Wir radeln noch ca. 5 km in der eisigen Dunkelheit, finden dann einen prima Zeltplatz auf einer Wiese und freuen uns in Kazachstan zu sein.

Am nächsten Tag weckt uns die Sonne und wir entdecken ein ganz anderes Land. Hier ist es anders als um Tashkent herum. Viel naturbelassener. Steppe auf der westlichen Seite, mit vereinzelten kleinen Dörfern, und auf der östlichen Seite begleiten uns die schneebedeckten Berge. Die Kazachen, die noch einen Tick asiatischer aussehen, grüßen uns und winken uns zu. Als wir nach Wasser fragen, bekommen wir auch Brot, süße Stückle und Schokolade dazu.
Auf unserer Fahrt nach Norden, rückt die Schneegrenze näher und schon bald sind die Felder am Straßenrand schneebedeckt.

02_Kazachstan_Weg nach Shimkent

Wir finden trotzdem einen Platz zum Zelten, doch spät abends pfeifft ein starker eisiger Wind aus Westen, der unser Zelt in beträchtliche Schieflage bringt. Am nächsten Morgen haben wir Neuschnee – es gibt nur eine freie Fahrspur für die Autos und wir müssen uns die meiste Zeit durch die ungeräumte vereiste Standspur kämpfen. Dazu kommt, dass 30 km vor Shimkent bei Martins Fahrrad der hintere Umwerfer einfriert und er nur im kleinsten Gang weiterfahren kann.
Wir sind sehr froh als wir in Shimkent ankommen und sofort ein gemütliches Hotelzimmer beziehen können. Hier bleiben wir erst einmal 4 Tage, besichtigen die interessante Stadt und wundern uns wie anders Land und Leute wieder sind.

07_Kazachstan_Shimkent_Ordabasy Platz

Der Standart in den Restaurants und Cafes ist bedeutend höher, die Autos höher klassig, man versteht uns besser und Geldabheben mit der Kreditkarte ist auch kein Problem mehr. Irgendwie wirkt alles „westlicher“ als in Uzbekistan.

Die Kazachen sind völlig hilfsbereit und aufgeschlossen. Fragt man nach einem Weg oder Platz wird man nicht selten sogar dahin geführt. Doch dies könnte auch andere Gründe haben, denn wenn uns ein Weg erklärt wird varieren die Entfernungen die uns so genannt werden zwischen dem doppelten bis zehnfachen. So suchen wir einen Radladen stundenlang (den wir nie finden) oder laufen auf der Suche nach einem Internetcafe von Pontius zu Pilatus. Oder der nette englischsprechende Angestellte beim Immigration Office wo wir uns melden müssen: dieser zeigt uns erst als wir zum zweiten Mal dort vorsprechen welche Unterlagen wir benötigen, so dass wir noch ein drittes Mal kommen müssen.
Vielleicht erklärt dies, weshalb wir uns solange in den kazachischen Städten aufhalten….

In Shimkent lassen wir die Räder stehen, denn die Wege sind schneebedeckt und vereist und wir bevorzugen die Marschrutkas (Größe eines VW Buses). Einmal werden wir zu 20 anderen Passagieren, wie die Sardinen, hineingestopft und nach uns kommen nochmal 4 neue dazu. Dabei haben manche Passagiere mehrere Plastiktüten voll Weihnachtseinkäufe und Eierpaletten dabei!

Doch auch darüber kommen wir bei gutem Essen mit „einer“ halben Bier hinweg. In Shimkent befindet sich übrigens die größte Brauerei des Landes und man erhält für 80 Eurocent eine frisch gezapfte Halbe!
Die Kazachen sind in Weihnachtsstimmung und kaufen auf dem kleinen Weihnachtsmarkt mit den Plastikweihnachtsbäumen vor dem Mega City Center Einkaufsparadies, in dem auch die Preise mega sind, ihre Raketen und Böller für Silvester.

Ein Trauerspiel ist allerdings die Suche nach Internetcafes – funktionierendes Wifi haben wir nicht gefunden. Findet man mal eines ist es von männlichen jungen Teenagern besetzt, die sich mit Kriegs- und Ballerspielen austoben. Glück für uns, dass wir in der Universität einen Internetarbeitsplatz zugewiesen bekommen! So können wir wenigstens die Wetterberichte checken.

Heilig Abend wollten wir ursprünglich unterwegs sein, doch wir bleiben in Shimkent, da es wieder schneit. Wir machen es uns in unserem Lieblingscafe gemütlich, wo es die tollsten Torten gibt. Abends gönnen wir uns einen „Gockel“ mit Brot und Bier.

Am ersten Weihnachtsfeiertag nehmen wir uns einen Minibus, belegen dort 6 Plätze (unsere Räder liegen wie die Paschas auf vier Sitzplätzen mit schönen orientalischen Kissen gepolstert) und fahren weiter nach Taraz. Dies war die beste Entscheidung, denn die Straße über ein kleines Mittelgebirge ist völlig verschneit und teilweise verschlammt oder vereist.

08_Kazachstan_Weg vor Taraz

Die Sonne scheint, wir haben eine tolle Aussicht auf die schneebedeckten Berge und die Dörfer, die wie in Watte gehüllt sind. Vor Taraz ändert sich die Landschaft, der Schnee nimmt ab – Steppe! Hier grasen wieder Rinder und Pferde.

Taraz, die Stadt der Lichterketten – ganze Straßenzüge blinken bunt und sollen Weihnachtsstimmung vermitteln – ist für einen Zwischenstopp ganz passabel, hat aber, außer großen Boulevards und Plätzen, nicht viel zu bieten. Da es immer wieder schneit bleiben wir trotzdem 4 Nächte bei „Rosa“, einem kleinen dubiosen Hotel.

14_Kazachstan_Taraz

Wir radeln bei minus 4 Grad 82 km weiter Richtung Osten. Unsere Gesichter sehen nach kurzer Zeit aus wie gepudert. Es ist diesig und die Sonne kommt nicht durch. Leider sehen wir die Berge nicht mehr, aber dafür ist die Fahrbahn trocken und gut. Wir finden einen relativ trockenen Zeltplatz und machen ein Lagerfeuer. Ideal zum Trocknen unserer Klamotten und um unser Trinkwasser wieder aufzutauen. Selbst bei Minusgraden ist es schwierig nicht zu schwitzen und die Kleidung trocken zu halten.
Nachts sinkt die Temperatur auf minus 12 Grad. Am nächsten Morgen toasten wir unser Brot am Lagerfeuer, trocknen die Schlafsäcke (die nachts kondensierten) und kochen heißen Tee.

DSC02801

Weiter geht es Richtung Grenze die wir am 30.12.2013, gegen 15.00 Uhr, ohne Probleme passieren. So schnell wie hier ging noch keine Abfertigung. Kein Zoll war zu sehen. Wir bekommen die Ausreise- und Einreisestempel und man wünscht uns eine gute Fahrt.