Uzbekistan 2013

Uzbekistan – Steppe und Flair der Seidenstraße

Nur eine unmotivierte Zöllnerin sitzt am 21. November hinter den vielen Schreibtischen und sie hat alleine die Fußgänger abzufertigen. Außer uns sind noch 3 andere zugegen, so dass sie unsere Zollerklärungen schnell entgegennimmt und uns und die Räder durchwinkt. Wir entgehen dem Röntgen und der Gepäckkontrolle. Aber wir sind erstaunt, als wir an der Grenze einen Arzt antreffen, der unsere Temperatur mit einem Handgerät messen muss. Keine Krankheiten dürfen ins Land. Er scheint mit uns  zufrieden zu sein und wir dürfen passieren.

Toll sind die Bazare in Uzbekistan, denn dort spielt sich das Leben ab. es im Freien und das auch bei niedrigen Temperaturen. Die Frauen sind in bunt angezogen und die Männer tragen lange meist blaue Mäntel, die uns teilweise an Bademäntel erinnern. Auf dem Kopf sitzt der Kosakenhut mit Fell. Auf den Märkten gibt es alles. Von Süßigkeiten über eingelegtes Gemüse bis zu Klamotten.

10_Uzbekistan_Taschkent_Bazar

Den Geldbeutel kann man jedoch in der Tasche lassen. Wir werden ihn in ganz Uzbekistan nicht brauchen! Denn erstens gibt es kein Münzgeld und zweitens haben wir wieder Tausender in den Taschen, und das nicht zu knapp. Beim Wechseln von 100 Dollar bekamen wir 270.000 Som  Nun ist es so, dass nur Geldscheine in der Stückelung von 200, 500 und 1000 im Umlauf sind, so dass wir mehrere dicke Geldstapel erhielten – insgesamt 270 Scheine! Überhaupt verwahren die uzbeken ihr Geld in Plastiktüten auf und wir sind auf dem besten Weg es ihnen gleich zu tun. Egal wo wir Geld wechseln, ob auf dem Bazar oder Fischmarkt, stets findet man jemanden der ganze Pakete von Geldscheinen bei sich hat.

01_Uzbekistan Som

Egal wo wir sind, ob auf dem Bazar, in einem kleinen Dorfladen oder einfach auf der Straße, wir erregen wieder einmal die Aufmerksamkeit der Bevölkerung. Entweder werden wir mit Fragen überhäuft, oder es wird gewunken, gepfiffen, geschrieen oder gehupt. Oft möchte man uns fotografieren – na ja, das sind wir schon gewohnt!

Aber es gibt hier auch etwas was wir nicht gewohnt sind. Das ist der Umgang mit Touristen seitens der Regierung, wonach sich  jeder Tourist jeden dritten Tag bei einer Polizeistation melden muss oder in einem Hotel registriert sein muss. Auch ist es der Bevölkerung nicht erlaubt Touristen bei sich über Nacht aufzunehmen. So versucht die Regierung den Kontakt mit der Bevölkerung auf ein Minimum zu reduzieren!

Kaum zu glauben ist auch die derzeitige Versorgung des Landes mit Benzin. Alle Tankstellen, die teils auch ganz neu gebaut wurden, sind geschlossen. Es gibt kein Benzin! Nur Gas (Methan) ist an speziellen Tankstellen erhältlich. Hier bilden sich dann Fahrzeugschlangen von bis zu 50 Pkw. Benzin wird in Plastiktrinkflaschen am Straßenrand angeboten oder in Garagen abgefüllt. Der Benzinpreis beträgt pro Liter etwa 1 Euro, was für hiesige Verhältnisse sehr viel Geld ist.

Wir sind schnell in Buchara, einer der wichtigen Zentren des früheren Seidenhandels. Die kleine Stadt bietet allerhand prächtiger Bauten aus dem 15./ 16. Jahrhundert. Es ist alles ganz toll renoviert und für viele Touristen ausgelegt, doch momentan ist keine Saison und wir treffen nur auf ein holländisches Radlerpaar.

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Unser Zimmer im Mektar Nobar, einer umgebauten Bibliothek aus dem 16. Jhd. hat Flair durch den schönen Innenhof und die dicken Deckenbalken im Zimmer. Wir gehen Essen und genießen die Gemüsesuppe mit Schaf und Koriander und das gebratene Huhn mit Brot. Doch leider hat Martin irgendwas schlechtes erwischt, denn am nächsten Tag liegt er flach und kann das Zimmer nicht verlassen. Starke Tabletten müssen her und diese wirken auch recht schnell, so dass wir nach 3 Nächten in Buchara weiterradeln.

Wir nehmen die Nebenstrecken durch die Qarnubcho’l Steppe, ca. 300 km nur Steppenlandschaft und ab und zu mal ein ganz kleines Dorf mit traditionellen Lehmhäusern. Die Autos fahren hier nicht im Sekunden- oder Minutentakt, sondern alle paar Stunden.
Wir genießen die Ruhe tagsüber und nachts, sowie den tollen Sternenhimmel, denn Lichtverschmutzung gibt es hier nicht. In einem kleinen Dorf werden wir morgens zum Tee eingeladen, doch als wir sitzen wird außer Tee ein komplettes Menü serviert: frisch gebackenes Brot mit selbst gemachter Marmelade, eingelegtem Karottensalat, Gemüseschafsuppe, danach eine Platte mit Schaffleisch und verschiedenes Gemüse, Äpfel und Schokolade. Das Essen dauert 2 Stunden und wir unterhalten uns prima, mal wieder mit Händen und Füßen, doch es klappt.

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Das Wetter in Uzbekistan spielt Kapriolen mit uns. Erst haben wir einen Tag lang totalen kühlen Gegenwind in der Steppe und kommen auf gerader Fläche nur mit 7 bis 10 km/h voran. Am Tag darauf scheint die Sonne und es ist Tshirt-Wetter, mit bis zu 25 Grad. Dann haben wir nachts einen Sturm mit Böen die sich anhören wie wenn ein TGV (ICE) auf das Zelt zurasen würde, doch auf unser Aldi-Zelt ist Verlass. Letztendlich radeln wir bei 10 Grad und Regen völlig durchnässt in Samarkand ein.

Hier gilt dasselbe wie für Buchara. Tolle Prachtbauten, Mausoleen und Moscheen aus der Zeit der Karawanen, nur alles noch etwas großzügiger angelegt. Wir sind mal wieder hin und weg und bewundern zwei Tage lang diese Szenerie aus 1000 und einer Nacht.
Nicht umsonst wurde die Innenstadt die zu den ältesten Städten der Welt gehört 2001 zur Liste des UNESCO-Weltkulturerbe hinzugefügt, unter anderem da Architektur und Stadtbild Meisterwerke islamischer kultureller Kreativität darstellen und Kunst, Architektur sowie Stadtstruktur die wichtigsten Epochen zentralasiatischer kultureller und politischer Geschichte illustrieren.(laut Wikipedia)

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Buchtipp: Amin Maalouf, Samarkand.

Sehr zu empfehlen ist das zentral gelegene und doch ruhige Hotel Jahongir mit seinen 12-Zimmern und dem schönen Innenhof. Die Besitzer sind sehr herzlich und hilfsbereit, sprechen außer Englisch auch Deutsch und Französisch.

Bei der Weiterfahrt in Richtung Taschkent sehen wir die schneebedeckten vier- und fünftausender Berge, die sich schon jenseits der Grenze in Tajikistan befinden. Ein toller Anblick!

Hier holt uns auch der Winter ein. In der Nacht zum 5. Dezember sitzen wir abends noch vor dem Zelt und knabbern Nüsse bei 13 Grad. Nachts kommt ein Sturm auf und wir schlafen unruhig. Irgendwann bemerken wir, dass sich der Innenraum von unserm Zelt erheblich verkleinert hat. Was ist passiert? Stangenbruch? Wir stellen schnell fest, dass es einen Temperatursturz gab und dass eine schwere Schneelast das Außen- und Innenzelt nach innen drückt. Uns bleibt nichts anderes übrig, als in dieser Nacht zweimal die warmen Schlafsäcke zu verlassen und das Zelt vom Pappschnee zu befreien.

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Gleichzeitig mit dem Schnee haben wir aber auch Nässe in den Feldern und auf den Wegen. So ist es uns von unserem Zeltplatz aus nicht mehr möglich die Hauptstraße mit den Fahrrädern zu erreichen, denn nach nur 2 Metern im Schlamm blockieren beide Räder. Es hilft alles nicht. Wir müssen die Fahrräder 1,5 km bis zur Hauptstraße tragen. Danach zurück durch den Schlamm und nun ist unser Gepäck (jeweils 35 kg) dran. Wir sind schlapp und verdreckt, aber es geht weiter!

Dieses kleine Abenteuer vergessen wir schnell, denn wir werden unterwegs, als wir eine  heiße Suppe essen wollen, gleich zum „Balsam“-Trinken eingeladen. Der Wirt, ein gläubiger Moslem der keinen Alkohol trinken darf, präsentiert uns eine volle Flasche „Balsam“, was eigentlich ja ein Medikament sei. Tatsächlich handelt es sich um einen 40%igen Cognac der uns auch gut mundet. Der Wirt lässt nicht locker und die Flasche leert sich, noch bevor die Suppe gegessen ist. Nun zaubert er eine volle Flasche Vodka – von Medikament ist nicht mehr die Rede – aus einer Schublade und wir „ergreifen die Flucht“ als auch diese Flasche zur Hälfte geleert ist. In guter Stimmung hat uns unser Wirt zu allem einfach eingeladen.
Beim ersten Hotel das wir sehen verlässt uns unsere Radlermotivation und wir nehmen uns ein warmes Zimmer.

Auch Taschkent hat ein paar sehr schöne Gebäude aus dem 16 Jahrhundert zu bieten. Wir sehen gut erhaltene Mausoleen und Medresen. Begeistert sind wir von dem großen Bazar mit den tollen Kräutern, bunten Früchten, gestapelten Nudeln – hier gibt es mal wieder alles. Mit der Metro kommt man für wenig Geld gut überall hin und die einzelnen Metrostationen, jede anders gestaltet, sind auch ein „hinkucker“. Die Luft in Taschkent ist prima, dank der vielen Autos die nur mit Gas fahren und den vielen Grünflächen.

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Während unser Antrag auf ein kazachisches Visa bearbeitet wird, machen wir einen 200 km langen Radausflug zum Chorvoq-See, der am Fuße des Piskomgebirges mit seinen vier- und fünftausender Bergen liegt. Wir bleiben jedoch nicht lange, da eine Tiefwetterfront in den Bergen hängt.

Mit dem Wetter haben wir gerade nicht so viel Glück. An Martins Geburtstag radeln wir bei 20 Grad und Sonne los und wollen einen 3-tägigen Ausflug machen, doch abends werden wir von Regen heimgesucht. In der Nacht stürmt es und wir haben Schnee. Die Temperatur sinkt auf Minusgrade. Also schnell zurück nach Tashkent, wo wir uns wieder in das Hotel Jahongir einquartieren. Die nächsten Tage genießen wir den Luxus hier zu wohnen. Hier erreichen uns auch immer wieder Infos aus der „Alten Heimat“ und es ist schön für uns ein wenig auf dem Laufenden gehalten zu werden.
Wir werden oft gefragt, wo wir Weihnachten verbringen werden. Unsere Antwort: „on the road“. Auch die Uzbeken haben in den letzten 3 Tagen damit begonnen die Schaufenster etwas weihnachtlich zu bemalen, aber weit entfernt von Playstation 3, das perfekte Weihnachtsdinner, Geiz ist geil, tripe HD TV, super mega Flat mit I-Phone 5 c….
 
Das Kazachstanvisa haben wir ohne Probleme bekommen. Am 20.12.13 läuft unser uzbekisches Visa aus und wir werden durch Kazachstan radeln. Bis Bishkek in Kirgizstan sind es rund 600 Kilometer.
Tashkent hat uns sehr gut gefallen, doch es war auch befremdend wie hoch die dortige Polizeidichte ist. An jedem öffentlichen Platz, bei jeder Bank oder bei jedem öffentlichen Gebäude stehen die Herren in Grün herum. Wir sahen unzählige Autokontrollen. Bei jedem (!) Metroabgang im Freien, vor den Treppen im Innern und innerhalb der einzelnen Stationen finden sich meist junge Polizisten, die auch mitgeführte Gepäckstücke kontrollieren. Fotos innerhalb der Metrostationen sind verboten. Doch dafür ist wieder eine andere Kontrolleurin, meist mit Mundschutz unterwegs, zuständig. Uns ist ganz klar, dass es hier ein Überangebot an grünen Männlein gibt.

Den Abschluss unseres Tashkent Aufenthaltes krönt die Ballettaufführung „Der Nussknacker“ von Tschaikowski, wo wir uns kurzer Hand, mit Karten je 5 Euro für die besten Plätze besorgen. Das Bühnenbild ist toll, die TänzerInnen sind absolute Profis und auch das Orchester mit 35 Musikern ist ein Highlight. Super Abschluss!

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Am 19.12. radeln wir gemütlich Richtung Grenze ca. 30 km, wo wir uns einen Zeltplatz suchen. Dabei bekommen wir die Information von einem Einheimischen, dass diese Grenze für Touristen gesperrt wäre und wir die Grenze bei Chinoz (120 km) nehmen müssen. Schreck! Fertig mit der Gemütlichkeit! Wir wollen es aus erster Hand wissen und radeln sofort zur Grenze. Dort gestaltet sich die Ausreise jedoch unproblematisch und als wir die Polizisten darauf aufmerksam machen, dass unsere Visas für Kazachstan erst am 20.12. beginnen, wird uns versichert, dass auch dies kein Problem wäre. Wir hätten es anders wissen müssen!

Info zum Geldabheben in Uzbekistan:

Es gibt in Buchara und Samarkand im Hotel Asia die Möglichkeit mit Visa-Karte Som am dortigen Schalter abzuheben. Gebühr 3 Prozent.
Das Hotel Uzbekistan in Tashkent beim Amir Temur Platz bietet die Möglichkeit an einem Visa-ATM Dollars oder Som abzuheben.
Wir haben davon Gebrauch gemacht und Dollars abgehoben. Gebühren sind bei unserer Bank (DKB) dafür nicht angefallen.
Ansonsten kann in Uzbekistan nicht an Geldautomaten mit Visa oder Mastercard abgehoben werden.
Beim Geldwechseln von Fremdwährung in Som auf dem Schwarzmarkt ist derzeit der Dollar beliebter und man bekommt einen besseren Kurs als beim Euro. (ca. 1/3 mehr als bei der Bank)

Infos zur Ausreise aus Uzbekistan:

Wir haben von jedem Hotelaufenthalt die Registrierungszettel gesammelt. Diese müssen ja bei der Ausreise vorgelegt werden.
Der Grenzpolizist hat sich hauptsächlich dafür interessiert wann die erste Registrierung erfolgt ist. Die von uns gesammelten weiteren Registrierungen wurden zur Kenntnis genommen und uns wieder zurückgegeben.
 

Info zu Kazachstanvisa in Tashkent:

Vor der Beantragung des Visas (dies ist morgens) muss man sich am Abend zuvor in eine Liste eintragen, die am Zaun des Konsulats aushängt. Die Bearbeitung geht streng nach der Reihenfolge des Eintrags.
Bei der Abholung des Visas (dies ist abends) sollte man sich 2 bis 3 Stunden vorher eintragen.

Du benötigst
– 1 Antragsformular, das auch im Konsulat vorrätig ist
– 1 Foto
– 30 Dollar bei der Beantragung für ein 30-tägiges Touristvisa
(eine Hotelreservierung oder Adresse in Kazachstan wurde von uns nicht verlangt)
Die Bearbeitungszeit beträgt normalerweise eine Woche. Wenn es gut klappt, wie bei uns, dann geht es in 4 Tagen.

 

Fotos von Uzbekistan allgemein:

Fotos von Buchara:

Fotos von Samarkand:

Fotos von Tashkent: