Marokko 2019

Bonjour Tajine

Am Mittwoch 6.11.19 geht es endlich los. Andrea und Hermann sorgen dafür, dass wir mit unserem vielen Gepäck gut zum Flughafen Stuttgart kommen. Auch die Ankunft in Malaga um die Mittagszeit verlief prima – unsere Räder und unsere Taschen kamen gut an. Malaga erwartet uns mit blauem Himmel und 20 Grad.

Wir fahren entweder kleine Stücke auf der N340/A7 oder hinter deren Leitplanke auf dem Fußgängerweg, ab und zu existiert auch eine Strandpromenade mit Fahrradweg. Der Fußgängerweg ist leider oft sehr schmal und wir müssen desöfteren absteigen, manchmal sogar unser Gepäck abschnallen und ein Stück weit schleppen.

Entlang der A7/N430

Ab Torreguardiaro verlassen wir die Küste und fahren über St. Martin ins bergige Hinterland. Hier gibt es kaum Verkehr, dafür um so mehr Orangen- und Olivenbäume. Hunderte Klapperstörche fliegen über uns oder sitzen in ihren Nestern.

Am Freitag 8.11. kommen wir in Algeciras an, wo wir schon ein schönes Airb&b Zimmer gebucht haben und tags darauf die Fähre nach Ceuta – der spanischen Exklave – nehmen.

Ceuta unter blauem Himmel, klarem Meer und der Festungsanlage überrascht uns, denn wir hatten uns alles etwas chaotischer vorgestellt. Aber die Strandpromenade ist toll hergerichtet und schnell kommen wir an der Grenze zu Marokko an.

Die Autoschlange ist schnell überholt und ohne Probleme oder Kontrollen bekommen wir unsere Einreisestempel. Das war es, wir werden durchgewunken. Wir sind in Marokko!

Verwundert stellen wir fest, dass es bis Martil einen super Fahrradweg und elegante Strandpromenaden gibt.

Strandpromenade bei Fridej

Diese werden hauptsächlich von radelnden Spaniern und nun auch von uns genutzt. Wir bleiben an der Küste, die es jedoch ab Tetouan in sich hat. Tollstes Panorama! Dafür geht es ständig hoch und runter und der starke Wind scheint aus allen Richtungen zu wehen. So entscheiden wir uns in Ouet Laou ein privates Apartement zu nehmen, das uns ein „Guide“ empfohlen hat. Abends essen wir leckere Thunfisch-Tajine, einen Teller mit gegrillten Calamares, Pommes und Getränke für insgesamt 9 €.

Gott sei Dank ist tagsdarauf der Wind abgeflaut und wir verlassen die Küste. Wir sehen verschiedene kahle Bergketten vor uns. Müssen wir da wirklich drüber? Aber ja – und wir werden dafür belohnt.

Schlucht Oued Laou

Tolle Schluchten mit roten Felswänden, kleine Bergdörfer, Bäuerinnen in traditoneller bunter Bekleidung mit Strohhüten und viele wandernde Schäfer, die uns zuwinken. Für die 56 km bis Chefchaouen brauchen wir den ganzen Tag, bewältigen dabei 1.236 Höhenmeter und werden die nächsten Tage unsere Muskeln spüren. Die letzten 6 km schieben wir nur noch und freuen uns auf eine heiße Dusche, denn durch leichten Nieselregen sind wir durchweicht und dampfen vor uns hin.

Chefchaouen, die Stadt mit den blauen Häusern, ist zwar touristisch gefällt uns aber trotzdem.

Chefchaouen

Wir schlendern durch kleine Gassen und essen bei Bab Souk, einem Lokal am Rande der Altstadt, das von Frauen betrieben wird: marokkanische Suppe, leckere Tajine und frisch gepresster Orangensaft.

Nach Chefchaouen kommen wir durch etliche Olivenhaine. Aktuell wird mühsam, mit langen Stöcken und Plastikplanen, geernet und Öl gepresst. Der Duft von Olivenöl liegt in der Luft.

Nach Ouezzane wechselt die Landschaft und endlose Felder prägen die Landschaft. Die Erde ist fast schwarz, das Getreide wurde längst eingeholt. Kleinere Felder werden tatsächlich noch mit Esel und Pflug bestellt, gesät wird per Hand.

Die Flüsse werden von Orangenplantagen gesäumt. Leider befindet sich oft mehr Plastikmüll als Wasser in den Flüssen.

Am 14.11. kommen wir in einer der vier Königsstädte, in Meknes, an. Wir gönnen uns etwas Luxus und wohnen in einem Riad (Hiba, ein ehemaliges Ministerhaus von 1795), gut gelegen in der Medina. Das Haus hat viel Flair – wie in 1001 Nacht.

Meknes Riad Hiba

Meknes selbst ist überschaubar, zumal viele Sehenswürdigkeiten wegen Renovierung geschlossen sind. Wir bummeln durch die Souks und über den Place el Hedim, besuchen die Markthalle und entspannen, da es sowieso regnet.

Fotos ab Spanien bis Marokko, Meknes:

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Zwei Tage später geht es weiter. Zunächst unter blauem Himmel, dann Regen, später Hagel. Jetzt kühlt es richtig ab. Es hat mittags nur noch 11 Grad, doch gegen Abend wird es besser. Wir finden einen idyllischen Platz mit toller Aussicht hinter einem Olivenhain. Die Erde ist noch eingeweicht und nach ein paar Schritten sind wir 5 cm in die Höhe gewachsen.

Wir können sagen, dass es in etwa mehr als jeden zweiten Tag einmal regnet. Die kleinen Dörfer sind links und rechts des Asphalts völlig verschlammt – an einem Markttag herrscht dann Vollchaos.

beim Wäsche waschen

Doch auch an den beiden folgenden Abenden finden wir immer einen trockenen Platz und genießen unser Zeltleben. Mittags essen wir in den Dörfern Tajine, Backfisch oder Crepes und abends bleibt die Küche kalt. Leckeres Brot, Gemüse und viele Sorten Oliven tun’s uns dann.

Olivenstand

In der Provinz (Touristen sehen wir seit Meknes keine mehr) zahlen wir beispielsweise für zwei Tajine und zwei Tee, 45 Dirham (4 Euro) oder zwei Suppen und zwei Crepes, 15 Dirham (weniger als 1,50 Euro). Was soll man da noch selber kochen?

Bis Ben Slimane führt die Strecke schön abwechslungsreich aber auch anstrengend durch tiefe Schluchten. Später geht die Landschaft in große Felder über, die Erde ist schwarz. Pflug mit Esel werden hier durch Traktoren ersetzt.

Gendarmerie Royale, Ministère de l’Intérieur, Agent, Autorisé???

Bis zu unserem 10 Tag in Marokko wurden wir bei allen Kontrollen immer durchgewunken. Kurz vor El Gara haben wir unseren ersten Kontakt mit der Gendarmerie. Ein Privatwagen fährt neben uns her, der Fahren in Daunenjacke, darunter Uniform, auf dem Rücksitz seine Dienstmütze. Er spricht und an und meint es sei für „unsere Sicherheit“. Zunächst verstehen wir nicht was er will – Geld oder Aufmerksamkeit? Wir beachten ihn nicht weiter, doch stellen immer wieder fest, dass er uns folgt oder auf uns wartet. Irgendwann ist er weg, doch ab hier nimmt unser Ärger seinen Lauf.

Erste Episode: Bei der Ankunft im Ort El Gara werden unsere Pässe von der Gendarmerie Royale kontrolliert und unsere Personalien festgehalten. „Brauchen sie Hilfe?“ „Wir sind für ihre Sicherheit da“. Wir verneinen und radeln weiter. Eigentlich wollen wir uns einen ruhigen Zeltplatz in der Natur suchen. Doch schnell stellen wir fest, dass dies heute Abend nicht so leicht möglich sein wird, denn die beiden Gendarmen folgen uns – mit Blaulicht! Zwar in gebührendem Abstand, aber immer in Sichtweite. Doch es gelingt uns die Hauptstraße über einen kleinen Feldweg zu verlassen und in einem kleinen Dorf an einem Feld hinter einer Mauer zu verschwinden. Ein schöner nicht einsehbarer trockener Platz. Wir bauen unser Zelt auf, vespern und genießen den Sonnenuntergang, der ein wahres Spektakel ist. Fledermäuse kreisen über uns, wir verziehen uns in unsere Schlafsäcke und freuen uns darüber, dass wir die Gendarmerie abgehängt haben.

Kaum eingeschlafen, kreisen nicht nur Fledermäuse über uns, sondern auch noch blau-rotes Licht vor uns. „Da seid ihr, wir haben überall nach euch gesucht!“ Die Gendarmen sind wieder da … für unsere Sicherheit müssen sie wohl sorgen! Wir können da nicht bleiben, es ist ein privates Grundstück, meinen sie. Hier gibt es auch böse Viehräuber. Wir müssen ins Hotel – 16 km weiter. Wir weigern uns in der Nacht auf der holprigen Strasse zu fahren und verlangen einen Transporter. Es gibt Diskussionen, hin und her. Prompt kommt ein Sprinter, der wohl normalerweise – dem Geruch nach zu urteilen – zum Viehtransport dient! Der Chef de Brigade, ein Ziviler mit schwarzer Lederjacke und Schildkappe, nennen wir ihn Harry, der mittlerweile auch aufgetaucht ist, bringt uns mit Blaulicht zum Hotel. Unterwegs wird der Streifenwagen aufgetankt. Der Hotelbesitzer zickt und will uns erst nicht nehmen, da wir keine Heiratsurkunde dabei haben… aber unser Schutzengelchen regelt die Sache. Nun geht es um dem Preis. 100 Dirham für ein Hotelzimmer hatte uns Harry versprochen, als er vor einer Stunde wichtig telefonierte und jetzt sollen wir 200 Dirham bezahlen! Nicht mit uns! Harry wollten uns hier verfrachten, er muss die Hälfte bezahlen. So ist es fair! Und so läuft es auch. Agnès knöpft ihm einfach 100 Dirham ab. Wir haben nun unser Zelt gegen eine Suite eingetauscht, mit 5 Betten, extra Wohnzimmer und Küche, Bad und Wifi. Das ganze dauerte 6 Stunden, beschäftigte mindestens 3 Gendarmen, einen Hotelbesitzer, einen Hotelpagen und die Hälfte des kleinen Dorfes. Genug Gesprächstoff für das kommende Jahr!

Zweite Episode: Am nächsten Tag, 11 km vor Settat, wo wir uns eh ein Hotelzimmer nehmen wollen, hält ein Streifenwagen. Der Monsieur in tadelloser Uniform stellt sich als der Chef de Brigade vor. „Zu unserer Sicherheit“ meint er und fährt uns dicht hinterher, mit Warnblinkleuchte. Wir sind langsam unterwegs, da uns der starke Gegenwind ausbremst und ab und zu ein Regenschauer über uns niedergeht und wir deshalb anhalten. Aber egal – wir werden geleitet – sicher geleitet. In den engen Gassen in Settat ist der Spuk dann vorbei und wir nehmen uns ein Zimmer im Hotel Al Massina in zentraler Lage.

in Settat

Dritte Episode: Ab 13 Uhr bemerken wir tagsdarauf, dass wir wieder beschattet werden. Ein schwarzer Golf mit zwei Gendarmen in Uniform drin. Wir gehen in die Offensive und sprechen sie an. Diskutieren dass wir nicht observiert werden wollen. Unsere Pässe werden wieder kontrolliert und abfotografiert. Agnès diskutiert ziemlich lautstark und droht mit Konsulat. „Drei Tage Observation ist genug.“ „Wir sind keine Terroristen sondern Touristen!“. Sie flüchten….

Wir verlassen die Landstraße, fahren durch die Pampa und finden einen schönen Platz zum Zelten, unter einem Schutz bietenden ausladenden Baum, da es stark windet. Kaum eingeschlafen, tauchen Lichter auf. Wir hören und sehen Autos und Leute die mit Taschenlampen herumsuchen. Gilt das uns? Vermutlich ja, aber genau werden wir es nie erfahren, da unser Platz nur mit Fahrrad oder zu Fuß zu erreichen ist. Gegen 23 Uhr fahren die Autos davon.

der Baum schützt uns vor dem Wind

Vierte Episode: Am Tag 4 seit El Gara stellen wir nach dem Mittagessen fest, dass wir wieder beschattet werden. Diesmal von zwei Männern auf Mopeds. Sie fahren langsam hinter oder vor uns her. Sind wir nun langsam paranoid geworden? Haben Verfolgungsängste?

Wir stellen bzw. stoppen sie und verlangen Auskunft. Sie können kein französisch und sie machen auch nicht die schlausten Eindrücke auf uns. Also irren wir uns? Leider nein, denn bald darauf kommen wir in eine offizielle Autokontrolle, wo wir uns über einen der Mopedfahrer beschweren. Ein „Agent“, meint der Gendarme. „für unsere Sicherheit“ – und – „wo haben sie die letzte Nacht verbracht?“. Es gibt wieder lautstarke Diskussionen und die Mopedfahrer werden abgezogen bzw. durch andere ersetzt.

Kurz vor Sidi Bennour stellen wir mit Sicherheit fest, dass wir von vier Mopedfahrern und einem Pkw observiert werden. Wir hatten ohnehin vor uns ein Hotel zu nehmen. Kaum im Hotel Des Voyageurs angekommen, tauchen vier Beschatter in der Rezeption auf und fragen uns, ob wir zufrieden sind. Sie seien Mitarbeiter des Ministère de l’Intérieur. Agnès rastet aus – die Vier flüchten.

Fünfte Episode: Wir nehmen uns vor, dass wir gelassen reagieren und unsere Verfolger nicht beachten werden, sollte es am fünften Tag in Folge so weit sein. Doch es ist wie mit den Stechmücken im Zimmer. Man kann sie nicht einfach ignorieren und weiter schlafen….

Es kommt zu heftigen Diskussionen mit einem Gendarmen, sowie einem Autofahrer der sich als „Autoriserter“ ausgibt, aber keine Papiere hat die dies belegen. Als wir mit ihm diskutieren flüchtet er. Ein Mopedfahrer der vor und hinter uns herfährt wird kurzfristig abgezogen als wir ihn stellen und befragen. Sein Aufpasser taucht zwei Minuten später bei uns auf und schickt ihn weg. Dafür bekommen wir zwei zivile Pkw – einen vor und einen hinter uns.

Und nun? Seit wir in Safi an der Küste angekommen sind, konnten wir nicht mehr feststellen, dass wir observiert werden. Was ist mit unserer Sicherheit? Sind wir in einer sicheren Region angekommen oder waren wir die unfreiwilligen Akteure einer Überwachungsübung?

Tatsache ist, dass auch andere Touristen observiert werden/wurden. Die staatlichen Einrichtungen wollen wirklich auf keinen Fall, dass Touristen etwas geschieht oder dass der Ruf als Reiseland leidet, wie dies im letzten Jahr der Fall gewesen sein soll. Die Gendarmen sind in jedem Fall höflich und zuvorkommend gewesen und denken wirklich, dass sie Schutz bieten können, indem sie die Kontrolle über einen haben. Diese hätten sie natürlich nicht, wenn man „wild zeltet“.

Und nun geht es normal weiter.

In Safi an der Atlantikküste angekommen, haben wir etwas mehr als 1.000 km zurück gelegt. Das Wetter hat sich gebessert und es ist deutlich wärmer geworden.

Safi an der Atlanikküste

Am 23. November kurz nach unserer Ankunft gewinnt Safi (Olympic Safi) die arabische Meisterschaft. Die Straßen sind leer, die Cafes mit Fernseher quillen über. Beim Abpfiff und Spielstand 2:1 ist die Hölle los. Wir schlendern an einem Cafe vorbei und ältere Herren springen auf und schreien und rufen uns entgegen „we love you, we love you…“ Alle sind happy. Das Spiel wird gleich nochmals in voller Länge gezeigt und am nächsten Morgen zum Frühstück noch einmal!

Hat man nach Safi die Phosphat-Industrie erst einmal hinter sich gelassen, entwickelt sich eine Landschaft mit schönen Steinmauern, kleinen Feldern die mit Esel, Pferd oder Dromedar gepflügt werden. Die Küstenstraße ist keine reine Küstenstraße, sondern biegt immer wieder ins Hinterland ab, wo es kurz mal ordenlich hoch und runter geht.

Vor Akermoud riechen wir Olivenöl. Nun wollen wir es mal genauer wissen und wir stoppen vor einer sehr kleinen Olivenpresserei. Der Chef, ein älterer Herr, signalisiert uns, dass wir ruhig eintreten können.

der Chef der Olivenölpresse

So sehen wir, wie die Oliven zwischen den Mahlsteinen zermahlen werden. Bereits diesen ersten richtig grünen „Olivensaft“ dürfen wir mit Brot, das uns der Chef reicht, kosten. Lecker, lecker. Die weiteren Herstellungsgänge, das eigentliche Pressen des Olivenbreis auf runden Matten, das Abfüllen, die Entsorgung der Maische, wird von drei jungen Marokkanern gemeistert.

Bei Akermoud fahren wir direkt an die Atlantikküste und beziehen unsere erste Paillotte (Hütte aus Holz mit Strohdach) auf dem Camping de la Plage de Bhaibah, ein prima Tipp unserer Herrenberger Freunde. Bis zum Strand mit seinen Dünen sind es nur ein paar Meter. Beim Einschlafen hören wir das Rauschen des Meeres.

Camping de la plage de Bhaibah. Wir mieten uns eine kleine Hütte.

Nun ist auch Essaouira nicht mehr weit, wo wir in diesem Touristenörtchen etwas ausspannen wollen. Wir kommen auf jeden Fall schneller als die Esel, die hier zu tausenden als Transportmittel eingesetzt werden, voran.

 

Fotos ab Meknes bis Essaouira:

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Essaouira und der Süden:

Wir sind früh am 25.11. in Essaouira und ein netter „Schlepper“ vermittelt uns ein geräumiges Appartement für 14 Euro/Nacht. Irgendwie liegt der Schwerpunkt unserer Erholungsphase beim Essen gehen, obwohl wir eine Küche haben. Unser Hobbit-Leben beginnt mit ausgedehnten Frühstücken im Pain Perdu, in der Stadt Mittagessen, Kaffee und Kuchen, leckeren Abendessen im Côté de Crêpes. Natürlich schlendern wir auch durch die Altstadt, beobachten die jungen Touristen beim Kite-Surfen am Strand und die in die Jahre gekommenen Touristen beim Ausritt auf den Dromedaren. Nach drei Abenden ist dann aber auch genug und gestärkt radeln wir weiter auf der N1.

bei der Festung in Essaouira

Es geht nun oft entlang steiniger Arganbaumfelder. Die Bäume sind sehr ausgetrocknet und tragen fast keine Früchte, da es seit etwa einem Jahr kaum geregnet hat. Die diesjährige Ernte wird sehr schlecht ausfallen, wird uns prophezeit. Wir zelten zwischen diesen dornigen Bäumen und sehen nachts einen klaren Sternenhimmel.

Ziegen auf den Arganbäumen

Die karge Landschaft ändert sich bei Tamri schlagartig. Es gibt einen grünen Gürtel mit Unmengen kleiner Bananenstauden. Klar, decken wir uns mit den leckeren Bananen ein.

Wir nähern uns Agadir und stellen fest, dass eine Smogwolke in Richtung Norden treibt. Es kommt aus dem dortigen Industriegebiet und ist so dicht, dass wir mit Licht weiterfahren müssen. Das südliche Agadir, wo die meisten Luxushotels liegen, ist davon nicht betroffen. Agadir lassen wir „links liegen“ und besuchen nur den Supermarkt Mariane, in dem wir uns mit gutem Camembert eindecken.

Nach Agadir herrscht Verkehrschaos auf der N1. Es ist so voll und wird so gerast, dass wir auf der kleinen Straße nach Tifnit ausweichen. Da ist es sehr ruhig und es gibt den Camping Bakanou. Im Ort lassen wir uns 14 frische Sardinen auf einen Holzgrill legen. Das Ganze für 2,50 Euro!

Sardinen – unser Abendessen

Die nächsten 11 km schieben und fahren wir auf sandig-weicher Piste, ohne Verkehr, in Richtung Massa. Wir picknicken oberhalb der Meeresklippen und beobachten die Muschelsucher und Angler bei ihrer Arbeit. Ihre einfachen Hütten kleben förmlich an den Klippen.

Bis Mirleft und später bis Sidi Ifni bleiben wir an der kleinen Küstenstraße. Beide Orte gefallen uns auch recht gut und wir bleiben deshalb jeweils zwei Nächte.

Auch die leicht bergige Strecke von Sidi Ifni bis Guelmim ist Klasse, da links und rechts der wenig befahrenen Straße üppige Ohrenkakteen angebaut werden. Die Früchte der Kakteen werden in Guelmim verkauft.

Strecke nach Sidi Ifni südwärts

Guelmim befindet sich am Tor zur Sahara, zwischen zwei Gebirgsketten in einem breiten Tal. Auffallend sind hier die stark verschleierten Frauen, die Turban tragenden Männer und die vielen alten Landrover, vermutlich aus Beständen der Armee, als Grandtaxi.

Hier stoßen wir auch wieder auf die N1, die derzeit einzige Straße, die eine verlässliche Verbindung zwischen Nord- und Südsahara darstellt. Trotzdem hält sich der Verkehr in Grenzen, ist viel viel weniger als bei Agadir und wir fühlen uns sicher. Die N1 wird derzeit ausgebaut und soll an vielen Stellen vierspurig werden. Oftmals können wir den einwandfreien neuen Belag auf der noch gesperrten Spur alleine befahren und haben unsere Ruhe. Irgendjemand musste ja den Anfang machen.

Bei Tan Tan Plage (El Ouatia), einem schönen kleinen Städtchen, kommen wir wieder ans Meer. Vom Camping Atlanique aus spazieren wir die schöne neue Strandpromenade entlang, an der sich abends, wenn die Sonne im Meer versinkt, viele marokkanischen Familien treffen.

am Tan Tan Plage

Wer gerne fischt ist an der Küste ab Tan Tan Plage am richtigen Platz. Die Fischgründe sind weltbekannt und der Courbine kann hier geangelt werden. Wir sehen diesen Fisch an den Ständen in den Dörfern. Als Adlerfisch oder Umberfisch (im Fischhandel auch als frz. maigre oder engl. meagre geführt) wird der im Ostatlantik vorkommende, bis zu 2,3 Meter lange und zuweilen über 100 Kilogramm schwer.(siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Adlerfisch)

Seit Guelmim, wo es nochmals nachts geregnet hat, hat sich das Wetter einwandfrei verbessert. Es ist jeden Tag sonnig, mit Temperaturen um die 25 Grad. Bei Tarfaya ist es sogar noch etwas wärmer.

Toll sind auch die vielen Dromedare, die mit Nachwuchs, einfach durch die Gegend spazieren. Wir radeln täglich an vielen vorbei und sie mustern uns. So was wie uns sieht man selten! Sind wir Kollegen auf unseren Stahldromedaren?

Junge Dromedare

Was essen wir so wenn wir in der Pampa sind?

Morgens gibt es Bohnenkaffee mit Fladenbrot, Marmelade oder Schokoaufstrich. Mittags picknicken wir meistens auf unserer Plane an einer schönen Stelle, wenn wir nicht gerade in einer Stadt sind. Dann gibt es natürlich was gekochtes. Zum Picknick gibts Fladenbrote, Tomaten, Gurken, Paprika, Vache quirit, Avokados und leckeres abgefülltes Olivenöl in das wir unser Fladenbrot tunken. Oft auch gekochte Eier, Yogourt, Orangen, Bananen und Mandarinen zwischendurch.

Abends kochen wir Spagetti, Couscous, mit Gemüse oder Tomatensauce. Meistens sind wir jedoch Essen gegangen. Leckere Tajines in allen Variationen, Pizza, Tagliatelle, marokkanische Suppen, viele Crepes, frisch gepressten Orangensaft, Obstshakes, …..die marokkanische Küche ist lecker.

Obligatorisch ist auch ein guter Kaffee am Nachmittag. Für Agnès Café au lait, für Martin einen Café noir, dazu Kekse.

Die Tage sind kurz. Sonnenaufgang ist gegen 8.30 Uhr. Bis wir dann loskommen ist es oft schon 10.00 Uhr. Gegen 18.30 Uhr ging in Nordafrika dann die Sonne unter und wir mussten einen Schlafplatz gefunden haben und am besten auch schon gekocht haben, so dass wir oft gegen 17 Uhr mit radeln Schluss machten.

Trotzdem kommen wir ganz gut voran. Wir haben auch keine Eile und lächeln über einen belgischen Radfahrer, den wir nach Agadir getroffen haben. Er war sehr in Eile denn sein Zeitplan verlangt täglich 150 km am Tag, um in drei Wochen von Agadir nach Dhakar zu radeln. Ohjemine.

Bei Tah verlief früher die Grenze zwischen Marokko und Spanisch Sahara (Westsahara). Am 11.12. erreichen wir diese Stelle und nun ist auch klar, dass der Geburtstag von Martin in der Westsahara, also wahrscheinlich in der totalen Pampa, sein wird. Werden wir feiern? Was für Einkaufsmöglichkeiten wird es geben? Wir sind gespannt.

Dünen vor Tarfaya

Fotos ab Essaouira bis Tarfaya:

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2019 Franz. Jura

Französisches Jura

Vom 13.07. bis 27.07.2019 sind wir von Zuhause aus, über Freiburg – Fessenheim nach Frankreich geradelt, mit dem Ziel das französische Jura zu durchqueren. So grob wollen wir dabei dem Radweg Grande Traversée du Jura (GTJ) folgen. Der Jura hat Mittelgebirgscharakter mit tiefen Tälern, wilden Schluchten, kahlen Kuppen und grünen Hochebenen. Er erstreckt sich beidseitig der französisch-schweizerischen Grenze von Basel nach Genf. Wir wollen nur die französische Seite erkunden.

Der Weg ist unseres Erachtens nach jedoch spärlich ausgeschildert, so dass wir uns oft anhand unserer guten Papierkarten orientieren.

Unsere Route in groben Zügen: von Zuhause aus – Freiburg – Fe

ssenheim – Mulhouse – Saint Hippolyte – Villers le Lac – Pontarlier – Saint Claude – Lac de Vouglans – Baume les Messieurs – Source du Lison – Source de la Loue – Besancon – Canal de Rhone au Rhin – Mulhouse – Chalampe – Freiburg – über das Elztal, das Kinzigtal, das Neckartal zurück.

Insgesamt sind wir 1.127 km geradelt, hatten keinen Platten und zwei Wochen lang nur Sonne.

Unsere Fotos (2 Seiten):

Route 2019

2019

Vom 10. Mai bis 11. Juni sind wir in der Tschechischen Republik und in der Slowakei geradelt. Insgesamt 2.122 km.

Vom 13. Juli bis 27. Juli waren wir im französischen Jura unterwegs. 1.127 km.

2019 Slowakei

Am 6.6.2019 kommen wir wieder in „Euroland“. Nach der Grenze geht es angenehm bergab und wir folgen dem Radweg entlang des Kysuca Flusses nach Cadca. Kurz nach Cadca finden wir einen wunderschönen Platz für unser Zelt, oberhalb des Radwegs auf einer Wiese, wo wir in der Dämmerung mehrere Rehe und sogar einen Hirsch bewundern können.

Zeltplatz bei Klubina

Tags darauf geht es, durch ein größeres Waldgebiet auf Schotterwegen, stetig bergauf, bis wir auf 920 m Höhe bei Sedlo Demanova ankommen. Wir finden eine Quelle und freuen uns über diese Erfrischung, denn uns ist ziemlich heiß. Von hier oben aus hat man eine wunderbare Sicht auf die Berge der Hohen Tatra. Dort sind noch deutlich Schneefelder zu erkennen.

Die Campingplätze die wir am Orava See aufsuchen gefallen uns alle nicht. Sie sind uns zu eng oder zu uneben und zu dicht an der Hauptstraße und die Betreiber sind nicht freundlich. So radeln wir weiter bis wir einen wunderschönen Platz oberhalb des Orava Sees finden – mit Panoramablick auf die Berge und auf den See. Besser gehts kaum.

Zeltplatz beim Orava See

Am nächsten Morgen treffen wir einen belgischen Radler, der uns begeistert erzählt, dass die Strecke, die nördlich der Hohen Tatra durch Polen führt wunderschön sein soll. Wir ändern kurzerhand unsere Pläne und schlagen den Weg in Richtung Polen ein. Es lohnt sich wirklich, denn die Strecke führt durch den Ort Chocholow mit seinen tollen verzierten Holzhäusern. Jedes Haus ist einmalig, oft verziert mit Schnitzereien. Die Bewohner treffen sich an diesem Tag bei der Kirche, denn es findet eine Hochzeit statt. Alle, ob jung oder alt, tragen bunte traditionelle Trachten und wir staunen über die Schönheit.

bei Chocholow/Polen schöne Holzhäuser

 

Ab Nowy Targ folgen wir dem Dunajec Radweg und schlagen mittags unser Zelt auf dem Campingplatz Leg vor Frydman auf. Da wir ursprünglich nicht vor hatten nach Polen zu reisen, haben wir keine Zloty dabei, doch kein Problem, denn unsere Euro werden gerne
genommen. Der Campingplatz Leg am Bergfluss gelegen hat eine schöne Atmosphäre: freie Platzwahl, Feuerstellen bei den Plätzen, Imbiss- und Biergarten. Wir knüpfen nette Kontakte und verbringen einen unterhaltsamen Abend.

Gleich hinter dem Campingplatz nehmen wir den idyllischen Radweg entlang des Stausees, der, wie sich nach einigen Kilometern herausstellt, leider noch nicht ganz fertiggestellt ist.

hier endet unser Radweg. Gepäck abmachen und alles im Klettermodus rübertragen.

Die Idylle endet abrupt, denn wir müssen unsere Räder mühsam über dickste Kieselsteine schieben und eine steile Engpassage meistern. Dazu müssen die Gepäcktaschen abgehängt und 100 m weit getragen werden. Zum Schluss hieven wir unsere Räder zu zweit über das steil abfallende Gelände. Doch irgendwann endet die Baustelle und bald darauf erreichen wir das Touristendörfchen Cerveny Klastor, das sich wieder in der Slowakei befindet. Klar, dass wir uns nun eine leckere Pizza verdient haben.

Leider endet dieser Tag, der 9. Juni, mit Schreck, denn wir erfahren, dass wir aus familiären Gründen die Rückreise antreten müssen. So radeln wir noch weiter über Kezmarok bis Propad, wo wir den Zug nach Bratislava und Wien nehmen. In Wien übernachten wir in einer Art Hostel und fahren tagsdarauf mit dem Zug weiter bis nach Hause.

Fotos zur Slowakei:

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2019 Tschechien

Pilsner Urquell und Co
Trotz des fürchterlichen Regentages am 9. Mai starten wir tags darauf. Es geht wieder los und wir sind froh! Von Zuhause aus radeln wir ins Killertal und überqueren bei Sonnenschein die Schwäbische Alb. In Erpfingen haben wir die größten Steigungen gemeistert. Unsere erste Nacht auf der Alb im Aldi-Zelt ist fantastisch, denn wir fallen müde in die Schlafsäcke.
Es geht danach die schöne Radstrecke das Große Lautertal hinab.

Lautertal

Der Raps blüht, die Wiesen sind saftig grün und die Felswände im Lautertal sind einfach klasse. Am Radweg der Donau entlang wimmelt es von Enten, Gänsen und Vögeln. Agnès sieht sogar einen blauen Eisvogel.
Wir haben drei Begegnungen geplant. Einen Besuch in Langenau und München bei unseren Kindern und einen bei den Radlern „Liegebummler“ in Unterföhring, die wir in Australien 2014 kennengelernt haben. Es sind wunderschöne Abende, die wir sehr genießen – noch dazu werden wir jedes Mal lecker bekocht!:-)

Isarauen am Isarradweg

Entlang des Isarradweges radeln wir durch viele Auen bis zur Isarmündung, finden jedoch den Radweg bis zur tschechischen Grenze nicht und schieben völlig umsonst – über Stock und Stein – unsere Räder über einen 717 m hohen Berg. Am 20. Mai erreichen wir die tschechische Grenze und folgen ab hier den Radwegen, die mit gelben Nummerschildern prima markiert sind.

Radwege in CZ

Tschechische Republik
Von der Grenze aus führt der Radweg Nr. 3 bis Prag. Schnell merken wir, dass das Hauptziel dieser Radwege darin besteht einen vom schweren Autoverkehr fern zu halten, denn es geht über bessere Wanderwege, Wiesen und Schotterpisten. Aber immerhin sind 65 Prozent dieses Weges scheinbar asphaltiert. Doch für uns ist es gut so, denn wir haben Zeit und sind froh von den Autos weg zu sein.
Wir besuchen Domažlice mit seinen schönen Altstadthäusern und den Arkaden unter denen wir trocken bummeln können, denn es regnet den ganzen Tag. Da haben wir uns doch wirklich ein leckeres Essen verdient. Schweinebraten mit Sauerkraut und böhmische Knödel für 5 Euro? da kann man doch wirklich nicht Nein sagen. Dazu ein Pilsner Urquell….mhhh.

Domazlice-Hotelrestaurant Sokolsky dum

In Pilsen – wo das Pilsner Urquell herkommt – haben wir eine Zusage bei den Warmshowers Jaros und Victoria erhalten. Es ist schön, den Abend mit den Beiden in einer gemütlichen Kellerbar zu verbringen und bei interessanten Gesprächen erfahren wir einiges über Land und Leute. Auch die Stadt gefällt uns, leider ist die Kathedrale geschlossen.

Pilsen

Die holperigen Radwege fordern ihren Tribut. Kurz nach Pilsen funktioniert bei Agnès Rad nur noch ein Ritzel. Wir zelten in der Nähe eines Fahrradladens auf einer großen Wiese und sind gespannt, ob es am nächsten Tag leicht repariert werden kann.
Glück gehabt! Tags darauf stellt der tschechische Mechaniker fest, dass sich lediglich die Halterung des Umwerfers leicht verschoben hat.
Den sehr schönen Campingplatz „Ostrov“ (6 Euro gesamt) finden wir in Zadni Treban, direkt am Fluss Berounka. Wir bauen unser Zelt direkt am Flussufer auf. Die meisten Campinghütten sind vermietet und die Tschechen verfolgen mit Spannung das Eishockeyspiel Tschechien – Deutschland, das sie knapp gewinnen.
Ein Klopfen zur frühen Morgenstunde weckt uns. Agnès denkt es sind Enten die mit unseren Wasserflaschen spielen. Bald stellt sich heraus, dass ein Schwarzspecht auf eine Weide hämmert, die direkt neben unserem Zelt steht. Der fleißige Arbeiter löst ganze Rindenstücke ab und hämmert unermüdlich weiter. An Schlaf ist nicht mehr zu denken….

Camping Ostrov vor Prag

35 km weiter sind wir auf dem Prager Yachtclub Camping. Von hier aus können wir ohne Gepäck gemütlich Prag erkunden. Sehr beeindruckend ist für uns die St. Vitus Kathedrale, die Burg und der Palais Schwarzenberg mit unzähligen in Stein gemeiselten  Ornamenten.

Prag-Tanzendes Haus

Prag mit dem Rad wieder zu verlassen gestaltet sich ziemlich einfach – wir folgen dem Radweg Nr. 7 entlang der ruhigen Moldau, bis Melnik, wo sie in die Elbe mündet.
Da wir in den Naturpark „Sächsische Schweiz“ möchten, ist Decín, eine Kleinstadt im Norden Tschechiens unser nächstes Ziel. Es geht schön flach entlang des Elbufers und ruckzuck sind wir 104 km geradelt. Wir steuern das Bike Camp an (9 Euro/gesamt), welches ziemlich unromantisch unter 3 Brücken liegt. Wie kann man nur auf die Idee kommen hier einen Campingplatz anzulegen? Doch der Platz ist sauber, hat genügend Duschen, überdachte Tische und Bänke und eine kleine Küche mit Kühlschrank.

Decin Bike Camp

Im Bike Camp treffen wir auf andere Radler, die meisten mit Leichtgepäck oder Gepäcktansfer und ohne Zelt, da jede Menge Holzhütten angemietet werden können. Nicht so Kai und Jonas, die aus Hamburg kommen und entlang der Elbe bis mindestens nach Dresden fahren wollen, sie sind wie wir als „heavy loaded“ Radler unterwegs. Wir tauschen uns nett aus und verstehen uns gut. Doch am nächsten Morgen geht es weiter.

Unser mühsamer Abstecher in die Tyssaer Wände auf 600m, eine Felsenstadt im Westen der Böhmischen Schweiz, hat sich gelohnt. Schöne Wanderwege führen durch das Felsenlabyrinth aus Sandstein. Zu dieser Jahreszeit ist die Kasse noch geschlossen und es sind kaum Touristen unterwegs. Tolle Steinformationen, ausgewaschene Löcher und Spalten haben sich hier seit der Kreidezeit gebildet.

Tyssaer Felsenlabyrinth

Es geht nun lange bergab, über die Grenze, zurück nach Deutschland. Viele Alkoholläden, Frisöre, Pediküre, Casinos, Blumen- und Holzwarenläden zieren die Straße auf tschechischer Seite. Einen Urlaub in Vietnam könnte man sich sparen, wenn man von Laden zu Laden ginge – alles gibt’s hier zum „super Preis“.

Die Festung bei Königstein lassen wir links liegen und radeln entlang der Elbe duch Bad Schandau, einer sächsischen Kurstadt. Martin ist es hier einen Tick zu „perfekt“, zu ordentlich, fast kleinbürgerlich. Aber wir wollen ja in den Nationalpark Sächsische Schweiz zu den Schrammsteinen und somit müssen wir da durch. Leider schüttet es in der Nacht wie aus Kübeln und am nächsten Tag sind die bizarren Felsen in Nebel gehüllt. Wir verzichten auf die geplante Wanderung, da man nicht viel sieht und das Wetter sich leider nicht bessert.

Nationalpark saechsische Schweiz Schrammsteine

Wir radeln weiter zum Prebischtor. Dieses Felsgebilde ist die größte natürliche Sandstein-Felsbrücke Europas. Mit einer Spannweite von über 26m gehört es zu den herausragendsten Steindenkmälern des Elbsandsteingebirges. Nach einer Wanderung bis zum Hotel „Falkennest“, in unseren knallgelben Regenüberziehern für die Schuhe, picknicken wir an einer schönen überdachten Stelle.

Wanderung zum Prebischtor

Gestärkt geht es weiter zur Kamnitzklamm, einer Felsenschlucht, die in der Böhmischen Schweiz in Tschechien liegt. So langsam lässt der Regen nach. Die Wanderung durch die Klamm lohnt sich, denn es ist unglaublich grün – Moose, Farne, schöner Wald und dazwischen der klare Bach.

Kamnitzklamm

Wir beschließen wieder auf den Bike Campingplatz in Decín zu gehen, da wir dort Möglichkeiten haben unsere Ausrüstung zu trocknen und es eine Küche gibt. Irgendwie kommt es dann dazu, dass wir uns auf diesem unromantischen Campingplatz ganz wohl fühlen und gleich nochmals zwei Nächte bleiben.

Am 30. Mai, es ist Vatertag, geht es bei blauem Himmer weiter, entlang der Ploucnice (Polzen) bis nach Kamenicky Senov Stadt im Böhmischen Mittelgebirge. Dort befindet sich ein weltberühmter einzigartiger Basalt Felsen namens Panska Skala. Die 20m hohen
Basaltsäulen ragen aus einer unglaublichen Tiefe von 30km (!) fast senkrecht empor und sind so um die 30 Millionen Jahre alt. Eine fantastische Kulisse!

Basalt Felsen Panska Skala

Auch die über viele Hügel führende Fahrt durch das Böhmisches Paradies, eine Mittelgebirgslandschaft im Nordosten Tschechiens, ist lohnend. Geprägt ist die Landschaft vor allem durch Felsenstädte aus Sandstein, Pinienwäder und Seen. Nach kurzer Suche finden wir in der Nähe von Jicín die Prachauer Felsen, einem enormen Labyrinth schlanker Sandsteintürme und -pfeiler, die gerne von Kletterern genutzt werden.

bei Jicín-Prachauer Felsen

Am Abend zelten wir auf einer großen Wiese unterhalb der Burg Trosky und unternehmen nachdem das Zelt steht noch einen Ausflug zu einem nahegelegenen Kiosk, bei dem es kühles Pilsner Urquell und Pommes gibt. Der Wirt spendiert noch einen Schnaps und wir fallen in unser Zelt.

bei der Burg Trosky

Seit Anfang Juni ist das Wetter richtig klasse. Sonne, blauer Himmel – günstiges Eis. Doch nachmittags ziehen regelmäßig Gewitterwolken auf und wir sind froh wenn wir verschont werden. Es sind auch immer mehr Motorradfahrer unterwegs – den Rekord bilden ca. 30 Motorräder, die uns überholen und sich im nächsten Dorf zum Gruppenfoto sammeln. Der anschließenden Weiterfahrt geht ein Höllenspektakel voraus, denn alle 30 Fahrer drehen gleichzeitig im Stehen das Gas auf und lassen ihre Maschinen mehrere Minuten lang
„surren“.

Die nächste größere Stadt die wir besuchen ist Olmütz (Olomouc), Sitz eines Erzbistums. Sie war bis ins 17. Jahrhundert das historische Zentrum Mährens und entsprechend viele historische Häuser, eine Kathedrale, viele Kirchen und ein imposantes Rathaus können besichtigt werden – alles in prima renovierten Zustand.

Olomouc-Trinity Saeule

Die ersten Bergzüge in Richtung Slowakei sind nun klar erkennbar und in Roznov sind wir nur noch 25 km,auf einer Höhe von 380m, von der Grenze zur Slowakei entfernt. Direkt hinter dem Campingplatz verläuft ein schöner Radweg der uns langsam in die Berge führt, doch nach 12km endet. Der Anstieg ist human und wir passen auf, dass die riesigen Trucks, die ebenfalls die Grenze passieren wollen uns nicht zu nahe kommen. Oben auf 820m Höhe erreichen wir die Slowakei und genießen während unseres Picknicks die tolle Aussicht über die Wälder.

bei der slowakischen Grenze

Fotos zu Tschechien:

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Route Spanien-Portugal 2018

Hallo zusammen!Wir sind wieder zu Hause.Spanien und Portugal waren Klasse. Vor allem Portugal! Insgesamt sind wir knapp 4.000 km, also sehr gemütlich, geradelt. Schön wars!!

Route Spanien 2018:


Route Portugal 2018:

 

Mit dem Flugzeuge nach Valencia, zurückgeflogen von Lisabon.

Portugal 2018

Algarve

Sehr schnell stellen wir fest, dass uns Portugal etwas besser gefällt. Es ist einfach ursprünglicher, weniger Zäune und mehr Natur, selbst im Süden der Algarve, wo sich in der Hauptsaison etliche Touristen tummeln. Auch liegt deutlich weniger Müll am Straßenrand als in Spanien.
Wir bummeln durch Tavira, mit seinen gefliesten Hausfassaden, mächtigen Steinbrücken und schönen grünen Parks. Alles blüht! Die Küste ist an diesem Abschnitt sehr flach und es weht ein ordentlicher Wind über die vielen Golfplätze, die überwiegend von Engländern bespielt werden, die hier in Kolonien leben. Auch die Supermärkte führen viele englische Produkte.

Bacalhau

Wir wollen die komplette algarvische Küste abradeln und viele Buchten und Strände besuchen.
Die rotfarbene Steilküste beginnt in Quarteira, wo wir zwei Nächte bei Joao (warmshowers.org) bleiben.
Weiter westlich, in Benagil, spazieren wir oberhalb der malerischen Klippen und bestaunen die Felsformationen die Wind und Meer geschaffen haben. Felsbögen, steile Schluchten, Grotten und Höhlen, die man mit dem Boot befahren kann. Die Küste ist hier wild und nicht zugebaut.

Benagil

Aus dem Touristenrummel sticht das kleine Fischerdorf Alvor heraus, wo jetzt in der Nebensaison fast nichts los ist.

Freunde haben uns den kleinen Ort Salema empfohlen, was sich als wirkliches Highlight entpuppt. Wir wandern zu wunderschönen einsamen Stränden, von Bucht zu Bucht, finden Abkühlung im super klaren Meer und auf dem schattigen Eco Camping Salema, wo wir uns leckere Fischsteaks bruzzeln und mit kaltem Vino Verde vertilgen.

Salema

Vila do Bispo entwickelte sich zu einem alternativen Dörfchen, mit netten Cafes und einem klasse Marktladen, wo wir uns mit leckeren Queiso de Cabra Curado und Orangenblütenhonig eindecken. Von da sind es nur noch wenige Kilometer bis Sagres und Cabo de S. Vicente dem westlichsten Punkt der windumtosten Küste.

in Vila do Bispo

Überhaupt bläst der Wind vorwiegend aus Nordwest, so dass wir uns zur Erholung immer wieder leckeren prtugiesischen Kaffee (Bica für ca. 60 Cent) mit kalorienreichèn Pastel da Nata gönnen müssen.

Pastel de Nata

Der absolute Höhepunkt ist für uns der Küstenabschnitt zwischen Sagres und Odeceixe mit den vielen Steilküsten und Buchten dazwischen. Auch große Strände für Surfer sind dort zu finden. Es ist wenig bebaut und wir machen wunderschöne Wanderungen entlang der Küste, wo zu dieser Jahreszeit alles prächtig blüht. Nicht versäumen sollte ein Portugalreisender die Steilküste um Carrapeira, wo wir eine größere Wanderung machen. Auch bei Amoreira bietet uns die Küste atemberaubende Ausblicke.

Carrapateira

Bei Odeceixe bildet der Rio de Seixe die Grenze zu der portugiesischen Provinz Alentejo. Wir haben die Wahl mit vielen anderen Touristen im Meer oder im Fluss zu baden.

Fotos zur Algarve:

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Südwestportugal (von Odeceixe bis Lissabon)

Wir radeln durch uralte Eichenwälder, deren Rinde noch zu Kork verarbeitet, also abgeschält, wird. Immer wieder stoßen wir auf kleine Fischerdörfer, wo der Fischfang noch vom winzigen Boot aus betrieben wird. Überhaupt gefällt uns dieser Küstenabschnitt bei den Orten Azenha do Mar, Zambujeira, Vila Nova de Milfontes ganz besonders, denn die Küste ist unheimlich wild und steil. Kleine ruhige Sandstrände sind trotzdem leicht zu erreichen. Wir wandern viel auf kleinen Küstenwegen. Da sich der Sommer verspätet hat, steht alles in einer wunderbaren Blütenpracht.

Azenha do Mar

Von Vila Nova de Milfontes bis Sines finden wir die Küstenstraße super, denn Agnès ist für ein Bad in den Wellen stets bereit. Für Martin ist nach einem Sturz auf den Asphalt erst einmal eine Badepause angesagt. Doch eigentlich findet er das Wasser eh zu kalt….

Bis Troia fahren wir durch eine verkehrsarme Gegend in der duftende Pinienwälder und Lagunen das Bild prägen. In Troia setzen wir mit der Fähre nach Setubal über, wo wir in Portugal unseren zweiten Warmshower-Gastgeber Paolo treffen. Gemeinsam besuchen wir abends das tolle Konzert des Palo Alto Chamber Orchestras mit 35 Musikern. Eine klasse Aufführung der einzigartigen Geiger, Chellonisten und Bassisten.

Am nächsten Tag führt uns Paolo durch die mit alten Kacheln verzierte Markthalle, durch die schöne Altstadt und den Hafen, bis wir nach einem Bica und Pastell de Nata weiter reisen.

Markthalle in Setubal

Die Küste nach Setubal ist leicht bergig, belohnt uns aber mit schönen Ausblicken auf die kleinen Buchten und Strände. Ein großer Abschnitt dieser Straße ist auch für den Autoverkehr gesperrt und wir genießen unsere Ruhe.

bei Setubal

Am 22.6. kommen wir in Lissabon, der Hauptstadt Portugals, an. Wir halten uns nicht lange auf, denn da wir Anfang August von Lissabon zurückfliegen, wollen wir die Stadt später besichtigen. Jetzt steuern wir den Bahnhof an und lösen zwei Zugtickets nach Porto für je 25 Euro (mit Rädern).

Wir wollen den portugiesischen Jakobsweg, den etwa 250 km langen Wanderweg, von Porto bis Santiago de Compostella mit unseren Rädern bepilgern und sind selbst gespannt ob und wie das gut gehen wird.

Kunst in Almada

Fotos zu Südwestportugal:

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Portugiesischer Jakobsweg/ Fatimaweg

„Bon camino, bon camino“ hören wir erst nur vereinzelt. Doch je näher wir Santiago de Compostela kommen schallt es wie ein Mantra aus den Mündern der mit Stöcken und Jakobsmuscheln verzierten Pilger.

Von Porto aus fahren und wandern wir mit den Rädern insgesamt eine Woche lang über Stock und Stein, sehen so ziemlich jede Kirche oder andere heilige Stätte auf dem Weg. Eine schweißtreibende, aber sehr gute Erfahrung. Es geht durch viele kleine Dörfer mit obligatorischem Kopfsteinpflaster, durch einsame Eukalyptuswälder, über kilometerlange Holzstege vorbei an kleinen Buchten. Viele Quellen und Brunnen säumen den Weg, so dass es immer frisches Wasser gibt.

auf dem Jakobsweg kurz nach Porto

Eine sehr abwechslungsreiche Strecke, mit nicht sehr vielen Wanderern. Einmal hoppelt es den ganzen Tag so stark, dass unser Spüli Abends nur noch aus einer Schaummasse besteht…manchmal hieven wir die Räder mit dem ganzen Gepäck über hohe Steinabsätze und Felsen. Doch wir kommen voran. Wir übernachten nicht wie die Pilger in Aubergen, sondern bauen einfach an schönen Orten, wo es uns gefällt, unser Zelt auf.

Zeltplatz im Eukalyptuswald

Ab und zu verweilen wir auch auf einem Campingplatz. Da zu dieser Zeit auch die Fußball-WM statt findet, verfolgen wir nicht ganz so pilgergemäß, das eine oder andere Spiel in einer kleinen Kneipe. So zum Beispiel in Caminha, wo wir für 8 Bier (0,2 l), 2 Steakbrötchen und 2 Thunfisch-Quiche insgesamt 12 Euro bezahlen.

Am 29.6. kommen wir in der Pilgerstadt Santiago de Compostela an, wo wir einen Gottesdienst in der gefüllten Kirche besuchen. Eine schöne Atmosphäre, da sich alle Pilger glücklich fühlen, ihr Ziel erreicht zu haben.

Santiago de Compostela

In der spanischen Pilgerstadt entscheiden wir uns der vollständigkeithalber auch noch gleich die Pilgerstadt Fatima anzusteuern, die in Portugal südlich von Coimbra liegt. Der Weg dorhin ist so gut wie gar nicht ausgeschildert. 

Sehr schön fanden wir den Küstenabschnitt südlich von Vigo (Spanien) – fast unbebaut, wild und wenig Verkehr. Eine kleine Fähre bringt uns vom spanischen La Guardia ins portugiesische Caminha. Richtung Porto entlang der Küste wird es dann ein wenig touristischer. Interessant ist, dass wir immer wieder Muschelsucher beobachten, die eimer- oder säckeweise ihre Ware aus dem Meer fischen.

nach Vigo

In Porto haben wir uns für zwei Nächte in ein Zimmer eingemietet. Von dort aus erkunden wir die schöne Altstadt und sind fasziniert von den mit alten Kacheln verzierten Gebäuden und Kirchen, dem alten Bahnhof, den vielen Plätzen und der Kathedrale. Am Douro sitzen wir am Ufer, verspeisen unser knuspriges Frango (Hühnchen) und schauen dem emsigen Bootsverkehr zu. Auf der anderen Flussseite befinden sich die vielen Portweinkellereien, wie Sandeman, Porto Cruz usw., denen wir am Tag darauf einen Besuch widmen.

Porto

Wir bleiben an der Küste bis wir vor Coimbra am Mondego-Fluss abbiegen. Wie schon zuvor immer wieder, gibt es auch hier sehr viele verbrannte Waldgebiete. Coimbra die alte Gelehrtenstadt wartet mit schönem Universitätsgelände, alten Prachtbauten, Kirchen und schattigen Parks auf. Doch nach einem mehrstündigen Bummel durch die sengende Stadt zieht es uns weiter, über bergiges Gelände bis nach Fatima.

Dieser Pilgerort erstaunt uns etwas, denn es ist nicht los. In der Walfahrtskirche sind gerade mal 5 Touristen. In Santiago waren es viele hundert. Die Kirche ist schlicht und einfach.

Fatima

Kurz nach Pombal, nach etwa 3.000 km, hat Martin seinen ersten Platten. Ein kleiner Draht der im Mantel steckt wird gottseidank schnell gefunden, denn das WM-Finale mit Frankreich steht an. Doch an eine Weiterfahrt ist erst mal nicht zu denken, denn schwarze dicke Wolken ziehen schnell auf und wir finden Schutz bei einer Kirche. Die Zeit drängt, wir wollen weiter, die Wolken haben sich verzogen. Doch oh Schreck, das Rad von Martin ist erneut platt. Ein zweites Metalldrähtchen wird gefunden, der Schlauch geflickt. Immerhin schaffen wir es noch die zweite Halbzeit und den verdienten Sieg der Franzosen zu sehen. Agnès ist Weltmeisterin und bekommt gleich viele SMS!

Batalha

Weitere schöne bekannte Städt die auf unserem Weg liegen, wie Batalha und Nazare, lassen wir uns natürlich auch nicht entgehen. Auch der günstige Campingplatz bei Paredes de Victoria, im schönen schattigen Kiefernwald, soll hier erwähnt werden. (Zelt und 2 Personen 6,80 Euro).

Nazare

Bis Lissabon ist es nun nicht mehr weit. Wir haben vor unserem Rückflug am 1.8. für drei Nächte ein Zimmer gemietet.

Lissabon:

Zunächst sind wir damit beschäfftigt uns Kartons zu besorgen, die wir dringend für den Rückflug benötigen. Die schweren unhandlichen Kartons bekommen wir im Zentrum Vasco de Gamma, im dortigen Fahrradladen. Sie zu unserer AirB&B-Wohnung, die etwa 3 km entfernt liegt zu schleppen, ist eine schweißtriefende Angelegenheit.

Die nächten Tage beradeln wir ausgiebig die schöne Altstadt, spazieren durch die Fußgängerzonen und genießen leckeres Essen. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, wie den Torre de Belem, das Denkmal für Seefahrer (Padrao dos Descobrimentos), das Jeronimo Kloster oder die Gegend Factory LX, erkunden wir mit unseren Rädern.

Paulo unser Gastgeber zeigt uns in der Nähe seiner Wohnung in der Wohnsiedlung Marvila einige Häuser mit sehr schönen großen Graffitis. Zusammen besuchen wir auf ein Bier die atmosphärische Bierbrauerei Dois Corvos.

Fotos Jakobsweg, Fatima, bis Lissabon:

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Fotos Lissabon:

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2018 Spanien

Fluginformation für Radreisende: Eurowings bietet 2018 eine Kreditkarte (Barclaycard) an. Wenn ihr mit dieser Kreditkarte bezahlt, könnt ihr und euer Reisepartner jeweils ein Fahrrad als Sondergepäck kostenlos mitnehmen. Zweimal 50 Euro gespart. Mit der Kreditkarte entfällt außerhalb Deutschlands die Abhebegebühr. Nach der Reise könnt ihr die Kreditkarte, wenn ihr wollt, ja wieder kündigen und so fallen keinerlei Kosten an.

Valencia:

Am Sonntag, den 29. April 2018, fährt uns unser Freund Hermann pünktlich zum Flughafen nach Stuttgart, wo wir schnell eingecheckt sind. Doch unsere französichen Freunde, die Fluglotsen, streicken mal wieder und wir können erst mit einer Stunde Verspätung starten.

Die ersten zwei Nächte wohnen wir in Valencia bei Victor, der günstig ein Zimmer über AirBnB in Zentrumsnähe vermietet. Er und seine Familie sind aus Venezuela nach Spanien umgesiedelt. Wir erfahren aus erster Hand Hintergrundinfos über Venezuela, dürfen die Küche benutzen und genießen die ersten Tag in dieser schönen Stadt.

Im Jardin de Turia

Valencia ist übersichtlich, aber sehr sehenswert, vor allem auch für Radler, denn es gibt viele tolle Radwege, wie den trocken gelegten Turia Fluss, der sich am Rande der Altstadt bis zum Strand hinzieht. Das Flussbett ist heute eine Parkanlage mit Radwegen, Sportmöglichkeiten und Freizeiteinrichtungen, inmitten toller Palmen, blühender Kakteen und selbst Baobab-Bäumen (Flaschenbäumen), Auch wir radeln viel in dem Park und besuchen von hier aus die „Ciutat de las Artes“, die Altstadt, sowie den Strand. Abends essen wir natürlich valenzianische Paella, die hier, wie könnte es anders sein, am besten schmecken soll. Neben spanisch wird hauptsächlich valenzianisch gesprochen.

Fotos zu Valencia:

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Costa Blanca und verschiedene Begegnungen:

Wir finden einfach aus Valencia raus und befahren den Radweg entlang der flachen Küste durch den Parc Natural de la Albufera bis Cullera. Erst bei Cullera wird es etwas hügeliger und vom Kap aus haben wir eine tolle Aussicht auf das Meer. Dort haben wir wieder eine Begegnung der besonderen Art – Petr aus Weißrussland wandert seit 5 Monaten auf dem Jakobsweg durch Portugal und Spanien, eine Art Sackkarren, mit selbstgebastelten Rädern und Hüftgurt, hinter sich herziehend. Petr ist behängt mit Kreuzen, Jakobsmuscheln und einem Plakat der Fatima aus Santiago.

Petr aus Weißrussland

Unseren ersten Zeltplatz in Spanien finden wir bei einer verlassenen verwahrlosten aber angenehm duftenden Orangenplantage. Ob wir weiterhin solch schöne Plätze finden werden?

Wir folgen der Küstenstraße bis Oliva, die sich durch Orangenplantagen schlängelt. In Oliva versorgen wir uns in der Markthalle mit frischem Obst und Gemüse. Es riecht herrlich nach frischem Fisch. Unser Plan ist, die Küste hier zu verlassen und durch das ruhigere, aber dafür bergige Inland zu fahren.

Auf der kleinen CV-700-Straße radeln wir in das Tal „Valle de Gallinera“, stetig bergauf. Einsame kleine Bergdörfer liegen auf unserem Weg und immer wieder können wir unsere Wasserflaschen an kalten Quellen auffüllen. Orangen-, Kirsch-, Oliven-, Mandel-, und Feigenbäume soweit das Auge reicht. Aber nur die Orangen sind reif und frühreife Kirschen. Ein schattiger Platz unter einem Olivenbaum mit klasse Aussicht ins Tal, lässt uns früh Schluss machen, denn einen besseren Schlafplatz werden wir heute bestimmt nicht mehr finden.

Val de Gallinera, unser zweiter Platz

Schnell fällt uns auf, dass die Spanier viel Wert auf kleine schön angelegte Parks legen – Palmen, blühende Sträucher, Rosen und Brunnen mit Trinkwasser. Ideal für unsere vielen Pausen.

Wir kommen in die größere Stadt Alcoy. Schon vor Tagen wollten wir hier mittels „warmshower.org“ übernachten und haben Carlos angeschrieben, doch kurz darauf wieder abgesagt, da klar war, dass wir einen Tag früher durch Alcoy radeln würden. Es ist nicht immer leicht mehrere Tage vorherzusagen, wann man wo ankommen wird. Nun radeln wir durch Alcoy, stehen an einer Kreuzung und studieren unsere Landkarte, als wir die nächste Begegnung der besonderen Art haben. Ein junger Mann kommt auf Martin zu und fragt „Martin?“. Es ist Carlos, den wir angeschrieben hatten und rein zufällig stehen wir 50 m vor seinem Haus und rein zufällig hat seine Frau Nuria uns entdeckt, woraufhin er loslief um uns abzufangen. Wir sind völlig baff! Carlos läd uns spontan zu leckerem Kaffee mit Schokolade ein und wir verbringen zwei nette Stunden mit Nuria und Carlos. Danch begleitet er uns mit seinem Mountainbike und zeigt uns eine schön gelegene ruhige Picknickstelle mit Quelle, wo wir unter Pinien übernachten.

Auf Radwegen fahren wir entlang der Sierra de la Fontanella bis Biar und genießen danach die 7 km lange Abfahrt bis Villena. Hier wimmelt es von süßen kleinen wilden Kaninchen. Auf sehr kleinen Provinzstraßen geht es weiter durch Weinbaugebiete, kaum eine Menschenseele treffend. Nach Pinoso häufen sich die Mandelmonokulturen, bevor die Gegend immer kahler und wüstenähnlicher wird. Der Weg bis zu dem gut klingenden Ort Fortuna erinnert uns eher an Filmszenen von Wüstenplaneten. Oder suchten hier in dieser trockenen, öden aber faszinierenden Gegend etwa Goldgräber ihr Glück? Überhaupt sind die Flüsse „Rios“ ausgetrocknet und Felder oder Plantagen werden mit ausgetüftelten Bewässerungskanälen versorgt.

vor Fortuna

Schlagartig säumen nach Fortuna gut riechende Zitronen-, Orangen-, Aprikosen- und Kirschenplantagen unseren Weg. Wild wachsende Nisperosbäume versorgen uns mit süßen gelben Früchten und Vitaminen.

nach Fortuna

 

Um Lorca herum befinden sich sehr viele landwirtschaftliche Betriebe, oft große Felder mit Plastiküberzug, sowie jede Menge riechender Schweineställe. Kurz danach erreichen wir wieder die Küste, wo wir in Garrucha zum ersten Mal ins klare Meer hopsen – jedoch nur kurz denn es ist ziemlich erfrischend. Doch nur kurz, denn bei der anschließenden Bergfahrt nach Carboneras kommen wir wieder schön ins schwitzen, auf jeden Fall werden wir mit prima Aussicht belohnt und wilde Widder kreuzen unseren Weg.

Wir kommen in die Landschaftsschutzzone Capo de Gata, eine zerklüftete Steilküste mit zahlreichen Einbuchtungen und Höhlen, von denen die Meeresbrandung widerhallt. Hier findet man noch die schönsten Naturstrände der gesamten spanischen Mittelmeerküste. Im Hinterland und entlang der Küste überragen Vulkanberge, mit dunklem Gestein, die Szenerie.

Wir beziehen den Campingplatz La Caleta am Rand der kleinen Ortschaft Las Negras, mit seinen weiß getünchten Häusern. Es sind kaum Touristen hier. Toll in dieser Saison zu reisen!

beim Camping Las Negras – Capo de Gata

Wir machen eine Wanderung zur nahe gelegenen Aussteigerbucht San Pedro. Dort haben sich seit vielen Jahren „Aussteiger“ niedergelassen und Steinhäuser, die sich schön in die Landschaft einfügen, gebaut. Durch eine Quelle mit Trinkwasser ist hier ein Leben möglich. Die Bucht erreicht man nur zu Fuß oder per Boot. Die „Aussteiger“ werden durch die Behörden geduldet.

Nach einem Erholungstag mit Swimming Pool, baden im Meer, bedienen der Waschmaschine, geht es auf einer Staub- und Schotterpiste weiter durch den Naturpark, vorbei an vielen schönen einsamen Stränden bis zum hochgelegenen Leuchtturm Faro de Gata mit seiner atemberaubenden Aussicht. In der einen Richtung blicken wir zurück zur zerklüfteten Steilküste, in der anderen Richtung voraus zu flachen Salzsalinen.

Campillo del Genoves

Fotos zu Costa Blanca:

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Andalusien:

Durch Almeria geht es weiter in Richtung Norden, wo wir einen Abstecher in die wüstenähnliche Landschaft bei Tabernas machen. Dort wurden aufgrund des kargen Bewuchses etliche Filme, vor allem Italowestern, gedreht. So entstand auch das Touristenziel „Texas Hollywood – Westerndorf“.

wüstenähnliche Landschaft bei Tabernas

In Richtung Granada passieren wir die Vorberge „Alpujarra“ mit seinen wilden Schluchten und Tälern, teils geht es schwitzend auf auf Schotterstraßen über 1.000 m Höhe hinauf. Es folgen wilde Abfahrten ins Tal mit seinen üppigen Obstgärten, die der Andarax-Fluss mit kühlem Wasser versorgt und in dem auch wir uns abkühlen. Im Hintergrund leuchten die Schneeberge der Sierra Nevada im blauen Himmel. Doch wir beradeln auch die etwas größere Straße A348, die durch viele Erdrutsche und Absenkungen, infolge des vielen Regens im letzten Winter, zum Teil nur halbseitig befahrbar ist.

vor Orgiva

Wir kommen am Dienstag, den 15. Mai in Granada an, wo wir bei Victor, einem Warmshowergastgeber, wohnen können. Wieder einmal ist dies eine tolle Erfahrung für uns, den Victor und seine Freundin Ester kümmern sich fürsorglich um uns. So kommt es dass wir statt zwei Nächten unseren Aufenthalt in Granada auf vier Nächte verlängern. Wir besuchen die wunderschönen Gärten Generalife bei der Alhambra,wo alles – vor allem Rosen in allen Variatonen – blüht und duftet. Der Mirador von St. Nicolas im Albaycin mit seinem herrlichen Ausblick, den Künstlern und Musikern zieht uns in seinen Bann. Dank Victor können wir auf einer über den Dächern von Granada liegenden Terrasse mit Blick auf die Alhambra das leckere Essen von „Papas Elvira“ (algerische Spezialitäten in der Calle de Elvira) genießen. Leckere Tapas die zum Bier oder Wein gereicht werden, runden den Tag ab.

Granada Generalife Gärten

Victor beherbergt zeitgleich auch den sympatischen Radler Raimond, der schon die halbe Welt beradelt und ein Buch geschrieben hat. Sehr schöne Videos sind auf seiner homepage „www.otravidaesposible.org“ zu sehen.

Bis Granada sind wir etwa 900 Kilometer geradelt und da es die Strecke in sich hatte, stellten sich bei Martin erste Beschwerden, wie Sprunggelenk- oder Sehnenscheidenentzündung am linken Fuß ein. Der Fuß sollte geschont werden. Deshalb verwerfen wir unseren gesamten Plan. Wir wählen für die Weiterfahrt eine flachere Strecke, wollen weniger Kilometer machen und wir streichen unser Fahrziel Marokko. Unser neuer Plan ist nun, dass wir längere Zeit in Spanien verbringen wollen, um danach nach Portugal zu radeln. Von dort aus soll es Anfang August einen Flug nach Stuttgart geben.

Die Weiterfahrt stellt uns auf die Probe. Martins Fuss schmerzt, der Weg ist sehr beschwerlich und schwer zu finden, da wir nicht auf der Hauptstraße fahren wollen. Noch dazu schlägt das Wetter um. Jeden Nachmittag ziehen dunkle Wolken auf und es regnet in Strömen, einmal hagelt es gar…. Ein trockener Zeltplatz ist nun schwer zu finden. Aber alles geht vorbei und plötzlich befinden wir uns wieder in einer traumhafte Landschaft – bei Antequera. Diese andalusische Kleinstadt, mit seinen kleinen engen Gassen, vielen Kirchen (23 Kirchen hat mal jemand gezählt) und den drei Dolmen, die schon vor 6.000 Jahren gebaut worden sind, lohnt einen Besuch. Der Gang des „Dolmen de Menga“ ist 27,5 m lang und wird von gigantischen Steinplatten umschlossen.

Dolmen in Antequera

Ein weiterer Höhepunkt liegt im Karstgebirge von „el Torcal“. Von Wind und Wetter geformte Felsengärten, manche in Pfannkuchenstapelform, andere senkrecht in die Höhe strebend. Wanderwege erschließen uns diese traumhafte Landschaft.

Torcal Felsengärten

Seit Antequera sehen wir große meckernde Ziegenherden. Wen wundert’s dass es nun leckeren Ziegenkäse gibt.

Fotos zu Andalusien erster Teil:

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Tolle atemberaubende Landschaften, mit viel hoch und runter, führen uns am 24. Mai zu einem weiteren Höhepunkt unserer Spanienreise: Caminito del Rey (der Königsweg). Dort wollen wir eine mehrstündige Wanderung durch enge Schluchten, auf dem für Touristen hergerichteten Instandhaltungsweg für die Wasserversorgung früherer Zeiten, machen. Der Andrang ist groß und Eintrittskarten sind für die nächsten 3 Wochen ausgebucht. Doch auf dem Schwarzmarkt, wir bezahlten dafür etwas mehr, bekommen wir noch am selben Morgen zwei der begehrten Eintrittskarten. Es hat sich gelohnt, denn die Wanderung durch die Schlucht auf Holz- und Metallstegen hoch über dem Fluß ist einmalig. Wir sehen auch immer wieder die Reste des ursprünglichen kaum gesicherten Weges, den vor Jahren noch halsbrecherische Abenteurer gegangen sind.

Caminito Del Rey

Unzählige Adler schweben majestätisch von Fels zu Fels und schauen auf uns herab. Wir beradeln danach, wie es heißt, die schönste Straße Andalusiens von El Churro bis Ardales durch den Naturpark mit bizarren ausgewaschenen Gesteinsbildungen.

Einen schönen Schlafplatz finden wir kurz nach Ardales an einem ruhigen Fluß. Wir sehen blau schimmernde Eisvögel und ein Schäfer treibt eine großes Schafherde auf der anderen Flußseite entlang. Im Fluß hüpfen Fische stromaufwärts. Wir beschließen noch eine Nacht länger an diesem Ort zu bleiben.

In Almargen wird, wie schon an einigen Orten zuvor, ein Festtag zu Ehren eines Heiligen gefeiert. Die Andalusierinnen sind festlich gekleidet, die Männer sitzen stolz auf ihren Pferden. Eine ganze Wagenparade mit bunt geschmückten Papierblumen kommt uns entgegen.

Fest in Almargen

In Sevilla, der schönen Großstadt bummeln wir etwas durch die Altstadt, verweilen aber nur kurz. Zu viel touristischer Trubel für uns. Doch die Ausfahrt aus Sevilla ist für Radler tückisch, denn ein Geflecht von Schnellstraßen umgibt die Stadt und es dauert ewig bis wir eine ruhige Passage entlang eines Flusses finden. Dies ist auch der Weg zum Nationalpark Donana mit seinen vielen Störchen, die sich ihre Nester in den Bäumen oder auf den Straßenmasten gebaut haben.

Störche im Naturpark

El Rocio, die Stadt im Sand mit Cowboyflair. Sind wir mitten in einer Filmkulisse gelandet? Wir schieben unsere Räder durch die sandigen Straßen und bestaunen die vielen Kirchen mexikanischen Stils und die Läden und Häuser, vor denen man sein Pferd, wenn man denn eines hätte, am Holzsteg anbinden kann. Jetzt ist dieser Wallfahrtsort ziemlich leer, aber an Pfingsten werden hier jedes Jahr tausende Pilger, in bunten Trachten, mit ihren Pferden erwartet.

el Rocio

Vor und nach El Rocio befinden wir uns zwischen verschiedenen Nationalparks, die von kilometerlangen Zäunen vor der Bevölkerung geschützt werden – wir kommen auf mindestens 50 km Umzäunung, die wir entlang radeln. Wir können die Straße nicht verlassen, angekündigte Campingplätze existieren nicht mehr. Starker Gegenwind bei bereits 105 km geradelte Strecke legen unsere Nerven blank. So kommt es, dass wir bei Einbruch der Dunkelheit völlig genervt einen Parkplatz neben der Straße ansteuern und dort im Halbdunkeln unser Zelt aufbauen, obwohl eine Streife der Guardia Civil uns schon dreimal passiert hat.

Schön, dass wir uns nach dieser Strapaze auf dem prima Campingplatz bei Mazagon richtig erholen können. Dort treffen wir die Schwaben Claudia und Hartmut aus dem Kreis Ludwigsburg, mit denen wir nette Abende verbringen. Hartmut mixt einen prima Sangria dazu.

Küste bei Mazagon

Wir radeln weiter entlang der Küste, das Meer immer schön auf der linken Seite. Nach 1.600 km in Spanien kommen wir nach Ayamonte, wo wir am 3.6. die kleine Fähre nach Portugal, Villa Real de San Antonio, nehmen.

Fähre in Ayamonte

weitere Fotos zu Andalusien:

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Route Skandinavien 2017

Hallo zusammen!

Nach 90 Tagen und 6.450 km sind wir wieder zurück. Alles lief prima. Wir freuen uns auf euch!

Dies ist unsere Route Reise zum Nordkap

Dies ist unsere Route vom Nordkap zurück nach Deutschland

Wir freuen uns wenn ihr uns auf unserer homepage begleitet!

Viel Spass

Agnès und Martin