Norwegen 2017

Norwegen – auf dem Weg zum Nordkap

Norwegen empfängt uns mit klarer Sicht und üppiger Sonne. Wir radeln um die erste Kurve und staunen: der erste See ist noch halb zugefroren und am Ufer liegt an manchen Stellen noch viel Schnee. Wir spazieren zum See, sinken teilweise in das morastige Sumpfgras ein, doch es lohnt sich, denn kurz darauf stehen wir am Ufer, wo das klare Wasser in allen möglichen Blautönen scheint. Die schneebedeckten Berge im Hintergrund sind nur bis zu 800 m hoch, doch wir haben den Eindruck in einer hochalpinen Gebirgslandschaft zu sein.

See gleich an der Grenze

Hier in dieser Gegend, entlang des Alto Flusses wohnen viel Samen, in abgelegenen Gehöfen, von der Rentierzucht und vom Fischfang. In den Höfen liegen Fischernetze, stehen Schneescooter und treiben sich Huskies herum. Wenn wir bei den Samen zum Trinkwasserholen anklopfen, werden wir oft hereingebeten und höflich behandelt, doch zu einem Gespräch kommt es mangels Englisch nicht.
In alten Zeiten führten die Samen ein Nomadenleben. Sie zogen zwischen den heutigen Staaten Norwegen, Schweden, Finnland und Russland umher, im Sommer nach Norden und im Winter nach Süden. Sie lebten in torfgedeckten Hütten, die mit gebogenen Holzstangen errichtet wurden oder in transportierbaren Zelten aus Birkenstangen, sogenannten Tipis.

Wir folgen dem blauleuchtenden reißenden Fluss, in dem schmelzende Eisplatten schwimmen, sowie dem kilometerlangen Rentierzaun, der auf der anderen Straßenseite errichtet wurde. Die nächsten Tage stellen wir fest, dass in der Region Finnmark noch sehr viele Seen zugefroren sind. Unglaublich viele Wasserfälle versorgen die Flüsse, Stromschnellen die wir nicht befahren würden rauschen in die Tiefe.

Kurz vor Alta geht es 8 Prozent bergab und wir kommen von der kahlen Winterlandschaft in eine mit saftigem Grün. Bis Alta können wir immer wieder in T-Shirt radeln, so toll ist das Wetter. Dies ändert sich auch nicht, als wir nach Alta wieder auf ein Hochplateau radeln müssen. Tolle Sicht auf Berge, große Schneefelder bis zu 1 Meter tief. Gut dass wir noch nicht wissen, wie das Wetter hier eine Woche später sein wird, denn diese Strecke müssen wir wieder zurück…

Eisschollen vor Havoysund

Um Alta herum entsteht dann auch das „Nordkapfieber“. Wir treffen immer wieder auf andere Radreisende die vom Nordkap kommen oder wie wir dahin wollen. Rucksackwanderer, viele Motorradfahrer und Camper haben dasselbe Ziel. Man grüßt sich oder streckt sich den nach oben gerichteten Daumen entgegen. Es kommt zu einigen Gesprächen mit den Gleichgesinnten und man tauscht sich aus. Ein Thema ist unter anderem immer wieder der ungemütliche 6 km lange sehr kalte und feuchte Tunnel der, unter dem Eismeer hindurch, nach Honningsväg führt und in dem es 3 km bergab und 3 km steil bergauf gehen soll, ohne Extraspur für Radler. Darauf haben wir absolut keine Lust!
Wir entschließen uns daher für eine Alternativstrecke. Die 889 nach Havoysund und von dort mit den Hurtigruten weiter, also schön bequem im Schiff, bis nach Honningsväg. Es ist eine landschaftlich sehr schöne und ruhige Strecke, zuerst am Meer entlang, wo wir viele Rentiere sehen und auch ein Geweih finden, das zukünftig unsere Reise begleiten wird. Bizarre Schieferfelsen prägen die Küste. Weiter geht es über mehrere Berge und bis wir nach Havoysund kommen haben wir auf den letzten 35 km etwa 1.500 Höhenmeter zurückgelegt, insgesamt radelten wir an diesem Tag 115 km. Doch das Nordkap ruft!

Wir stehen früh auf, es ist ja eh immer hell, frühstücken gemütlich in der Sonne und radeln zur Anlegestelle. Kurz nach 9 Uhr sitzen wir gemütlich im warmen Panoramadeck im 7. Stock des Bootes, zwischen all den Rentnern, die eine 2-wöchige Pauschalreise mit den Hurtigruten machen und fühlen uns etwas fremd. Gut, dass wir uns vorher noch unsere Haare frisch gewaschen haben. Nach 2 Stunden Gemütlichkeit – viele Inseln sind wie auf einer Großbildleinwand irgendwie unwirklich an uns vorbeigezogen – kommen wir auf die Insel Mageroya nach Honningsväg. Wir starten durch und nehmen die anstrengende Strecke, mehrere steile Pässe, in Angriff. Bergauf im T-Shirt, denn die Sonne knallt. Bergab in Skiausrüstung, denn es ist eiskalt. Wir treffen unterwegs den netten Schweizer Fridolin mit seinem Velo, mit dem wir eine Vesperpause verbringen. Kurz danach stehen wir vor der Abzweigung des 7 km langen Wanderweges, um an den Knivskjellodden, den nördlichsten Punkt Europas, zu gelangen. Dorthin wollten wir ursprünglich wandern, doch der Schnee macht uns einen Strich durch die Rechnung, denn der Weg liegt unter etwa 1,5 m hohem Schnee.

Wanderweg zum Nordkap

So kommt es, dass wir uns wie alle anderen für die Aussichtsplattform entscheiden und das touristische Nordkap ansteuern, was sich im nachhinein als die beste Entscheidung darstellt, denn als wir dort ankommen, scheint die Sonne und wir haben blauen Himmel! Laut Reiseführer ist das nur zu 20 Prozent der Fall! Am Einlass werden wir als Radler freundlich durchgewunken und können im Gegensatz zu Campingbussen, die 60 Euro kosten, nichts bezahlen.
Wenige Minuten später stehen wir am 18.6.17 am nördlichsten Punkt Europas, auf 71°,10′,21″, und fühlen uns gut!!Geschafft!

Am nördlichsten Punkt? Darüber streiten sich die Gelehrten.
Manche gehen davon aus, dass das Nordkap die Stelle ist, an der schwedische und norwegische König Oscar II. am 2. Juli 1873 eine Säule mit den Worten „dies sei der nördlichste Punkt“ errichten lies, andere bezeichnen als Nordkap eine Landzunge, die sich etwas westlich davon befindet und etwas weiter nördlich liegt, den Knivskjellodden. Wieder andere sagen, dass das Nordkap auf keiner Insel sein dürfe, da sich noch andere Inseln weiter im nördlichen Eismeer befinden würden.

unser Zelt über den Klippen am Nordkap

Wir wählen für unser Zelt einen einmaligen Platz mit unverbaubarer Aussicht oberhalb der steinigen Klippen mit Blick auf das Polarmeer und die Mitternachtsonne. Außer uns stehen in einiger Entfernung noch zwei andere Zelte, oben an der Plattform jedoch tummeln sich hunderte Camper und Busse. Beim Spaziergang trauen wir unseren Augen nicht, als wir einen Reisebus aus Talheim bei Horb, also unserer Nachbargemeinde, entdecken. Die Gepäckklappen sind geöffnet und mehrere Kästen deutsches Bier fallen uns sofort ins Auge und erregen unsere Aufmerksamkeit. Wir kommen mit den Busfahrern der Firma Hochstetter ins Gespräch und kurz darauf werden uns vier leckere Wulle-Biere spendiert. Der Abend ist gerettet!
Wir sitzen vor unserem Zelt in der Sonne, genießen die Aussicht, kochen lecker und haben vier Wulle Biere. Wer hätte das gedacht! Leider ziehen Wolken und etwas Nebel aus und um Mitternacht ist der Himmel bedeckt. Egal, die Mitternachtsonne haben wir schon mehrmals gesehen und werden sie bis 22.Juli bestimmt auch weiterhin ab und zu sehen.

Juhuu! am Nordkap!

Fotos durch Norwegen bis zum Nordkap am 18.6.2017:

01-Norwegen-Grenze

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Weiterreise vom Nordkap durch Norwegen bis Schweden:

Die 37 km zurück nach Honningsvag am nächsten Tag sind nass und eiskalt. Wir entscheiden uns dafür im Wanderheim ein Doppelzimmer zu nehmen. Es ist gut besucht, denn viele Motorradfahrer und Radler suchen hier Schutz, obwohl das Doppelzimmer 100 Euro (800 Nkr) kostet, was noch relativ billig in dieser Gegend ist. Auch Fridolin treffen wir wieder hier, der auch die Hurtigruten nehmen will. So wie wir. 5 Stunden später sind wir in Hammerfest ohne einen Tropfen Schweiß vergossen zu haben. Zwischen Hammerfest und Skaidi passieren wir eine Meeresenge (Sund), den die Rentiere im Frühjahr und Herbst zu Hunderten durchschwimmen. Wir bevorzugen die Hängebrücke. Bis Alta fahren wir wieder dieselbe Strecke, die wir schon vor einer Woche bei tollem Sonnenschein durchradelt haben. Doch diesmal trifft es uns sozusagen eiskalt. Auf dieser Hochebene, nur 400 bis 500 m hoch, pfeift der Wind und es fängt an zu schneien. Und das am 21. Juni – das soll ein Sommeranfang sein?

Dann denken wir, wir sehen eine fata morgana. Ein Radler in kurzen Hosen, leichten Handschuhen? So wie sich herausstellt ist es ein Franzose, der gerade in Alta mit dem Flieger gelandet ist und sich das irgendwie anders vorgestellt hat. Das Gespräch mit ihm dauert nur Sekunden, denn er zittert und will weiter.

In Alta, bei Julian und Christina, können wir in einem gemütlichen Zimmer übernachten, warm duschen und die Küche benutzen. Mit Schwung geht es weiter. Durch viele gut beleuchteteTunnel, entlang blau leuchtender Fjords, im Hintergrund hohe Berge mit Schneeresten. Wir halten uns an den Radweg Nr. 1, der die gesamte norwegische Küste entlang führt.

Einer dieser Berge ist der Kvaenangsfjellet, den wir 10 km hoch radeln. Von hier oben haben wir ein Panorama wie auf den höchsten Bergen der Alpen und doch, so stellen wir erstaunt fest, sind wir nur etwas über 400 m hoch.

Kvaenangsfjellet

Schon den ganzen Tag kommen uns Oldtimer-Pkws mit vielen Aufklebern und Nummern, offensichtlich Rallykisten, entgegen. Viele rasen über die engen Straßen und haben es eilig. Schön dass wir oben am Kvaenangsfjellet eine Rally-Mannschaft kennen lernen, die es nicht so eilig hat. Es ist der Theodor Noise Racing Club, 3 junge Männer und ein altes Chevrolet. Einer der Racer hat eine Drohne dabei, mit der er die atemberaubende Landschaft und auch uns von oben filmt. Sie spendieren uns 2 Flaschen Starkbier „Baltic Porter“, das wir uns abends zur Mitternachtssonne gönnen. Das Bier ist gut gekühlt, denn es hat nur 1 Grad.

Heute am 23. Juni feiern die Norweger den längsten Tag (obwohl die Sonne ja schon seit Tagen nicht untergeht und die Tage schon die ganze Zeit 24 Stunden dauern….)eigentlich mit großen Feuern. Wir hofften auf ein Fest, doch jede Familie sitzt für sich am Feuer und das wars.

Immer wieder endet die Straße und somit auch der Radweg Nr. 1 vor einem Fjord oder dem Meer, so dass man nur mit einer Fähre weiterkommt. In der Region um Tromsö sind für Radfahrer diese Fähren umsonst – eine tolle Sache. Tromsö selbst bezaubert durch eine Mischung alter Holzhäuser und neuer Architektur, wie die Arctic Cathedral.

Tromsoe Arctic Cathedral

Nach Tromsö führt die Straße weiter, über einige schöne Inseln, wie die Insel Kvaloya mit ihren bunten Blumenwiesen direkt vor der smaragdgrünen Meereskulisse oder wie die Insel Senja, mit ihren sehr hohen, steil ins Meer abfallenden grün bemoosten Bergen. Wir zelten auf einer bemoosten Waldlichtung, zwischen Blaubeerpflanzen, vor einer hohen Felswand und essen selbstgemachte Blaubeermarmelade, die wir von einer Norwegerin geschenkt bekamen.

Wasserfälle, bedingt durch das Schmelzwasser und immer wieder Regen, begleiten uns fast täglich. Es tropft und fliest wohin man schaut. Von Insel zu Insel führt unsere Reise. Erst über die Vesteralen, dann nähern wir uns den Lofoten. Ein weiterer absoluter Höhepunkt einer Norwegenreise ist diese Inselgruppe. Inseln, deren Berge aus dem Meer wachsen und an deren schmalen Stränden sich kleine Holzhäuser schmiegen. Dazwischen grüne Wiesen, schneeweiße Sandstrände und idyllische Fischerdörfer. Nicht selten passieren wir Holzgestelle an denen duftender Stockfisch zum Trocknen hängt. Wie wir erfahren wird sehr viel getrockneter Fisch, als Baccalao, nach Portugal exportiert.

getrocknete Fischkoepfe

Bedingt durch das wärmere Wetter auf den Lofoten haben wir nun auch zum ersten Mal mit den fliegenden Plagegeistern zu tun. Kleine silberne Fliegen, die einen umschwirren und sich auf jede freie Hautfläche setzen wollen. Aber auch die normalen Stubenfliegen (außerhalb der Stube) die einen im Schwarm, sogar beim Radeln, verfolgen.

Wir radeln bis zum Dorf A (dies ist kein Schreibfehler) im Süden, einem kleinen Fischerdorf zwischen Meer und Bergen und genießen die schöne Kulisse.

das Dorf A

Lofoten Flakstad

Tags darauf nehmen wir die Fähre nach Bodo, eine Fahrt von 4 Stunden.

Wir passieren den Saltstraumen, eine Meeresenge mit der stärksten Meeresströmung der Welt. Ein sogenannter Malstrom, der 150 m breit und 3 km lang ist. Dieser Gezeitenstrom fließt mit 30 km/h in beide Richtungen und zieht die Fische mit sich. Ein Paradies für Angler.

Hier beginnt auch die Helgelandküste bzw. Helgelandstraße über eine Länge von 416 km und 6 Fährverbindungen. 14.000 kleine vorgelagerte Inseln, Gletscher, schneebedeckte Berge und eine kurvenreiche Küste mit Sandstränden prägen das Bild. Bei Rödöy überqueren wir wieder, diesmal Richtung Süden, den „arctic circle“ (66°34′), wohl wissend dass unsere Tage wieder kürzer werden.

Bei Nesna wickelt ein Bauer, mit seiner lauten Maschine, pünktlich um 2 Uhr morgens seine Heuballen in Plastik ein. Wir versuchen auf der Nachbarwiese in unserem Zelt zu schlafen. Es ist hell und nicht nur der Bauer, sondern auch die herbeigeeilten Möven machen einen höllen Lärm. Aber was soll’s. Es ist schließlich Sonnenaufgang!

Wir nehmen die Fähre um 9.20 Uhr nach Levang. Da alle mit Kreditkarten bezahlen, hat der Fährmann kein Wechselgeld und wir fahren umsonst mit. Überhaupt wird fast alles hier mit Karte bezahlt. Selbst bei einem Toilettenbesuch steht man ratlos vor der verschlossenen Tür, wenn man keine Karte hat. So lassen auch wir uns einmal nur 10 NKR (=80 Cent) von der Kreditkarte abbuchen.

bei Stokvagen

In Bronnoysund, am 12.7., befinden wir uns genau in der Mitte der Strecke Nordkap – Südnorwegen, als uns die schöne Nachricht erreicht, dass der kleine Noah geboren wurde. Auf einmal sind wir Großeltern geworden. Wir freuen uns riesig! Trotz sintflutartigen Schauern geht es weiter Richtung Süden.

Die Landschaft rechts und links der R17 wäre schön, wäre da nicht das Wetter. Meist ist es regnerisch, die Berge liegen oft im Nebel. Das Zelt stellen wir desöfteren in einer Schutzhütte oder unter einem trockenen Dachvorsprung auf, sobald sich dies ergibt. Doch trotz dieser Maßnahme und den mit Plastiktüten umwickelten Schuhen, wird unsere Ausrüstung zusehends klammer und klammer. Mehrmals versuchen wir uns in eine Kabine (Hütte) auf einem Campingplatz einzumieten, doch diese sind entweder ausgebucht oder nur noch in der Luxusvariante ab 100 Euro erhältlich. So ziehen wir bedröppelt weiter.

Am sechsten Regentag in Folge sind wir ziemlich durchweicht, bei Höchsttemperaturen von 10 Grad durchgefroren und nicht mehr so gut gelaunt. Da passt es dann, dass wir uns während eines starken Regengusses auch noch verfahren.

Im kleinen Ort Kongsmoen fragen wir nach dem Weg und bei mehreren Tassen Kaffee beim Supermarkt in dem wir uns aufwärmen, lernen wir die Norweger Hege und Hugo kennen. Wir unterhalten uns prächtig und werden von den Beiden dazu eingeladen unsere Ausrüstung und Klamotten in ihrer Wohnung zu trocknen. Sie würden ein paar Stunden zum Einkaufen brauchen und in dieser Zeit würde ihre Wohnung zu unserer Verfügung stehen. Was für ein Angebot! So kommt es, dass wir die folgenden Stunden neben dem extra angeheizten Holzofen unsere komplette Ausrüstung, inklusive Zelt, trocknen und uns eine super heiße Dusche gönnen. Wahre Empathie!

helfende Norweger – Hege und Hugo

Obwohl unser Smartphone sagt, dass es Mitte Juli sein soll, sind die Getreidefelder noch grün, gerade mal 30 cm hoch, die Erdbeerfelder fangen gerade an zu blühen. Schön, dass uns immer wieder Wetterberichte von Südnorwegen gezeigt werden, wo es mindestens 10 Grad wärmer sein soll. Angeblich soll dort die Sonne gesichtet worden sein. Dies ändert unser Reiseplanung wesentlich.

Nach zehn Regentagen beschließen wir am 17.7. von Trondheim, knappe 500 km, mit dem Zug nach Oslo zu fahren. Die beste Entscheidung, denn als wir in Oslo ankommen, können wir nicht nur in der Sonne frühstücken, sondern so richtig in den blau leuchtenden Seen baden und die warme Sonne bei 25 Grad genießen. Ursprünglich wollten wir von hier aus die Fähre nach Dänemark nehmen, doch nun radeln wir, in Sandalen, von Oslo aus weiter in den Süden, der Küste entlang.

Bis zur schwedischen Grenze sind es nur 148 km auf ausgeschilderten Radwegen.

Grenze Norwegen – Schweden

Fotos Norwegen: ab dem Nordkap über die Lofoten in den Süden:

87-Norwegen-Nordkap-Trolle

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Finnland 2017

Finnland – Anteeksi, en ymmärtänyt sitä. (Entschuldigung ich habe sie nicht verstanden!)

Am 22. Mai 2017, nach 11-stündiger Fahrt (zuzüglich einer Stunde Zeitverschiebung), spukt uns die Baltic Princess in Turku wohlbehalten aus.

Für uns ist finnisch wie eine Geheimsprache. Wir verstehen nichts – nada! Die Begrüßung geht ja noch. „Hei“, das können wir noch. Doch gleich bei unserer Ankunft in Turku heißt das Wort „Dom“ dann „tuomiokirkko“. Wie sollen wir uns so was merken?

Wir haben uns in dieser ehemaligen Hauptstadt Finnlands eine Warmshower-Übernachtungsmöglichkeit organisiert, bei Stefan einem Journalisten – er spricht super englisch und deutsch. Wir werden von ihm herzlich empfangen und bei Bier und Chips plaudern wir noch bis spät in die Nacht. Wir haben herrlichen Sonnenschein und radeln am nächsten Morgen los.
Der Dom von Turku, das Hauptgotteshaus der evangelischen-lutherischen Kirche Finnlands, ist schnell besichtigt, im Zentrum stehen ein paar ältere Holzhäuser, aber ansonsten gibt es für uns nicht viel zu erkunden. Die berühmte Burg haben wir schon tags zuvor bei unserer Ankunft gesehen.
Ab Turku nehmen wir die „Ochsenstraße“ (Hämeen Härkätie), ein über 1000 Jahre alter Handels- und Pilgerweg – auch Teil des Jakobswegs -, der bis nach Hämeenlinna, rund 200 km in östliche Richtung führt.

Die Route führt teils auf dem engen Seitenstreifen der Hauptstraße entlang, oft gibt es schöne Radwege. Bei Tshirt-Wetter picknicken wir am Ufer eines klaren Sees und vespern leckeres dunkles Brot (Retkieväs oder Ruisleipäpalat) , mit Fischaufstrich aus der Tube, verschiedenen Käse und meist noch etwas Süßes. An das finnische Hartbrot, das mit Fischstücken gefüllt ist und so verkauft wird, haben wir uns noch nicht gewagt.

Kalakukko, in Brot gebackener Fisch

Bier steht derzeit nicht sehr hoch bei uns im Kurs, denn eine Dose vom billigsten Bier, 0,3 Liter, kostet im Supermarkt rund einen Euro. Aber es gibt auch Dosen bis zu 3 Euro. Härtere alkoholische Getränke kauft man hier im „Alko“, wo man eine prima Auswahl hätte, wenn man es sich leisten würde. Der billigste Wein kostet 7 Euro (0,75 l) und der billigste Vodka 20 Euro/l.

Wir radeln durch unendlich Wälder, dazwischen sehen wir auch viele landwirtschaftliche Betriebe. Was da so angebaut wird, kann man nicht erkennen, denn Ende Mai sehen wir lediglich einen Hauch von Grün. Beeren, wie Erdbeeren und Johannisbeeren, werden auch gerne im größeren Stil angebaut, doch bis die reifen müssen sie noch einen ordentlichen Zahn zulegen.
Anfang Juni blühen die Osterglocken, die Tulpen gehen gerade auf und die Maiglöckchen sind noch völlig grün. Wie hier wohl Osterglocken und Maiglöckchen genannt werden? fragen wir uns.

In den Städten gibt es nicht viel anzuschauen. Sie haben kein gemütliches Stadtzentrum wie wir es kennen, sondern bestehen im Großen und Ganzen aus Einkaufsmöglichkeiten. Doch uns ist die Natur sowieso wichtiger und wir steuern die Saimaa Seenplatte im Osten an. Laut Reiseführer und Karte führt die Straße über etliche Brücken und Landzungen durch ausgedehnte Seelandschaft, der sogenannten 4 km langen „scenic road“, bei blauem Himmel und warmem Wetter ein Traum. Diese wurde von 70.000 arbeitslosen Finnen über die 6 Inseln, Kiesmoränen aus der Eiszeit, gebaut. Doch leider erwischt es uns eiskalt, denn bei den Seen fällt die Temperatur von 13 auf 5 Grad und es nieselt, die Sicht ist schlecht. Nach einer Stunde Nieselregen, entdecken wir einen Kiosk, der nicht geöffnet ist (wer sollte bei dem Wetter da auch Kunde sein?) und unter dessen Vordach wir unser Zelt, noch vor der „scenic road“ im Trockenen aufbauen. Am nächsten Tag beradeln wir dann diese wunderschöne Landschaft und staunen über die unüberschaubare Seelandschaft.

Zeltplatz bei Heinola

Salvolinna, ein größerer Ort auf unserer Strecke, wartet mit seiner mittelalterlichen Burg auf uns. Sie liegt malerisch am Ufer eines Sees und soll die schönste Burg Finnlands sein. Von hier aus befahren wir auf der alten Landstraße die zweite „scenic road“, die uns über verschiedene Höhenzüge, durch rote Kiefernbestände, tolle Einblicke in diese blau leuchtende Seelandschaft bietet. Es ist auf der gesamten Strecke wenig los, keine Touristen, nur ab und zu ein Motorradfahrer.

Wir passieren einen Laden aus dem wir nicht ganz schlau werden. Es sollte hier erwähnt werden, dass englisch sprachige Hinweise nirgends vorhanden sind und wir kein Wort finnisch reden können, da rein gar nichts an eine Sprache erinnert die wir kennen. Doch der Laden interessiert uns und wir schauen hinein. Es handelt sich um einen Fischladen, eine Fischräucherei und Verkauf von Fischködern in einem. Die nette Verkäuferin kann Englisch und als wir das Sortiment betrachten, bietet sie uns rohen, eingelegten, in dünne Scheiben geschnittenen Lachs zum probieren an. Schmeckt prima! Wir entscheiden uns für eine dicke mit Pfeffer und Gewürzen frisch geräucherte Scheibe Lachs, die wir uns zum Abendessen gönnen. Was für ein super Geschmack!

Am 30. Mai ist früh morgens das Zelt vereist, die Wiese vor uns ist leicht weiß. Doch es wird im Laufe des Tages wärmer und um die Mittagszeit machen wir ein Feuer und grillen Rote Würste am See. Wir sind nun 17 km von der russischen Grenze entfernt.

Rote Wurst bei Tohmaiervi

Wir besorgen uns unser Trinkwasser indem wir an Häusern klingeln und unsere Flaschen auffüllen lassen. So entsteht weniger Plastikmüll und wir kommen in Kontakt mit der Bevölkerung. So erfahren wir von einem finnischen Waldarbeiter, dass in der Nähe die sogenannten Salpalinya verlaufen. Dies sind brusthohe Granitfelsen, die die Bevölkerung zum Schutz gegen russische Panzer auf eine Länge von 1.200 km in Viererreihen, im Abstand von einem Meter, in den Boden eingegraben hat. Was für eine Arbeit – unvorstellbar! Auch seien in dieser Gegend viele Bomben abgeworfen worden, wobei wohl noch einige in den vielen Seen liegen würden.

In Eno regnet es mal wieder und wir machen Mittag in einem kleinen Lokal, das an eine Kantine erinnert. Viele Bauarbeiter mit ihren orangeroten Anzügen nehmen hier für 8,50 Euro ein Mittagsbuffet zu sich. Zu diesem Preis kann man sich über das Salatbuffet, zwei warme Speisen, Zutaten und Nachtisch hiermachen. Dazu gehört noch Getränk und Kaffee. Die Wirte sind nett, wir können unsere elektrischen Geräte aufladen und ins Internet gehen. Ruckzuck sind 3 Stunden rum und es regnet nicht mehr.

Vor Lieksa wird es richtig ungemütlich. Nachmittags setzt ein starker, eisiger Gegenwind aus Norden ein, der uns regelrecht ausbremst. Die Felder und Wälder stehen zum Teil unter Wasser. Nass ist es überall, doch wir finden ein Stück trockenen Zeltplatz, fast schon in der Stadt, am Rande eines Spielplatzes und kleinen Waldstücks. Am nächsten Tag, nach unserem Besuch im Supermarkt erleben wir ein Wechselbad zwischen Sonne und Schneegraupel, der uns auf die nächsten 70 km ins Gesicht bläst. Gut dass wir an der richtigen Stelle nach Wasser fragen, denn die englisch sprechende Finnin empfiehlt uns einen Rast- und Grillplatz mit Hütten in 10 km Entfernung, auch ein prima Schutz gegen die „Honigschlecker“, deren Namen man in früheren Zeiten nicht aussprechen durfte. Damals herrschte der Glaube, dass die Familie vom Bär heimgesucht wird, wenn man ihn beim Namen nannte.
Hier sitzen wir nun in unserer warmen Grillhütte und schreiben Tagebuch.

Jonkeri Grillhütte

Gestern Abend kamen noch zwei Finnen mit ihrem Camper an, die uns gleich mal zwei Dosen Sandels-Bier spendierten. Heute, am 2. Juni, wissen wir noch nicht wie es weitergehen soll, denn draußen vor der Hütte tobt ein Schneesturm und wir hätten starken Gegenwind. In Deutschland hat es, sagt man uns, derzeit 34 Grad!
Unser Trinkwasser wird knapp und das Wasser aus dem See und dem Fluss wollen wir nicht trinken, denn wegen des Hochwassers werden allerlei Schadstoffe transportiert.

Also machen wir uns nach dem Frühstück im Schneegraupel auf Wasserbeschaffungstour. Wir radeln 7 km bis wir ein bewohntes Anwesen entdecken. Nachdem wir an die Holzhütte klopfen öffnet uns ein älterer Herr, der uns den Brunnen im Garten zeigt, aus dem wir in traditioneller Art mit Eimer und Seil unser Trinkwasser schöpfen. Nun wollen wir ihm noch Nudeln, Spagetti oder ähnliches abkaufen, aber entweder versteht er uns nicht oder er hat wirklich nicht viel essbares in der Hütte. Nach einigem kruschteln kommt er mit einer Packung Pilzsuppenpulver zurück, die er uns mit auf den Weg gibt. Gut dass wir noch Brot, Aufstriche und Haferflocken haben und die Suppe gibt es noch dazu.

Wir bleiben also noch eine Nacht an diesem schönen Platz, relaxen und lesen viel, bevor wir am nächsten Morgen in Richtung Kuhmo radeln. Das Wetter ist wie bei uns im April – ein Wechselbad zwischen Schnee und Sonne.

In Kuhmo selbst kaufen wir ein und essen gleich im Supermarkt zu Mittag. Da steht nämlich im wärmeren Eingangsbereich eine Bank, die wir die nächste Stunde in Beschlag nehmen.

Wir entscheiden uns aufgrund des Wetters wieder mehr nach Westen zu radeln. Bei Sotkamo sehen wir nahe der Straße mehrere Holzhäuser/Blockhütten, die sich noch im Bau befinden. Während wir sie anschauen kommen die Besitzer und Bauherren zu uns, um mit uns zu plaudern. Heiki erklärt uns die Konstruktionen, erzählt über die ursprüngliche Bauweise – z. B. Birkenrinde als Dachbedeckung hält 100 Jahre – und über die in Finnland gängige Forstwirtschaft. Junge Bäume werden viel zu früh gefällt und es gibt so gut wie keinen alten Bestand mehr.

Heikis Meisterwerke

Für eine Lagerhütte mit zwei Räumen hat er siebzig 60-jährige Kiefern (etwa 200 Stammteile) gebraucht.

Urwälder gibt es laut Reiseführer nur noch zu 5 Prozent, doch unendlich erscheinen uns die Wälder, die wir nach Sotkamo durchradeln, bevor wir mehr in hügeliges Gebiet vorstoßen. Die ersten Skigebiete sind ausgeschildert und die Hügel erinnern uns an den Schwarzwald oder das Allgäu. Später wechselt die Landschaft zu Moor und Sumpf. Moskitos – es soll viele verschiedene Arten geben – haben wir trotzdem absolut keine, denn für diese Quälgeister ist es noch zu frisch. Sie wimmeln als Larven noch in den Tümpeln herum.

Bislang haben wir in Finnland, ganz anders als in Schweden noch kaum wildlebende Tiere gesehen. Einmal einen Fuchs und mehrere Hasen. Das wars.

Vor Ranua sehen unsere ersten Rentiere – Juhuu – und ab hier sehen wir sie täglich! Entweder in kleinen Gruppen oder auch einzeln. Desöfteren ist ein Minikalb dabei, das sich dicht bei seiner Mutter aufhält. Uns gelingen einige superschöne Tierfotos!

Leider haben die Rens einen nicht so natürlichen Feind, das Auto. So gibt es in Finnland jedes Jahr ca. 4.000 Unfälle mit Rentieren. Die Rentiere leben frei in der Landschaft und ziehen wenn die Moskitoplage überhand nimmt nach Norden wo es kühler ist. Die Rens begleiten uns also.

Rentiere am Waldrand

Das Wetter bessert sich ab dem 6. Juni und wir bekommen T-Shirt- und Sandalen-Wetter als wir in Ranua auf dem Campingplatz am See eintreffen. So bleibt es auch die nächsten 2 Wochen.

Am 7. Juni kommen wir nach Lappland (Lappi), der nördlichsten und größten Provinz, dessen Hauptstadt Rovaniemi ist und wo wir das Arktikum besuchen. Themen die über den Alltag in der Arktis, vom Leben nordischer Völker, vom Klimawandel und der Globalisierung handeln, werden sehr anschaulich in englischer Sprache dargestellt. Erstaunlich, wie ein indigenes Volk in den Wintern hier überleben konnten.

wir kommen nach Lappland

Gleichzeitig überradeln wir den Breitengrad 66.34.00 und damit den Polarkreis „Arctic Circle“. Ab hier geht die Sonne für uns ab heute, dem 7. Juni, nicht mehr unter. Nördlich dieses Kreises dauert der Tag einen Monat! Wir stellen schnell fest, dass es wirklich „nachts“ taghell ist und man sogar ein Buch lesen kann. Bei sonnigem Wetter wird das Zelt die ganze „Nacht“ bestrahlt.

In Sirkka, dort liegt auch das Skigebiet Levi, wohnen wir eine „Nacht“ bei Otto, einem jungen Fotografen. Er machte tags zuvor für eine Reportage über Goldgräber in Lappland jede Menge schöne Fotos, die er uns zeigte. Manche Goldgräber arbeiten mit schwerem Gerät, wie Bagger, andere mehr als Hobby. Einer wäscht Gold zusammen mit Touristen. Überhaupt werden ab nächstem Winter viele chinesische Touristen erwartet, denn diese wollen die Polarlichter (aurora bolearis) sehen. Dies ist bei den Chinesen hoch im Kurs, vor allem bei frisch verheirateten jungen Pärchen, die einen Kinderwunsch haben. Die Polarlichter, so glauben sie, würden die Fruchtbarkeit erhöhen! Komisch, dass wir durch Gegenden radeln, die kaum besiedelt sind.

Otto, der Mountainbiker, Kletterer und Tourenskifahrer, kann es kaum erwarten nach Norwegen zu reisen, um dort mit Fellen das Tourenskifahren zu genießen. Die Berge bei Sirkka sind zwar auch mit Skiliften übersät, doch der höchste ist nur 718 m hoch und die Abfahrt dürfte kaum mehr als 300 Höhenmeter lang sein. Doch bis es soweit ist, trinken wir mit Otto zusammen einen Chaga-Tee. Chaga ist ein Schmarotzerpilz, der in kälteren Gegenden auf Birken – dem Nationalbaum Finnlands – wächst und sehr gesund für das Immunsystem sein soll. Dieser Pilz könnte auch eine zukünftige große Einnahmequelle für Birkenwaldbesitzer sein, die im großen Stil ihre Bäume damit infizieren.

Chaga Pilz

Wir sind auf jeden Fall überrascht, dass in dieser geringen Höhe noch soviel Schnee im Sommer liegt. Hier sind einfach die klimatischen Verhältnisse extrem und nach wenigen Höhenmetern ändert sich das Klima drastisch.

Ach ja, jeder erzählt uns übrigens, dass der letzte Winter der kälteste und schneereichste seit langem war. Manche meinen seit 1968, andere seit 100 Jahren. Entsprechend hinkt auch der Frühling noch hinterher.

Bei Muonio trennt uns nur ein breiter Fluss vor der schwedischen Grenze im Westen und auch bis nach Norwegen im Norden ist es nicht mehr so weit. 110 Kilometer. Jetzt stellt sich für uns die Frage: Nordkap ja oder nein?

Wir sind gut drauf, bisher prima voran gekommen und das Wetter stimmt auch, so dass wir uns für das Nordkap entscheiden. Bis dorthin sind es noch gut 450 Kilometer. Schon jetzt treffen wir immer mal Radler und Motorradfahrer mit großem Gepäck, deren Ziel das Nordkap ist. Man grüßt sich, man winkt sich zu oder hält ein Schwätzchen, so dass man unweigerlich vom Nordkapfieber gepackt wird.

Am Mittwoch, den 14.6.17 fahren wir über die unbewachte Grenze nach Norwegen.

Mitternachtssonne bei Rovaniemi

Unsere Fotos zu Finnland:

01-Finnland-Turku-Markt

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Schweden 2017

Zuerst noch ein wenig Deutschland:

Am 30. April 2017, starten wir von Zuhause aus bei 2 Grad und nehmen den Zug von Horb bis Lübeck, mit vier Mal umsteigen. Dort werden wir von unseren Freunden Claudia und Micha herzlich empfangen. Noch am selben Tag und am Tag darauf schauen wir uns diese sehr interessante und schöne Hansestadt an. Kaum zu glauben was es alles zu sehen gibt: 7 Kirchen, deren Wahrzeichen von Lübeck die Kirchtürme sind (St. Marien und der Dom), den Marzipanhersteller Niederegger mit Museum und Kostprobe inbegriffen, das Rathaus mit Ratskeller, wahnsinnig viele kleine Gänge welche in Wohneinheiten in zweiter Reihe münden.

kleiner Gang zu den Häusern in zweiter Reihe

Am Hafen liegen imposante Zweimaster, alte Salz- und Marzipanspeicher aus rotem Backstein…. Wir sind den ganzen Tag auf Städtetour. Schön, dass wir von Claudia und Micha lecker bekocht werden. Diesen Luxus werden wir so schnell nicht wieder haben.

Holstentor

Am 2. Mai geht es dann mit den Rädern los. Micha radelt mit uns nach Travemünde, wo wir uns zum Abschied noch ein leckeres Fischweckle gönnen. Dort am Stand erfahren wir gleich mal etwas interessantes über Krabben, die dieser Händler nicht mehr in seinem Programm hat.

„Da die Ostsee nicht salzig genug sei, würden die Krabben in der Nordsee gefangen und gleich tiefgefroren nach Gibraltar gebracht. Dort würden sie umgeladen und nach Marokko gebracht, wo sie gepult würden. Weiter ginge die Fahrt zurück nach Gibraltar, wo sie leicht radioaktiv bestrahlt würden, um sie keimfrei zu machen. Nach ca. 10 Tagen würden diese gepulten Krabben als frische Krabben an der Ostsee verkauft.“  Na ja – guten Appetit!

In Travemünde nehmen wir die Fähre nach Priwall und sind kurz darauf in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Ostseefernradweg, der paralell zur See auf dem ehemaligen Panzerweg, entlang führt. Es gibt da nicht viel, nur ein paar Höfe, da ja hier früher die Grenze verlief. Wir haben einen Gastgeber in Wismar (warmshowers), so dass wir dort auf jeden Fall ankommen wollen. Es ist relativ kühl und regnerisch und für den ersten Radlertag haben wir uns etwas zu viel vorgenommen. Nach 85 km erreichen wir zwar Wismar, doch Martin hat nun Knieprobleme. Wismar ist eine schöne kleine Hansestadt mit alten Fachwerkhäusern. Wir verbringen einen netten Abend mit Justin und radeln tags darauf weiter zur Hansestadt Rostock. Auf dem Weg dorthin liegen einige reetgedeckte Häuser direkt an der blauen See und den knallig gelbblühenden Rapsfeldern. Auch in Rostock haben wir eine Unterkunft, bei warmshowers-Mitglied Dennis, der uns die imposante alte Werft am Hafen zeigt und uns am nächsten Morgen zum Fährterminal begleitet. Dort wartet schon die „Huckleberry Finn“ auf uns. Nach ca. 5 Stunden auf rauer See, die Gischt spritzt immer wieder bis zum 6. Deck hoch, kommen wir in Trelleborg an.

Fotos zu Deutschland:

07-Deutschland-Luebeck

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Schweden:

Hej Hej!

Diese schwedischen Begrüßungsworte begleiten uns, wie ein Mantra, täglich von morgens bis abends. Doch auch der Wind begrüßt uns, und das am ersten Tag mit Windstärken um die 40 km/h, durch den wir uns kämpfen müssen. Kurzzeitig entsteht der Wunsch in die andere Richtung zu radeln, aber da ist nur Wasser….Wir wollen zunächst den Radweg entlang der schwedischen Südküste bis Karlshamn nehmen. Wir finden am ersten Abend früh einen geschützten Platz in einem kleinen Wäldchen, wo wir unser Zelt aufbauen und unseren Benzinkocher einweihen können. Die folgenden dreieinhalb Radlertage bis Karlshamn legen wir dann auf dem Sydostleden Nr. 2 zurück, der uns aber auch im weiteren Verlauf bis nach Växjö bringt. Die schwedische Küste begeistert uns weit mehr als die auf der deutschen Seite. Wir radeln durch Pinienwälder, kleine Städtchen mit den typischen schwedischen Holzhäusern, dann wieder durch überschaubare Obstplantagen, vorbei an knorrigen alten Bäumen und ausladenden Stranddünen. Nicht zu vergessen die vielen Birkenwälder, die man bei uns Zuhause kaum sieht. Abends gönnen wir uns ein „Öl“ (schwedisches Leichtbier aus dem Supermarkt) um die Mineralien in uns wieder herzustellen.

ein klasse Platz zum zelten

Die Wälder sind wunderschön, dunkelgrüne Moose wechseln sich mit hellgrünen dicken Flechten ab, die beim Gehen unter den Füßen quietschen. Es könnte wärmer sein, doch immerhin haben wir zwei tolle sonnige Tage mit Temperaturen bis zeitweise 25 Grad. Doch danach sinkt es wieder auf 10 Grad Höchsttemperatur ab. Zweimal suchten wir gar Schutz unter Bäumen vor üblem Graupelschauer.

Was fällt uns in den ersten Tagen besonders auf? Schweden ist sehr sauber. Es liegt so gut wie kein Abfall herum. Auch keine Zigarettenkippen, da fast niemand raucht. Die Gärten sind irre gepflegt, und über den Rasen fahren ohne Unterbrechung elektrische Mähroboter. Die Holzhäuser sind schön hergerichtet und fast in jedem findet sich eine Nachtlampe auf dem Fensterbrett. Es ist sehr ruhig, auch in den Städten, doch dies liegt vielleicht am kalten Wetter.

Nach Karlshamn radeln wir auf dem Sydostleden 2 nach Norden bis Växjö, einer stillgelegten Eisenbahnstrecke. Der Bodenbelag wechselt zwischen Asphalt und kleinen Kieseln mit Sand.

schöne Reethäuser in Schweden

Nach einer eisigen Nacht – Zelt, Räder und Wiese sind mit einer weißen Schicht überzogen –  finden wir in Växjö den warmshower Gastgeber, Pieter, der uns nach fünf Nächten im Zelt herzlich empfängt und uns ein warmes Zimmer überlässt. Wir werden von ihm und seiner Tochter bekocht und wir unternehmen einen schönen Spaziergang zum See. Auch erfahren wir einiges über Land und Leute. So auch über die schwedischen Läden in denen man Alkohol kaufen kann. Hier eine Zusammenfassung von Wikipedia:

Systembolaget ist ein staatliches Unternehmen in Schweden, das ein Monopol auf den Einzelhandel von Getränken mit einem Alkoholgehalt von mehr als 3,5 Volumenprozent hat. Das Unternehmen dient als Instrument der staatlichen Alkoholpolitik und verfolgt das Ziel, den Alkoholkonsum in Schweden einzudämmen. Die Grundidee für die Einführung war, dass sich ein Unternehmen ohne Gewinninteresse leichter verschiedener Kontrollinstrumente, wie z. B. der Rationierung, bedienen kann.“ Weiteres siehe Systembolaget

Was in den Supermärkten jedoch in allerlei Arten angeboten wird sind die Snus, die in der EU verboten sind. Es handelt sich hier um Tabak der in Form von „Teebeuteln“ zwischen Zahn und Backe gesteckt wird. So wird dort jede Menge Nikotin freigesetzt. Dazu mehr: Snus

Nach Växjö geht es auf kleinen Landstraßen weiter, entlang durch ruhige Wälder und einigen schönen Seen. Es ist sehr hügelig, doch wir schwitzen kaum, da es immer noch selten über 10 Grad warm wird. Dafür gibt es zur Zeit keine Mosquitos!

Bereits am 7. Tag in Schweden sehen wir unsere erste Elchkuh – Juhuu! Sie steht auf einer Wiese am Waldrand und grast. Als wir den Foto zücken wollen schlendert sie in den Wald und weg ist sie. Was für ein schlacksiger Gang.

Um uns aufzuwärmen verbringen wir viel Zeit in den Bibliotheken, also den Büchereien, denn dort können wir auch kostenlos ins Internet. Ansonsten ist es noch in den Kirchen sehr warm. Diese unterscheiden sich völlig von den unseren. Es gibt Sitzecken mit Spielsachen für Kinder darin und Garderobe. Die Kirchenglocken befinden sich meist außerhalb der Kirche in einem bis zu 50 m hohen holzernen Glockenturm.

Günstiges Essen bekommt man mittags in den Pizzerien und anderen Lokalen. Wir hatten einmal einen Mittagstisch (Salat, große Pizza, Getränk, Kaffee) für 8 Euro. Ein anderes Mal 2 Pizzen für zusammen 9 Euro. Die Schweden essen üblicherweise gegen 17 Uhr und mittags sind die Lokale ziemlich leer.

Es bewährt sich auf den kleinen Landstraßen oder abgelegenen Fahrradwegen weiter zu fahren. Wir sehen tolle Seen, manche sind aufgrund des Torf- Moorgehalts rabenschwarz, andere schillern uns blau durch die noch sehr kahlen Bäume entgegen. Einen super Zeltplatz haben wir auf der Insel Torpon direkt am klaren Wasser unter alten Kieferbäumen. Die Insel erreicht man über eine kleine Brücke, verlassen wird sie mittels einer kleinen Fähre, welche jede Stunde fährt.

unser Zeltplatz auf der Insel Torpon

Auf diesen ruhigen Wegen sehen wir auch täglich Wild – Hasen und Rehe. Vor Altvidaberg stoßen wir auf eine richtige Rehquelle, die das Herz eines jeden Jägers höher schlagen lassen würde. Wir sehen dort an einem Morgen viele Rehgruppen, mit bis zu 30 Rehen. Überschlagen kommen wir auf gut hundert Rehe, die im Tal unter uns grasen, liegen oder sich an einem kleinen Bach tränken.

Wir schlafen in dieser Nacht auf einer Lichtung und hoffen auf Elchbesuch, da wir glauben entsprechende Spuren gesichtet zu haben. Doch es gestaltet sich anders. Kaum ist Martin eingeschlafen, hört Agnès wie sich eine Wildschweinfamilie um das Zelt tummelt und dort laut grunzend den Boden umwühlt. Martins Schlafgeräusche mischen sich mit dem Sound der wilden Tiere, er bekommt rein gar nichts mit. Am nächsten Morgen kann er doch wenigstens die aufgewühlte Erde sehen.

Größere Orte sind selten, oft stehen einfach die kleinen meist rotbraun gestrichenen Holzhäuser, mit ihren schwedischen Fahnen am Fahnenmast, in der Nähe der Wege. Davor reihen sich buntbemalte Briefkästen, manchmal bis zu 15 Stück. Wie wir beobachten wirft der Postbote die Briefe direkt vom Autofenster aus in die Briefkästen. Das Lenkrad befindet sich in diesen Wägen auf der rechten Seite. Ganz schön clever.

Essen die Schweden anders als wir? Im Supermarkt kaufen wir Brot welches mit Äpfeln oder mit Preiselbeeren durchsetzt ist, sogenanntes Lingon Grova Brot. Da drauf kann man als Brotaufstrich den Inhalt einer der vielen Tuben schmieren, zum Beispiel Käse mit Garnelen. Das hatten wir mal zum Frühstück.

im Supermarkt – Knäckebrot

Oder Makrele in einer Sauce, die nach Spekulatius schmeckt. Feeling wie an Weihnachten.

Klar haben wir auch Köttbullar mehrmals gehabt. Das sind einfach gewürzte Hackfleischbällchen. Da stehen die Schweden drauf!

Klasse sind die süßen Stückchen, die man am besten in großer Menge kauft um Rabatt zu bekommen, oder Peppakaka oder Tigerkaka….

Viele Gerichte (Erbsensuppe, Linsen, …) oder Marmelade wird in Plastikschläuchen verkauft. Für uns Radler nicht schlecht, denn wir sparen Gewicht.

Letztendlich besuchen wir dann auch einen Systembolaget und stellen fest, dass die Auswahl an alkoholischen Getränken riesig ist. Belgische starke Biere, reines deutsches Pils, dunkle irische Biere, und so weiter, es gibt alles. Auch viele Weine aus allen Herren Ländern. Die Verkäufer sind gut geschult und sie kennen sich aus. Allerdings schließen diese Läden Samstags um 14 Uhr und wenn man kurzfristig eine Party planen will — Pech gehabt.

Ansonsten haben fast alle Supermärkte und Läden in den Städten auch am Wochenende offen.

So genug von Trinken und Essen. Etwas besonderes ist die alte Holzkirche von Tunaberg von 1700. Im Innern gleich sie in Form und Bemalung einem alten Schiff. So etwas haben wir noch nie gesehen.

Holzkirche Tunaberg 1700

Mitte Mai erreichen wir dann wieder die Küste und es wird wärmer – 20 Grad sind nun schon mal drin – doch ein kühler Wind weht immer. Die Schweden wurden uns vor unserer Fahrt als etwas reservierter „Stamm“ beschrieben. Wir machen andere Erfahrungen. Immer wieder suchen sie das Gespräch mit uns. Sie sind interessiert wohin unsere Reise gehen wird und woher wir kommen. Alles kein Problem, da sehr viele Englisch reden.

Auf schönen Radwegen, über Holzstege entlang eines Sees, erreichen wir die ersten Vororte von Stockholm, der Hauptstadt Schwedens. Dort freuen wir uns auf den Warmshower-Gastgeber Pierre, der sich mit acht Freunden zusammentat. Sie kauften sich gemeinsam eine wunderschöne Villa. Wie wir erfahren herrscht im Großraum Stockholm extreme Wohnungsnot, was die Preise für Wohnraum in schwindelerregende Höhen trieb und weiter treibt. Mietwohnungen sind gefragt und teuer. Auch ist es in Stockholm nahezu unmöglich einen unbefristeten Mietvertrag zu bekommen. Meist muss man nach 1 Jahr wieder umziehen. Es gibt kommunale Wartelisten für Mietwohnungen, doch die Wartezeiten betragen derzeit mindestens 10 Jahre, bis zu 15 Jahre in einem Vorort (Innenstadt bis zu 20 Jahre). Auch kann man sich nicht genau die Wohnung aussuchen die man haben will, sondern eben nur die, die einem von der Kommune angeboten wird – sozialistische Planwirtschaft!

Wir konnten dies kaum glauben, dachten wir hätten es falsch verstanden, doch hörten dies immer wieder von verschiedenen Schweden. Eine Recherche im Internet ergab. Es ist katastrophal in Stockholm eine Wohnung zu finden. Besser ist es etwas eigenes zu besitzen.

Der Zuzug nach Stockholm ist immens. Angeblich will das Land dort Wohnraum für eine Million Personen schaffen.

Stockholm – Blick auf das Alte Rathaus

Wir wohnen insgesamt 4 Nächte bei Stockholm und besichtigen ausgiebig diese schöne Stadt mit den vielen Inseln und dem vielen Wasser. Wir lassen uns von der malerischen Altstadt mit den bunten Häusern und engen Gassen bezaubern, besuchen das alte Rathaus, welches aus 5 Millionen roten Ziegelsteinen erbaut wurde, radeln über kleine Inseln, erkunden die Gegend um den königlichen Palast und die endlos wirkenden Fußgängerzonen und Shopping-Malls.

Ein Höhepunkt ist freilich das Vasa Museum. Dort liegt das Vasa Kriegsschiff, welches im Jahr 1628 vor Stockholm bei seiner Jungfernfahrt bereits nach 1.500 Metern (!) gesunken ist. Das Wrack wurde nach 333 Jahren 1961 aus 30 m Tiefe geborgen. Es wurde 17 Jahre lang restauriert und besitzt prachtvoll geschnitzte Skulpturen und Ornamente, zu 98 Prozent aus Originalteilen. Das Museum bietet auch Einblicke in das Leben der Besatzung und auch in das Leben der Menschen im 17. Jhd.

Wir waren jedenfalls fasziniert und haben alles ausgiebig besichtigt. Ob wir dies vor 10 Jahren getan hätten ist fraglich, denn damals wurde das Schiff zuerst mit Meerwasser und später mit Wasser und Wachs besprüht um es zu konservieren. Die Besucher bekamen Regenmäntel und Gummistiefel verpasst.

Am Montag, den 22. Mai nehmen wir Abschied von Stockholm, radeln um 05.00 Uhr in der Frühe durch die Stadt und nehmen die Fähre „Baltic Princess“ nach Turku in Finnland. Die 12-stündige Fahrt verläuft ruhig und auf dem großen Kahn mit seinen 10 Decks gibt es einiges zu entdecken.

Die frühe Uhrzeit macht uns nichts aus, denn um 5 Uhr ist es längst hell und die Sonne hat schon in unser Zimmer gescheint. Irgendwie haben die Schweden keine Rollläden. Wir checken auch mal die Sonnenaufgang (4:02 Uhr) und Sonnenuntergangszeiten (21:29 Uhr) – das sind doch glatt 2 Stunden mehr Tageslicht als derzeit Zuhause. (5:56 / 21:06).

Geradelte Kilometer in Deutschland: 191 km

Geradelte Kilometer in Schweden: 1.069 km

Fotos zu Schweden – Teil 1:

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Deutschland 2016- Rückkehr

Deutschland hat uns wieder

Der Radweg führt uns über die Landesstraße bis Blankenheim. Dort entspringt die Ahr. Der Ahrtalweg schlängelt sich auf einer Strecke von 81 km von hier bis nach Sinzig, wo die Ahr in den Rhein mündet. Von Blankenheim bis Schuld ist der Radweg ein Hangweg, von dort an begleitet er als Uferweg den Fluss.

Direkt am Radweg zelten wir an einer Picknickstelle oberhalb der Ahr, trocknen unsere nasssen Sachen und kochen lecker. Am nächsten Tag geht es bei 7 Grad aus den Federn und bei 11 Grad radeln wir weiter.

Übernachtung an der Ahr

Der Ahrradweg ist wunderschön und vielseitig: Waldgebiete, kleine Dörfer, später Weinberge und Felsenlandschaft. Von dem Hochwasser das Anfang Juni in Münch stand, sehen wir keine Spuren mehr, doch beim Metzger liegen Fotos von den Überschwemmungen aus. Eine 2 Meter hohe Welle sei durch das Dorf gepflügt,
meint die Metzgerin.

Ab Altenahr bessert sich das Wetter; passend zu den vielen Weinbaugebieten, die auch Sonne benötigen.

Nachmittags erreichen wir den Rhein, wo die Ahr als breiter Fluss mündet. Nun geht es flacher weiter und schnell sind wir in Koblenz mit dem Kaiserdenkmal. In Richtung
Lorelei verengt sich das Rheintal, die Strömung nimmt zu und unten am Hang ist nur noch Platz für die Bahn, eine Straße und den Radweg. Wir beziehen einen Platz auf dem Camping Lorelei der direkt neben der Hauptstraße liegt. Es ist hier zwar laut, doch dafür hat man einen schönen Blick auf die steile Felslandschaft.

bei der Lorelei

Toll sind auch die vielen Burgen die sich in die Landschaft schmiegen. Sie sind alle in hervorragendem Zustand, ebenso wie viele hergerichtete Dörfer mit Türmen und Fachwerkhäusern. Besonders hervorzuheben sind hier Andernach und Oberwesel. Überall könnte man hier einen Tag verbringen, doch es zieht uns wie die vielen kanadischen Wildgänse weiter.

Ab Bingen wird das Rheintal weiter und flacher. Felder, Biotope und alte Rheinauen, in denen wir leuchtendgelbe Pirole sehen, wechseln sich ab.
Bei den Mainzelmännchen hätten wir Lust in das Rhein-Strandbad zu liegen. Es ist heiß, Hängematten und Liegestühle laden zum relaxen ein. Doch wir haben Rückenwind und das können wir uns nicht entgehen lassen.

Bei Worms überqueren wir den Rhein, radeln weiter bis Mannheim wo wir den Neckarradweg finden. Schnell sind wir in Heidelberg, umfahren die vielen Touristen mit gezückten Kameras und kommen kurz nach Heidelberg zu einer eiskalten Quelle wo wir leckeres Wasser tanken. Ab Heidelberg ist der Radweg und die Landschaft hügeliger. Auch hier gibt es viele Burgen und ab Heilbronn unzählige Weinberge.

Unsere letzte Nacht campen wir wild am Neckar bei Kirchheim auf einer kleinen Wiese. Kurz vor Nürtingen verlassen wir das Neckartal und radeln durch das Aichtal in Richtung Herrenberg, da dort unser Auto steht, das wir abholen wollen. Nun sind wir schon so nah, dass wir nicht noch eine Nacht im Zelt verbringen wollen. Wir geben Gas und kommen nachts in Herrenberg an. Am letzten Tag zeigt unser Tacho 151 km und 10 Stunden Fahrzeit. Nicht schlecht!

Nun ist unsere Tour de France etwas früher als geplant zu Ende. Insgesamt sind wir in den 10 Wochen 4.972 km geradelt und haben wieder viele schöne Begegnungen gehabt und schöne Orte entdeckt.

Aichtalradweg bei Waldenbuch

Doch nun legen wir erst einmal unsere Beine etwas höher….oder die Fahrräder?

Fotos zu Deutschland 2016 Rückreise:

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Belgien 2016

Fiets Paradijs

Ja, Belgien ist für uns ein Fahrradparadies. In der Nacht zum 6.7.16 schlafen wir vermutlich schon in Belgien. Wir wissen es nicht genau, denn von einem Grenzhinweis ist weit und breit nichts zu sehen.

Doch bei unserem ersten Einkauf im Supermarkt sind wir uns sicher. Ein Supermarkt ohne Fenster mit zahlreichen einzelnen fensterlosen Kühltruhen, wobei der Inhalt auf einem Poster gezeigt wird. Ein eiskalter Innenraum, in dem Obst, Gemüse und Käse verwahrt wird, doch überall kann man kleine Häppchen Käse, Melone usw. naschen. Die Belgier sind einfach praktisch. An der Kasse läd die Scanner-Frau die Ware von unserem Einkaufswagen in einen leeren Wagen, der immer dort bereit steht. An jedem Wagen gibt es übrigens eine Klipp-Halterung für den Einkaufszettel. Tja, echt praktisch die Belgier! Allerdings sahen wir dann in Belgien soooo einen Supermarkt nie wieder. Alle anderen waren den französischen ähnlich.

Und Brotautomaten haben die Belgier! In vielen kleinen Dörfern können wir an den Wochenenden oder nach Ladenschluss hier zu frischem Brot kommen. Dazu einen der bereits angemachten Salate, die es in allen Variationen in den Märkten gibt – und das Picknick steht.

An der Schelte entlang radeln wir durch schöne flache Natur nach Gent. Unterwegs sehen wir viele Kanadische Wildgänse und Rothalsgänse. Die Frösche veranstalten derzeit mächtige Konzerte.

Gent, die zweitgrößte Stadt in Flandern, hat einiges zu bieten. Historische schöne alte Gebäude, befahrbare Kanäle und sehr viele gemütliche Straßencafes. Wir haben schönes Wetter und jung und alt genießen die Sonne, verweilen in den Cafes oder sitzen an den Uferpromenaden.

Gent in Belgien

Die Schelte wollen wir nicht verlassen, denn es ist so schön flach hier. Wir haben Rückenwind und die Radwege sind in gutem Zustand. Diese haben hier ein Nummernsystem und von A nach B zu kommen ist es ratsam sich die Nummern der einzelnen Streckenabschnitte zu notieren. So radeln wir zum Beispiel an einem Vormittag die Strecke: 98-82-101-103-84-104-69-505-533 ….Immer an den Knotenpunkten fängt ein neuer Streckenabschnitt an.

Radweg über die Schelte

Das Hinterland der Schelte wird oft durch einen Damm geschützt, der an vielen Stellen von Kaninchen untergraben ist. Die nicht sehr scheuen Kaninchen sehen wir überall. Sie sind wohl an die vielen Radler gewöhnt. Denn Radler gibt es hier auch massenweise. Der Belgier ist wohl der geborene Radfahrer. Über die Schelte kann man an vielen Stellen mit einer kostenlosen Fähre zum anderen Ufer übersetzen.

In Boom, einer Kleinstadt, wollen wir das EM Halbfinalspiel Frankreich-Deutschland sehen. Wir finden die Hollywoodbar mit netten Belgiern – allerdings sind sie irgenwie alle ein wenig beleidigt, da Belgien gegen Wales ausschied – die alle interessiert sind, für wen wir bei diesem Spiel wohl jubeln. Ja, letztendlich war es dann Agnès. Nach dem Spiel bauen wir unser Zelt still und heimlich im Stadtpark auf, wo wir eine ungestörte Nacht verbringen.

In Mechelen verlassen wir die Schelte, besuchen dort die prächtige gothische St. Romualds Kathedrale mit einer berühmten holzgeschnitzten Kanzlei von 1886. In der Kathedrale sind auch Werke von bedeutenden Meistern wie Lucas Faydherbe, Abraham Janssens van Nuyssen, Gaspar de Crayer, Michiel Coxcie und Anthonis van Dyck ausgestellt.

Bei Werchter suchen wir uns mal wieder einen Campingplatz und wundern uns, dass auf diesem kleinen Campingplatz, den wir dann finden, ein ziemlich großer Andrang herrscht. Doch irgendwann ist klar. Werchter ist eines der europaweit viertgrößten Austragungsorte für Rockkonzerte. Wir landen mitten in Rock Werchter 2016. Am 9.7. ist der ausverkaufte Auftritt von Bruce Springsteen und die Fans in unserem Alter sind angereist. Wir sind die Einzigen die am 9.7. wieder abreisen – die Fans wundern sich über uns.

Es geht weiter durch wildes, teilweise noch überschwemmtes Naturschutzgebiet, später durch schattige Waldgebiete und immer wieder durch eine Kleinstadt mit viel Atmosphäre. Am Albert Kanal entlang führt der Radweg flach nach Liège (Lüttich).
Bereits ca. 20 Kilometer vor Liège kommen wir in die französisch sprechende, wallonische Region. Diese Gegend scheint ärmer zu sein. Mehr Müll, weniger gute Wege, kein Radwegnummernsystem mehr.

Liège lassen wir „links“ liegen, und nehmen ab da den Ravel (Réseau Autonome de Voies Lentes, also „unabhängiges Netz langsamer Wege“), an der Ourthe entlang bis Tilff. Auf dem dortigen Camping municipal bleiben wir bei gutem Wetter zwei Tage lang, lassen es uns gut gehen (= schlemmen) und schauen uns das Endspiel Frankreich – Portugal an. Auch in diesem Lokal herrschte eine angenehme Atmosphäre. Auch gilt es den großen Zeh von Agnès zu pflegen, denn sie stolperte über einen Betonstein und enthäutete ihn.

In den belgischen Ardennen müssen wir uns wieder auf ein paar Höhenmeter gefasst machen. Aber die Aussichten sind prima und es ist so gut wie nichts los. Dafür regnet es immer mal wieder und es ist nicht einfach einen ebenen und einigermaßen trockenen Schlafplatz in der Natur zu finden.

vor der Grenze noch schnell ein paar belgische Fritten

Weiter geht es durch Wald und Wiesen in Richtung deutscher Grenze. Hier wird plötzlich, obwohl noch in Belgien, Deutsch gesprochen. Auch die Hinweisschilder wie „Polizei“ oder „Baustelle“ sind schon auf Deutsch, was uns ziemlich wundert.
Wir kommen zum Weißen Stein in der Nordeifel, auf 655 m. Von hier aus sind es nur noch wenige hundert Meter bis nach Deutschland. Einen Hinweis auf die Grenze können wir auch hier nirgends mehr sehen.

Fotos zu Belgien:

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Frankreich 2016

Unsere Route durch Frankreich mit seinen Departements:

Bonjour bonjour!

Am Freitag 29. April 2016 reisen wir über Chalampé nach Frankreich ein.  Wir wollen dort den Eurovelo 6, den Radweg der von Nantes bis zum Schwarzen Meer führt, nehmen. Doch gleich nach der Grenze endet der Radweg. Es gibt nur noch die vielbefahrene Nationalstraße auf die wir absolut keine Lust haben. Agnès spricht einen Straßenradfahrer an, der sich die nächste Stunde um uns kümmert. Er zeigt uns einen Weg durch den Hardtwald vor Mülhausen, den wir nie gefunden hätten. Bald darauf sind wir an der Brücke „Du Bouc“ am schön ausgebauten Eurovelo 6, der dort am Rhone Rhein Kanal entlangführt. Es gibt Picknickplätze, Trinkwasser und wir beschließen gleich unser Zelt am Ufer aufzubauen.

Info:
Hier fand im Winter 1944 die blutige Hardtwaldschlacht statt.

beim Hardtwald

Die nächsten Tage sind wir sehr positiv überrascht über den gut ausgeschilderten Radweg Eurovelo 6 und den guten Zustand der Piste. Über hunderte von Kilometern ist man weg vom Autoverkehr und die Strecke ist flach. Wir treffen viele andere Radreisende, die zum Teil auch lange unterwegs sein wollen. Ansonsten sind die üblichen Rennrad- bzw. Straßenradfahrer unterwegs und wir kommen aus „bonjour bonjour“ sagen nicht mehr heraus.

Info:
Der Canal du Rhone au Rhin wurde 1803 im Sundgau/Südelsass von spanischen Gefangenen begonnen und erst 30 Jahre später fertig gestellt. Vielen spanischen Gefangenen gelang die Flucht, da einer Geschichte zufolge auf einen französischen Aufpasser 250 Gefangene kamen. 1814 kam der Krieg und die Bevölkerung verwendete die Baustoffe für ihre Häuser. Nachdem der Kanal dann fertig war, wurde festgestellt, dass er undicht war. Es dauerte noch 2 Jahre bis er beschiffbar war. Damals gab es noch den Beruf des „Schiffziehers“ der die Boote per Hand den Kanal entlang zog. Auf seinem harten Arbeitsplatz – er zog etwa 25 km pro Tag – radeln wir heute unbeschwert dahin.

Toll ist die Natur. Alles steht in voller Blüte und das Grün ist sagenhaft. Leider ist das Wetter die ersten Tage sehr wechselhaft. Sonne und Regen, Wärme und Kälte geben sich die Hand. Schön dass wir zweimal einen trockenen Platz unter einem Pavillon zum übernachen finden.
So ist auch der 1. Mai ein völlig verregneter kalter Tag, mit Höchsttemperaturen bis zu 6 Grad, so dass man außer den
Maiglöckchenverkäuferinnen keinen Menschen auf dem Weg trifft.

Das Fahrrad von Agnès muckt, denn wir haben ein zu kleines mittleres Kettenblatt vor der Abfahrt montiert. Erst dachten wir, dass es gut gehen würde, doch noch im Elsass hat Agnès nur noch 5 Gänge zur Verfügung.

In Montbéliard besuchen wir die Innenstadt. Dort steht ein beeindruckendes Schloss der württembergischen Herzöge. Von Cherval bis Besancon verläuft der Radweg zwischen dem Fluss Doubs und imposanten Kalksteinfelswänden.

vor Besancon

Von weitem sehen wir die Festung von Besancon. Der Eurovelo 6 führt durch einen Kanaltunnel unterhalb hinduch.

Nun ist es an der Zeit das Rad von Agnès auf Vordermann zu bringen und wir sind auf Suche nach einem guten Fahrradhändler. Den finden wir in der Rue de Dole, Cycles Chevallier. Das Kettenblatt ist für 21 Euro ruckzuck gewechselt und Agnès hat wieder ihre 30 Gänge.

Info.
Die Doubs ist der viertlängste Fluss Frankreichs mit 453 Km und mündet bei Verdun sur Saone in die Saone. Das Wort Doubs kommt vom keltischen „Du“ = schwarz.

Eine schöne Altstadt bietet Dole nebst Stiftskirche mit einzigartiger Orgel und Kapelle, in welcher schon einige Wunder geschehen sein sollen.
Der Weg hierher führte durch alte Platanenbestände, deren Äste einen grünen Tunnel bilden.

Nach Dole fahren wir im Burgund. Es ist flach und wir zelten direkt am Kanal, wo wir unsere erste Flasche Rotwein genießen.
In Verdun wo die Doubs mit der Saone zusammenfließt treffen wir Jean, einen Elsässer der auch 3 Monate in Frankreich radeln möchte. Eine nette Begegnung.

Die Radwege werden im Burgund schlagartig schlechter, was den Belag und die Beschilderung betrifft. Der Name des Eurovelo 6 ändert sich zu „Voie bleue“. Es gibt Schäden und Verschmutzung durch Hochwasser, doch alles in allem ist es schön weg vom Autoverkehr zu sein. Wir sehen viele Störche und brütende Schwäne und brütende Graureiher. Ein Schwan hat es sich nicht nehmen lassen mitten auf dem Radweg sein Nest zu bauen. Jeder vorbeifahrende Radler wird zur Begrüßung angezischt.

Für uns endet der Eurovelo 6 bzw. Voie bleue in Chalon sur Saone, wo wir den Radweg „Voie verte“ nehmen. Dies ist der älteste Radweg Frankreichs.

bei Dole

 

Fotos von Frankreich Eurovelo 6 findet ihr hier:

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Voie verte:

Bei tollem Wetter geht es auf diesem Radweg weiter nach Cluny, mit seiner historischen Altstadt und der Abtei. Auf dem Campingplatz „Moulin de Collonge“ – mit überdachtem Swimmingpool – bei St. Boil bleiben wir zwei Nächte lang und bringen unsere Wäsche in Ordnung. Der Tunnel „Du Bois Clair“, der nur für Radfahrer und Fußgänger ist, erspart uns eine anstrengende Fahrt über die Berge. Dieser Tunnel und auch der gesamte Radweg war früher für eine Eisenbahnlinie. Oft radeln wir an den ehemaligen kleinen Bahnhöfen vorbei. Bei Macon überqueren wir die Saone und stellen fest, dass es erst einmal keine Radwege mehr gibt. Bis Lyon fahren wir also auf kleinen Departement-Straßen und kommen dadurch auch durch einige kleine Dörfer mit guten Einkaufsmöglichkeiten.
Kurz vor Lyon finden sich viele Restaurants am Ufer der Saone. Alle bieten Froschschenkel in verschiedensten Zubereitungen an.

In Lyon wechseln wir von der Saone zur Rhone und durchqueren so die schöne sehenswerte Stadt.

Lyon

 

Via Rhona:

Der Radweg Via Rhona nimmt uns in Lyon auf und führt uns entlang der Rhone an der gut besuchten Promenade. Bei Sonnenschein tummeln sich hier vielen Fußgänger, Skater und Radler. Ein buntes Treiben.
Ein netter Franzose warnt uns davor, dass der beschilderte Radweg nach 4 Kilometern abrupt aufhören würde. Und so kommt es dann auch. Mitten im Park endet der Radweg vor der Rhone und es gibt keinerlei Hinweise darauf wie man weiterfahren könnte. Doch nun kommt endlich unser Smartphone in Einsatz, welches uns durch unschöne Wohngegenden und vermüllte Landstriche aus Lyon hinausbringt.

In Vienne besuchen wir die schöne Kathedrale „St. Maurice“ und das römische Amphitheater. Kurz nach Vienne finden wir wieder die Via Rhona, doch bald darauf verlieren wir sie wieder. Was für eine Beschilderung!
Die Via Rhona führt hier teilweise auf naturbelassenen Wegen über kleine Inseln. Hier sollen Biber und seltene Wasservögel zuhause sein.  Diese sehen wir nicht, doch die Bissspuren der Biber und die umgestürzten Bäume sind allgegenwärtig.

Ach ja, auch die Angler sind allgegenwärtig. Eine Jahreskarte kostet in Frankreich 98 Euro und man kann mit bis zu vier Ruten überall angeln. Typisch für die Angler sind die Kastenwägen, in denen man kiloweise Fisch verstauen könnte. Doch dass jemand was gefangen hat, haben wir nie gesehen…Ach ja: und während die Männer angeln sind die Frauen auf dem Hundeerziehungplatz.

Bis Valence geht es auf dem Rhonedamm weiter. Hier ist der Gegenwind fast unerträglich und wir kommen kaum voran.  Geschützter kommen wir etwas später voran, denn es geht durch Kirsch- und Aprikosenplantagen. Immer wieder regnet es und es ist kühl. Unser Zelt stellen wir am Abend in einen offenen überdachten Geräteschuppen und sind so vor dem Sturzregen geschützt.

Wir treffen immer wieder auf andere Langzeitradler und kommen viel mit ihnen ins Gespräch. Kommen Radreisen immer mehr in Mode?

Hängebrücke bei Rochemaure

Über die Hängebrücke bei Rochemaure kommen wir nach Viviers – früher Vivarium – . Die mittelalterliche Altstadt ist auf jeden Fall einen Besuch wert und soviele Touristen wie in Cluny sehen wir hier nicht.

Bei Mischwetter radeln wir nach Avignon, sehen die berühmte viel besungene Brücke und leisten uns zwei Tickets für den gotischen Palast der Päpste, der gleichzeitig an eine starke Festung erinnert. Dieser Palast war im 14. Jahrhundert der Sitz der Christlichen Welt. Hier herrschten neun aufeinanderfolgende Päpste, von denen die berühmtesten Benedikt XII. und Klemens VI. waren.

Der Rhoneradweg, kleine Straßen, aber auch eine vielbefahrene Route Nationale bringen uns vorbei an Arles und Richtung Camargue.

Fotos von Frankreich Voie Verte und  Via Rhona findet ihr hier:

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Durch die Camargue bis in die Pyrenäen:

Die C133 führt uns durch die Camargue, den flachsten und nässesten Landstrich im Süden von Frankreich. Klasse anzusehen sind die vielen Wasservögel zu Wasser und in der Luft. Ibisse mit ihrem krummen Schnabel, bunte Bienenfresser, fliegende Gänse und hunderte orangene Flamingos. Dazu kommen brütende Störche, die weißen Camargue Pferde und schwarze Stiere. Ein phänomenales Vogelgezwitscher weckt uns früh am Morgen auf dem Camping Municipal St. Gilles.

Camargue – Aigues Mortes

Die Altstadt von Aigues Morte ist zwar schön aber auch Tourismus pur. Man hört viel deutsch.

Kurz vor La Grande Motte stoßen wir ans Meer, doch das Wetter ist kalt und windig. Bei 18 Grad regnet es auch immer wieder.
Die im Stil der 70er gebauten Hochhäuser von La Grande Motte haben ihren eigenen Flair und wir fragen uns wie man hier seinen Urlaub verbringen kann.

Entlang der Küste oder entlang der Lagunenwelt geht es Richtung Westen. Der Gegenwind wird immer stärker und wir kommen nach Sete mit seinen vielen Fischrestaurants am Hafen. Bei 15 Grad Wassertemperatur wagen wir uns bis zu den Waden ins Meer, aber nicht weiter. Doch ein Spaziergang entlang des Sandstrands mit den Dünen ist auch sehr schön.

Da wir auch immer wieder bekannte Weingüter passieren, kommen wir nicht umhin auch mal einen Cotes du Rhone oder anderen Wein zu testen. Baguette und leckerer Käse dazu.

Übel erwischt es uns nach Gruissan. Der Gegenwind zwingt uns auf 5 Kilometern ebener Strecke zum Absteigen und Schieben. Doch irgendwann kommen wir in Port La Nouvelle an und zelten auf dem dortigen Campingplatz geschützt hinter dicken Hecken. Hier scheint es immer sehr windig zu sein.

Da wir bald Freunde bei heißen Quellen in den Pyrenäen treffen wollen und der Wind nicht abnimmt entscheiden wir uns von hier aus den Zug nach Perpignan und weiter nach Villefranche zu nehmen. Auf 380 Höhenmetern starten wir dann Mittags am 16. Mai in Villefranche und erreichen am Abend unser Ziel, das auf 1.300 Meter Höhe liegt. An diesem Tag ist es richtig warm und die Sonne knallt.

Fotos von Frankreich Camargue findet ihr hier:

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In den Pyrenäen und den Midi Pyrenäen

Bei den heißen Quellen bleiben wir 7 Nächte und genießen jeden Tag die warmen Bäder in den klaren Becken. Das Wasser riecht leicht nach Schwefel, doch das ist gesund. Die Wassertemperaturen liegen je nach Becken zwischen 41 Grad bis 38 Grad oder kühler.
Uns tut die Woche Spa sehr gut und das Zusammensein mit unseren Freunden und deren Kindern ebenso. Insgesamt sind wir 14 Personen für die gekocht und Wasser geholt werden muss, doch es finden sich immer Freiwillige. Auch zum Holz holen, damit es abends im Tipi richtig warm ist.
Ein Highlight für jedermann, insbesondere aber für die Kinder, ist der Kuhauftrieb. Früh am Morgen hören wir die Kuhglocken und können auch mächtig stattliche Bullen bestaunen. Unsere Zelte haben wir mit Schnüren abgesperrt, welche die Kühe respektieren. Ja, und mit diesen Kühen leben wir die nächsten Tage zusammen.

Im kleinen Bergdorf, das man zu Fuß in einer halben Stunde erreichen kann, gibt es eine nette Epicerie und die Möglichkeit ein „plat du jour“, wie zum Beispiel ein leckeres „boeuf bourguignon“ zu bekommen.

An einem schönen Sonnentag machen wir zu viert eine Wanderung durch in die Caranca Schlucht (Gorges de Carança). Die Wegführung ist oft eine atemberaubende Gratwanderung mit Flussüberquerungen über Seilbrücken und Stege. Besonders beeindruckend ist der in die Felsen gehauene Weg „Corniche“ mit tollen Ausblicken in das Tal und auf die umgebenden Berge.

Caranca Schlucht, Corniche

Fotos von den Pyrenäen:

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Midi-Pyrénées:

Am Montag, den 23. Mai 2016 packen wir wieder unsere Räder und fahren erst einmal 25 km bergab Richtung Perpignan, mit dem Ziel unsere Urlaubsbekanntschaften Gauthier und Margot auf der nördlichen Seite der Pyrenäen, in der Ariege, zu besuchen. Die Beiden hatten wir auf unserer großen Reise 2013 insgesamt drei Mal zufällig getroffen und sind auch zusammen eine Woche lang geradelt.

Bei Vinca biegen wir nach Norden ab und erleben eine wunderschöne Strecke, durch bizarre Felsformationen, über den Col de Aurine, auf 600 m Höhe. Den Weg nach St. Paul kann man in Worten schlecht beschreiben. Man muss ihn erleben: kahle Felsen, dann wieder zartgrüne Weinreben, ein römisches Aquaduct, kleine verschlafene Dörfer mit alten Steinhäusern, Zypressen und klare Bäche, teilweise sogar mit Strand.

Vor St. Paul de Fenouillet entdecken wir das Kletterparadies (für andere), die Via Ferrata, und sehen wie die mutigen Kletterer in den Wänden – oder den Seilen – hängen. Wir entscheiden dass wir lieber auf unseren zwei Rädern bleiben.

Nach St. Paul folgt das nächste Highlight: die fantastische Schlucht „de Galamus“, an der sich die enge Straße entlang windet und tiefe Blicke in das Tal gestattet. Für Autos über 2 Meter breite verboten. Mitten in den Felswänden hängt hier die Einsiedelei „L’Ermitage de Saint-Antoine de Galamus„.

Galamus Schlucht

Nach 3 Tagen Fahrt durch diese Schluchtenlandschaften führt unser Weg zu dem unterirdischen Fluss von Labouiche, der in circa 60 m Tiefe eine Höhlenlandschaft durchläuft. Ein Skipper zieht uns mit seinem Boot durch das Labyrinth von verschiedenen Höhlen. Fotografieren ist hier verboten, doch dieser link gibt einen guten Einblick: Labouiche youtube video

Gut verschwitzt kommen wir bei Gauthier und Margot an, die auf einer Bergspitze in einer Yurte mit ihrer 2 Wochen jungen Tochter Astrée wohnen. Die Yurte haben die Beiden auf Stelzen in die hügelige Landschaft gebaut, mit einer Sicht weit über die umliegenden Berge und Wälder. Eine himmlische Lage!
Abends geht es noch auf einen „Bal“ (Tanzabend), bei welchem regionale Musik und bretonische Lieder gespielt werden. Da fühlt sich Agnès doch gleich wohl und schwingt das Tanzbein. Die kleine Astrée ist auch dabei. Doch ausruhen ist hier nicht angesagt. Tags darauf geht es zu mächtigen alten Platanen, weiter zu den Mas D’Azil Höhlen, durch die die Franzosen einfach eine Straße gebaut haben….Später schauen wir ein „Spektakel“ im Dorf an, d. h. eine Aufführung der Gruppe „Soralino“ mit ihren Keulen und Kartons.

Beauregard – Blick von der Yurte aus

Toulouse mit seinen rosa Häusern und der Basilika Saint-Sernin, die an einer der wichtigen Wallfahrtstrecken nach Compostela liegt, ist auch einen Besuch wert. In einem gemütlichen Café bringen wir unseren Blog etwas voran und checken unsere Mails. Hier nächtigen wir unkompliziert bei einem Freund von Gauthier und Margot, dem Franzosen Thierry, bei dem es Abends etwas zu feiern gibt. Sein Sohn Daniel wurde heute französischer Meister über 5.000 Meter Lauf. Champagner und Pizza wird gereicht.
Am 31. Mai geht es weiter und mit dem Wetter beständig bergab. Es regnet und wird kühl. Tagsüber sind 16 Grad gerade noch zu erreichen. Doch die Strecke ist schön. Entlang der Tarn, vorbei an den Weingütern von Gaillac und seiner Abtei, durch etliche mittelalterliche gut renovierte Städte bis in das Tal de la Vere. Bald wartet die nächste Schlucht auf uns: die „Gorges de la L’Aveyron“. Die Flüsse sind voll und es tropft aus allen Ritzen der Felswände. Die hier nistenden Vögel müssen auch schon völlig durchweicht sein.

Unser Weg führt duch das Lot-Tal mit seinen weißen Felswänden auf der einen Seite und den dunklen rostigen auf der anderen. Der Ort St. Cirq Lapopie hat sich oben an den Felsen hingeschmiegt, doch wir radeln unten weiter durch die Cele Schlucht.
Oft sind die Häuser direkt an den Fels gebaut. Rückwand und Dach verschmelzen mit der Felswand. Es ist hier so eng entlang der Straße, dass einfach so gebaut werden musste. Diese Schlucht ist die Lieblingsschlucht von Agnès.

Cele Schlucht

Zitat Martin: Ich glaube unser Blog sollte nicht Tour de France heißen, sondern Tour de Schlucht.

Neben den vielen Schluchten gibt es noch viel mehr Steinmauern – bestimmt mehr als in Kroatien! Es ist unglaublich wie hier früher gebaut wurde und dass die vielen Trockenmauern noch stehen.  Trockenmauern, Steinhäuser, Steindächer, Steinkirchen… Ansonsten führt unser Weg durch unglaublich viele Eichenwälder.

Bis heute (4.6.16) haben wir noch nicht viele Touristen gesehen. Gestern erst waren wir alleine auf dem Campingplatz. Doch nun kommen wir nach Rocamadour, bekannt vom Käse her. Hier tummeln sich die Touristen, fahren Bähnle, besuchen Abenteuerparks, Affenparks, Dinosaurierparks, die weniger Abenteuerlustigen schauen bei der Käseherstellung oder dem Kühemelken zu. Nichts wie weg!

Im Dordogne Tal werden die Eichenwälder von Walnussbaumplantagen abgelöst. In der Hochsaison ist auch hier bestimmt viel los, denn die vielen Schilder „Foie Gras“ und „Pineau des Charentes“ versprechen kulinarische Genüsse, leider aber auch Tierquälerei.
In diesem Tal reihen sich Grotten mit prähistorischem Hintergrund und Malereien wie Perlen an der Kette.

Endlich gibt es auch mal wieder einen Radweg. Zuerst bei Sarlat durch einen Wald der an grünen Dschungel errinnert, später vor Perigueux, der uns an der Isle entlang direkt in die Stadt bringt.

vor Sarlat

Die Kathedrale Saint-Front hat 18 Türme und wir denken wir sind in Istanbul.
Hier ändert sich nicht nur die Landschaft, auch haben wir die Region Midi Pyrenäen durchquert.

Unser nächstes Ziel ist die Bretagne, wo die Verwandtschaft von Agnès wohnt. Aber bis dahin sind es noch einige Kilometer.

Fotos von Midi Pyrenäen und der Charente:

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Bretagne, Normandie und weiter durch Nordfrankreich:

Wir durchqueren die rebenreiche Gegend um die Kleinstadt Cognac. Weinberge soweit das Auge reicht. Eine weitere Spezialität dieser Gegend ist der berühmte Pineau des Charentes, der gerne mit Foie Gras (Gänseleberpastete) konsumiert wird. Beides wird in edlen Restaurants entlang unseres Weges angeboten.

Wir freuen uns bald in das Loire Tal abfahren zu dürfen. Bestimmt ist es dort viel ebener, mit gut beschilderten Radwegen, denken wir. Kaum im Loire Tal angekommen, müssen wir jedoch unsere Pläne ändern. Nach 1 km Radweg stehen wir vor einer Überflutung. Auch die Nebenwege stehen unter Wasser. Die Loire selbst ist zu einem braunen reißenden Strom mutiert. Es bleibt uns somit nichts anderes übrig, als nach einem Weg weitab von der Loire zu suchen. Das Wetter mit regelmäßigen Schauern und Höchsttemperaturen von bis zu 17 Grad lässt auch zu
wünschen übrig. Wir fahren somit viel auf normalen Straßen und kämpfen uns in Richtung Bretagne vor.

Hortensien

Das Département Loire-Atlantique (bret. Liger-Atlantel), das zur historischen Bretagne, nicht aber zur modernen Verwaltungsregion gleichen Namens zählt, wurde 1941 – mitsamt der ursprünglichen bretonischen Hauptstadt Nantes (bret. Naoned) – abgespalten.
Die Bretagne ist die größte Halbinsel Frankreichs und der westlichste Ausläufer des europäischen Festlands nördlich der Iberischen Halbinsel. Die Gallier nannten dieses Land Aremorica (bret. Arvorig), was so viel bedeutet wie „Land am Meer“.

EM Teil 1:
In Questembert schlagen wir unser Zelt auf dem Campingplatz auf und wollen abends das EM Spiel Deutschland – Ukraine anschauen. Nach einigem Suchen finden wir dann ein geöffnetes Lokal in dem Spiel übertragen wird. Die Stimmung ist „phänomenal“, denn kaum hat das Spiel angefangen, verlassen die paar Gäste das Lokal und wir sind zu zweit. Als wir in der Pause eine weitere Runde Bier bestellen wollen, meint die Chefin, dass sie nun schließen würde. Die nächsten 15 Minuten finden wir jedoch eine sogenannte „Sportsbar“, wo sich alle Sportfans treffen.
Hier schauen außer uns noch ein einziger Ukraine und ein Pole das Spiel an. Was für eine Stimmung im EM Land!

Das Wetter wird noch schlechter als wir es uns vorstellen konnten und in Vannes entscheiden wir uns dafür die letzten Kilometer mit dem Zug zu fahren. Rund eine Stunde später sind wir in der Nähe von Quimper beim Bruder von Agnès, wo wir eine Woche bleiben, in der es auch nur regnet.

Am 21.6.16 radeln wir bei nebeligem Wetter weiter. Wir wollen uns die Küste in der Nordbretagne anschauen, die wir beide noch nicht kennen.
Sehr sehenswert sind hier die Küstenabschnitte „Cote de Granit Rose“ und „Cote D‘ Emeraude“, dazwischen historische Dörfer und Städte, mit schön hergerichteten Kirchen und Kapellen. Auch stehen die Hortensien in voller Blütenpracht.

Côte de Granit Rose

Immer wieder nehmen wir den Eurovelo 4, doch irgendwann, nach Tagen, haben wir „die Nase voll“ von ihm. Er führt uns teilweise mit riesen Umwegen durch unattraktive, langweilige Landschaft, meist bergauf und bergab, während der Autofahrer eine nahezu ebene gute Fahrbahn mit schöner Sicht auf das Meer hat. Also bleiben wir trotz Eurovelo 4 auch auf den Straßen.
Vor Cancale wagt sich Agnès doch tatsächlich ins Meer. Was der Bretonin nicht zu kalt ist, ist es dem Schwaben. Aus sicherer Entfernung schaut er sich das Eiswasserbaden an. Hey, die letzten Tage hatte es 14 Grad Außentemperatur. Vermutlich ist das Wasser noch kälter!

Schön abgekühlt und mit Rückenwind geht es nun weiter in Richtung Mont Saint Michel, zu dem wir einen Abstecher hin machen. Allerdings führt uns dieser Abstecher erst einmal über kleine Feldwege, wobei wir ein Sackgassenschild ignorierten und prompt auf einem Gemüsefeld landen.

vor dem Mont Saint Michel „Abkürzung“

Auch schiebend endet unsere „Fahrt“ vor unüberwindbaren Hindernissen und wir müssen einen längeren Weg zurückfahren. Diesmal mit Gegenwind. Dabei war der Mont Saint Michel schon zum Greifen nahe.
Mit den Rädern dürfen wir den 2,5 km langen Holzsteg, der zum Mont Saint Michel kostenlos befahren und direkt vor der Stadtmauer parken. Ein Besuch des Mont Saint Michel und seiner Abtei hat sich, trotz einiger Touristen, gelohnt. Eine tolle Kulisse!
Auf den Prospekten und im Internet wird überwiegend die Meinung vertreten, dass sich der Mont Saint Michel auf dem Boden der Normandie befindet. Agnès als Bretonin klärt Martin jedoch darüber auf, dass dies umstritten ist und sich der Mont Saint Michel auf bretonischem Boden befindet. Ist doch eigentlich klar.
Auf jeden Fall sind wir nach dem Besuch des Mont Saint Michel in der Normandie.

Hier in der Normandie sind die Fassaden der Häuser völlig anders.Senkrechte sichtbare Holzelemente gestalten diese Fassaden. Mit der Eroberung Englands durch die Normannen 1066 wurde die Gesellschaft, die Kirche und damit auch die Architektur normannisiert.
Vor starkem Regen Schutz suchend, dürfen wir unter dem Scheunendach eines Bauern unser Zelt aufbauen. Am nächsten Morgen werden wir von ihm zum Kaffee eingeladen und sehen eines dieser Häuser, mit großem offenen Kamin, von innen.

Tagsüber radeln wir gemütlich an der Seine entlang. Viele Häuser haben reetgedeckte Dächer.

EM Teil 2:
Heute wollen wir das Spiel Italien – Deutschland anschauen und deshalb auf der Suche nach Campingplatz und Bar früh mit radeln Schluss machen. In Yvetot gibt es nichts von Beidem. Die Bars mit TV machen um 20 Uhr dicht. Weiter geht es 12 km bis Yerville. Auch dort keine entsprechende Bar. Weitere 12 km weiter sind wir in Totes. Völlig tote Hose, wie der Name schon sagt. 17 km weiter kommen wir nach St.
Saens, einem etwas größeren Ort. Keine der Bars hat Abends geöffnet. Der nächste noch größere Ort ist Neufchatel en Bray in ca. 16 km Entfernung. Hier haben wir Glück. Endlich ein Ort mit Campingplatz und einer italienischen Pizzeria mit drei Bildschirmen. Noch 30 Minuten für Zeltaufbau und Duschen. Geschafft! Gerade noch rechtzeitig um das Spiel, nach 124 km,  mit Pizza und Bier anschauen zu können.

EM Teil 3:
Da wir ja im EM Land reisen, wollen wir auch mal ein Spiel mit der französischen Mannschaft anschauen. So machen wir uns am 3.7.16 zur Dorfbar in Longpre auf um das Spiel Frankreich – Island zu schauen. Schon von weitem hören wir gegröle und gehupe. In der Dorfbar tummeln sich an die 10 Franzosen und machen Lärm für 100. Schon nach wenigen Minuten haben auch wir die französischen Farben auf den Backen und einen super Platz vor dem Fernseher. Während das Spiel läuft, hupen und kreischen diese Fans meist vor dem Lokal und irgendwie haben wir das Gefühl dass nur wir zuschauen. Schon nach dem ersten Tor für Frankreich rasen die Ersten, hupend, mit ihren Autos durchs Dorf, um die Kirche herum, ohne den Kick weiter anzuschauen. Nach diesem Dorfspektakel fallen wir müde in unsere Schlafsäcke.

Ein weiteres Spektakel das uns streift ist die Tour de France 2016, welche am 2.7.2016 in Mont Saint Michel beginnt. Entlang der Rennstrecke sehen wir bereits 3 Tage davor etliche geparkte Wohnmobile, die auf das Highlight warten. Wir radeln diesen Streckenabschnitt auf jeden Fall  ohne gedopt zu sein….

Szenenwechsel:
In der Umgebung von Neuville liegen größere deutsche, polnische, kanadische, marokkanische und australische Soldatenfriedhöfe. Zufällig passieren wir die kanadische Gedenkstätte Crête-de-Vimy für 18.000 gefallene Soldaten aus dem 1. Weltkrieg. Das 117 Hektar große Gelände wurde 1922 von der französischen Regierung den Kanadiern geschenkt, um dort eine Gedenkstätte aufzubauen. So entstand der imposante Bau, dessen Bau der Türme 11 Jahre in Anspruch genommen hat. Die mehr als 20 Statuen wurden direkt vor Ort gefertigt. Besondere
Schwierigkeiten beim Bau bereitet der Boden, der durch 4 Jahre der Kämpfe vollständig zerklüftet war. Um die Türme zu stabilisieren wurde ein Fundament aus rund 15 000 Tonnen Beton gegossen.
Die bekannteste Statue stellt eine gramvolle Frau dar – die junge kanadische Nation -, die ihre Toten beweint. In der Mauer rund um das Monument sind die Namen von 11 285 kanadischen Soldaten eingraviert, die bei den Kämpfen im Ersten Weltkrieg ums Leben kamen. Ihnen zu Ehren wurden im benachbarten Park ebenso viele kanadische Pinienbäume gepflanzt

Crete de Vimy bei Neuville St Vaast

Am 5.7.16 kommen wir in die französische Großstadt Lille, nahe der belgischen Grenze, wo wir nach 3.800 km wohlverdient eine große Portion Frites essen.
Hier wollen wir Frankreich verlassen, die Tour de France beenden und über Belgien weiter reisen.

Fotos von der Bretagne, Normandie und Nordfrankreich:

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