Willkommen bei Agnès und Martin

Wir, Agnès und Martin, haben uns bei unserer großen Tour 2013 mit dem Fahrrad-Virus infiziert. Seit dieser Zeit ist für uns eine Reise unabdingbar mit dem Fahrrad verbunden. Die Welt auf diese Art zu entdecken, mit Zelt und Kochtöpfen unabhängig zu sein und einfache Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen zu haben, ist eine unglaubliche Bereicherung.

Mittlerweile haben uns unsere Räder, die wir uns im Sommer 2012 angeschafft haben, jeweils 67.610 km (2023) durch die Welt geschaukelt. In den 54 Ländern die wir dabei bereist haben, haben wir mit den Menschen, die wir trafen, sehr gute Erfahrungen gemacht. 

Gespannt bleiben auf das, was hinter der nächsten Wegbiegung liegt, die Freude bewahren, immer einen Schritt weiterzugehen und mit offenem Blick zu entdecken, was mich dort Neues erwartet. (Zitat von unbekanntem Autor)

 

Wer im Blog in alten Artikeln stöbern möchte, viel Spass dabei!

Agnès und Martin

 

Bretagne 2022

Durch Frankreich in die Bretagne und zurück

Am 14. Mai starten wir bei Freiburg mit unseren Rädern mit Ziel in die Bretagne.

Wir nehmen den EuroVelo 6 (Atlantik – Schwarzes Meer) der in Mühlhausen für uns beginnt. Von da an folgen wir dem Kanal Rhône au Rhin, einer sehr flachen Strecke.

nach Besancon direkt  am Radweg EuroVelo6

Überhaupt ist die von uns gewählte Strecke ziemlich einfach, denn nach dem Kanal geht es entlang des Flusses Doubs, danach an der Saône entlang.

Am 20. Mai stoßen wir nach Paray le Monial auf die La Loire.

in Paray le Monial

Die Loire begeistert uns mit ihrem super klaren Wasser, den vielen Sandbänken und den Muscheln.

La Loire.

Bei Checy auf dem dortigen Campingplatz treffen wir unsere Freunde Michael und Claudia, die mit ihrem Bus auf der Rückreise von Portugal sind. Die beiden kochen uns eine leckere Paella und haben einige Biere kalt gestellt. Wir radeln zusammen durch Checy und spielen Tischtennis. Nach zwei Nächten auf dem Campingplatz geht es für uns in verschiedene Richtungen weiter.

Checy

Orleans, Blois, das märchenhafte Schloß Chenonceau, Tours und Villandry sind weitere Höhepunkte dieser Tour. Fast alle Städte sind sehenswert.

Chenonceau-Camping

Nantes erreichen wir am 30. Mai nach 1.300 km. Jetzt ist es nur noch ein Katzensprung bis in die Bretagne.

vor Nantes – Camping Le Babins bei Ancennis

Nantes

Seit 2016, als wir das letzte Mal hier geradelt sind, hat sich viel getan, was die Radwege betrifft. Von Nantes bis Brest gibt es nun gut beschilderte Radwege, auch wenn man sich hier und da die Fahrbahn auf Nebenstraßen mit Autos teilen muss.

Bretagne

Bevor den Parc de la Briere durchradeln, zeigt uns das erste Keltenkreuz an, dass wir nun wirklich in der Bretagne angekommen sind.

Keltenkreuz

Da wir das Meer, die zerklüftete Küste mit den kleinen Buchten und Stränden lieben, haben wir uns auf dieser Reise entschlossen viele Wanderungen entlang der Küste zu machen. Dort verläuft der Küstenwanderweg GR-34 – einen Wanderführer haben wir in der Tasche.

Penestin Goldener Strand

Die Wanderungen am „Goldenen Strand“ bei Penestin, bei Sarzeau und am Quiberon sind fantastisch. Auch Carnac mit seinen über 3000 Menhiren, Steinreihen, ist einen Abstecher wert, zumal um diese Jahreszeit kaum Touristen dort sind.

Bei Doelan, Porz Poulhan und Plozevet treffen wir Freunde von Agnès und machen ein paar Wanderungen entlang der traumhaften Küste.

bei Plozevet

Das Wetter im Sommer 2022 ist super und wir sind begeistert von der Vielfalt der Küstenabschnitte. Es ist fast unbeschreiblich schön —- schaut euch einfach unsere Fotos an.

Einen längeren Stopp machen wir bei Morgat, auf der Halbinsel Crozon. Dort treffen wir uns auf dem Camping Les Bruyeres mit Freunden aus Reutlingen. Wir lassen es uns eine Woche lang sehr gut gehen. Genießen leckeren Fisch und Wein, hüpfen in den Pool und machen viele gemeinsame Rad- und Wandertouren in die Umgebung.

Wanderung zu Pointe de Dinan

Wir radeln weiter die Küste entlang, über Brest nach Pointe de St. Mathieu wo wir in ein bretonisches Fest geraten. Leckere Crepes sind hier natürlich Pflicht.

Pointe de St. Mathieu

Am Pointe de Corsen erreichen wir den westlichsten Punkt Kontinentalfrankreichs.

Pointe du Corsen

Weiter entlang Aber Benoit, der spektakulären Küste Cote des Legendes und dem Plage des Amiet, kommen am 1. Juli kommen in Roscoff an. Die Küste ab hier haben wir schon 2016 komplett beradelt.

bei Plouescat

Deshalb wollen wir ab Roscoff durch das Landesinnere in Richtung Rennes zurückradeln. Etliche Bahnstrecken wurden stillgelegt und als Radwege umgebaut. Von Morlais bis St. Meen le Grand folgen wir so einer Bahnstrecke fast vier Tage lang. Der Radweg ist schön flach, von Bäumen und Wildnis umgeben, so dass man immer im Schatten fährt.

bretonische Blütenpracht

Nach Rennes beschließen wir wieder auf die La Loire zu stoßen, da es uns so gut gefallen hat. Wir folgen der Mayenne (sehr schöner Radweg) und Le Loir (sehr abenteuerlicher Radwegzustand) und gelangen so nach Blois.

unser letzter Zeltplatz an der Loire.

Am 19.7.22 kommen wir nach 4.300 km wieder in Freiburg an. Es ist eine empfehlenswerte sehr schöne Tour gewesen.

Unsere Fotos zu Frankreich 2022: (die Bretagne beginnt natürlich erst ab Bild 22)

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2021 Schweiz Teil 2

2021 das zweite Mal in der Schweiz

Am 25.6.21 wollen wir ein zweites Mal in die Schweiz.

Wir starten in Merzhausen, nehmen später den Radweg Nr. 3 (Nord-Süd) von Basel nach Andermatt und weiter entlang der Rhone (Radweg Nr. 1) bis zum Genfer See.

Vom Genfer See aus bringt uns der Radweg Nr. 9 bis nach Luzern, wo wir in den Zug einsteigen, der uns wieder nach Hause bringt.

unsere Fotos zu Schweiz seht ihr hier

38-schweiz-radweg-beim-rhein

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2021 Schweiz Jura

2021 Schweizer Jura

Vom 8.5. bis 16.5.21 radeln wir von Basel durch das Schweizer Jura zum Genfer See.

Die super ausgeschilderte Route Nr. 7 startet an der Schiffslände in Basel und endet am Genfer See. Die Lokale haben geöffnet, ebenso die Hotels und Campingplätze. Die Biergärten sind bis zum bersten gefüllt. Da fühlt man sich doch gleich viel wohler als im klinisch sterilen Deutschland.

Wir lassen uns viel Zeit, denn die fast 400 km führen uns jeden Tag über mindestens einen kleinen Pass. Auch ist das Wetter viel zu kalt für diese Jahreszeit, es regnet viel, und wir radeln deshalb nur halbtags.

Die Landschaft ist jedoch wunderschön. Wir passieren unendlich viele kleine klare Bäche, kleine Wasserfälle und Seen.

Die Schweizer sind voll nett und hilfsbereit. Wir fragen dreimal abends bei der Bevölkerung um eine Unterstellmöglichkeit für unser Zelt nach und es ist nie ein Problem. Wir kommen in einer Scheune unter, bei einem Sägewerk im Carport und bei einem Bauern im Gerätestellplatz. Zweimal finden wir selbst eine Schutzhütte bzw. Grillhütte.

Der Genfer See gefällt uns auch sehr gut mit den ihn umgebenden Schneebergen. Leider ist das Wetter richtig mies und wir werden voll eingeweicht. Auch die Wetterprognose sieht keine Besserung für die nächsten 10 Tage vor und wir beschließen deshalb unsere Tour abzubrechen. Wir nehmen vom Genfer See aus den Zug über Zürich zurück nach Hause.

Auf dieser Tour sind wir etwa 400 km geradelt.

Unsere Fotos zur Schweiz Jura:

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Tübingen – Lübeck 2020

Um unsere Freunde in Lübeck zu besuchen, radelten wir im Sommer 2020 von Tübingen nach Lübeck. Wir halten uns hier kurz:

Unsere Strecke:

– ab Tübingen, den Neckar runter
– ab Mannheim, den Rhein runter
– ab Lahnstein, die Lahn hoch
– über das Rothaargebirge an die Eder, die Eder runter
– die Fulda runter bis an die Weser
– ab Göttingen die Leine entlang
– den Elbe-Lübeck-Kanal entlang von Lauenburg bis Lübeck.

Mit unseren Freunden aus Lübeck fahren wir dann an die Ostsee, wo wir sehr schöne Tage bei Haffkrug verbringen.
Die Fahrt zurück nach Hause erfolgt mit der Bahn und einem Zwischenstopp in Köln.

Insgesamt: 1.476 km geradelt.

Fotos zu Tübingen – Lübeck:

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Route Afrika 2019/2020

Wir sind wieder zurück!! Gerade noch rechtzeitig und eher zufällig, denn in Afrika spielte der Coronavirus keine Rolle.

Nach einem Besuch in Lissabon sind wir von dort am Montag 16.3.20 zurück nach Stuttgart geflogen. Am Mittwoch 18.3. hat der Flughafen dicht gemacht – Glück gehabt.

 

Unsere geradelte Route durch Westafrika:

Elfenbeinküste 2020

Côte d’Ivoire

Die Einreise dauert bestimmt zwei Stunden. Unter Aufsicht müssen wir unsere Hände waschen, danach wird Fieber gemessen. Alles Ok. Ein Funktionär trägt unsere Daten in ein Buch ein, ein anderer befragt uns und notiert sich alles auf einen Schmierzettel. Beim Arzt wird ein flüchtiger Blick in unsere Impfpässe geworfen und der Drogenpolizist interessiert sich auch nur kurz für eine unserer vielen Satteltaschen.
Côte d’Ivoire empfängt uns mit einem erfrischenden Schauer. Dem ersten seit Guelmim in Marokko. Es kühlt sich kurz ab auf 25 Grad und wir können durchatmen.

Auffällig, so dass unsere Augen sich erst wieder daran gewöhnen müssen, sind die vielen Straßenlaternen und Strommasten. Ab und zu sind sogar in den Dörfern einzelne kleine Häuser an das Stromnetz angeschlossen.

Ist der Straßenbelag schlecht oder was? Agnés tut sich schwer. Irgendwann stellt sie fest, dass ihr Hinterrad an der Bremse schleift. Die Spannfeder der Bremse ist gebrochen. Natürlich hat man nie das Ersatzteil dabei das man braucht. Also geht es erst mal mit ausgehängten Hinterradbremsen weiter – bis zur nächsten Stadt, Danané.
Dort finden wir eine nette Schraub- und Mechanikertruppe, die sich im Straßenstaub bei hoher Luftfeuchtigkeit, an die Reparatur machen. Auch sie haben kein passendes Ersatzteil. Aber nach zwei Stunden biegen und hämmern ist eine Ersatzfeder hergestellt. Sie passt und die Bremsen funktionieren wieder wie davor.

Agnès hintere Bremse wird in Danané repariert. Dazu wird ein „Shimano“-Teil per Hand hergestellt. Es funktioniert noch Jahre später.

Die Straße nach Man ist nicht sehr gut. Viele Löcher und zum Teil rote Piste verzieren den dunklten Asphalt. Da brauchen wir dringend eine Pause und sie kommt in Form eines Cafes mit bunten Stühlen und Sesseln auf uns zu. So was gab es schon seit Monaten nicht mehr. Wir sind die einzigen Gäste und die Bedienung tut sich schwer in Gang zu kommen. Wir bestellen „Café au lait“ und bekommen eine halbe Stunde später Tee mit Omlette. Ja, so ist das hier. Selbst mit einer Französin an der Seite ist die Verständigung nicht gerade einfach. Reden die Einheimischen untereinander französisch, versteht Agnès kein Wort. Es ist französisches Kauderwelsch….
Oder auch anders herum. Wenn wir Brot „pain“ bestellen versteht man uns nicht. Manche Ausdrücke die man täglich hört, sind auch zum kringeln. „Ca va, là-bas?“ „“Ca va un peu !“…..:-)

Die Suche nach einem Zeltplatz endet in den meisten Fällen in der Wildniss zwischen Kakaobäumen, Kaffeesträuchern, wildem Ananas und Avocadobäumen. Die Brandrodung und Baumfällung ist zum größten Teil schon seit Jahren abgeschlossen und große Bäume gibt es so gut wie keine mehr. Deshalb sehen wir auch in ganz Côte d’Ivoire keine Affen mehr. Dafür tauchen Affen beim Essen auf – im Restaurant als „Viande de brousse“ oder im Dorf als Beilage zum Reis in Sauce. Wir verzichten gerne auf das Verspeisen unser nächsten Angehörigen.

Zeltplatz zwischen Kakao und Kaffee

Die Kleinstadt Man liegt schön zwischen den Bergen, leider im Nebel. Wir machen einen Ausflug zu einem ausgetrockneten Wasserfall (….da fehtl irgendwie ein Effekt) und zu einer verrotteten Lianenhängebrücke, von der nicht mehr viel zu sehen ist – irgendwie auch ziemlich effektlos. Sonst ist touristisch nichts los – auch andere Touristen sehen wir nicht – und nach zwei Tagen, in denen wir es uns gut gehen ließen, geht es weiter. Unser Hotel hatte fließendes Wasser und Strom auch nachts!

ausgetrockneter Wasserfall in Man

 

Die Straße von Man bis zur Küste nach San Pedro (ca. 400 km) wird sehr stark von schweren Lkw’s befahren. Sie transportieren Erde aus den Nickelminen zur Küste. Diese Kolosse, weitere 40 Tonner und Kleinbusse machen uns das Leben schwer. Sie stauben uns auf der schlechten Straße ein, versorgen uns prima mit ihren schwarzen Dieselabgasen und hupen uns laut an, so dass wir uns auf die Straßenseite retten. Martin ist der Meinung, dass hier der „Wilde Westen““ herrscht und sie einen über den Haufen fahren würden. Täglich sehen wir Unfälle in die die großen Lkw verwickelt sind. Zusammenstöße oder umgekippte Lkw in der Pampa. Vor allem bei Regen, wenn sie mit ihren glatten Reifen oder halbplatten Reifen über den Asphalt rasen.

Dazu kommt die unerträgliche Hitze, Luftfeuchtigkeit und mittlerweile immer wieder ein Gewitter.
Auch die Einheimischen stöhnen unter der Hitze und sind der Meinung, dass viel zu viel abgeholzt wurde und sich das Klima geändert hat. Schatten spendende Bäume gibt es so gut wie keine mehr.
Auch soll sich die Regenzeit erheblich vorverlagert haben. So seien wir jetzt schon am Anfang der Regenzeit, mit der laut alten Reiseführern erst im Juni zu rechnen ist.

normale Dorfszene

Wir geben Gas und radeln pro Tag unsere 100 km, um möglichst schnell an die Küste bei San Pedro zu kommen. Das hat sich gelohnt. Uns erwartet ein schöner, sauberer Strand mit Palmen und vielen Restaurants (mit Strom!= kaltes Bier), ein ruhiges Hotel mit AC und relativ besseres Essen.
San Pedro hatte den Spitznamen „Ibizza Westafrikas“ vor dem Krieg.
Am Wochenende ist der Strand von Einheimischen gut besucht. Es wird Fußball gespielt, flaniert und viele Verkäufer preisen ihre Ware an. Am Montag ist der Strand wie leer gefegt.
Frühstücken tun wir an unserer kleinen Boutique um die Ecke. 2 Kaffee, 2 Wasser und 2 Sandwichomlettes für 1,50 Euro.

unser Kiosk in San Pedro

Vor San Pedro hat Martins hinterer Reifen den zweiten Platten. Die Ursache dafür finden wir nicht. Tags darauf ist der Reifen wieder platt. Beim vierten Mal reicht es dann. Nach ewiger Suche finden wir die Ursache. Ein mini Stück Draht von einem geplatzten Lkw-Reifen. Ein paar Tage später ist Agnès wieder dran. Auch ein kleines Stück Draht war die Ursache. Nun steht es 4:2 für Agnès.

Die Küstenstraße von San Pedro bis Dabou ist löchrig und staubig, wenn es nicht regnet. Am 3.3.2020 als wir San Pedro verlassen, scheint die Sonne und es ist staubig heiß. Doch dann um die Mittagszeit setzt starker Regen ein. Nach zwei Stunden Pause und Diskussionen mit Einheimischen über das Traumland Deutschland geht es weiter. Ohne Staub, aber dafür im Schlamm. Es ist unglaublich wie sich so eine Straße binnen zwei Stunden, wie ein Chamäleon, verändern kann. Der Schlamm ist nicht nur unglaublich rutschig, so wie Schmierseife oder fast wie Glatteis, sondern er setzt sich auch zwischen Rad und Schutzblech fest, blockiet Reifen und Bremsen. Speziell Agnès erwischt es hart, denn sie weicht einem Lkw aus und glitscht in noch tiefere Gefilde. Ab da sieht sie aus wie eine rote Tonfigur. Kleidung, Hände und Beine, Rad und Taschen – alles voller roter Schlamm.

Schlammpiste nach San Pedro

Abends in Sassandra bei einem Hotel angekommen ist schnell eine Lösung gefunden. Zwei Jungs wollen unbedingt unsere Räder waschen. Und so wird es dann auch gemacht. Wir sind die Arbeitgeber und die Jungs schrubben und bürsten unsere Räder mit schaumendem „Omo“.
Abends sitzen wir unter Kokospalmen am Strand und genießen Pommes frites mit Ivoire black.

Trotz einem 5-stündigen Regenguss in Fresco kommen wir gut weiter, denn tags darauf ist die Straße zwar noch feucht aber nicht mehr matschig. Wir nehmen uns nun täglich ein Hotel mit AC. Das letzte Mal gezeltet haben wir vor San Pedro.

Richtung Abidjan nehmen riesengroße Kautschuk- und Palmölplantagen zu

Die Landschaft bis Abidjan, der 4 Millionenstadt, ist eintönig. Stundenlang pedalieren wir durch Palmölplantagen oder vorbei an Kautschukbäumen. Doch dann am Sonntag, den 8.3. erreichen wir unser Ziel und radeln, vorbei an Slumsiedlungen auf Abfallbergen, in das normale Chaos der Großstadt hinein.
Nach einigem Suchen finden wir ein Hotel im District Marcory. Von hier aus wollen wir uns Kartons für unsere Räder besorgen und sie verpacken. Ab hier sind es nur noch 10 km bis zum Flughafen und nur noch 4 Tage bis zu unserem Flug nach Lissabon.

unser fast tägliches Frühstück seit Guinea – leckeres Bananenbrot

Ja, unsere Reise geht nun zu Ende. Wir sind vom 6.11.2019 bis 12.3.2020 insgesamt 7.614 km geradelt. Hatten 6 Platten und eine kaputte Bremse. Die Fahrräder haben ansonsten super durchgehalten – und diese Tour war das härteste Training für sie.
Wir haben 49 Mal wild gezeltet. Der Rest der Übernachtungen verteilt sich auf Campingplätze und Hotels. Unser Aldizelt lassen wir in Abidjan zurück. Etliche Plastikverschlüsse an Taschen und Reißverschlüssen haben stark gelitten, wurden porös und zerbröselten einfach irgendwann. Unsere Oberbekleidung erbleichte bei all dem Chaos und löste sich auf.
Bis auf je eine leichte, sehr kurze Magenverstimmung haben wir uns keine Krankheiten eingefangen. Dafür haben wir tonnenweise Abgase inhaliert und Staub geschluckt. Wir haben viele neue Erfahrungen gemacht und sind aber auch richtig froh wieder in das Traumland der Afrikaner, also nach Hause, zurück zu fliegen.
TIA this is afrika. TWA this was afrika.

Fotos zu Elfenbeinküste:

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Guinea 2020

Guinea – eine große Räucherkammer

Am 1.2.2020 passieren wir nach kurzen Einreisekontrollen die Grenze und fahren auf einer ziemlich neuen Asphaltstraße in Richtung Koundara. Schon nach wenigen Kilometern umgeben uns stinkende Rauchschwaden. Rechts der Straße brennt es! Doch es scheint niemanden zu interessieren, obwohl alles sehr trocken ist. Bald wird uns klar, dass hier absichtlich Brandrodung betrieben wird. Dies ändert sich auch während der gesamten Durchquerung von Guinea nicht mehr. Brandrodung gibt es bei jeder kleinen Siedlung. Einst grüne Flächen sind schwarz, die Luft rauchig stickig. Regenwald und Dschungel adé. Wie uns gesagt wird, sind die Monate Januar und Februar ideal dazu. Wozu Brandrodung? Die einen wollen freie Flächen für Äcker, Plantagen und ihr Vieh, andere stellen Holzkohle her oder verkaufen Hartholz. Maschinen um den Wald so zu roden gibt es nicht, also wird kurzerhand Feuer gelegt. Der Guineer besitzt eine Machete, die wenigsten eine Axt. Die ganze Familie, auch die Kleinsten, helfen mit.

an der Grenze die ersten Hinweise

Wie gesagt, verlief die Einreise ohne Probleme. Doch in Sambailo gibt es zwei Kontrollstellen. Bei der ersten winkt uns der Polizist vom Zoll rechts ran. Er möchte unser „carnet“ sehen. Ein carnet für Fahrräder? Davon haben wir noch nie gehört. Wir erklären ihm, dass das was er vor sich sieht Fahrräder sind und wir dafür kein carnet benötigen. Er lacht und aus und erkundigt sich bei seinem Chef. Nach einigem hin und her ist klar, dass wir – auch ohne carnet . weiterfahren können. Allerdings sollen wir uns bei der Polizeistation gegenüber melden. Dort angelangt, werden wir sofort weitergewunken. So das wars, denken wir…..
Fünf Minuten später sehen wir die nächste Kontrollstelle. Wieder werden wir gestoppt und unsere Pässe werden verlangt. Umständlich trägt ein Funktionär unsere Daten in ein dickes, sicher unglaublich wichtiges Buch ein – Agnès hilft ihm dabei. Danach beginnt eine unendlich lange Diskussion über die Gültigkeit unseres Visums. Martin möchte seinen Pass wieder haben und zieht an der einen Seite, der Funktionär an der anderen Seite. Der Visumstempel ist schon ganz verwischt. Erst als Agnès nachdrücklich darum bittet die Botschaft in Banjul anzurufen, beendet ein Chef die Diskussion und gibt uns Recht. Endlich geht es weiter.
Alle weiteren Kontrollen, bei denen eine über die Fahrbahn gespannte Schnur mit bunten Plastiktüten, die bei Bedarf hochgezogen wird, den Verkehr stoppen, verlaufen harmlos. Meistens möchte man einfach mit uns reden – aus Langeweile oder aus Neugier.

Schnell wird uns klar, dass die Guineer Meister des Transportes sind!

Meister des Transportes

Private Autos gibt es so gut wie keine, aber Ferntaxis, Kleinbusse, Mopeds, Taximopeds und Lkw jede Menge. Und diese werden voll geladen. Voller geht nicht! Jeder Zentimeter wird vollgestopft. Auf das verschnürte Gepäck auf den Autodächern klettern bis zu fünf Menschen. Auch diese werden mitgenommen. Oft ist die Zuladung doppelt so hoch wie das Auto selbst und man könnte meinen, dass es in der nächsten Kurve umfallen wird. Es wird gerast und gehupt, Schlaglöcher werden rasant umfahren und wir werden in roten Staub gehüllt.

Die Suche nach einem Zeltplatz ist nicht immer einfach, denn wir wollen sicher gehen, dass wir nicht Opfer der Brandrodung werden. So zelten wir beispielsweise in angelegten Cashewplantagen, oder am Rand von bereits abgebrannten Gebieten. Bald stinkt unser Zelt wie ein altes Indianertipi nach altem Rauch.

ein ruhiger Platz bei Kounsitel

Unsere erste Nacht in einem Hotel in Guinea verbringen wir in Koundara. Wir nennen es ein Stundenhotel, denn es gibt stundenweise Strom über ein Aggregat und klares Wasser aus dem Eimer, das nach Bedarf aus einem Brunnen nachgefüllt wird. Dies ändert sich auch die nächsten Wochen nicht, denn Strom ist in Guinea Mangelware. Ein Stromnetz wie wir es kennen existiert nicht. Der Schneider bügelt seine Stoffe mit einem Holzkohlebügeleisen!

Ladestationen für Handys in der Stadt gegen Entgeld

Wer im glücklichen Besitz eines Stromaggregats ist, bietet Aufladestationen für Handys an oder stellt seinen Fernseher zur Übertragung der Championsleague Spiele gegen eine geringe Gebühr zur Verfügung. Auf jeden Fall sind wir froh ein einigermaßen kühles und leckeres Bier im Hof des Hotels trinken zu können. Unser erstes Guilux, in Guinea gebraut.

Eine Sensation ist ein bestimmter, riesengroßer Baum an der Hauptstraße in Koundara. Warum sich tausende große Flughunde gerade diesen Baum, an der stark befahrenen Straße, ausgesucht haben, wird uns ein Rätsel bleiben. Sie hängen kopfüber in den Ästen und flattern mit den Flügeln. Ein unheimlicher Anblick, doch soviel wir wissen sind sie Vegetarier.
Bei Beginn der Dämmerung beginnt dann das ganz große Spektakel! Tausende, weiße, laut kreischende Kuhibisse kommen in Schwärmen angeflogen und lassen sich gerade in diesem Baum nieder. Diese unangenehmen Zeitgenossen wecken die Flughunde auf, die sich nun lautlos, hoffentlich ausgeschlafen, in die dunkle Nacht verziehen. Am nächsten Morgen werden wir Zeugen des umgekehrten Vorgangs. Die müden doch satten Flughunde nehmen ihre Plätze wieder ein und die Ibisse werden verscheucht.

Flughunde hängen zu tausenden nur in diesem Baum

Nach Koundara wird es bergiger und anstrengender. Bei Temperaturen um die 44 Grad in der Mittagszeit schwitzen wir nicht schlecht und es geht ständig hoch und runter. Doch in der Nacht kühlt es ab und wir können uns bei 15 bis 18 Grad wieder erholen. Auch duschen wir uns abends und morgens regelmäßig ab. Für diesen Zweck haben wir unsere vier Liter-Beutel, die wir in die Bäume hängen.
Bald gibt es auch keine 1,5 Liter Wasserflaschen mehr zu kaufen und wir gewöhnen uns daran das Wasser aus den Pumpenbrunnen zu trinken, welches wir mit unserem UV-Stick behandeln. Im Schnitt trinken wir -ohne Kaffee oder Tee- so an die 15 Liter gemeinsam!

leckere Ananas

Tolle Durstlöscher sind auch die leckeren Orangen, Mangos oder Ananas. Alles für ein paar Cent zu bekommen. So kostet eine süße Manogo gerade mal 15 Cent.

Vor Labé treffen wir den jungen Griechen Angelo mit seinem Fahrrad. Er ist seit einem Jahr in Afrika unterwegs. Agnès denkt sich „oh sieht der aber schmuddelig aus. So haben wir nach unserer zweijährigen Reise niemals ausgesehen“. Nicht nur sein Rad, auch seine Bekleidung und seine Haut ist völlig rot verstaubt. Ein paar Stunden später sehen wir genauso aus!
Wir haben 25 km rote Piste, fast nur bergauf, hinter uns. Steine, Sand und große Löcher.. Roter Pulverstaub dazwischen oder darauf – staubig, weich wie 405er-Mehl beim Bäcker, nur rot halt. Und roter Staub in der Luft, der sich auf unsere schweißnasse Haut legt, denn wir sind nicht die Einzigen dort. Lkws, Taxis, Motorradtaxis kommen uns entgegen oder überholen uns und machen uns und unsere Ausrüstung zu Rothäuten. Unsere armen Räder werden zu quietschenden Drahteseln degradiert.

Rothäute nach der Piste

Gut dass wir in Labè den Deutschen Jürgen treffen, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist, mit dem wir den roten Staub mit ein paar Bierchen runterspülen. Das Lokal dazu finden wir nach kurzer Suche im hinterletzten dunklen Hinterhof in einem kleinen schummerigen Keller.

Ein Höhepunkt nahe unserer Strecke sind die Wasserfälle bei Pita. Um die 18 km Piste, die über Stock und Stein führt, zu bewältigen müssen wir uns ein Moped inklusive Fahrer mieten. Dann geht es rasant zur Sache. Zu dritt auf dem Moped – Agnés in der Mitte! Kein Berg ist zu steil.

oberhalb des Wasserfalls mit super Blick

Das Klima – bisher hat es nachts immer gut abgekühlt – ändert sich nach Mamou schlagartig. Es kühlt nun nachts nicht mehr ab und es hat rund 10 Grand mehr und ist wahnsinnig schwül. Nur hier findet sich noch etwas Dschungel, der „forêt de Ziama“, in dem es Zwergelefanten und Schimpansen geben soll. Die Vegetation ist beeindruckend, doch für uns ist es nun doppelt so anstrengend, denn wir trocknen so gut wie nicht mehr.

Bambuswald vor Macenta

Im Süden von Guinea wird hauptsächlich Palmöl hergestellt. Täglich radeln wir an kleinen Palmöl-Betrieben vorbei. Es riecht für uns unangenehm, denn die Palmfrüchte werden in großen Ölfässern auf Holzkohle gekocht und zwei Stunden später gepresst. Eine unangenehme Arbeit, die vor allem von Frauen ausgeführt wird, während die Männer mit Gestellen in die Palmen klettern, um die Früchte zu ernten.

Pause in einer Palmölplantage. Agnès desinfiziert Wasser.

Heute ist nicht Martins-Tag:
Schön, dass wir ein Zimmer in einem Hotel finden, noch dazu mit saußendem.Ventilator vor dem Bett, denn es ist drückend schwül. Nur blöd, dass wie schon des öfteren, mitten in der Nacht der Strom abgestellt wird. Es ist kaum mehr auszuhalten und die ersten Moskitos tauchen auf, um unsere schweißgebadeten Körper anzusaugen. Da hilft auch kein Autanspray mehr. Schlecht gelaunt, bauen wir um 02.30 Uhr unser Zelt vor dem Hotelzimmer auf und suchen darin Schutz. Heiß bleibt es trotzdem. Noch ziemlich müde, zieht Martin am nächsten Morgen seine Schuhe an. Da stimmt was nicht. Es klemmt. Zwei Fühler schauen heraus. Eine Monsterkakerlake im Schuh! Mittlerweile etwas zerquetscht, wird sie herausgeschüttelt und sie humpelt davon.
Der Fahrtwind kühl uns etwas und die Mittagszeit rückt näher. In einer Essbude bestellen wir Reis mit Sauce. Martin mit Fleisch und Agnès mit Fisch darin. Beim Essen tropft uns der Schweiß im Sekundentakt auf unsere frisch gewaschenen Klamotten, doch wir sind froh, dass es Besteck zum Essen gibt. Für die „Weißen“ halt. Der Guinéer isst mit Händen, oft zu mehreren vom gleichen Teller. Natürlich wird auch der Trinkbecher geteilt. Vom Corona-Virus spricht hier keiner – gibt es hier wohl nicht. Dafür spricht Agnès von einer großen erlegten Riesenratte, die sie bei Kindern am Straßenrand gesehen hat. Sie haben ihre Trophäe stolz hochgehalten – aber als Trophäe eben – oder? Wir sind mit Essen fertig, bezahlen zusammen unsere 1,50 Euro und wollen weiterradeln. Martins Blick fällt auf ein Tier dessen Fell gerade abgezogen wurde. Eindeutig eine Riesenratte! Unsere Köchin freut sich. Die nächste Mahlzeit ist gesichert.
Martins vernachlässigtes neues Motto: Immer in die Schuhe schauen und beim Essen auf möglichst dicke Knochen achten!
Solche gejagten Monsterratten sehen wir noch mehrmals. Sie werden am Straßenrand zum Kauf angeboten.

Restaurant in Nzerekore

Am 20. Februar kommen wir nach Lola. Dieser Ort liegt unweit der Grenze zu Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste). Diese Grenze wollen wir unbedingt noch vor dem 1. März passieren, denn an diesem Tag findet in Guinea ein Referendum statt. Der derzeit amtierende 82-jährige Präsident strebt eine dritte Amtszeit an, welche jedoch von der Verfassung nicht vorgesehen ist. Während unserer gesamten Zeit in Guinea werden wir mit diesem Thema konfrontiert, denn es finden Wahlveranstaltungen und Gegendemos statt. Nicht immer lässt es sich vermeiden, dass wir uns mitten in solchen Veranstaltungen finden. Auch radeln wir in Pita an den Ruinen der abgebrannten Gendarmerie und einigen ausgebrannten Fahrzeugen vorbei. Während unseres Aufenthalts in Lola werden von der Polizei erschossene Demonstranten beigesetzt und manche Straßenabschnitte wurden mit Baumstämmen blockiert. Höchste Zeit, dass wir das Land verlassen, was am 21.2. auch ohne Probleme klappt.
Später erfahren wir, dass die Grenze wohl zeitweise geschlossen wurde, da es heftige Auseinandersetzungen, wieder mit Toten gegeben haben soll. Das Referendum sei wohl gescheitert und die Polizei hätte Wahlverweigerer in ihren Häusern erschossen. Arme Bevölkerung, denn alle mit denen wir sprachen, wollten diesen alten Präsidenten nicht mehr haben. Es ist auf jeden Fall schwierig an gesicherte Informationen zu kommen, denn Zeitungen sehen wir weder in Guinea noch – abgesehen von Abidjan – in der Elfenbeinküste. Und das TV ist zensiert und es läuft sowieso nur Fußball….

frittiertes Bananenmus – lecker

Fotos zu Guinea:

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Senegal Teil 2

Senegal zum zweiten Mal – Casamance

Am 18. Januar 2020 sind wir wieder im Senegal, dem Erdnussland. Erdnüsse werden hier massenhaft angebaut und auch ins Ausland exportiert. Die letzte Ernte ist gerade eingebracht und immer wieder werden wir von netten Senegalesen mit Erdnüsschen beschenkt. Gut dass Martin diese liebt, denn die letzte Tüte wiegt bestimmt ein Kilo! Ach ja, und zum Frühstück essen sie gerne Reis oder Hirse mit Erdnusssauce. Wir bleiben lieber bei Weißbrot mit Chocopain als Aufstrich , dazu Bohnenkaffee. Doch drei Wochen später ist auch dieser, unsere letzte Reserve, verbraucht. Reinen Bohnenkaffee gibt es hier nirgends, dafür leckeren Cafe Touba (Bohnenkaffee mit Guineapfeffer und Nelke) oder den wenig leckeren und teureren Instantkaffee einer schweizer Firma.

hoher Termitenbau

Gleich bei unserer ersten Nacht, unter Schatten spendenden Cashewbäumen, bekommen wir Besuch von drei Mädels, denen wir drei Äpfel schenken. Naja, das hat sich wohl schnell herumgesprochen, denn bald darauf taucht eine Gruppe Jungs auf, später weitere Mädchen. Leider haben wir nichts mehr zu verschenken. Als wir schon in den Schlafsäcken liegen, möchte der „Chef de village“, noch mit uns palavern, doch wir vertrösten ihn auf den Morgen. Es ist Sitte, dass man den „Chef de village“ um Erlaubnis fragt, wenn man in Dorfnähe zeltet, doch irgendwie haben wir das Dorf verpasst und dachten wir seien völlig in der Pampa.
Morgens, gerade beim Frühstück, tauchen die ersten Jungs auf. Wir schmieren ihnen Chocopain-Brote, die sie eilig verschlingen. Ein Gespräch mit dem „Chef de village“ Jean Paul verläuft super und er zeigt uns später seinen Garten mit 30 m tiefem Ziehbrunnen, wo er Sesam, Erdnüsse, Maniok, Tomaten und verschiedene Obstsorten anbaut. Wir bekommen eine tolle Führung!

bei Diouloulou mit dem chef de village – Sesam wird aus den Stauden geschüttelt

Bei Kafountine, beim Hotel Sitokoto, dürfen wir im Hof unser Zelt aufbauen. Ein super Platz um bunte Vögel zu beobachten und um zu baden. Wir haben Strandzugang, Liegestühle und eine tolle Strandbar, in der wir abends lecker essen und uns ein kühles Bier gönnen. Karim kümmert sich fürsorglich um seine Gäste. Jeden Abend entzündet er ein Lagerfeuer mit Gitarre und Djembe. Was will man mehr.

Sitokoto – Strandbar, Liegestühle, kühles Bier

Unsere Strecke führt weiter durch die Casamance, den Landesteil deren Bewohner unabhängig sein wollen. Zur Problematik der Casamance siehe Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Casamance-Konflikt
Bei Zinguinchor, wo es auch einige Kontrollstellen gibt, kommen uns an einigen Tagen Militärconvois mit bewaffneten Soldaten, entgegen. Sie schauen ganz schön grimmig drein.

Gigantische Baumriesen und verschiedenste Eisvogelarten sind zwischen den kleinen Dörfern, allesamt ohne Strom, zu bestaunen. Ab und zu kreuzt eine Horde Affen unseren Weg. Es ist wenig Verkehr und wir genießen die Landschaft. Wir beobachten Fischer mit ihren Rundnetzen bei ihrer Arbeit – sie fangen ziemlich viel – und werden von den Kindern in den Dörfern mit „Toubab Toubab“ begrüßt.

Zeltplatz nach Zinguinchor unter Cashewbäumen

Plötzlich kommen uns auf der Straße hunderte Kinder und Männer rennend und schreiend entgegen. Vier als Monster verkleidete und mit Macheten bewaffnete Männer scheucht die Menge vor sich her. Die Jungs retten sich in Panik ins dornige Gebüsch oder werfen sich auf den Boden. Nur Agnès bleibt furchtlos und bewacht eisern unsere Fahrräder, während Martin aus sicherer Entfernung das Spektakel filmt. Der Umzug ist Teil einer Beschneidungsfeier, wird uns erklärt.

Beschneidungsfest – Umzug auf der Straße

In Velingara verweilen wir in der Auberge Ciel Azur und Agnès führt viele Gespräche mit jungen Senegalesen, welche alle nach Deutschland wollen, da sie in ihrem Land keine Zukunft sehen. Sie versucht ihnen die Sinnlosigkeit ihrer Vorstellungen klar zu machen, doch bei einem Monatseinkommen um die 50 Euro ist dies nicht einfach. Hohe Arbeitslosigkeit, korrupte Politiker und Funktionäre gegen die Aussicht auf ein Leben im Schlaraffenland lassen doch viele Senegalesen die Reise nach Libyen antreten, wo sie in Lagern enden und wieder zurück befördert werden oder im Mittelmeer ertrinken. Dies ist ihnen allen bewußt, doch sie sehen es als ihre einzige Chance aus der Misere herauszukommen.

die Senegalesen sind Meister im Transport von Waren und Menschen

Die Casamance mit ihren kleinen Dörfern, den netten Menschen und der abwechslungsreichen Landschaft hat uns sehr gut gefallen, auch wenn es oft nicht einfach war sich nachmittags zu verpflegen. Außer Sandwich (Dambe) mit Erbsen- Bohnen- Zwiebelsauce gefüllt oder mit Omlette gab es nicht wirklich was. Gut dass wir uns abends mit leckerem Gemüse oder mit Spagettis selbst bekochen können.

Kurz vor der Grenze nach Guinea passieren wir den Nationalpark Nikolo Koba, teils auf einer holprigen Stein- und Sandpiste. Wir sehen viele Affen, die uns anbrüllen, und die ersten grünen Papageien. Agnès kann es nicht lassen über eine lange braune fette Schlange zu fahren. Hoppla!

Eisvogel

 

 

Fotos zu Senegal Teil 2:

147-Senegal-nach-Diouloulou-Zeltplatz

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