Albanien 2015

Albanien – Bunker, Mercedes, Hirten

Gleich nach der Grenze picknicken wir mit Blick auf die Bergmassive und den Ohrid See, da kommt doch glatt ein Radler von der anderen Seite den Berg hochgeradelt. Es ist der Slowene Matej, der nach Istanbul unterwegs ist. Sowohl er, als auch wir, haben nun eine schöne Abfahrt vor uns. Unser Weg führt am Fluss entlang durch einen Canyon hinab nach Elbasan. Die Berge rechts und links der Straße sind sehr schroff, die Steine schimmern rot. Kurz nach der Grenze säumen unzählige Waschanlagen den Weg. Frisches Quellwasser oder Bachwasser wird hier zum Autowaschen gebraucht und die Albaner machen regen Gebrauch davon. Leider fließt das Wasser seinen Naturgesetzen folgend wieder in den Bach zurück, doch das dürfte keine Rolle spielen, denn die Böschungen sind ohnehin mit viel Müll verunreinigt. Seit China haben wir eine solche Vermüllung der Flüsse nicht mehr gesehen.

Was uns gleich auffällt sind die vielen Mercedes Fahrer. Soviele, von alten bis zu neuen Modellen, haben wir noch nie gesehen. Auch nicht im Großraum Stuttgart. Landen mittlerweile alle Jahreswagen hier im Balkan fragen wir uns?

In Elbasan rasten wir im Stadtpark. Hier herrscht ein reger Betrieb: ältere Herren spielen Domino oder Schach, Mütter flanieren mit Kinderwagen durch die Wege, man sitzt im Schatten und beobachtet das Treiben oder man kommt zum Picknick hierher. Unsere Räder werden bewundert und man will von uns genaueres wissen.

Albanien_Elbasan_Park

Mit Englisch kommen wir hier nicht sehr weit, wenn wir die sehr hilfsbereiten Albaner nach dem Weg fragen oder sonstige Auskünfte brauchen. Hier ist italienisch angesagt. So versuchen wir uns mit einer Mischung aus italienisch und spanisch und kommen dabei ganz gut zurecht.

Die Talfahrt hat nun ein Ende, denn der nächste Pass ist zu bewältigen. Es geht 20 km steil bergauf, mitten durch Olivenhaine in denen Schaf- und Ziegenherden grasen. Meistens werden diese von älteren Frauen betreut, die ein weißes Kopftuch tragen.
Oben angekommen verläuft die Straße auf einem Berggrat, rechts und links haben wir eine Sicht wie aus einem Airbus. Die 13 km Abfahrt ist Klasse, denn da im Tal die Autobahn verläuft, haben wir hier oben in den Bergen so gut wie keinen Verkehr und die Straße ist nagelneu.

Vor Tirana biegen wir auf noch kleinere Straßen ein, denn in die Hauptstadt wollen wir nicht. Die Felder und Wiesen werden hier größtenteils von Hand bewirtschaftet. Sense, Rechen, Hacke und Schubkarren sind noch nicht verdrängt. Die Kühe auf den Wegen umfahren wir in großem Bogen.

Albanien

Der Weg in den Norden ist teilweise beschwerlich. Es geht ziemlich hoch – wieder ein Pass – und runter, es ist heiß und die Straße ist löchrig. Vermutlich sehen wir ziemlich mitgenommen aus, denn die Verkäuferin im Marktladen schenkt uns zwei Eis und ein Kellner füllt unsere Flaschen mit eiskaltem Wasser.

In Lac erholen wir uns zwei Tage in einem Motel mit einem Playboy-Symbol auf dem Dach. Unser Zimmer, mit nicht ganz üblichen Postern und Einrichtung lässt uns vermuten, dass man hier auch stundenweise verweilen könnte. Müssen wir nun 15 Euro pro Nacht oder pro Stunde bezahlen?

Doch so schlimm war es nicht, denn im Restaurant nebenan können wir uns noch zwei leckere orginal Steinofenpizzas für je 400 Lek leisten. Der Koch war lange Zeit in Italien und er versteht sein Handwerk.

Vor Skoder kommt plötzlich ein starker Wind auf, der uns auf gerader Strecke mal schnell auf über 30 km/h beschleunigt, ohne dass wir groß in die Pedale treten müssen. Doch genauso schnell verfärbt sich der Himmel und es wird fast dunkel. Wir suchen in letzter Minute Zuflucht in einem Hotel, wo wir für 10 Euro die Nacht, inclusive Frühstück, Schutz finden. Das Gewitter, das sich nun draußen abspielt, wollten wir lieber nicht im Zelt erleben.

Fotos zu Albanien:

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Mazedonien 2015

Mazedonien – schöne Landschaft und Städte mit Flair

Ab der Grenze sind wir in einer Stunde in Bitola, einer Unistadt mit vielen Straßencafés, die alle voll besucht sind, da es sommerlich warm ist. Auch wir können nicht widerstehen und gönnen uns einen leckeren Sahnecafé. Hier in Mazedonien ist alles viel billiger als in Griechenland, so circa die Hälfte. Straßen, Häuser, Verkehrsmittel und die Leute wirken auf uns wesentlich ärmer als in Griechenland. Wie wir später erfahren, verdient ein Fabrikarbeiter etwa 150 Euro im Monat. Die Arbeitslosigkeit ist hoch.

Mazedonien_Bitola

Wir bummeln durch die Fußgängerzone und werden von einem jungen Mann angesprochen, den wir wie sich herausstellt ein paar Tage zuvor angeschrieben hatten, um bei ihm zu wohnen, der jedoch andere Gäste hätte. Es ist Goce von warmshower, mit dem wir den nächsten Pub ansteuern. Seine Gäste haben abgesagt, so dass wir kurzerhand von ihm zur Übernachtung eingeladen werden. Wir verbringen einen interessanten Abend mit ihm und seinem Vater in dem kleinen Dorf Krk….  und zum Abendessen gibt es leckere Pfannkuchen und selbstgebrannten Raki.

Am nächsten Tag radeln wir gemeinsam in die Berge bevor wir zum Presper See abfahren, der ruhig und naturbelassen auf 850 m Höhe liegt. Hier finden wir einen idyllischen Platz an einem klaren, eiskalten Bach, an dem auch schon eine große Landschildkröte wohnt.
Auf solche Landschildkröten „Hermann’s Tortoise“, stoßen wir in Mazedonien immer wieder, teilweise werden sie von uns über die Straßen gebracht.

Nun steht wieder eine Schwitzaktion an, denn wir überqueren den 1.650 m hohen Pass zum nächsten See, dem Ohrid See. Die Strecke ist ein highlight, denn es gibt so gut wie keinen Verkehr und man hat einen fantastischen Blick auf die umliegenden Schneeberge und natürlich auf die Seen. Zuerst den Presper See und dann den klaren fischreichen Ohrid See, an dessen Küste etliche Hotels gebaut wurden.

Mazedonien_Ohrid Lake

In Ohrid lassen wir uns auf einen „Zimmerschlepper“ ein und beziehen ein gemütliches Appartement in zentraler Lage. Von hier aus besichtigen wir die schöne Altstadt mit Fußgängerzone, die Sofia Kirche aus dem 11. Jahrhundert und spazieren am See entlang.

Wir verfolgen die neuesten Nachrichten über die politische Lage im Norden Mazedoniens. Mittlerweile sind 2 Minister und der Geheimdienstchef zurückgetreten und im Internet werden Großdemonstrationen für den kommenden Sonntag, 17. Mai, angekündigt.
Obwohl es uns in Mazedonien sehr arg gefällt, entscheiden wir uns das Land am nächstgelegenen Grenzübergang vor Sonntag zu verlassen.

Die letzten 30 km bis zur Grenze ziehen sich noch hin, denn es geht  wieder stets bergauf und das bei 30 Grad Hitze. Doch dann sind wir ruckzuck ausgereist und konnten noch nicht mal unsere letzten mazedonischen Denar ausgeben.

Fotos zu Mazedonien:

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Griechenland 2015

Griechenland – Merkel und Retzina

„Sagt Frau Merkel und Herrn Schäuble sie sollen Geld hierher schicken!“  So empfangen uns die Griechen. Doch in diesem von der Geldkrise geplagtem Land wird die Gastfreundschaft trotzdem sehr hoch gehalten und sie mögen den deutschen Touristen, da irgendjemand aus der Familie mal in Deutschland gearbeitet hat und man auch Deutsch spricht.
Kaum sind wir über die Grenze, werden wir schon eingeladen. Der 1.  Mai wird hier gerne gefeiert und überall stehen die Holzkohlegrills am Strand und Rezina fließt! Ohjemine, am nächsten Tag spüren wir deutlich unsere Köpfe aber ein wunderschöner Küstenabschnitt liegt vor uns. Über 20 km Schotterpiste entlang schroffer, steiler Klippen, durch alte Olivenhaine, vorbei an mindestens 20 archeologischen Stätten. Übrigens, diese werden wie viele Straßen hier von der EU subventioniert. Überall sehen wir die Schilder, Millionen von Euro wurden investiert, aber es gäbe noch sehr viel zu tun…

Griechenland_vor Maronia

Die Sonne begleitet uns bis auf die sehr bergige und schön bewaldete Insel Thassos, wo wir ein paar Tage Urlaub machen. Die Saison hat noch nicht richtig begonnen und der Campingplatz wird gerade noch renoviert, so dass der Besitzer einen guten Preis für uns macht.  Es ist sehr ruhig hier, denn außer uns ist nur noch eine kleine Motorradgruppe aus Bulgarien auf dem Platz. Doch die Küche hat geöffnet und Maria zaubert leckeren Fisch und Souflaki mit griechischem Salat auf den Tisch. Auch die kommenden Tage sind herrlich sonnig und wir stürzen uns ins kühle Meer.

Griechenland_Thasos_Scala Sotiras Camping

Die Fähre bringt uns in die Touristenstadt Kavala, wo wir das zweistöckige Aquädukt aus römischer Zeit und die Altstadt bewundern.
Wir vermeiden die Hauptstraßen, umfahren in weitem Bogen die Großstadt Thessaloniki und kommen ins Hinterland, wo in den kleinen Dörfern die älteren Männer vor den Cafes sitzen und jeden Neuankömmling neugierig mustern. Ihre Frauen sind Zuhause oder in einer der vielen Kirchen.
Leider kommt es auf diesen kleinen auto- und menschenleeren Straßen zu nicht so schönen Begegnungen, den griechischen wild herumstreunenden Hirtenhunden. So nimmt ein ganzes Rudel unsere Fährte auf – sie jagen den Hang herab und auf uns zu. Doch plötzlich hat etwas anderes ihre Aufmerksamkeit erregt oder wir haben ihr Revier verlassen, denn die 8 bis 10 Hunde haben ihr Interesse an uns gottseidank verloren.

Unser letzter Stopp in Griechenland liegt in der Region Westmakedonien, 18 km vor Mazedonien. Florina liegt auf etwa 800 Metern und die Bergkulisse die das Städtchen umgibt wirkt mächtig. Der höchste Punkt ist der Gipfel Voras (2.525 m) im Nordosten und wir sehen die Schneedecke und  weitere schneebedeckte Bergmassive. Schon hier unten ist es relativ kühl und wir denken, dass wir unsere Winterklamotten, die wir ja in Istanbul abholten, dieses Mal nicht umsonst mitgeschleppt haben.

Bei Gyros und Retzina erzählt uns der Wirt von den Kämpfen im Norden Mazedoniens, in Kumanova, bei denen 22 Menschen getötet wurden. Wir holen letzte Infos im Internet ein und kommen zu dem Schluss, dass uns auf unserer Strecke, die weit südlicher verläuft, keine Gefahr droht. Auch seitens des Auswärtigen Amtes liegen keine Reisewarnungen vor.

Als wir am nächsten Morgen Brot kaufen, ist der junge freigiebige Bäcker so von unserer Reise fasziniert,  dass er uns gleich ein großes Lunchpaket zusammenstellt. Also radeln wir mit viel Proviant am 12. Mai in Richtung Grenze, wo uns zuletzt ein griechischer Autofahrer, der Exschlagzeuger von Udo Jürgens („griechischer Wein…“), vor dem Norden Mazedoniens warnt.

Griechenland_Florina

Hier gehts nach Mazedonien. Alles klar?

Fotos zu Griechenland:

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Türkei 2015

Türkei – Iki Çay, Lütfen!

Nach einem achtzehnstündigen Flug landen wir etwas müde, aber gespannt auf das was uns erwartet, im ehemaligen Kontantinopel. Die Räder werden gleich im Flughafen zusammengebaut und bei schönstem Sonnenschein radeln wir die Küste entlang Richtung Zentrum. Wohin man schaut blüht alles! Was für eine Blumenpracht! Wir sind hin und weg! Wir sind wohl direkt vom australischen Herbst in den Frühling geflogen. Die Temperaturen sind entsprechend auch noch kühl. Es wimmelt überall von Menschen und Fahrzeugen. Wir merken schnell, dass die Türken Fahrradfahrer nicht ernst nehmen: wir sind Luft für sie! Wir müssen ständig ganz schön aufpassen. Aber es ist wunderbar wieder in einem kulturreichen Land zu sein. Über zweitausend Moscheen zählt man in Istanbul, byzantinische Paläste, eine etwa 20 Kilometer lange Befestigungsanlage aus dem 5. Jahrhundert usw.

Tuerkei_Istanbul_Galata

Wir müssen uns gedulden, denn Önder wartet auf uns. Dank Dean von „Warmshower“ haben wir eine Bleibe im Nobelstadtteil Bebek. Wie hier üblich wird gleich ein türkischer Kaffee eingeschenkt und wir bekommen die ersten wichtigen touristischen Informationen. Es ist immer wieder toll bei Ortsansässigen zu wohnen und Tipps von ihnen zu bekommen. Die nächsten Tageerkundigen wir einen kleinen Teil dieser gigantischen Stadt und geniessen in den kleinen Restaurants die vielfältige türkische Küche. Wir schlendern durch die kleinen Strassen und beobachten den Alltag. Reiche, die einen Maserati fahren, einfache Angler auf der Galata Brücke, arm aussehende Flüchtlinge aus Syrien – hauptsächlich Frauen und Kinder, die barfuss bei 14 Grad betteln. Die nächsten Tage bleiben die Flüchtlinge aus Syrien ein Dauerthema, denn das Thema bewegt nicht nur uns, sondern auch die Türken. Schätzungen zufolge sollen etwa 2,5 Millionen Syrier Zuflucht suchen.

Zwischendurch müssen wir auch ein paar Einkäufe tätigen, denn unser geliebtes Aldizelt musste in Melbourne bleiben. Malaysia Airlines erlaubt nur 30 kg Gepäck und da unsere Räder schon 20 kg wiegen, blieb nicht viel übrig für unsere Ausrüstung. Ein neues Zelt und leichte Kochtöpfe müssen in diesem Gewusel gefunden werden. Erst dann können wir wieder losziehen.

Nach fünf Tagen in Instanbul nehmen wir solange es geht den Radweg entlang der Küste und später versuchen wir immer wieder weg von der stark befahrenen Hauptstraße zu kommen und auf kleine Nebenstraßen auszuweichen. Dies gelingt uns ab und zu, jedoch landen wir auch ein paar Mal unverhofft in einer Sackgasse und müssen wieder zurückfahren. Immer noch besser als der türkische Raserverkehr.
Das Wetter bessert sich, es wird wärmer, wir campen wild oder nehmen uns ein Zimmer in einer Pension. Immer wieder werden wir von den Türken zum Tee eingeladen.und treffen viele „Landsmänner“ – wie sich selbst die Türken nennen, die in Deutschland gelebt haben. Ab Kumbag geht es plötzlich hoch in die Berge, eine anstrengende aber wunderschöne Strecke, an der Steilküste entlang. Die neu asphaltierte Strasse, bekannt unter dem Namen „mürefte barbaros yolu“, schlängelt sich an kleinen Bergdörfern vorbei, ein Highlight! Immer wieder stoßen wir auf Quellen an denen wir unseren Wasservorrat auffrischen können.

Tuerkei_vor Yenikoey

Nah an der Klippe bauen wir zum ersten Mal unser neues Zelt auf und stellen schnell fest, dass es zwar leichter aber zu eng ist . Etwas Platz braucht man schon wenn man so lange im Zelt wohnt.
Auf dem Weg zu Grenze treffen wir auch wieder große Schafherden mit riesen Hunden. Agnès hat gleich fünf an der Backe aber die französischen Schimpfwörter zeigen Wirkung: keiner traut sich näher ran!
Die Strecke nach Istanbul ist bei Radlern sehr beliebt und wir treffen drei Mal Weltreisende. Erinnerungen werden wach, man tauscht Informationen über China, Kirgistan….
Zu schnell kommen wir an die Grenze, aber es ist bestimmt nur ein „Auf Wiedersehen“! Wir müssen eine Grube mit dunklem schmierigem Wasser passieren, aber auch das schaffen wir und sind gespannt auf unser nächstes Land: Griechenland!

Fotos zur Türkei:

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Australien 2015

Westaustralien – zwischen Kängurus und Karri Wald

Weshalb der Pilot nicht gleich direkt nach Perth fliegt wissen wir nicht, doch so kommen wir in den Genuss etwa eine halbe Stunde lang über Festland zu fliegen. Wir sehen den trockenen Kontinent unter uns. Ausgetrocknete Flussläufe durchziehen die rotbraune Erde, ein Bild wie Bäume ohne Blätter oder Adern mit unzähligen Verzweigungen, wie im menschlichen Körper.
Nach dreieinhalb Stunden Flugzeit sind wir schon vor Perth und sehen von oben die weißen runden Salzseen in allen Größen – ein skurriler Anblick. Was wird uns am Zoll erwarten? Werden unsere Räder gut ankommen? Wir sind gespannt.

Alles kein Problem. Wir werden durchgewunken und es werden ein paar Witze gerissen. „Hey guys. Do you have german salami? Or german beer? Cause i like it…..“  So reisen wir am 20. Januar 2015 in Westaustralien ein. „Welcome in Down Under!“

Die trockene Hitze überrascht uns. Seit 7 Monaten haben wir keine hohe Luftfeuchtigkeit mehr. Wie angenehm! Wir radeln direkt nach Perth, wo wir schon eine Bleibe bei Jude, einem Mitglied von warmshowers, haben. Breite Straße, wenig Verkehr, alles ist ruhig und sauber. Unglaublich nach unserer Zeit in Südostasien.
Jude empfängt uns herzlich und wir genießen die ersten 3 Tage in ihrem Holzhaus, mit leckeren Salaten und Ausflügen rundum den sauberen Swan River, den Kings Park und an den weißen Sandstrand von Perth. Der erste Strand, das erste Meer ohne Plastik! Perth ist ideal für Radler, denn es gibt ein umfassendes Radwegenetz.

Australien_Perth_Panorama

Die Natur ist überwältigend: riesige uns unbekannte Bäume, Grasbäume, weiße Kakadus, bunte Regenbogenlorris, Pelikane, schwarze Schwäne (das Symbol von Westaustralien) und Delphine. Alles an einem Tag.

Was uns allerdings zuerst ein wenig schockt sind die Preise in den kleinen Läden und Supermärkten. Alles ist unglaublich teuer hier. Doch wenn man vergleicht und ein wenig aufpasst kommt man auf europäische Preise.

Wir radeln auf Radwegen, ca. 100 km, nach Mandurah und stellen fest, dass die Australier „die Aussies“ unglaublich hilfsbereit sind. Sobald wir mit den Karten am Wegrand stehen, werden wir angesprochen, wird uns geholfen. Ein Rennradler dreht sogar um, radelt zurück, um uns den richtigen Weg zu zeigen. Eine begeisterte Frau sieht uns und nach einem netten Gespräch drückt sie uns eine Flasche leckeren Rotwein in die Hand. Nach einiger Zeit stellen wir fest, dass viele Australier ein gutes Bild von Deutschland und den Deutschen haben.

Auf der Suche nach dem Caravan Park bei Falcon Bay winkt uns eine australische Familie von ihrer Terrasse aus zu und wir werden zu einem kühlen Bier eingeladen. Es folgen weitere Biere und irgendwann steht Martin am Grill. In der Küche bruzelt Peter Fisch. Connie macht leckere Salate. Wir haben keine Chance mehr weiter zu radeln, bekommen ein Zimmer zugewiesen und der Abend endet mit gutem Essen und super Wein.

In Bunsbury werden wir von Lonia und George gehostet und regelrecht verwöhnt. Wir werden bekocht, begrillt und mit vielen Informationen versorgt. Am Australia Day, dem 26. Januar, nimmt man uns zum Festplatz mit und wir bekommen ein leckeres Frühstück bevor wir weiter reisen.

Australien_Bunbury_Warmshower

An diesem Tag radeln wir an schönen Stränden, Forest Beach und Peppermint Beach, entlang. Diese sind heute mit Pavillons und Autos überfüllt. Die Aussies grillen und lassen es sich gut gehen.

In Dunsborough nehmen uns Juliet und Grieg auf. Sie betreiben einen Party- und Hochzeitscatering Service. Eine kleine Schlemmerparty steht an, als wir eintreffen…..Ein Ausflug an den windumtosten Cape Naturaliste steht an. Ein Klasse Blick auf Sugar Loaf Rock und weiße Strände.

So vergehen die ersten 7 Tage mit Einladungen bzw. mit Übernachtungen bei gastfreundlichen Familien.

Wir pedalieren uns über die Cave Road, vorbei an Luxus-Weingütern, durch schattige Eukalyptuswälder bis nach Gracetown.

Australien_Cave Road_Karri Forest

Dort auf dem Caravan Park besuchen uns abends und morgens einige Kängurus, die zum Gras fressen hierher kommen. Freche Kookaburras sitzen in den Bäumen und lachen über uns. Wir verziehen uns an den Strand, gehen Baden, sitzen auf den Felsen und lassen uns vom Wasser umspülen. Plötzlich spürt Martin etwas glitschiges an seinem Bein, das anheftet. Oh Schreck! Eine dunkelbraune, für Martins Begriffe ziemlich große häßliche Krake, hat sich in sein Bein verliebt.

Ein Highlight ist auch die Hamelin Bay, weiter südlich. Dort kommen große Stachelrochen bis an den Strand und lassen sich von den Aussies mit kleinen Heringen verwöhnen. Agnès steht im Wasser und streichelt einen Rochen. Wo gibt es denn so was!
Hier gibt es auch einen sehr schönen Abschnitt mit weißen Kalksteinfelsen, die von Vögeln zum Brüten aufgesucht werden.

Es ist nicht immer einfach sich zu verpflegen, denn die Orte sind sehr klein und dazwischen gibt es nichts als Wald, National Parks oder Farmen.
So müssen wir ab und zu Umwege von mal schnell 50 km in Kauf nehmen um zu einem Supermarkt zu kommen. Wasser haben wir schon einige Male bei Höfen nachgefragt und von den hilfsbereiten Aussies sofort bekommen.
Trotz dieser kleinen Schwierigkeiten macht es voll Spass durch die leeren Straßen zu radeln und wir sehen fast täglich Kängurus, Emus und alle möglichen bunten Papageienarten.

Wir ruhen uns am 3. Februar nach strapaziöser Gegenwindfahrt in Pemberton aus. Die Gegend um Pemberton ist berühmt für seine Karri Wälder. Einzelne Karribäume erreichen eine Höhe von bis zu 90 Metern. Wir fühlen uns wie Spielzeugfiguren wenn wir durch diese Wälder radeln.  Sie spenden uns in dieser trockenen Hitze Schatten und halten den Wind etwas fern.
Leider brennt es gerade um den Wald um Northcliffe herum. Scheinbar sind schon mindestens 20.000 Hektar Wald bis in die Kronen hinauf verbrannt, erzählen uns die Feuerwehrmänner die in großer Anzahl in den Hütten in unserem Caravan Park untergebracht sind. Das Feuer ist 20 km entfernt, doch der Wind treibt immer wieder Asche auf den Camping Platz und wir müssen einen Umweg in den Süden einplanen.
Überhaupt ist seit unserer Ankunft hier absolute Feuergefahr. Offenes Feuer und Grillen im Wald oder auf den Camping Plätzen ist derzeit strikt verboten. Toll, dass es deshalb sehr viele gasbetriebene geschlossene Grillstellen an öffentlichen Plätzen oder auf den Camping Plätzen gibt, die man kostenlos benützen kann.

Australien_Pemberton_Camping

Flammendes Inferno um Northcliffe:
Wir bleiben 4 Tage in Pemberton und bekommen ziemlich gute Informationen was das Feuer betrifft. Auf dem Campingplatz wohnen die Feuerwehrleute in Holzbungalows und einige Familien aus Northcliffe wurden hierher evakuiert. Man kommt ins Gespräch.
Die Flammen erreichen die Baumspitzen, da ist für die Feuerwehrleute nichts mehr zu machen und die öligen Eukalyptusbäume explodieren förmlich. Die Städte werden mit Gegenfeuer geschützt. Helikopter aus Perth sind im Einsatz.
Gleich nebenan ist auch die Sporthalle, in der das Koordinationszentrum eingerichtet wurde. Auch hier wohnen nun Familien aus Northcliffe.
Ursache waren 3 Blitzeinschläge am 30. Januar. Zwei Feuer um Pemberton herum konnten schnell unter Kontrolle gebracht werden, das Dritte breitete sich unerwartet heftig aus. Doch wie die weitere Entwicklung sein würde, wusste niemand. Gesperrt war bei unserer Ankunft der Highway 1 noch nicht, jedoch die Straße nach Northcliffe war zu. Über Nacht war dann auch der Highway 1 gesperrt. Wir erkundigen uns nach  einem Bus für die Weiterreise, um nicht durch Rauch radeln zu müssen, doch Busse fahren nur noch von Pemberton nach Perth. Da wollen wir nicht hin. Was nun?
2. Februar: Asche treibt von Northcliffe über den Campingplatz. Die Feuerfront ist in einer Richtung schon 160 km lang.
3. Februar: der Nachthimmel ist vom Feuer rot erleuchtet. Ziemlich unheimlich. Das Feuer ist 20 km entfernt. Es kann in 24 Stunden da sein. Je nach Wind.
4. Februar: man sagt uns, dass der Notstand „emergency case“ für Pemberton ausgerufen wurde. Wenn eine Sirene ertönt, wird man mit einem Bus evakuiert. Zeit für uns am 5. Februar aufzubrechen. Wir entschließen uns den Highway 102 zu nehmen. Es ist ein Umweg für uns in den Süden doch er ist offen und vielleicht lediglich verraucht.  Und so kam es dann auch. Auf der Strecke von Pemberton bis Rocky Gully waren von den 126 km die wir radelten ca. 50 km durch verrauchte und getrübe Landschaft zu absolvieren. Doch wir haben es geschafft und sind nach weiteren 105 km gut in Denmark an der Küste angekommen. Hier erfahren wir, dass das Feuer nun unter Kontrolle ist. Jedoch wurden sage und schreibe 80.000 Hektar Wald vernichtet. Später erfahren wir, dass die Orte Northcliffe und Windy Harbour kein Feueropfer wurden. Auch um Walpole hat das Feuer einen Bogen gemacht.

Während unserer Fahrten durch die Wälder und den Busch kommen wir immer wieder an ehemaligen Brandherden vorbei. Sehr häufig sogar. Wir stellen fest, dass sich die Bäume gut erholen können.  Sie wachsen um den verkohlten Stamm herum weiter und bilden neue Triebe. Bestimmt Pflanzen brauchen sogar Feuer um sich fortzupflanzen.

Australien_ Cosy Corner_Brand

Aber außer dem Feuer gibt es auch noch ein anderes wichtiges Thema. Es geht um den Premierminister Tony Abbotts. Der nicht so beliebte oberste Mann in Australien verlieh einen Ritterorden an Prinz Philip. Ein Skandal für viele Australier!  Eine wichtige politische Abstimmung steht bevor und am 9. Februar, während wir uns in Denmark aufhalten, steht fest, dass seine Partei ihn nicht fallen lassen wird.
http://www.nzz.ch/panorama/australien-ist-erheitert-bis-empoert-1.18469227

In Denmark lassen wir uns 4 Tage lang von John und Judith verwöhnen und machen mit den Rädern mehrere Ausflüge. Eine tolle Küste wartet hier auf uns, deren Buchten und kristallklares Wasser uns zum Baden einläd.
Rund um den Ort mit seinen 4.500 Einwohnern liegen vielleicht die schönsten Schwimmstrände der Südküste – insbesondere das von der Natur geformte Felsenschwimmbecken des Green’s Pool (im William Bay National Park) – der ideale Platz für entspanntes Schwimmen. Nur einige Meter entfernt liegt die fotogene Felsenformation der Elephant Rocks.

Australien_Denmark_elefant rock

Weiter geht es entlang der Küste zur Bucht „Cosy Corner“, wo sich ein kostenfreier Campingplatz befindet. Schnell haben wir Kontakt zu anderen europäischen Reisenden und zur Bevölkerung. Sie helfen uns mit Trinkwasser aus, das wir nicht mitschleppen konnten.

Bei Albany besuchen wir die „Wind Farm“ auf den 80 Meter hohen Klippen über dem blauen Ozean und genießen den Blick in die Weite. Ein besonders spektakulärer Aussichtspunkt  bietet sich uns bei den „Blowholes“. Hier treiben Wind und Wellen unter starkem Getöse das Meerwasser 60 m hoch in den Fels. Ein unglaublicher Lärm, der uns erst einmal ziemlich erschreckt und auf den wir nicht vorbereitet waren.

Kängurus die uns anstarren, Emus die in wilder Flucht vor uns davon rennen,  kreischende Papageien in allen Farben und ruhige Pelikane begleiten uns zuerst auf unserer Fahrt nach Esperance. Zuerst gibt es noch einige Flüsse, die nicht ausgetrocknet sind.  Später wird es trockener und die Tagesetappen bei denen wir Wasser oder Verpflegung tanken können liegen ca. 100 km auseinander.
Bis Esperance liegen rund 480 km Fahrt auf dem Highway 1 vor uns, das heißt einer schmalen einspurigen Straße, mit kaum ausreichendem Seitenstreifen für uns. Die Bekanntschaft mit den berüchtigten „Roadtrains“ (Lkw mit 3 Anhängern) lässt nicht lange auf sich warten. Sie brausen an uns vorbei, so dass wir uns nicht mehr sicher fühlen. Was für ein Luftsog! Wir beschließen in Zukunft rechtzeitig anzuhalten und Platz zu machen. So kommt es dass Agnès, die mit Rückspiegel ausgestattet ist, jedes Mal „Lkw!!“ nach vorne ruft. Signal für Martin am Straßenrand anzuhalten und die Roadtrains passieren zu lassen.

Nach 5 Tagen Fahrt kommen wir schließlich etwas erschöpft in Esperance an. Der Gegen- und Seitenwind, die hügelige Strecke und die Hitze
hatten es in sich. Nur ein Mal hatten wir etwas Abkühlung:
In Munglinup haben wir es uns auf einem öffentlichen Zeltplatz gemütlich gemacht und uns nach einem leckeren Abendessen zu Schlafen gelegt. Mitten in der Nacht werden wir jäh aus dem Schlaf gerissen. Ein Regenguss? Doch nach Sekunden steht fest, dass mehrere Sprinkleranlagen voll auf uns gerichtet sind. Im Zelt wird es feucht. Agnès springt hinaus und rennt um die Wette von Sprinkler zu Sprinkler. Versucht diese anders auszurichten. Doch nichts klappt. Triefend nass hat sie die zündende Idee zwei unserer Stahlbecher darüber zu stülpen. Der Spuk ist vorbei.

In Esperance ruhen wir uns erst einmal aus und schlemmen, dank Woolworth (Supermarkt),  ausgiebig um die Wette. Kleine Ausflüge zu den traumhaften schneeweißen, langen Sandstränden mit ihrem türkisfarbenen Wasser laden ein.

Australien_Esperance_Eleven Miles Beach

Doch wir schlemmen nicht nur, sondern bereiten uns auch auf unsere Weiterreise vor, denn wir haben etwas Ungewöhnliches vor uns.  Die Durchquerung des „Nullarbor“! Darüber hörten wir von den Australiern bislang nichts Gutes: „im Sommer–zu heiß! da erwarten euch Temperaturen bis 47 Grad.“ „Es gibt kein Wasser. Nehmt einen Anhänger mit.“ „Die roadtrains werden euch platt machen.“ „Es gibt nichts zu sehen dort. Bleibt lieber hier bei uns.“ Wenn wir einem Australier erzählten, dass wir die Nullarborwüste durchqueren wollen, erzählte er stolz, dass er diese auch schon durchquert hätte. Aber mit dem Auto! Mit dem Fahrrad? „You are crazy!!“
Doch unsere Fahrradfreunde aus Regensburg haben die Wüste vor kurzem – allerdings nicht im Sommer – auch durchquert und alles lief nach Plan. Auch haben wir gute Informationen. Wir wollen es deshalb versuchen, denn schließlich wollen wir weiter nach Südaustralien.

Nullarbor. Was ist das eigentlich? Die Nullarbor-Ebene, auch als Nullarbor-Wüste bezeichnet (von lat. nulla arbor‚ kein Baum‘), ist eine flache, weit ausgedehnte Karstwüste im südlichen Australien direkt an der Großen Australischen Bucht. Sie ist mit rund 200.000 Quadratkilometern das größte Stück Kalkstein der Welt. An ihrer breitesten Stelle misst sie über 1200 km in Ost-West-Richtung. In der Nullarbor-Ebene befindet sich der trockenste Fleck Australiens – auch wenn dieser üblicherweise im Northern Territory vermutet wird.
Von Norseman bis Ceduna beträgt die Strecke auf dem Eyrehighway ca. 1.200 km. Dazu kommt die Strecke von Esperance bis Norseman mit ca. 200 km. Alles ohne große Einkaufsmöglichkeit, denn der letzte Supermarkt in Norseman wird bei unserer Ankunft am Sonntag geschlossen sein.

Wir machen also in Esperance noch einen Großeinkauf für die geplante 14 tägige Fahrt. Am Schluss sind 17 Kilo Lebensmittel in unserem Einkaufswagen, die wir in unseren Fahrradtaschen verstauen. Vor allem Nudeln, Reis, Mehl, Couscous, Trockenfrüchte, Haferflocken, Müsliriegel, Käse, Thunfisch, Obst und Gemüse. Dazu kommt eine Wassermenge von bis zu 9 Liter pro Person. Ein ganz schönes Gewicht wie wir es noch nicht hatten.

Am Samstag, den 21. Februar radeln wir von Esperance aus zeitig los und erreichen 2 Tage später das 200 km entfernt im Norden gelegene Kleinstädtchen Norseman, das Tor zum „nullharbor“. Bis hierher haben wir sogar Rückenwind und es läuft super.

Australien_nach Esperance

In Norseman sind wir auf dem Caravanpark Gateway und brutzeln uns leckere Pancakes.
Morgen am 23. Februar wollen wir in Richtung Ceduna (1.200 km enfernt) aufbrechen. Auf unserer Strecke liegen lediglich ein paar „roadhouses“, bessere Tankstellen. Heute haben in wir noch starken Ostwind bekommen und der Sand auf dem Campingplatz fliegt uns um die Ohren. Leider pfeift der Wind genau aus der Richtung in die wir wollen.
Wir sind selbst gespannt, ob wir die Strecke in 12 Tagen schaffen werden. Was wird uns erwarten?

We did it!! Wir haben es geschafft! Yupieee!!
Wir kommen nach 12 Tagen gut in Ceduna an und wir fühlen uns glücklich und sehr sehr gut. Hier gibt es wieder einen Supermarkt und die nächsten Tage ist schlemmen, kochen, grillen und nochmals schlemmen angesagt.

Australien_Ceduna

Ein kleiner Rückblick:
Nachdem wir Norseman verlassen haben, hatten wir den ganzen Tag sehr starken Gegenwind und bereits am ersten Tag waren wir abends ziemlich platt. Wir brauchten für die ersten 100 Kilometer 8 Stunden – was für ein erbärmlicher Schnitt, obwohl es ziemlich eben war. Mittagstemperaturen von 41 Grad im Schatten und ein hoher Trinkwasserverbrauch – jeder trank etwa 6 Liter am Tag – ließen uns doch kurz zweifeln. Doch am zweiten Tag ging es schon besser und das setzte sich so fort.

Wetter? die ersten 3 Tage 41 Grad im Schatten in der Mittagszeit. Danach regnete es in der Nacht, dem folgenden Tag und nochmals in der Nacht. Und das am regenärmsten Flecken in ganz Australien! Die Temperaturen stürzten dann auf 21 Grad zur Mittagszeit mit starkem kalten Gegenwind, so dass wir 4 Lagen Bekleidung anhatten. Bei 12 Tagen hatten wir 4 Stunden Rückenwind!

Wasser? Kein Problem. Wir hatten immer genug, teilweise bis zu 18 Liter an den Rädern. Ein guter Tipp unserer Radlerfreunde Steph und Alex half uns auch sehr weiter. Wir sprachen 6 Mal Reisende an, die in unserer Richtung unterwegs waren und diese waren jedesmal so hilfsbereit uns 10 Liter Wasser abzunehmen und 50 bis 80 Kilometer entfernt am Straßenrand zu deponieren. So hatten wir weniger Last und schöne Kontakte mit Aussies und Touristen.

Australien_vor Nullarbor_Steppe

Essen? Das wurde knapp. Wir hatten uns verschätzt oder zuviel gefuttert und am Ende fehlte uns das Essen für 2 Tage. Doch auch hier half uns ein Tipp von Steph und Alex weiter. Ein Stück Karton mit der Aufschrift „fruit & veggie??“ am Fahrrad angebracht, sorgte dafür, dass wir bereits 400 Kilometer vor der südaustralischen Grenze, aufgrund des Fruchtfliegenproblems, von Aussies und Touristen mit leckeren Früchten und Gemüse versorgt wurden. Die Reisenden dürfen über den Checkpoint vor Ceduna kein Obst und Gemüse bringen, in die andere Richtung
beginnt der Fruchtfliegencheckpoint kurz vor Eucla. Wir schätzen, dass da gut 7 Kilogramm zusammen kamen.
Und wir hatten wieder tolle Kontakte – jeder freute sich uns etwas zu geben und natürlich waren wir auch happy. Das erste Mal hielt ein Pkw mit zwei jungen völlig gepiercten und tätowierten alternativen Australieren vor uns, um uns 2 Kilo Äpfel zu spendieren. Das letzte Mal hielt ein rüstiges Rentnerpaar mit großem Caravan und wir bekamen im wahrsten Sinne einen frisch hergerichteten Obstsalat, Honig und Mandeln von ihnen.  

Tiere? Leider liegen entlang des Eyre Highways unzählige tote Kängurus. Alle angefahren, überfahren. Wir sahen auch 3 tote Kamele, 9 tote einst prächtige Adler, Schlangen, Lizards und Wombats. Toll war es 3 Dingos zu beobachten, eine große Emufamile und am Ende die unterschiedlichsten Vögel, vor allem Kakadus. Lästig waren die Scharen von Fliegen, die uns ab und zu überfielen.

Die roadtrains fuhren mit großem Abstand an uns vorbei. Viele Fahrer winkten uns zu. Alles kein Problem. Sehr oft passierten uns auch „oversized“ Lkws, doch denen konnten wir gut aus dem Weg gehen.

Wir trafen noch einen Radler aus Frankreich, aus Holland und am letzten Tag einen aus Australien, der uns gleich einmal zur erfolgreichen Durchquerung gratulierte.

Auf jeden Fall war es eine tolle Erfahrung mit schönen Kontakten zu den sehr hilfsbereiten Australieren und Touristen. Klasse war es auch 11 Nächte lang im Busch zu zelten: knallrote Sonnenunter- und aufgänge, ab und zu ein superklarer Sternhimmel. Unendliche Weite und ewig lange gerade Straßen ließen uns zeitweise richtig klein fühlen.

Auf dem Caravanpark in Ceduna, auf dem sich jedermann mit Fischen oder Krebse fangen beschäftigt, lernen wir die rüstigen Rentner Mike und Martin kennen, die uns zu Wein und Apfelstrudel einladen. Kurz bevor wir weiterradeln wollen, bekommen wir von ihnen ein super Angebot: „Wenn ihr wollt könnt ihr mit uns im Auto bis Adelaide fahren. Wir überführen dorthin unser Boot und eure Räder könnt ihr im Boot verstauen.“ Klasse! Dieses Angebot können wir nicht ablehnen, denn wir ersparen uns dadurch 780 km langweilige Fahrt durch Farmlandschaft.  Gesagt getan; am 11.3. werden wir in einem Rutsch nach Adelaide gefahren, wo uns unsere hilfsbereiten Bekannten direkt am Campingplatz absetzen. Das hat uns etwa 8 Tage Fahrt erspart. Bestimmt hätten wir auch Gegenwind gehabt!

Adelaide gefällt uns gut. In der Fussgängerzone tummeln sich bei bestem Wetter Scharen von Musikanten, Jongleure und Zauberer. Hier finden gerade mehrere Festivals statt. Besonders angetan sind wir von den Videos Bill Violas, die in der Artgalerie laufen.
Nach einer Nacht auf dem Caravanpark ziehen wir für 3 Nächte zu Ray, der für uns ein gigantisches BBQ zaubert, bevor wir weiter am Torren River bis zum Meer radeln.

Australien_Adelaide_bei Ray

Von hier aus radeln wir die Küste entlang bis Melbourne und passieren die schönen Orte Victor Harbor mit der Granitinsel, Meningie mit den vielen Pelikanen, entlang der Lagunenlandschaft des Coorongs, die Lobsterstadt Kingston, Robe mit seinen schönen Radwegen entlang den Dünen und Beachport mit dem berühmten Scenic Drive.

Mittlerweile hat der Herbst Einzug gehalten und es ist abends ziemlich kühl. So decken wir uns in Milicent mit warmen Klamotten und festen Schuhen ein. Seit China radeln wir in Flip-Flops und kurzen Hosen – und nun ist Schluss damit!

Ein Highlight ist Mount Gambier mit seinen Vulkanseen, dem Blue Lake. Hier sehen wir auch unseren ersten Koala, der fett in einem Eukalyptusbaum hockt. Auch in Mt Gambier, Dartmoor und Warrnambool sind wir Gäste von tollen Warmshowers-Mitgliedern und haben jedes Mal ganz tolle Begegnungen.

So haben wir in Dartmoor ein ganz besonderes einzigartiges Erlebnis. Terry und seinen Frettchen nehmen uns mit auf Kaninchenjagd und wir sind voll mit dabei. Insgesamt fangen wir an diesem Tag sechs Kaninchen, die es dann am Abend mit leckerem Wein als  „Lapin chasseur“ gibt.
Terry ist nicht nur Jäger, sondern auch Koch, der sein Handwerk versteht.

Australien_Dartmoor_Terry und Sandrine

In Port Fairy sehen wir im Hafen einen gigantisch großen Rochen, der graziös am Holzsteg entlang schwimmt. Auf der gegenüberliegenden Seite, wo die Fischer ihre Fische ausnehmen, vergnügt sich eine Robbe mit diesen Resten.

Nach Warrnambool, wo wir bei Shane wohnen und mal wieder ein leckeres Curry kochen, beginnt die spektakuläre Great Ocean Road, die wir in aller Ruhe befahren wollen.

Die Great Ocean Road ist spektakulär. Nach Peterborough folgt ein „lookout“ an der Küste dem anderen. Jedesmal hat man einen fantastischen Blick über Klippen, Buchten und Steilküste. Besonders toll finden wir die Bay of Island und die Steinformationen um die „London Bridge“. Es ist nicht einfach einen wilden Zeltplatz zu finden, denn überall drohen einem Verbotsschilder mit saftigen Strafen. Wir übernachten bei einer netten Farmerin, im vor dem starken Wind geschützten Vorgarten, und brauchen uns somit um die Kontrollen nicht zu fürchten.
Von den „12 Aposteln“ sind wir ein wenig enttäuscht, da wir plötzlich in einen Riesenrummel eintauchen. Die Mehrzahl der Touristen buchen von Melbourne aus ihre Touren bis zu diesem Aussichtspunkt, doch weiter westlich ist die Küste unserer Meinung nach um einiges spektakulärer.

Australien_Great Ocean Road_Loch Ard Gorge

Bald darauf geht es in die Berge. Immergrüne Baumfarne, hohe Eukalyptusbäume, gut riechende Tannen und Pinien wechseln sich ab. Rote Papageien kreischen uns von den Bäumen aus entgegen. In Lavershill, am Roadhouse, erwartet uns seit langem mal wieder eine weiche grüne Wiese als Zeltuntergrund. Wir sehen am 4.4.15 die totale Mondfinsternis bei schönstem Sternenhimmel.

Kurz vor Apollo Bay entdecken wir sogar einen Regenwald, durch den wir den Maits Rest Rainforest Walk machen. Von dem schön angelegten Steg aus bewundern wir uralte Riesenbäume, manche bis zu 300 Jahre alt. Hier ist es richtig feucht und kühl.

Australien_Great Ocean Road_Maits Rest Rainforest Walk

Ab Apollo Bay windet sich die Straße wieder schön die Küste entlang. Ab und zu ein touristisches Dorf mit Cafés und Bakery. Sie sind jetzt zur Osternzeit gut besucht. Leider sind in dieser Zeit auch die Caravanparks immens teuer und verlangen an die 50 Dollar und mehr für einen Zeltplatz. Wir weichen wo es geht „in den Busch“ aus und gönnen uns lieber ab und zu einen leckeren Kuchen.

Eiskalt erwischt es uns in der Nähe des Kenneth Rivers auf einem Campingplatz im Eukalyptuswald. Abends beobachten wir noch bei Sonnenschein wie die süßen Koalas oben in den Bäumen ihre Blätter futtern, doch nachts kommt plötzlich ein Unwetter auf. Irgendwann stellt Agnès fest, dass sich ihre Luftmatratze wie ein Wasserbett anfühlt. Und so ist es dann auch, denn unser Zelt steht in einem braunen Schlammsee. Natürlich kommt das Wasser auch ins Zelt und alles was sich außerhalb der Ortliebtaschen befindet ist nass. So gibt es auf dem nächsten Campingplatz bei Lorne einiges für uns zu tun. Verdrecktes Zelt und Folie putzen, Klamotten waschen und die Ausrüstung wieder trocken bekommen, bevor es weiter geht.

In Ocean Grove werden wir von David aufgenommen und am zweiten Abend in die Sandbar zum Dinner eingeladen. Zur tollen live Gitarrenmusik von Ben Dew wird viel getanzt, die Stimmung ist Klasse.

Wir nehmen die Fähre von Queenscliff nach Sorrento und nähern uns über die Mornington Peninsula etwas der Großstadt Melbourne. Doch davor leisten wir in Rosebud bei Lesley und Graham noch ein wenig Gartenarbeit in deren Gärtnerei. Es macht uns Spass die Bestellungen für die kommenden Tage zusammen zu stellen. Das Paar ist sehr herzlich und sie zeigen uns mit ihrem Wagen die wilde Südküste. Von Rosebud aus führt ein schöner Radweg entlang der Küste nach Melbourne, wo wir am 15.4. bei schönstem Sonnenschein in der Stadtmitte ankommen. Es ist toll das Flair dieser Metropole zu spüren. Das Stadtbild und eine multikulturelle Bevölkerung trugen dazu bei, dass Melbourne in den Jahren 2002, 2004, 2005, 2011, 2012, 2013 und 2014  zu der lebenswertesten Stadt der Welt (unter Berücksichtigung der kulturellen Gegebenheiten, des Klimas, der Lebenshaltungskosten und des sozialen Umfeldes) gewählt wurde.

Australien_Melbourne

Wir wohnen bei Matt, Kate und ihrem Collie in Nordmelbourne und können von hier aus noch ein paar Ausflüge in die Stadt unternehmen, so weit dies wegen des Regenwetters überhaupt möglich ist. Von hier aus organisieren wir auch die Fahrradkartons für den Flug, die uns auf unsere Mailanfragen gleich mehrfach von den Händlern geschenkt werden. Zwei dieser unhandlichen Boxen tragen wir tags darauf zu Sandrine und Terry, die 6 km entfernt im Norden wohnen. Ein schweißtreibender Spaziergang. Von den Beiden wurden wir, als wir in Dartmoor waren, eingeladen. Sie wollen uns und unser Gepäck, das heißt die zerlegten Räder, mit ihrem Anhänger zum Flugplatz fahren.

Doch davor machen wir noch einen Besuch bei CERES – Centre for Education and Research in Environmental Strategies, einem sehr interessanten Ort in East Brunswick. Besonders interessant für Fahrradreisende ist, dass man hier die Räder durch Volontäre reparieren oder checken lassen kann. Alles Weitere kann man auf der homepage http://www.ceres.org.au/about/About.html erfahren.

An unserem letzten Abend in Australien organisiert Sandrine noch ein leckeres Essen für acht Freunde, bei dem Terry wieder als großer Koch auftritt. Nach diversen Vorspeisen werden gegrillte Lammhaxen in Rotweinsauce und verschiedene Gemüse mit Bechamelsauce serviert. Hmm, der Abschied wird uns nach diesem schönen ausgelassenen Abend nicht leicht gemacht!

Am Sonntag (19.4.15) dann, fahren uns die Beiden zum Flughafen und Melbourne verabschiedet sich von uns mit einem wunderschönen Regenbogen.

Die B777-200 startet pünktlich und Malaysia Air bringt uns sicher durch die Lüfte, versorgt uns prima mit leckerem Essen und guten Spielfilmen.

Fotos zu Westaustralien Perth bis Pemberton

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Fotos zu Westaustralien  Pemberton bis Esperance

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Fotos zu West-/Südaustralien  Esperance bis Ceduna

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Fotos zu Südaustralien: Ceduna bis Mount Gambier

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Fotos zu Victoria: Mount Gambier bis Warrnambool

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Fotos zu Victoria: Great Ocean Road bis Melbourne

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Indonesien 2014+2015

Indonesien – 17.508 Inseln, 129 aktive Vulkane

Nach einigem Hin und Her, ob wir einen Flug nach Bali nehmen sollen oder nicht, entscheiden wir uns mit der Fähre nach Java zu reisen. Doch dies ist nicht so einfach wie man denken könnte. In Singapur radeln wir entlang der Küste durch den Stadtpark, 20 km wunderschöner schattiger Radweg. Am Tanah Merah Ferryterminal werden unsere Räder samt Taschen wie bei einem Flug eingecheckt und die Crew kümmert sich um den Transport. Zwei Stunden später sind wir schon in Indonesien, nämlich auf der Insel Bintan. Diese müssen wir nun überqueren um zum nächsten Fährhafen zu kommen, der 26 km entfernt liegt. Unsere ersten Eindrücke „Hoppla, sovieeel Verkehr!!“ “ Oh die Eiswürfel sehen komisch aus. Da verzichten wir lieber.“ „Die Lokale sehen ziemlich einfach und heruntergekommen aus.“
Aber die überwiegend moslemische Bevölkerung ist sehr hilfsbereit auch wenn wir leichte Verständigungsprobleme haben. So erreichen wir den Fährhafen Kijang ohne Probleme, finden ein günstiges Zimmer und nehmen am 27.11.2014 die Fähre KM Sinabung. Statt wie auf dem Fahrplan um 06.00 Uhr fährt sie zwar erst um 11.00 Uhr los, doch dafür ist das Wetter gut.

Indonesien_Faehre Surabaya_KM Sinabung

Eine kleine Kakerlakenreise:
Während einer auf die Räder aufpasst, verstaut der andere das Gepäck in der Economy-Class. Dies ist ein „Kampf“ gegen die vielen Hin und Her rennenden Gepäckträger in ihren orangefarbenen Jacken, die das schwere Gepäck der 1.500 Passagiere schleppen. Wir finden zwei Pritschen nebeneinander in einem Raum, in dem sich bestimmt 500 Personen ebensolche Pritschen suchen. „Ja super!“, denken wir als wir uns auf den Plastikmatten niederlassen. Doch nicht nur wir freuen uns, sondern auch unsere unzähligen Mitbewohner und Mitreisenden, deren kleine Fühler vor Freude zwischen den Matrazen zittern. Kakerlaken! Wir heben die Matten hoch und sehen in den Holz- und Metallgestellen Massen von Kakerlaken und anderem hungrigem Kleingetier. Martin juckt es schon am Arm. Ein erster Stich! Wir schauen geradeaus und über dem Kopf des Indonesiers gegenüber krabbelt eine mittelgroße Kakerlake. Nun sucht sich auch hinter dem Kopf von Agnès eine ihren Weg. Nun reicht es!! Wir sind gerademal 5 Minuten hier und überall wo wir hinschauen kriecht und wimmelt es. Hier sollen wir 60 Stunden verbringen? Das ist doch schlimmer als im Dschungelcamp. Und dies in einem Schiff deutscher Bauart! Unglaublich!
Wir haben genug und versuchen einen anderen Platz zu finden. Doch überall im Economy Bereich sehen wir das gleiche Bild. Könnte es in der ersten und zweiten Klasse besser sein? Wir bezweifeln dies. Das Schiff ist völlig verseucht. Wir verbringen die nächsten Stunden auf dem Oberdeck im Café im Freien und hoffen dort schlafen zu können. Doch dort wird um 24.00 Uhr geschlossen. Auf der Suche nach einem Schlafplatz kommen wir an der Diskothek vorbei, ein weiterer kakerlakenfreier Platz, wo wir 2 Stunden verbringen. Doch auch dort können wir nicht schlafen.
Auf den Toiletten, in der Dusche, im Restaurant auf den Tellern: Kakerlaken!
Das Wetter ist gut und wir finden letztendlich einen prima Platz im Freien, auf dem 7. Deck unter einer Treppe. Dort instalieren wir uns einen Schlafplatz, den wir die nächsten 2 Tage nicht mehr hergeben werden. Die Mannschaft duldet uns dort, auch wenn sie meinen es wäre dort nicht sicher! Wir fühlen uns dort jedoch ziemlich sicher, denn in den Schlafsälen haben wir nun auch schon zwei ausgewachsene Ratten gesehen. Auch schauen hier andere Passagiere vorbei, mit denen wir leicht ins Gespräch kommen.
Ja und das Essen? Wir bekommen drei Mal täglich eine Portion Reis mit einem kleinen Stück Fisch (maximal 2 cm groß) und einem halben Esslöffel Kraut. Aber dafür ist es all inclusive! Super gell?!
Doch Gott sei Dank kann man sich auch eine Aufbrühsuppe „Pop Mie“ in einem geschlossenen Styroporgefäß kaufen….

Java: Zwischen Bromo und Brummern
Ein Zwischenstopp der Fähre im Hafen von Jakarta, kündigt sich früh an, denn schon Kilometer davor verfärbt sich das blaue Meerwasser in eine schwarze Brühe, in welcher bestimmt kein angenehmes Leben mehr möglich sein dürfte.
Wir sehen kilometerlange Ölfilmspuren auf dem Meer – hier ist die günstige Entsorgung von Schadstoffen noch geduldet, obwohl es laut Reiseführer wohl entsprechende Gesetze dagegen geben soll.
Von unserem Schlaflager aus beobachten wir über Stunden hinweg das Treiben im Hafen von Jakarta. Containerschiffe werden beladen, die indonesische Post holt und bringt Pakete zu den Schiffen. Hoppla, ein Paket fällt ins Wasser und der Postangestellte springt hinterher. Triefend und wütend kommt er mit dem Paket an Land. Er sieht nicht mehr sehr lecker aus.
Unter üblen Arbeitsbedingungen werden 100 Liter Benzinfässer per Hand von einem Lkw abgeladen. Es ist schon erstaunlich dass dabei nichts passiert. Doch überall sehen wir Schilder „Safety first!“. Aha, deshalb.
Einen Tag später kommen wir endlich in Surabaya an und unser Fährabenteuer ist beendet. Surabaya ist eine nicht so schöne Großstadt und bei der Suche nach einem Hotel sehen wir in den dunklen Straßen dicke Kakerlaken und Ratten. Sind wir schon paranoid?

Wir freuen uns zunächst an der Küste entlang zu radeln doch der Verkehr ist immens. Java ist die am dichtesten besiedelte Insel der Welt. Hier tummeln sich 140 Millionen Einwohner, d.h. auf einen Quadratkilometer kommen 940 Personen. Und wie es scheint haben diese Personen alle dasselbe Hobby: Motorroller und LKw fahren.
Erst mit Hilfe von Pfeifen und Gestik können sich parkende Autos in den Verkehrsfluss einfügen. Dafür sind in jeder Ecke für ein paar Groschen Männer bereit diese Aufgabe zu erfüllen.

Ein weiterer Weltrekord den Java zu bieten hat: über 40 Vulkane, davon einige ziemlich aktiv.

Von Probolingo aus wollen wir einen Abstecher in das Landesinnere machen um den Vulkan Bromo, auf 2.392 m, zu sehen. Doch eine Busfahrt in das 40 km entfernte kleine Dorf Cemoro Lawang ist nicht so leicht zu organisieren und so entscheiden wir uns die steile Strecke hinauf zu trampen. Zu uns gesellt sich der Pole Robert und nach zwei Stationen Autostopp werden wir bis zum Kraterrand des Dorfes hinauf gefahren. Der rauchende Bromo, liegt in einer mondähnlichen Landschaft vor uns und wir sind von diesem Anblick überwältigt. Doch die Sicht ist nachmittags nicht so gut und wir sind gespannt, wie es am nächsten Morgen sein wird, denn wir wollen vor Sonnenaufgang an einem Aussichtspunkt sein.
Solange erkunden wir die Umgebung, sehen die Bauern in ihren fruchtbaren Feldern arbeiten, bestaunen die kleinen bunten Häuser und genießen das kühle Klima.

Am nächsten Morgen um 4.30 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Aussichtspunkt, einem Fußweg von 3 Kilometern auf 2.770 m Höhe.

Indonesien_Java_Bromo Semeru

Die Sicht ist prima und wir sehen vom alten Kraterrand aus über eine Ebene hinweg zum rauchenden Bromo und zwei weiteren Vulkanen. Der Bromo selbst wird im Hintergrund von dem höchsten Berg Javas, dem Gunung Semeru mit seinen 3.676 m, überragt. Auch dieser qualmt ruhig vor sich hin. Direkt neben dem Bromo liegt der erloschene Vulkan Batok, der aus der steppenähnlichen Ebene aufragt. Ein klasse Anblick und die Farben der Landschaft ändern sich von Minute zu Minute.
Nachdem wir uns satt gesehen haben, nehmen wir den Pferdepfad der vom Dorf bergab führt, durchqueren den alten Krater und umgehen damit die Kontrollstelle an der Straße, bei welcher man ein ordentliches Eintrittsgeld entrichten müsste. Vorbei an einem alten Hindutempel, geht es nun auf einem Lavafeld steil bergauf. 253 Treppenstufen bringen uns schließlich bis an den Kraterrand des dampfenden Bromo. Was für ein Spektakel – er hört sich wie ein gewaltiger Wasserfall an.
4 Stunden später gönnen wir uns ein leckeres Nasi Goreng Chicken bevor wir uns zusammen mit Robert auf die Rückfahrt, diesmal mit einem Bus, machen. In Probolingo, der Stadt die für ihre leckeren Mangos bekannt ist, erholen wir uns von dem anstrengenden Ausflug.

Indonesien_Java_bei Pasuruan

Java ist wirklich kein Paradies für Radfahrer, doch es gibt auch ein paar schöne Küstenabschnitte, an denen man sich zwischen  Meer, Reisfeldern und Vulkanen bewegt. Der Abschied fällt uns nicht schwer und wir nehmen so bald es geht die Fähre nach Bali. Die Fahrt von Ketapang nach Gilimanuk auf Bali dauert eine Stunde und kostet mit Rädern pro Person 60 Cent.

Fotos zu Java:

01_indonesien_kijan_warteraum

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Bali: Insel der Götter
Das Besondere an Bali sind die Bewohner und ihr Umgang mit den Göttern. Jeden Tag werden mit Reis, Obst, Blüten und Räucherstäbchen geschmückte Bananenkörbchen auf die Wege, Eingänge, privaten Tempel und öffentlichen Tempel gelegt. Jedermann hat mindestens einen Tempel vor dem Haus und einen im Hof. Man sagt, auf Bali gäbe es mehr Tempel als Einwohner. Wir glauben dass dies stimmt. Als wir ankommen müssen wir erst einmal aufpassen nicht über die vielen Bananenkörbchen zu fahren oder darauf zu treten. Noch dazu ist Vollmond. Das bedeutet noch mehr Körbchen und Zeremonien. Gleich am ersten Tag sind wir mitten im Geschehen der Prozession in einem Bergtempel. Wir betrachten das Treiben um uns herum und werden gleich vom obersten Mönch angesprochen. Er war vor 2 Jahren in München und kann noch ein paar Brocken Deutsch. Er schwärmt von bayrischem Gulasch und Schweinebraten. Allerdings will er nicht noch einmal dahin, denn selbst im Hochsommer war es viel zu kalt.

Indonesien_Bali_Tempelprozession

Für uns ist Bali mit viel schnorcheln und gutem Essen verbunden. Das erste Mal schnorcheln wir bei Pemuteran, doch da ist sehr viel Plastik im Wasser und der Blick auf das schöne Korallenriff ist etwas getrübt. Wir sehen dort etliche Schwärme großer Fische. Wir schnorcheln bis unsere Kniekehlen aussehen wie Feuerquallen.
Bei Tulamben ist das Wasser viel sauberer und vor der Küste in guter Reichweite liegt das Wrack des US Frachters Liberty, der 1942 gesunken ist. Hier gibt es etwas weniger Korallen, dafür eine Menge an bunten Fischen, wie wir es uns nie vorstellen konnten. Als Höhepunkte sehen wir beim Wrack vier Riesenmeeresschilkröten, die dicht bei uns sind. Neben einer können wir sogar mitschnorcheln. Ein klasse Gefühl.
Unser dritter Schnorchelplatz ist bei Jemeluk im Nordosten. Dort gibt es während wir dort sind das klarste Wasser und die buntesten größten Korallen. Lionfische, eine Moräne und die ganze bunte Vielfalt begeistern uns.
Es gibt entlang der Küste zwar viele Tauchressorts, doch es ist gerade Nebensaison und somit sehr wenig los. Das Meer, die Strände und Restaurants sind leer, die Preise der Zimmer gut verhandelbar. Hier im Norden von Bali sind die Strände oft aus dunklem Vulkangestein oder schwarzem Sand.

Indonesien_Bali_Lovina_bei Munduk Wasserfall

Auch auf Bali spielen Vulkane eine große Rolle. Der 3.142 m hohe Agung ragt direkt neben der Küste in die Wolken und nur wer Glück hat, kann seine Spitze sehen. Von Lovina aus machen wir einen Ausflug mit einem Motorroller in die Berge. Diese Roller kann man schon für 2,50 Euro am Tag mieten. Es geht von Meereshöhe steil nach oben auf über 2.000 m, bis wir zwischen den schnell vorbeiziehenden Wolken am Vulkansee Buyan ankommen. Der Munduk Wasserfall ist sehr schön zwischen Kaffeeplantagen und wilderer Natur gelegen. Beim Spaziergang dorthin kommen wir an haushohen Baumfarnen und vielen blühenden Sträuchern vorbei. Wir passieren den See Bratan und kommen nachmittags zu den jahrhunderte alten grünen Reisterrassen von Jati Luwih. Sie wären fast Unesco Weltkulturerbe geworden, aber leider nur fast. Dafür sind sie sehr grün und lohnen einen Ausflug. Nach 140 Kilometern mit dem Roller haben wir genug Schönes gesehen und sind ziemlich platt.

Beim Radeln erleben wir oft die balinesischen Gastfreundschaft. Spontan werden wir zu einem Mittagsbuffet eingeladen, nur weil wir an einem Familienfest vorbeikommen. Es ist eine Art „Brautschau“, bei der drei junge bunt geschmückte Frauen im heiratsfähigen Alter vorgestellt werden. sie sind zwischen 13 und 15 Jahre alt.

Alle 210 Tage wird auf Bali das 3-tägige Fest Galungan gefeiert. Die Bedeutung des Festes nach den Vorstellungen der Balinesen ist der Sieg des Guten über das Böse, Dharma gegen Adharma. Für die Balinesen ist es ein großes Familienfest. Nahezu alle Hauseingänge werden mit Penjor geschmückt. Dies sind reich verzierte 6 bis 7 m hohe Bambusstangen, mit Fahnen, Früchten und Süßigkeiten. Am 2. Feiertag werden vor allem die Haustempel und öffentlichen Tempel aufgesucht und Opfergaben dargebracht.
Wir haben Glück denn wir sind am 17.12.14, dem Hauptfesttag, in Jemeluk im Nordosten. Uns fällt sofort auf, dass jedes Auto und jeder Motorroller geschmückt ist. Mit gewebten und verflochtenen Naturmaterialien wie Palm- und Bananenblättern. Auf den Wegen und bei den Tempeln sehen wir üppigere Opfergaben als bisher. Dann am Strand: jedes Boot, jeder Motor, hat ein prall gefülltes Bananenblattkörbchen. Viele Körbchen stehen auch auf dem Boden vor dem Meer. Noch vor dem Frühstück bekommen wir von einem festlich angezogenen Balinesen einen Teller mit Früchten, Süßigkeiten, Kuchen, Reis und Ei. Eine nette Geste!

Indonesien_Bali_Tulamben_Penjor

Von Jemeluk aus folgen wir der Nordostküste, einer sehr schweißtreibenden Route. Es geht durch verschiedene kleine Buchten, davor immer eine Talfahrt, die viel zu schnell vergeht und danach ein Anstieg, der uns an viele Saunagänge erinnert. Die Strecke ist jedoch mit unglaublichen Ausblicken auf das blaue Meer verbunden. Ein Muss auf Bali.
Wir erreichen die Hafenstadt Padangbai, die Flair hat, und nehmen von hier aus die Fähre zur Insel Lombok. Die Überfahrt dauert 5 Stunden und kostet gerade mal 4 Euro pro Person inklusive Fahrrad.

Fotos zu Bali:

01_indonesien_bali_feuerbaum

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Lombok und Gili Air: langsam, langsam!

Die Schifffahrt bei schönstem Sonnenschein und ruhiger See motiviert viele Delphine zur Fähre zu schwimmen und diese eine längere Zeit zu begleiten. Sie schwimmen unter der Fähre durch und ein ganz motivierter Delphin hechtet sich aus dem Wasser über seinen anderen Artgenossen. Ein tolles Schauspiel im Preis inbegriffen!

Lombok ist völlig anders. Die Bauern tragen spitze Reishüte, wie in Vietnam, und es gibt kaum mehr Tempel. Dafür hören wir wieder fast täglich die Gebete des Muezzin aus den scheppernden Lautsprechern. Die Lomboker scheinen viel Zeit zu haben, denn ihren Lieblingsspruch „langsam, langsam“ werden wir die nächsten 2 Wochen sehr oft hören. Sie betonen auch immer wieder, dass die Balinesen, im Gegensatz zu ihnen, sehr geschäftig wären.

Bei leichtem Regen radeln wir bis kurz vor Senggigi. Es gibt entlang der Küste so gut wie keine kleinen Gästehäuser, sondern lediglich ab und zu ein großes Luxusresort. Zum Glück finden wir ein günstiges Homestay mit netten Besitzern, das wir uns auch gleich für die Rückfahrt vormerken. Der nächste Tag ist heiß und gerade heute haben wir die schwierigste Teilstrecke vor uns.

Auszug aus dem Tagebuch: „Ab Senggigi ist die Fahrt landschaftlich zwar sehr schön, aber auch ziemlich qualvoll bei der Hitze. Die Bergrücken ragen wie Finger ins Meer. Es ist ein ständiges auf und ab, von Bucht zu Bucht. Oft müssen wir schieben und es ist wieder ein Saunagang angesagt. Der Schweiß tropft im Sekundentakt und verdampft auf der Fahrbahn. “

Indonesien_Lombok

Da die Übernachtungssituation heute nicht besser wird, beschließen wir auf der touristisch erschlossenen Insel Gili Air unser Glück zu versuchen. Die Fahrt zu dieser kleinen Insel dauert wie man uns sagt nur 30 Minuten und kostet weniger als 1 Euro pro Person. Doch zuerst gilt es die beiden Fahrräder und das ganze Gepäck durch das Meerwasser zu tragen und in das Boot zu hieven. Kein Problem bei gutem Teamwork!

Auf Gili Air angekommen sind wir gleich begeistert – jede Menge tolle Bungalows, kein Motorlärm denn Autos und Scooter sind verboten, kristalklares Wasser und angenehme Atmosphäre. Eine halbe Stunde später beziehen wir einen sauberen, modernen Bungalow bei Youpy Bungalow mit Terrasse; das schöne Badezimmer unter freiem Himmel.
Nichts wie ins Wasser. Beim Schnorcheln sind wir zuerst ein wenig enttäuscht, denn die Korallenwelt bei Bali war erheblich schöner. Doch nur kurz, denn später sehen wir wieder mehrere Meeresschildkröten und bunte Fische. Auch ist das Wasser hier am  klarsten. Das erste Mal seit Langem bemerken wir, dass die Bevölkerung auf die Umwelt achtet.
Wir genießen die schönen Sonnenuntergänge im Norden der Insel, die man zu Fuß in 1 Stunde umrunden kann – immer am Strand entlang. Wir hatten weder geplant hierher zu kommen, noch lange zu bleiben, doch letztendlich bleiben wir Weihnachten und Silvester hier und irgendwann sind 15 Nächte rum. Eine richtig tolle Erholung für uns. Für Weihnachten und Silvester war die große Party angesagt, doch unserer Meinung nach blieb es ziemlich ruhig. Nur an 2 oder 3 Tagen waren mehr Touristen auf der Insel.

Trotz schlechtem Internet gelingen uns sogar die online-Visaanträge für Australien, die wir wiederum online 10 Minuten später erhalten. Den Flug nach Perth für 130 Euro inklusive Räder und Gepäck buchen wir für den 20. Januar ab Bali. Günstiger kommen wir nie wieder nach Australien.

Am 5. Januar hieven wir wieder unsere Räder in das kleine Boot, radeln zurück nach Lambar und setzen am 6. Januar mit der Fähre nach Bali, Padangbai, über.

Fotos zu Lombok und Gili Air:

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Bali zum zweiten Mal:

Weiter geht es durch zahlreiche kleine Dörfer, vorbei an hunderten Tempeln. Wir wollen nach Ubud, einem schönen
Touristenstädtchen, von Reisterrassen und Palmen umgeben. Berühmt ist Ubud durch vielfältige Handwerkskünste, wie
Holzschnitzereien, Malerei, Steinmetzarbeiten. Doch kurz vor Ubud gibt es auf der Straße einen Wasserrohrbruch und Martin
weicht mit seinem Rad auf den gefliesten Gehweg aus. Da passiert es. Das Rad rutscht weg, ist nicht mehr zu halten und Martin schlittert über den unter Wasser stehenden Gehweg. Glück im Unglück, denn Martin kommt mit ein paar Schürfwunden am Knie und Arm noch glimpflich davon. Noch an der Unglücksstelle legt ihm Agnès Verbände an.

Wir besuchen in Ubud den „monkey forest“, eine grüne Oase in der Stadt mit an die 600 balinesische Makakken sowie gigantischen Urwaltbäumen und dunkelgrün bemoosten Brücken, Gebäuden und Steinen.

Indonesien_Bali_Ubud Monkey Forest

Wir machen auch einige Ausflüge mit den Rädern, ohne Gepäck, in der grünen Umgebung von Ubud. Wir spazieren durch die
idyllisch gelegenen Reisfelder im Norden von Ubud und genießen die Ruhe.

Die Weiterfahrt nach Sanur, bei der es nur bergab geht, führt uns an vielen Kunst- und Handwerkerläden vorbei: Buddhastatuen,
uns nicht bekannte Dämonen, Geisterwesen und bunte Malereien. Es ist Wochenende und unglaublich viele Indonesier aus dem Großraum Denpasar verbringen ihre Freizeit am „Strand“. Doch der ist mini, im Gegensatz zu den weiträumigen Stränden die sich die Luxusresorts unter den Nagel gerissen haben. Die Stadt ist zweigeteilt, im Norden halten sich die Einheimischen bei ihren einfachen Warungs /Essbuden und bei der Mole auf. Im Süden liegen die Touristen auf ihren Rattanliegestühlen beim Cocktail.

Da wir bis zu unserem Flug am 20. Januar noch ein paar Tage haben, entspannen wir am Balangan Beach, einem kleinen
Surferstrand, der zwischen Klippen eingebettet liegt. Hier beziehen wir in einem Stelzenholzhaus ein rudimentäres Zimmer in vorderster Front. Bei Flut rauscht das Wasser unter uns hindurch. Doch wir hören nachts auch noch andere Geräusche, denn es schüttet in Strömen und unter unserem Haus entsteht binnen Minuten ein wilder Bach. Das Haus zittert und wir denken schon, dass man uns bald im weiten Meer einsammeln kann. Aber das Haus hält. Noch wissen wir nicht, was genau diese Virbrationen verursacht hat. Am nächsten Morgen sind wir jedoch ziemlich erstaunt, als wir feststellen, dass große Baumstämme die der Fluss brachte, gegen die Stützpfeiler gedonnert sind. Wir genießen auch Sonne Strand und Meer, das jedoch seit dem Regen ziemlich mit Plastik verunreinigt ist.

Indonesien_Bali_Balangan Beach

Fünf Tage später nehmen wir uns in Flughafennähe ein luxuriöseres Zimmer. Es gibt die letzten vier Tage auf Bali noch einiges zu tun. Kartons für die Fahrräder beschaffen, Kettenwechsel, Räder putzen und zerlegen, Zelt schrubben, das Gepäck aufteilen und noch ein paar Einkäufe machen. Die Räder dürfen bei der Einreise keinerlei Erdantragungen haben, da sie ansonsten für drei Wochen in Quarantäne müssen. Organisches Material darf nicht nach Australien eingeführt werden.

Alles klappt prima und wir freuen uns schon auf Australien, auch wenn wir wissen, dass wir nur einen sehr kleinen Ausschnitt des riesengroßen 5. Kontinents befahren werden.

Fotos zu Bali zum zweiten Mal

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Singapur 2014

Singapur- Stadt der Löwen

Nur eine Brücke trennt uns von unserem nächsten Land, aber man sucht vergebens nach seinem Namen. Nirgends ist sein Name zu sehen. Ist es vom Erdboden verschluckt worden? Endlich machen sich die unzähligen Stunden, die Agnès mit Vorliebe über Karten verbringt, bezahlbar! Ja, da haben wir es: Woodlands! Einfach den Schildern „Woodlands“ folgen!
Fahrräder sind zwar nicht vorgesehen, aber das kennen wir schon. Wir verwandeln uns in Mopeds und niemand merkt es!
Zwischen Hunderten brummenden Mopeds überqueren wir die Brücke und sind gespannt auf diese so sauber gepriesene Stadt. Aber erst kommt die Einreisepolizei in Form von zwei Dutzend kleinen Schaltern. Die Einheimischen brauchen dazu nur 2 Minuten aber wir müssen ein Formular ausfüllen und können kurz darauf ein 90 Tage Visa kostenlos erhalten. Der Zollbeamte winkt uns auch durch und schon sind wir da. Aber wo? immer noch kein Schild „Willkommen in Singapur“ –  nur „City“. Wir fahren im Schatten schöner Bäume auf einer wenig befahrenen Strasse, bevor wir die „City“ erreichen. Hier wird viel gebaut, aber wir finden unseren Weg in den Bezirk Little India. Kaum angekommen merkt Martin, dass er sich zunehmend schlechter fühlt, noch dazu fängt es an stark zu regnen! Agnès klappert die zahlreichen Hostels ab, aber alle sind teuer und bieten meistens nur Dormitory, das heisst z.T. 15 Personnen auf kleinstem Raum. Wir entscheinden uns für ein kleines Guesthaus, das wir gleich am Anfang als zu teuer abgestempelt hatten. Nun ist auch noch Martins Hinterrad platt! Jetzt heisst es schieben! Kaum angekommen und das Gepäck verstaut, legt sich Martin hin und glüht. Er wird das Bett 3 Tage lang nicht verlassen können!

In Alis Nest Guesthouse in der Roberts Lane haben wir ein kleines Zimmer mit Fan und Klimaanlage, eine Küche steht uns zur Verfügung und rund um die Uhr gibt es Kaffee und Tee. Ein idealer Ausgangspunkt, um Singapur mit der Metro oder dem Bus zu erkunden. Kaum ist Martin wieder fit, bestaunen wir die architektonischen Höhepunkte die Marina Bay Sands bei Tag und Nacht, das Finanzzentrum mit seinen Häuserschluchten, das quirrlige Chinatown mit Foodstreet und natürlich Little India.

Singapur_Marine-Bay

Dieses verwandelt sich jeden Sonntagabend in einen gigantischen Bazar, wo sich tausende Inder treffen und kaum ein Durchkommen mehr möglich ist.

Auch der buddhistische Zahnrelikt-Tempel „Buddha Tooth Relic Tempel“ ist ein Muss. Auf 5 Etagen verteilt, findet man hier den  goldscheinenden Tempel, ein interessantes Museum über Buddha, einen Meditationsraum mit dem goldenem Schrein, in dem sich das Relikt befindet, einen wunderschönen Dachgarten mit großer Gebetsmühle und tausenden kleiner Buddhas. Auch wenn dieser Tempel erst 2007 gebaut wurde, ist er sehr beeindruckend.

Singapur_Buddha-Tooth-Relic-Tempel

Wir machen einen Besuch beim Tree In Lodge Guesthouse, einer sehr fahrradfreundlichen Unterkunft, wo wir unseren Rädern nach 19.000 km vier neue Mäntel, Original Schwalbe, gönnen. Das Profil der alten Mäntel war noch recht gut, doch so haben wir erst einmal auf längere Sicht ausgesorgt. Solche guten Mäntel waren in ganz Südostasien bislang nicht aufzufinden.

Wie sauber ist denn nun Singapur eigentlich? Auf uns wirkt es nicht übertrieben sauber. Zigarettenkippen liegen vorwiegend in  Blumenbeeten, manchmal auf der Straße. In den Abwasserkanälen schwimmt viel Plastik. Bei Marina Bay wird unter der Brücke viel Alkohol konsumiert und gegrölt. Alles in allem eine ziemlich normale Großstadt.

Uns hat der flächenmäßig kleinste Staat Südostasiens ganz gut gefallen. Er ist eine gute Mischung aus Grün und Beton und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist jeder Punkt gut zu erreichen.

Doch nun sind wir mit unseren Rädern wirklich da angekommen, wo alle Straßen einfach am Meer enden. Freunde hatten uns schon prophezeit „wenn ihr so weiterradelt fallt ihr noch ins Meer“. Wir haben es nicht geglaubt. Und nun? Zurück? Flug? Boot?

Eine kleine Geschichte zu Kaugummis und Singapur aus www.welt.de:
Singapur will nicht vom Kaugummi-Tabu lassen

Es war eine revolutionäre Forderung: Man könne doch das Kaugummi-Verbot etwas lockern, fanden einige Parlamentarier in Singapur. Das sieht aber die Regierung des Stadtstaats ganz anders. Der freie Verkauf bleibt verboten – unter anderem aus Sorge um Verspätungen im U-Bahn-Verkehr.
Kaugummis findet man im Staate Singapur ausschließlich in den gut verschlossenen Glasschränken der Apotheker. Sicher hinter Schloss und Riegel, direkt neben den harten Medikamenten und verschreibungspflichtigen Drogen – und dort bleiben sie auch. Denn der Inselstaat soll auch in Zukunft sauber sein, sagen die Stadtväter.

Keine ausgewalkten Gummis auf dem Trottoir, keine klebrigen Überreste unter den Tischen der Restaurants oder den Sohlen der Touristen. Deshalb bleibt der freie Verkauf von Kaugummis in dem südostasiatischen Musterland weiterhin verboten. Einige Parlamentarier hatten mehr Freizügigkeit gefordert, doch das Nationale Entwicklungsministerium blieb hart.

1992 hatte die Singapurer Regierung den Verkauf der weltweit so beliebten Süßigkeit komplett untersagt. In jenem verhängnisvollen Jahr hatte nämlich ein ruchloser Fahrgast sein ausgekautes Gummi in die Tür einer U-Bahn geklebt und damit in dem wie ein Uhrwerk funktionierenden Nahverkehr für Verspätungen gesorgt. Grund genug für die Behörden, dem süßen Kauen ein für alle Mal einen Riegel vorzuschieben.

2004 wurde das strikte Verbot zwar aufgeweicht, doch auch heute sind Kaugummis nur zu medizinischen Zwecken erlaubt. Die Firma Wrigley hatte seit 2001 intensive Lobbyarbeit betrieben, und so landete die Kaugummifrage auf der Agenda des Freihandelsabkommens zwischen Singapur und den USA. Nach zweieinhalb Jahren zäher Verhandlungen gab Singapur schließlich ein winziges Stück nach. Und so wurde Orbit ohne Zucker genehmigt.

Dieses Produkt, so argumentierte Hersteller Wrigley, stärke die Zähne und gehe damit als Arznei durch. Nikotin-Kaugummis einer Pharmafirma folgten. Zwölf Jahre nachdem der Verkauf von Kaugummis per Gesetz komplett unterbunden worden war, war schließlich ein legales Schlupfloch gefunden.

Doch dabei bleibt es auch. Singapur bemüht sich zwar um ein weltläufiges, hippes Image, um Touristen und Investoren, doch eben nur innerhalb enger Grenzen. Auch Spucken und andere Unarten sind verboten. Die Geldbußen sind drakonisch. Wer künftig kauen will, braucht weiterhin eine Verschreibung.

Schließlich wolle man Vandalismus vermeiden, erklärte ein Staatssekretär gestern vor dem Parlament. Auch wenn Singapur im Ausland für diese gestrenge Regel Kritik und Spott ernte, Sicherheit und Sauberkeit seien nun einmal wichtiger als die Freiheit, zu kauen.

Fotos zu Singapur

03_singapur_weihnachtsbaum

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Malaysia 2014

Malaysia – multi kulti

Diese Einreise war völlig einfach, denn kostenlos erhalten wir eine 3 monatige Aufenthaltsberechtigung und die ganze Prozedur dauert etwa 5 Minuten.
Malaysia begrüßt uns gleich mit einem steilen Pass, an dem wir ganz schön ins Schwitzen kommen. Hier toben sich Affen in den Bäumen aus: richtige Regenwaldstimmung. Hinzu kommt, dass wir wenig später einen heftigen Regenguss über uns ergehen lassen müssen.

Verglichen mit Thailand herrscht hier reger Straßenverkehr. Dort gab es überwiegend Pickup-Trucks, hier sind es unzählige normale Kleinwagen. Wir radeln auf dem Seitenstreifen für langsame Fahrzeuge. Wir passieren schöne Moscheen.

Malaysia_bei Alor Setar

In diesem moslemischen Land tragen die Männer lange Hosen und die Frauen sind bedeckt. Alkoholische Getränke gibt es nur noch bei den chinesischen Lokalen. Ja, hier an der malayischen Westküste herrscht eine bunte Vielfalt „multi kulti“. Chinesische Restaurants und Läden in Konkurrenz zu den malayischen, flankiert von indischen Lokalen.

Wir radeln auf direktem Weg nach Georgetown auf der Insel Penang. Unweit von „Little India“ nehmen wir uns ein schönes geräumiges Zimmer im Hotel Noble. Ein klasse sauberes Hotel, denn in dem großen Flurbereich, in dem große Holztische stehen, bekommt man schnell Kontakt zu anderen Reisenden. Wir lernen nette Leute aus Holland, Australien, England und der Schweiz kennen. Viele haben sich dauerhaft in Indonesien niedergelassen und sie kommen hierher um Visaangelegenheiten zu regeln.

Georgetown, ehemaliger britischer Besitz, nimmt uns in seinen Bann. Wir flanieren durch die Straßen und bestaunen die ehemaligen Kolonialhäuser der Briten. Dazwischen finden sich chinesische Läden und Lokale. Der Handel scheint hier in der Hand der Chinesen zu liegen. Sie haben auch große sogenannte „Clanhäuser“, die auch als Tempel dienen. Die Chinesen, die sich Anfang des 19. Jahrhundert hier niedergelassen haben, bauten lange Stege ins Meer hinaus, an welchen sie ihre Pfahlbauten errichteten, die sogenannten Jetties. Jeder Clan hatte einen eigenen Jetty.

Malaysia_Penang_Jettie

Ebenso wie die religiöse Vielfalt – Moscheen, indische, chinesische, thailändische, burmesische Tempel und Kirchen – fällt natürlich die kulturelle Vielfalt ins Auge. Handwerkskunst, Sitten und Gebräuche der unterschiedlichsten Arten finden wir in Georgetown.
Jede Nationalität hat natürlich ihre eigene kulinarische Spezialität hierher gebracht. Wir lieben das indische Essen und wir gönnen uns einige Curries, Dosais, Rotis, dazu leckere Chapatis und Chai. Aber auch die malayische Fischsuppe „Laksa asam“ ist nicht zu verachten. Fisch mit Tamarindenpaste mit dicken weißen Reisnudeln. Oder mal eine wenig knusprige chinesische Ente…..
Frisch gepresste Orangen- Mangosäfte oder Shakes gibt es an jeder Ecke.

Penang besitzt auch einige schöne grüne Anlagen, den botanischen Garten, Penang Hill und die Küste. Diese läd jedoch nicht gerade zum Baden ein.

Malaysia_Penang_burmes tempel

Toll ist auch die „Street-Art“, die wir im ganzen Stadtzentrum vorfinden. Kunstvoll bemalte Häuser, Skulpturen aus Metall und Stein, Cartoons an den Mauern und Wänden.

Malaysia_Penang_Streetart

Nun ist schon mehr als eine Woche vergangen und wir sind noch immer in dieser interessanten Stadt, aus der es schwer fällt weiter zu reisen.

Doch nach 9 Tagen schnappen wir unsere Räder, nehmen die Fähre auf’s Festland und radeln bei Sonnenschein weiter in Richtung Süden. Jeden Tag können wir mittlerweile ab 15 Uhr mit starkem Regen rechnen, so dass wir früh losradeln und uns auch früh ein Zimmer suchen. Die Verpflegung unterwegs gestaltet sich sehr einfach, da es überall Restaurants mit großer Essensauswahl gibt. Die verschiedenen Gerichte (Nasi Kandar) werden meistens in einem Duzent Töpfe ausgelegt. Man stellt sich sein Essen hieraus zusammen und bekommt leckeren Reis dazu. Oft trinken wir einen frisch gepressten Saft oder eiskalten Tee dazu.
Das Ganze kostet dann so an die 1 bis 1,50 Euro pro Person.

Die Kleinstadt Taiping, schön vor den grünen Bergen gelegen, ist auch einen Besuch wert: weiße verzierte Kolonialhäuser und ein schön angelegter Park. In diesem befindet sich eine einzigartige Regenbaumallee. Hunderte sehr alte Regenbäume stehen entlang der Straße und bilden mit ihren Ästen einen Bogen der die ganze Straße überspannt. Ein tolles Bild! Wir radeln
darunter hindurch und fühlen uns ganz klein.

Malaysia_Taiping_beim Park_samanea saman

In Ipoh bleiben wir einen Tag lang und besichtigen die chinesischen Tempelhöhlen mit alten Felsmalereien, goldenen Buddhas, anderen Gottheiten und mythischen Wesen. Diese Tempelhöhlen liegen unterhalb der steil aufragenden Karstberge, einer neben dem anderen. Süßlicher Weihrauchgeruch strömt uns entgegen.

Malaysia_Ipoh_Perak Caves

In der Sam Poh Tempel Höhle befindet sich im Freien ein versteckter „geheimer“ Innenhof, den man nur durch die Höhle erreichen kann. Steile, mehrere hundert Meter hohe Karstwände umschließen diesen Innenhof.
In der Stadt befindet sich auch der weiße „Tajmahal Bahnhof“, ein verziertes und verschnörkeltes Kunstwerk mit einigen Türmen, ein großer Park mit alten Bäumen und weißen Kolonialhäusern.

Auf dem Weg nach Kuala Lumpur, der Hauptstadt des Landes, nehmen wir die ruhigere Strecke entlang der Genting Highlands, kommen ganz schön ins Schwitzen, doch sehen dafür eine Horde Affen, Hornbill und Eisvögel. Noch hören wir lautes tropisches Gezirpe, dann geht es bergab und nach einer Kurve liegen die ersten Hochhäuser vor uns.

Wir erklimmen die 272 Treppenstufen, die zu den Kalksteinhöhlen Batu Caves führen und kühlen uns in der 100 m hohen Kathedralenhöhle ab. Die 42,7 m hohe goldene Statue Murugans, eine hinduistische Gottheit, auf dem Vorplatz wirkt selbst von hier oben richtig mächtig.

Am Montag, den 3.11. erreichen wir Kuala Lumpur und finden ein günstiges Gästehaus, das Oasis, direkt bei Chinatown in der Petaling Street. Von unserer schattigen Dachterrasse aus haben wir einen fast Rundumblick, der bis zu den Petronas Towers reicht. Hier und im Caféraum im 4. Stock treffen sich Reisende aus aller Welt und man sitzt gemütlich zusammen.

Es gibt einiges in KL zu besichtigen, doch uns gefallen die 452 m hohen Petronas Towers, die Zwillingstürme bei Nacht, einfach am Besten. Das Lichtspiel wirkt wie ein Sternenhimmel. Dazu gibt es die kostenlosen bunten Wasserspiele mit Musik hinterlegt.

Malaysia_Kuala Lumpur_Petronas Towers

 

Die Zeit vergeht wie im Flug und vor den Läden werden schon die ersten künstlichen Weihnachtsbäume und Nikolause aufgestellt.

Wir finden einen gutes Fahrradgeschäft und lassen das nervige Gequietsche an Martins Pedalen reparieren. Die Angestellten wurden in Stuttgart, bei Hans im Fahrradladen, ausgebildet, wird uns erzählt. Gute Arbeit!
Fahrradladen in Kuala Lumpur: Joo Ngan, Jalan Ampang 377-1, 4th Mile, 50450 Kuala Lumpur, Tel. 03-42575249.

Eine Woche später machen wir uns auf den Weg in Richtung Melaka. Wir bleiben auf der Westseite des Landes, obwohl die Ostseite wesentlich schöner und ruhiger sein soll. Aber dort tobt seit Wochen der Monsun und es gibt heftigste Regenfälle. Wir wollen die Berge nach Osten auch nicht überqueren, da es aufgrund der Regenfälle schon einige schlimme Erdrutsche gab. Auf der Westseite dagegen haben wir meist bis zum Nachmittag Sonne, bevor sich kurze Regenschauer einstellen.

Das historische Melaka ist heute ein touristisches Städtchen mit hübschen Häusern aus der portugiesischen, holländischen und britischen Besatzungszeit. Dass der Town Square mit allen seinen Häusern in sattem Terrakottarot strahlt haben die Malaysier den Briten zu verdanken. Die sparsamen Briten entschieden sich alles in Rot zu streichen um Wartungskosten zu veringern.

Malaysia_Melaka

Melaka erlebte seine Blütezeit Dank seiner strategischen Lage ab dem 15. Jahrhundert. Hier machten die Schiffe auf ihren Wegen zwischen China und Europa halt. In dem geschützten Hafen konnte man die schlechten Monsunzeiten abwarten und Handel treiben. Singapur war damals noch völlig unbekannt.

Ruckzuck nähern wir uns der Meerenge zu Singapur und wir genießen die letzten Tage in Malaysia mit gutem indischem und malaysischem Essen, wir freuen uns über die sehr netten Malaysier die uns immer wieder gute Wünsche und Grüße zurufen „have a nice day“, „be careful“, „Germany is a good country“,….

 

Und zum Abschluß noch was in anderer Sache:

Wieso habt ihr so wenige Fotos wo ihr Beide zusammen drauf seid?
In einigen Ländern, auch hier in Malaysia, wollten wir uns Beide vor einem Gebäude oder einer Landschaft fotografieren lassen. Wir fragten daher eine Person die in der Nähe stand, ob sie das für uns tun könnte. Ohne zu zögern stellte sich daraufhin der Angesprochene wie selbstverständlich neben Agnès – es waren immer nur Männer die wir fragten – um sich mit ihr fotografieren zu lassen!!:-) Wir zogen es natürlich dann so durch….

How did you find my shop??
fragte uns die malaysische Verkäuferin als wir bei ihr eine Wasserflasche in ihrem kleinen Laden in der Pampa kurz nach Kuala Lumpur kauften.
Ähhhmm — so spontan fiel uns da nichts ein…..:-)

Fotos zu Malaysia:

01_malaysia_waran

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Thailand 2014

Thailand – „easy living“

Wieso überhaupt „easy living“?? – eine kurze Aufzählung dazu:
Trotz Regenzeit bisher super Wetter, schöne Strände und sauberes Meer, gutes leckeres Essen, Eiswürfel die man verträgt, eine ganz Thailand umspannende Supermarktkette namens „7-eleven“ wo man Eiskaffee, Eisschoko, Eiswürfel, überhaupt Eis, Yogurt, heißen Kaffee und Suppe sowie Kaltgetränke für den Abend zu vernünftigen Preisen usw. bekommen kann. Soooo nun aber zu Thailand selbst…..

Thailand_ nach Prachuap Khiri Khan

An der Grenze Laos zahlen wir eine Sonntags“auscheck Gebühr“, passieren die laotische Seite am 27. Juli 2014 und kommen nach einem kurzen Zeitsprung am 27. Juli 2557 in Thailand an. Linksverkehr! Dies ist aber kein Problem, da die gute Straße in jede Richtung zweispurig ausgebaut ist, mit breitem Seitenstreifen für unsere Räder.
Von hier aus trennen uns noch ca. 1.600 km bis zum Treff mit unseren Kindern.

Sofort fällt auf, dass wir uns in einem wesentlich reicheren Land bewegen. Gut ausgebaute Straßen, dafür viel mehr Verkehr, aber dies ohne Gehupe. Was für eine Wohltat gegenüber China und Vietnam. Pfahlbauten gibt es auf dieser Strecke leider keine mehr.

Die Königsfamilie präsentiert sich am laufenden Band auf mannshohen Fotos, golden umrahmt. Meist stehen sie vor öffentlichen Gebäuden oder Fabriken mit parkähnlichen noblen Vorgärten. Der 12. August ist ein Feiertag in Thailand, denn Queen Sirikit hat Geburtstag. Sie wird wohl 82 Jahre alt, schaut jedoch auf den Postern gut 30 Jahre jünger aus. Gute Fotoarbeit!

Thailand_Koenig

Wir radeln bei Gegenwind Richtung Westen, viele kleine und größere Tempelkomplexe säumen unseren Weg. Desöfteren taucht wie aus dem Nichts ein übergroßer goldener Buddha auf. Für uns die Einladung für eine Pause in Ruhe und schöner Atmosphäre.

Wegen der schwülen Hitze (es hat täglich ca. 35 Grad im Schatten) legen wir mehrmals am Tag einen Getränkestopp ein und treffen auf sehr interessierte Thais, Da sie meist ein wenig Englisch sprechen haben wir unseren Spass mit ihnen.
Ab und zu treffen wir auf Ladyboys, das sogenannte 3. Geschlecht in Thailand. Eine Ladyboy-Bedienung begrüßt Martin gleich mit den Worten „Hi honey!!“.

Bei Nang Rong legen wir einen kleinen Stopp im Guesthouse California ein und lernen eine nette Franzosenfamilie kennen, die auch mit ihren Rädern in Thailand unterwegs ist. Ihre beiden Kinder radeln dieses Jahr zum ersten Mal mit eigenen Fahrrädern.

Im Umkreis von Nang Rong besuchen wir zwei sehr schöne Tempelanlagen im Khmer Stil. Diese 1.000 Jahre alten Tempel liegen auf einer Achse mit Angkor Wat.

Der Phnom Rung ist eines der beeindruckendsten Baudenkmäler der Khmer in Thailand. Die Gegend war zwischen dem frühen 9. Jahrhundert und dem 13. Jahrhundert ein von Angkor weitgehend unabhängiges Fürstentum der Dynastie Mahidharapura.
Die in 381 Metern Höhe liegende Tempelanlage symbolisiert die Wohnstätte Shivas auf dem heiligen Berg Krailasa (Kailash). Sehr schön sind die sorgfältig ausgeführten Steinmetzarbeiten über den Toren mit Darstellungen aus dem Ramayana oder von Shiva.

Thailand_Nang Rong_Phnom Rung

Der Prasat Muang Tam bezaubert uns mit abgebildeten Szenen aus der hinduistischen Mythologie, sowie Darstellungen von Blumen und Blattwerk. Nach einem 700 Jährigen Dornröschenschlaf wurde er vor 100 Jahren neu entdeckt und 1997 dem Publikum zugänglich gemacht.

Zügig radeln wir weiter, zu unserem nächsten Ziel – Ayutthaya. Ayutthaya war früher Hauptstadt des siamesischen Königreichs Ayutthaya und im 18. Jahrhundert die Metropole Südostasiens. Die Stadt ist völlig von Flüssen umgeben. Eine Insel, die von einigen Khlong (Kanälen) durchzogen wird. Hier gibt es sehr viele Tempel vom 14. bis 16. Jahrhundert anzuschauen, dementsprechend halten sich auch viele Touristen, „backpacker“ in der Stadt auf. Die meisten tummeln sich in den Restaurants und Gästehäusern um „Tony’s Place Beds & Breakfast“ in der Nareasuan road. Da dies überhaupt nicht unser Fall ist, beziehen wir etwas abseits das Gästehaus „Old Place“, das in genialer Lage an einem der Hauptkhlongs liegt. Hier können wir von der Terrasse aus beim Abendessen den Schiffsverkehr beobachten. Schlepper ziehen bis zu drei aneinander gekettete Frachter durch den Kanal, eine Fähre kreuzt vom rechten zum linken Ufer und wieder zurück, gleichzeitig rast ein Motorboot vorbei und am Rand des Kanals steht ein Fischer in seinem kleinen Boot und angelt. Wasserpflanzen treiben morgens nach rechts und abends wieder zurück.

Thailand_Ayuttaya_Wat Phra Mahathat

Zwei Tage lang radeln wir durch Ayutthaya und die Umgebung, besuchen dabei viele Tempelanlagen.
Hier kaufen wir auch gute Straßenkarten, so dass wir ab hier die kleinen Seitenstraßen nehmen können. Bangkok, die Stadt die wir schon kennen, wollen wir möglichst in großem Bogen umfahren.

So kommt es denn auch, dass wir auf den kleinen Seitenstraßen viele Begegnungen haben:

– Täglich sehen wir von Autos überfahrene Schlangen in allen Größen und Farben. Silbrige, manche mit Streifen, ockerfarbene, giftgrüne Schlangen. Es sind so viele, dass Martin anfängt pro Kilometer die toten Schlangen, die auf dem Seitenstreifen liegen, zu zählen. Pro Kilometer kommen da oft 5 bis 10 Schlangen zusammen! Eigentlich ganz gut, dass wir nur 2 lebende Schlangen sehen. Eine Wasserschlange in einem Reisfeld und eine Schlange die die Straße überquert. In der Nähe unserer Hütte wurde vor kurzem eine Kobra gesehen. Aber auch andere Giftschlangen wirken wohl in 10 Minuten tödlich.

– Wir sehen ein halbes Dutzend große Bindenwarane. Es ist toll diese Tiere, die einen an Jurassic Parc erinnern, in der Natur zu beobachten. Einmal sind wir nur 3 Meter von einem Waran entfernt und er hat uns noch nicht gewittert. Dann sieht er uns und er flüchtet in einen Khlong, wo er abtaucht und ein paar Meter weiter an die Oberfläche kommt. Da schwimmt er locker davon. Es sieht so leicht und elegant aus.

– An einem Mittag, beobachten wir gelbe Webervögel mit schwarzen Köpfen, die in Nester fliegen, die sie in Filigranarbeit an die Bäume gehängt haben. Wir dachten, dass es solche Nester in Kürbisform nur in Afrika gibt.

 

Eisvögel, Störche, Kormorane und viele andere bunte Arten sehen wir fast täglich.

– Schmetterlinge haben manchmal die Größe einer Buchseite. Oft sind sie dunkelblau. Leider sehen wir fast soviele tote Schmetterlinge wie Schlangen. Wir trafen einen französischen Jungen, der die Flügel solcher von Autos gekillter Schmetterlinge sammelt. Er hat bereits ca. 300 verschiedene Arten gesammelt.

– Auf unserem Seitenstreifen liegt ein totes kleines Krokodil. Wo sind wohl Mama- und Papakrokodil? Wir radeln weiter.

– Wir sehen Streifenhörnchen und andere Hörnchenarten, die in den Bäumen klettern oder über die Stromleitungen balancieren.

– bei Prachuap Khiri Khan radeln wir durch einen Nationalpark und sehen zum ersten Mal Affen die Maskengesichter haben. Sie starren uns unbeweglich an. Es sind Brillenlanguren, eine Primatenart die hier in Gruppen in den Wäldern leben.

Geckos sind unsere abendlichen Freunde. Es ist schon toll zu sehen, wie sie die Moskitos und kleinen Fliegen dezimieren. Oft sitzen mehrere in Lampen. Überhaupt lachen diese Geckos ziemlich laut. Ab und zu hörten wir tiefe Basstöne und schauten nach dem Verursacher. Da trafen wir auf Oma- und Opa-Gecko in Übergröße, die einen wenn man sie ärgert sogar anzischen.

Thailand_Nang-Rong-Guesthouse_Gecko

 

Doch wir haben auch menschliche, nicht ganz alltägliche Begegnungen auf dieser Strecke:

– wir treffen den jungen Holländer Tiem, der seit 2 Jahren durch die Welt radelt und gerade in Thailand sein Denguefieber auskuriert. Er will auch im Winter auf Bali sein. Mal sehen ob sich unsere Wege nochmals kreuzen.

– bei A. Pathio, am Strand, liegt ein älterer Schwede auf dem Balkon seiner 2,50 x 2,50 m großen Bambushütte. Als wir auch eine Bambushütte beziehen, erfahren wir, dass er seit einem Jahr auf dem Balkon hier liegt. Er war wohl sein Leben lang in der Welt unterwegs. Nun hat er sich hier niedergelassen und sich gleich 2 Motorroller, einer mit Seitenwagen und einer mit 120 kg Anhänger, angeschafft. Er hat 3 große Gasflaschen und Küchenutensilien mit denen man ein Restaurant ausstatten könnte. Jedoch sein Problem: Er weiß nicht wie er mit 2 Motorrollern hier wieder wegkommen soll. Auf Martins Frage, ob er denn nicht einen verkaufen will, reagiert er etwas entrüstet mit den Worten „I’m no businessman. I never made business“.—Ok.

– in der Nähe von Chumphon kommt uns ein Skifahrer auf Rollen im Kokoswald entgegen. Eine Fata Morgana?? Eine Stunde später treffen wir Kalle im Cafe „Pirates“, in der Thung Wua Lan Bay, bei einem Bier und erfahren, dass er als Norweger seit Jahren in Thailand mit seinen Rollerski fährt. 2012 hatte er ein Projekt: mit den Skiern von Chiang Rai im Norden nach Bangkok auf dem Highway unter dauernder Polizeieskorte. Dafür wurden Spendengelder für eine Schule in Chiang Rai gesammelt.
Das nächste Abenteuer soll eine Kanufahrt den Mekong hinunter sein, wobei es einige Wasserfälle zu überwinden gibt.

Seit wir südlich von Bangkok an der Ostküste entlang radeln sehen wir immer wieder sehr schöne palmenbewachsene Buchten. Alle Straßen, auch die kleinen, sind in Thailand super befahrbar und es macht richtig Spass.

Thailand_ Prachuap Khiri Khan

Wir verweilen einige Tage in der Bucht Thung Wua Lan Bay, wo wir ein kleines Häuschen bezogen haben. Von der Terrasse zum Strand ins Wasser – 45 Sekunden!!
Hier erwarten wir mit Spannung Samantha und Nora mit David!

Thailand_Thung Wua Lan Bay

Wir erkunden per Rad die Gegend um Sapli und die Thung Wua Lan Bay. Bis heute, 19. August, sind wir 15.000 km geradelt!

Thung Wua Lan Bay

Alles klappt wie am Schnürchen! Am 21. und 26. August trifft unser sehnlichst erwarteter Besuch ein. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl seine Kinder nach über einem Jahr wieder in den Armen zu halten und wir genießen jeden Augenblick: gemeinsames schwimmen im 29 Grad warmen Wasser, lecker Essen gehen, abends ein kühles Archa-Bier am Strand trinken, Billard spielen, den bunten Markt in Sapli besuchen…

Thailand_Thung Wua Lan

Doch die Zeit verrinnt und nach einer wunderschönen Woche ist es Zeit sich zu verabschieden. Nora und David wollen Thailand erkunden und einen Tauchkurs machen. Beide machen sich mit ihren Rucksäcken zielstrebig auf den Weg. Wenig später reist Samantha ab, denn sie möchte ein paar schöne Tage in einem Yoga-Resort verbringen.

Auch wir radeln deshalb am 1. September in Richtung Westen weiter. Dort wollen wir Annalena mit ihrer Freundin Anne und Samantha auf der Insel Kho Phayam treffen. Die Überquerung zur Ostküste in Richtung Ranong ist sehr schön. Wir sehen viele Palmenwälder, Kautschukplantagen und machen einen Abstecher zu dem Wasserfall Chum Saeng, wo wir uns erfrischen können. Dieser bahnt sich seinen Weg mitten durch den Dschungel und kommt über etliche Kaskaden schließlich bei uns unten im Bassin an.

Thailand_Chum Saeng Wasserfall

Wir beobachten wie Kokosnüsse auf einfache Weise geerntet werden. Ein dressierter Affe wird an einer langen Leine von seinem „Herrchen“ auf die Palme geschickt. Oben angekommen dreht der Affe die Kokosnüsse solange bis sie herabfallen.

Kurz vor Kraburi radeln wir am Fluss Kra entlang. Hier trennt uns nur der Fluss zu Myanmar. Wir schauen hinüber und staunen über das wild aussehende Ufer, das mit Palmen bis in den braunen Fluss hinein bewachsen ist. Wir passieren die Stelle, an der Thailand nur 50 Kilometer breit ist. Hier am Kra Isthmus könnte, so ein Hinweisschild, in den nächsten Jahren ein Kanal zwischen dem Andaman Meer im Westen und dem Golf von Thailand im Osten entstehen.

Auch am Pier von Kraburi sehen wir hinüber auf Myanmar und stellen fest, dass hier ein reger Bootsverkehr zwischen den beiden Staaten stattfindet. Für die Birmanen ist es mittlerweile einfach nach Thailand zu kommen und hier zu arbeiten.

Thailand_ Kraburi_Pier

Einen weiteren Wasserfall, der uns zum Baden einläd, finden wir kurz nach Kraburi. Dank der Nebensaison sind wir die einzigen Gäste.
In Ranong treffen wir wieder Samantha, die ihren Yoga- und Kochkurs voller Begeisterung beendet hat. Die Fähre bringt uns Drei und unsere Räder bei schönstem Sonnenschein auf die paradiesische Insel Koh Payam, wo wir im Resort Goldkey mehrere Bungalows belegen und reservieren. Hier erwarten wir mit Hochspannung Annalena und ihre Freundin, die am 8. September ankommen. Es lässt sich kaum in Worte fassen, wie schön es ist wieder zusammen zu sein.

Thailand_Koh Payam

Ein Überraschungsgast hat sich vor ein paar Tagen ebenfalls angekündigt. Unser Freund Klemens aus Herrenberg und Lung kommen angereist und sie beziehen den Bungalow gleich neben uns.
So sind wir auf der Insel eine prima Gruppe und die Zeit verrinnt wie im Flug. Wir machen einige Spaziergänge durch die autofreie Insel, besuchen verschiedene Strände, Mangrovenwälder, genießen das leckere Essen und baden jeden Tag, obwohl es immer wieder auch heftig regnet. Deshalb ist hier die Natur so üppig! Regenwald mit Affen, Hornbill Vögel mit ihren seltsam geformten großen Schnäbeln, dazu die tropische Musik vieler Insekten.
Annalena und Anne, beide das erste Mal in Thailand, haben noch viel vor und nach 4 gemeinsamen sehr schönen Tagen gilt es am Pier von Koh Payam Abschied zu nehmen. Auch Samanthas Rückflug nach Deutschland steht vor der Tür und wir winken der entschwindenden Fähre nach, bis sie im Dunst verschwimmt.

Wir bleiben noch ein paar Tage auf der Insel, bevor wir zu Viert abreisen. In größter Hitze radeln wir weiter nach Khao Lak, einem touristischen Ort mit schönen Stränden. Dort treffen wir Klemens und Lung im Happy Lagoon Resort. Nun ist wieder mal Urlaub vom Urlaub angesagt.  

Thailand_Bangsak Beach

Am 25. September jedoch wollen wir weiter und wir packen nach einer schönen gemeinsamen Zeit unsere Taschen. Uns zieht es Richtung Süden, Klemens nach Norden. Noch können wir bis 24. Oktober in Thailand bleiben. In Ranong haben wir unser Visa unproblematisch um einen Monat verlängern können.

Wir verlassen die Küstenstraße und radeln über einen Bergzug in Richtung Krabi. Vor uns tut sich eine bizarre Karstlandschaft auf. Steile Berge, die wie aus dem Nichts senkrecht aufragen, beherrschen das Straßenbild. Krabi, ein schöner Ort mit vielen
Märkten am Fluss gelegen, ist Ausgangspunkt für etliche touristische Attraktionen – James Bond Fels, Canoeing, Tempel,
Wasserfälle, Schnorcheln – , dementsprechend treffen wir auch viele Touristen. Doch dafür stimmt die Infrastruktur. Wir bekommen leckere Pancakes, Curries und Shakes. Kurzentschlossen buchen wir noch die 4-Inseltour und genießen einen sehr schönen Tag auf einem Longtailboat, welches uns von Insel zu Insel schippert.

Thailand_4 Islands Tour

Wir können schnorcheln und die Unterwasserwelt mit vielen bunten Fischen, ja ganzen Schwärmen, eine Seeschlange, Muscheln und Korallen, begeistern uns. Das Wasser ist klar und wir können gut 4 bis 5 Meter in die Tiefe sehen.
Beim Blick in die Tiefe sehen wir die vielen Touristen nicht, die ähnliche Touren gebucht haben. Es ist schon sehr viel los, dabei ist noch Nebensaison.

Seit dem 24. September werden wir immer wieder mit dem „Vegetarischen Festival“ konfrontiert. Wir sehen fahrende Umzüge mit Musik, Tempeln auf Pritschenwagen und in Trance versetzte Gläubige, die sich die Wangen mit dicken Eisenstangen durchbohrt haben. Einen Höhepunkt erleben wir zufällig in Krabi, als sich hunderte Gläubige auf der Straße selbst verletzen. Wir mögen  dieses blutige Spektakel, in das wir zufällig gerieten nicht, doch wer sich ein Bild davon machen möchte kann den folgenden
Link ansteuern.
http://www.krabi-magazine.com/announcements/vegetarian-festival-celebrations-in-krabi

Ende September nehmen wir ein Longtailboot zur Insel Koh Pu (oder auch Koh Yum genannt) und balancieren unsere Räder über einen schmalen Steg glücklich in das Boot hinein.

Thailand_Boat nach koh Yum

Die Insel ist sehr bergig, grün und hat einige schöne Strände. Es ist immer
noch Nebensaison, so dass viele Anlagen/Resorts und Restaurants geschlossen sind. Wir kommen im Golden Pearl, in einem kleinen Bungalow zwischen Palmen, gut unter. Im einzigen geöffneten und nächstgelegenen Restaurant, Honk Yok, lassen wir uns von der sympathischen Köchin gerne verwöhnen.

Was nicht so schön ist, das ist der ganze Plastikmüll, der immer wieder in Unmengen an die Strände gespült wird. Er wird dann
von den Thais oder den burmesischen Gastarbeitern schön zusammengekehrt und entweder weggeschafft oder wieder dem Meer überlassen. Ein ewiges Hin und Her.
In den 10 Tagen die wir auf der Insel verbringen erleben wir tagelang anhaltende heftige Stürme und Regengüsse, doch mit dem Vollmond kommt der Wetterwechsel. Zeit für uns weiter zu ziehen.
Kleine schattigen Straßen, mit vielen Palmöl– und Kautschukplantagen, bringen uns nach Pak Meng Beach.
Hier gibt es nur die thailändischen Urlauber oder Wochenendausflügler aus Trang. Einfache Imbissstände und Essbuden beherrschen das Bild, so dass wir uns gut und sehr günstig verpflegen können. Wir gehen schwimmen, doch Agnès macht mit einer Qualle Bekanntschaft. Ihr Arm wird mit Limone behandelt und verheilt sehr schnell. Sie ist nochmals glimpflich davon gekommen, denn unterwegs haben wir gesehen, wie qualvoll so eine Berührung sein kann.  
Erst diesen Sommer gab es auf Koh Tao einen Todesfall wegen Würfelquallen, die vor allem in Australien  vorkommen. 

Neben unserem Bungalow mietet sich eine sympatische Italienerin ein und wir verbringen eine schöne Zeit zusammen.

Langsam nähern wir uns der malaysischen Grenze und die Bevölkerung vermischt sich. Oft sehen wir am gleichen Tisch Buddhisten und Moslems zusammen essen. Manchmal ergibt sich ein eigenartiges Bild – Frauen in Shorts, daneben Frauen mit Kopftuch und bedeckter Bekleidung, daneben Kathoeys.

Nach Trang besichtigen wir den Penisular Botanic Garden mit seinem „Canopy Walkway“. Dies ist ein Weg über den Baumkronen mit super Sicht über den Dschungel. Dann führt der Weg wieder nach unten, durch Sumpfgelände mit fleischfressenden Pflanzen, Orchideen und majestätisch wirkenden Bäumen.

Thailand_bei Trang_Botanic Garden

Bei La Ngu machen wir noch einen Abstecher ans Meer. Von hier aus nehmen wir die Straße nach Osten, über Berge mit Baumriesen und bizarren Kalksteinfelsen.

Die Grenze zu Malaysia passieren wir bei Wang Prachan. Hier liegt auf thailändischer Seite der gut besuchte Grenzbasar mit
seinen Klamotten, alkoholischen Getränken und Souvenirs.

Es ist unsere 24. Grenze und wir fragen uns wieviele Stunden wir schon an Grenzen verbracht haben….
Doch fest steht, dass wir es jedes Mal unheimlich spannend finden Neuland zu betreten.

Fotos zu Thailand:

01_thailand_bus

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Laos 2014

Laos – Sabaidee!!!

Wenn der Bär Balou aus dem Dschungelbuch tatsächlich gelebt hat, dann hier in Laos. „Versuch’s mal mit Gemütlichkeit“ könnte das Motto der Laoten sein, zu deren Mannausstattung mindestens eine Hängematte gehört.
Dazu gibt es auch einen alten Spruch. Man sagt „der Vietnamese pflanzt den Reis, der Kambochaner schaut ihm beim Wachsen zu, der Laote hört den Reis wachsen“.

Uns kommt dieses Motto entgegen, da es im Gegensatz zu China und Vietnam auf der Strasse viel ruhiger zugeht. Kaum Gehupe, weniger Verkehr und rücksichvolle Fahrer.

Wir passieren am 19.07 die Grenze und radeln westwärts durch die wenig bergige Strecke bis Seno, dann in den Süden bis Pakse in der Mekongebene. Die Landschaft wechselt von Regenwald zu Reisfeldern in üppigem Grün.

Laos_Regenwald

 

Wir kommen durch viele kleine Dörfer mit Stelzenhäusern aus Holz, zwischen denen Kühe, Buffel, Schweine, Ziegen, Hühner und Hunde ihre Nahrung suchen. Aus diesen Häusern schallt uns auch immer wieder ein „Sabaidee“! entgegen. Neu für uns ist, dass ganze Kinderhorden uns aufgeregt begrüßen und uns zuwinken. Die Bevölkerung macht im Vergleich mit Vietnam einen deutliche ärmeren Eindruck auf uns.

Laos_Kanan

Immer wieder sehen wir Hilfsprojekte wie Welthungerhilfe oder vor allem Spenden der Japaner für Brücken oder Projekte im Agrarbereich.

Viele kleine buddhistische Tempel säumen unseren Weg. Sie dienen auch als Klosterschulen oder als Friedhöfe und sind oftmals sehr klein.

Laos_Pakse

Zur Zeit ist Regen-, d.h. Monsunzeit und wir suchen auf unserer Fahrt vor der heftigen Regenfällen immer wieder Schutz in einem Lokal oder sonstigen Unterschlupf. Doch trotzdem werden wir immer wieder von dem warmen Regen eingeweicht. Abseits der Hauptstraße sind die Wege schlammig und die Flüsse führen sehr viel Wasser. Deshalb bemühen wir uns auch nicht um einen Zeltplatz, sondern suchen uns abends rechtzeitig ein gemütliches Zimmer.

Im Vergleich zu Vietnam wirkt Laos wesentlich ärmer auf uns. Die freundliche Laoten leben einfacher und ursprünglicher. Etwas kompliziert gestalten sich für uns die Mittagspausen, denn in den einfachen Lokalen am Straßenrand gibt es meistens nichts als Nuddelsuppe. Nach fünf Tagen Nudelsuppe können wir diese nun wirklich nicht mehr sehen, denn das Rezept ist stets das Gleiche: Zu den Nudeln wandern Innereien sowie Tintenfischstücke! Eine etwas eigenartige Mischung! So sind wir denn auch froh als wir die touristische Kleinstadt Pakse erreichen und wir etwas Abwechslung in einem italienischen und indischen Restaurant finden. Hier treffen wir an drei Abenden auch nette Franzosen und Laoten zu leckerem Essen und BeerLao, das als das beste Bier in Südostasien gilt. Im Delta Cafe, mit deren Motto „von der Plantage in die Tasse“, genießen wir Americano und Cafe Frappé. Die Besitzer bauen Schulen für die Kinder der Plantagenarbeiter.

Von Pakse aus fahren wir mit einer organisierten Tour in einem Minibus, zusammen mit Franzosen und zwei Wienerinnen, auf das Hochplateau Bolaven. Dort werden in 1.300 m Höhe die besten und teuersten Kaffeebohnen der Welt geerntet. Arabica, Arabica typica „champagne of coffee“ und Robusta. Die Farmer bekommen weniger als 0,50 US Dollar pro Kilo – einfach unglaublich! Eine „fairtrade“ Kooperative bietet seit 2004 pro Kilo 1,36 US Dollar, immerhin mehr als Doppelte.

Wir sehen einige Wasserfälle, wobei der spektakulärste für uns der Doppelwasserfall Tat Fan mit einer Fallhöhe von 120 Metern ist. Die Kulisse ist einfach atemberaubend.

Laos_Bolaven Plateau_Tat Fan

Die Dorfbesuche bei den Katu und Alak, die auf dem Hochplateau leben, sind eher unangenehm für uns, gehören aber mit zum Programm. Interessant ist deren Webtechnik mit Hand und Fuß – siehe Galerie.
Die angelegte, jedoch schöne Natur des Eco Phassoum Resorts gefällt uns wieder sehr gut. Dschungelatmosphäre mit gigantisch hohen Bäumen, Lianen, dazwischen Baumhäuser und Hütten die man mieten kann, bunte Blumenpracht und Wasserfälle.

Laos_Bolaven Plateau_Exo Resort

Doch hier ist auch ein Freilichtmuseum angegliedert, in welchem sich die Katu und Laven in ihren Kostümen präsentieren und die Touristen unterhalten sollen. Alles wirkt surreal und aufgesetzt, doch dem Gründer W. Kijbamrung ging es darum für die Völker Arbeitsplätze und eine gesunde Umgebung zu schaffen.

Laos_Bolaven Plateau_Exo Resort

Gegenüber unserem Gästehaus frühstücken wir in der Bäckerei „Laovida“ einem interessanten Hilfsprojekt für Laoten, denen dort Englisch, Lebenskunde und Backen vermittelt wird. Sie sollen als Multiplikatoren ihr Wissen in den Dörfern weiter geben.

Auf unserem Weg in Richtung Grenze sehen wir noch einmal Karaoke Werbeschilder an den Restaurants, die uns ab Vietnam bis heute immer wieder aufgefallen sind. Die Laoten lieben Musik, vor allem Karaoke und thailändische Lieder. Diese klingen auf unserer Fahrt zur thailändischen Grenze noch nach.

Fotos zu Laos:

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