Australien 2015

Westaustralien – zwischen Kängurus und Karri Wald

Weshalb der Pilot nicht gleich direkt nach Perth fliegt wissen wir nicht, doch so kommen wir in den Genuss etwa eine halbe Stunde lang über Festland zu fliegen. Wir sehen den trockenen Kontinent unter uns. Ausgetrocknete Flussläufe durchziehen die rotbraune Erde, ein Bild wie Bäume ohne Blätter oder Adern mit unzähligen Verzweigungen, wie im menschlichen Körper.
Nach dreieinhalb Stunden Flugzeit sind wir schon vor Perth und sehen von oben die weißen runden Salzseen in allen Größen – ein skurriler Anblick. Was wird uns am Zoll erwarten? Werden unsere Räder gut ankommen? Wir sind gespannt.

Alles kein Problem. Wir werden durchgewunken und es werden ein paar Witze gerissen. „Hey guys. Do you have german salami? Or german beer? Cause i like it…..“  So reisen wir am 20. Januar 2015 in Westaustralien ein. „Welcome in Down Under!“

Die trockene Hitze überrascht uns. Seit 7 Monaten haben wir keine hohe Luftfeuchtigkeit mehr. Wie angenehm! Wir radeln direkt nach Perth, wo wir schon eine Bleibe bei Jude, einem Mitglied von warmshowers, haben. Breite Straße, wenig Verkehr, alles ist ruhig und sauber. Unglaublich nach unserer Zeit in Südostasien.
Jude empfängt uns herzlich und wir genießen die ersten 3 Tage in ihrem Holzhaus, mit leckeren Salaten und Ausflügen rundum den sauberen Swan River, den Kings Park und an den weißen Sandstrand von Perth. Der erste Strand, das erste Meer ohne Plastik! Perth ist ideal für Radler, denn es gibt ein umfassendes Radwegenetz.

29_Australien_Perth_Panorama
Die Natur ist überwältigend: riesige uns unbekannte Bäume, Grasbäume, weiße Kakadus, bunte Regenbogenlorris, Pelikane, schwarze Schwäne (das Symbol von Westaustralien) und Delphine. Alles an einem Tag.

Was uns allerdings zuerst ein wenig schockt sind die Preise in den kleinen Läden und Supermärkten. Alles ist unglaublich teuer hier. Doch wenn man vergleicht und ein wenig aufpasst kommt man auf europäische Preise.

Wir radeln auf Radwegen, ca. 100 km, nach Mandurah und stellen fest, dass die Australier „die Aussies“ unglaublich hilfsbereit sind. Sobald wir mit den Karten am Wegrand stehen, werden wir angesprochen, wird uns geholfen. Ein Rennradler dreht sogar um, radelt zurück, um uns den richtigen Weg zu zeigen. Eine begeisterte Frau sieht uns und nach einem netten Gespräch drückt sie uns eine Flasche leckeren Rotwein in die Hand. Nach einiger Zeit stellen wir fest, dass viele Australier ein gutes Bild von Deutschland und den Deutschen haben.

Auf der Suche nach dem Caravan Park bei Falcon Bay winkt uns eine australische Familie von ihrer Terrasse aus zu und wir werden zu einem kühlen Bier eingeladen. Es folgen weitere Biere und irgendwann steht Martin am Grill. In der Küche bruzelt Peter Fisch. Connie macht leckere Salate. Wir haben keine Chance mehr weiter zu radeln, bekommen ein Zimmer zugewiesen und der Abend endet mit gutem Essen und super Wein.

In Bunsbury werden wir von Lonia und George gehostet und regelrecht verwöhnt. Wir werden bekocht, begrillt und mit vielen Informationen versorgt. Am Australia Day, dem 26. Januar, nimmt man uns zum Festplatz mit und wir bekommen ein leckeres Frühstück bevor wir weiter reisen.

27_Australien_Bunbury_Warmshower

An diesem Tag radeln wir an schönen Stränden, Forest Beach und Peppermint Beach, entlang. Diese sind heute mit Pavillons und Autos überfüllt. Die Aussies grillen und lassen es sich gut gehen.

In Dunsborough nehmen uns Juliet und Grieg auf. Sie betreiben einen Party- und Hochzeitscatering Service. Eine kleine Schlemmerparty steht an, als wir eintreffen…..Ein Ausflug an den windumtosten Cape Naturaliste steht an. Ein Klasse Blick auf Sugar Loaf Rock und weiße Strände.

So vergehen die ersten 7 Tage mit Einladungen bzw. mit Übernachtungen bei gastfreundlichen Familien.

Wir pedalieren uns über die Cave Road, vorbei an Luxus-Weingütern, durch schattige Eukalyptuswälder bis nach Gracetown.

10_Australien_Cave Road_Karri Forest

Dort auf dem Caravan Park besuchen uns abends und morgens einige Kängurus, die zum Gras fressen hierher kommen. Freche Kookaburras sitzen in den Bäumen und lachen über uns. Wir verziehen uns an den Strand, gehen Baden, sitzen auf den Felsen und lassen uns vom Wasser umspülen. Plötzlich spürt Martin etwas glitschiges an seinem Bein, das anheftet. Oh Schreck! Eine dunkelbraune, für Martins Begriffe ziemlich große häßliche Krake, hat sich in sein Bein verliebt.

Ein Highlight ist auch die Hamelin Bay, weiter südlich. Dort kommen große Stachelrochen bis an den Strand und lassen sich von den Aussies mit kleinen Heringen verwöhnen. Agnès steht im Wasser und streichelt einen Rochen. Wo gibt es denn so was!
Hier gibt es auch einen sehr schönen Abschnitt mit weißen Kalksteinfelsen, die von Vögeln zum Brüten aufgesucht werden.

Es ist nicht immer einfach sich zu verpflegen, denn die Orte sind sehr klein und dazwischen gibt es nichts als Wald, National Parks oder Farmen.
So müssen wir ab und zu Umwege von mal schnell 50 km in Kauf nehmen um zu einem Supermarkt zu kommen. Wasser haben wir schon einige Male bei Höfen nachgefragt und von den hilfsbereiten Aussies sofort bekommen.
Trotz dieser kleinen Schwierigkeiten macht es voll Spass durch die leeren Straßen zu radeln und wir sehen fast täglich Kängurus, Emus und alle möglichen bunten Papageienarten.

Wir ruhen uns am 3. Februar nach strapaziöser Gegenwindfahrt in Pemberton aus. Die Gegend um Pemberton ist berühmt für seine Karri Wälder. Einzelne Karribäume erreichen eine Höhe von bis zu 90 Metern. Wir fühlen uns wie Spielzeugfiguren wenn wir durch diese Wälder radeln.  Sie spenden uns in dieser trockenen Hitze Schatten und halten den Wind etwas fern.
Leider brennt es gerade um den Wald um Northcliffe herum. Scheinbar sind schon mindestens 20.000 Hektar Wald bis in die Kronen hinauf verbrannt, erzählen uns die Feuerwehrmänner die in großer Anzahl in den Hütten in unserem Caravan Park untergebracht sind. Das Feuer ist 20 km entfernt, doch der Wind treibt immer wieder Asche auf den Camping Platz und wir müssen einen Umweg in den Süden einplanen.
Überhaupt ist seit unserer Ankunft hier absolute Feuergefahr. Offenes Feuer und Grillen im Wald oder auf den Camping Plätzen ist derzeit strikt verboten. Toll, dass es deshalb sehr viele gasbetriebene geschlossene Grillstellen an öffentlichen Plätzen oder auf den Camping Plätzen gibt, die man kostenlos benützen kann.

33_Australien_Pemberton_Camping

Flammendes Inferno um Northcliffe:
Wir bleiben 4 Tage in Pemberton und bekommen ziemlich gute Informationen was das Feuer betrifft. Auf dem Campingplatz wohnen die Feuerwehrleute in Holzbungalows und einige Familien aus Northcliffe wurden hierher evakuiert. Man kommt ins Gespräch.
Die Flammen erreichen die Baumspitzen, da ist für die Feuerwehrleute nichts mehr zu machen und die öligen Eukalyptusbäume explodieren förmlich. Die Städte werden mit Gegenfeuer geschützt. Helikopter aus Perth sind im Einsatz.
Gleich nebenan ist auch die Sporthalle, in der das Koordinationszentrum eingerichtet wurde. Auch hier wohnen nun Familien aus Northcliffe.
Ursache waren 3 Blitzeinschläge am 30. Januar. Zwei Feuer um Pemberton herum konnten schnell unter Kontrolle gebracht werden, das Dritte breitete sich unerwartet heftig aus. Doch wie die weitere Entwicklung sein würde, wusste niemand. Gesperrt war bei unserer Ankunft der Highway 1 noch nicht, jedoch die Straße nach Northcliffe war zu. Über Nacht war dann auch der Highway 1 gesperrt. Wir erkundigen uns nach  einem Bus für die Weiterreise, um nicht durch Rauch radeln zu müssen, doch Busse fahren nur noch von Pemberton nach Perth. Da wollen wir nicht hin. Was nun?
2. Februar: Asche treibt von Northcliffe über den Campingplatz. Die Feuerfront ist in einer Richtung schon 160 km lang.
3. Februar: der Nachthimmel ist vom Feuer rot erleuchtet. Ziemlich unheimlich. Das Feuer ist 20 km entfernt. Es kann in 24 Stunden da sein. Je nach Wind.
4. Februar: man sagt uns, dass der Notstand „emergency case“ für Pemberton ausgerufen wurde. Wenn eine Sirene ertönt, wird man mit einem Bus evakuiert. Zeit für uns am 5. Februar aufzubrechen. Wir entschließen uns den Highway 102 zu nehmen. Es ist ein Umweg für uns in den Süden doch er ist offen und vielleicht lediglich verraucht.  Und so kam es dann auch. Auf der Strecke von Pemberton bis Rocky Gully waren von den 126 km die wir radelten ca. 50 km durch verrauchte und getrübe Landschaft zu absolvieren. Doch wir haben es geschafft und sind nach weiteren 105 km gut in Denmark an der Küste angekommen. Hier erfahren wir, dass das Feuer nun unter Kontrolle ist. Jedoch wurden sage und schreibe 80.000 Hektar Wald vernichtet. Später erfahren wir, dass die Orte Northcliffe und Windy Harbour kein Feueropfer wurden. Auch um Walpole hat das Feuer einen Bogen gemacht.

Während unserer Fahrten durch die Wälder und den Busch kommen wir immer wieder an ehemaligen Brandherden vorbei. Sehr häufig sogar. Wir stellen fest, dass sich die Bäume gut erholen können.  Sie wachsen um den verkohlten Stamm herum weiter und bilden neue Triebe. Bestimmt Pflanzen brauchen sogar Feuer um sich fortzupflanzen.

17_Australien_ Cosy Corner_Brand

Aber außer dem Feuer gibt es auch noch ein anderes wichtiges Thema. Es geht um den Premierminister Tony Abbotts. Der nicht so beliebte oberste Mann in Australien verlieh einen Ritterorden an Prinz Philip. Ein Skandal für viele Australier!  Eine wichtige politische Abstimmung steht bevor und am 9. Februar, während wir uns in Denmark aufhalten, steht fest, dass seine Partei ihn nicht fallen lassen wird.
http://www.nzz.ch/panorama/australien-ist-erheitert-bis-empoert-1.18469227

In Denmark lassen wir uns 4 Tage lang von John und Judith verwöhnen und machen mit den Rädern mehrere Ausflüge. Eine tolle Küste wartet hier auf uns, deren Buchten und kristallklares Wasser uns zum Baden einläd.
Rund um den Ort mit seinen 4.500 Einwohnern liegen vielleicht die schönsten Schwimmstrände der Südküste – insbesondere das von der Natur geformte Felsenschwimmbecken des Green’s Pool (im William Bay National Park) – der ideale Platz für entspanntes Schwimmen. Nur einige Meter entfernt liegt die fotogene Felsenformation der Elephant Rocks.

56_Australien_Denmark_elefant rock

Weiter geht es entlang der Küste zur Bucht „Cosy Corner“, wo sich ein kostenfreier Campingplatz befindet. Schnell haben wir Kontakt zu anderen europäischen Reisenden und zur Bevölkerung. Sie helfen uns mit Trinkwasser aus, das wir nicht mitschleppen konnten.

Bei Albany besuchen wir die „Wind Farm“ auf den 80 Meter hohen Klippen über dem blauen Ozean und genießen den Blick in die Weite. Ein besonders spektakulärer Aussichtspunkt  bietet sich uns bei den „Blowholes“. Hier treiben Wind und Wellen unter starkem Getöse das Meerwasser 60 m hoch in den Fels. Ein unglaublicher Lärm, der uns erst einmal ziemlich erschreckt und auf den wir nicht vorbereitet waren.

Kängurus die uns anstarren, Emus die in wilder Flucht vor uns davon rennen,  kreischende Papageien in allen Farben und ruhige Pelikane begleiten uns zuerst auf unserer Fahrt nach Esperance. Zuerst gibt es noch einige Flüsse, die nicht ausgetrocknet sind.  Später wird es trockener und die Tagesetappen bei denen wir Wasser oder Verpflegung tanken können liegen ca. 100 km auseinander.
Bis Esperance liegen rund 480 km Fahrt auf dem Highway 1 vor uns, das heißt einer schmalen einspurigen Straße, mit kaum ausreichendem Seitenstreifen für uns. Die Bekanntschaft mit den berüchtigten „Roadtrains“ (Lkw mit 3 Anhängern) lässt nicht lange auf sich warten. Sie brausen an uns vorbei, so dass wir uns nicht mehr sicher fühlen. Was für ein Luftsog! Wir beschließen in Zukunft rechtzeitig anzuhalten und Platz zu machen. So kommt es dass Agnès, die mit Rückspiegel ausgestattet ist, jedes Mal „Lkw!!“ nach vorne ruft. Signal für Martin am Straßenrand anzuhalten und die Roadtrains passieren zu lassen.

Nach 5 Tagen Fahrt kommen wir schließlich etwas erschöpft in Esperance an. Der Gegen- und Seitenwind, die hügelige Strecke und die Hitze
hatten es in sich. Nur ein Mal hatten wir etwas Abkühlung:
In Munglinup haben wir es uns auf einem öffentlichen Zeltplatz gemütlich gemacht und uns nach einem leckeren Abendessen zu Schlafen gelegt. Mitten in der Nacht werden wir jäh aus dem Schlaf gerissen. Ein Regenguss? Doch nach Sekunden steht fest, dass mehrere Sprinkleranlagen voll auf uns gerichtet sind. Im Zelt wird es feucht. Agnès springt hinaus und rennt um die Wette von Sprinkler zu Sprinkler. Versucht diese anders auszurichten. Doch nichts klappt. Triefend nass hat sie die zündende Idee zwei unserer Stahlbecher darüber zu stülpen. Der Spuk ist vorbei.

In Esperance ruhen wir uns erst einmal aus und schlemmen, dank Woolworth (Supermarkt),  ausgiebig um die Wette. Kleine Ausflüge zu den traumhaften schneeweißen, langen Sandstränden mit ihrem türkisfarbenen Wasser laden ein.

15_Australien_Esperance_Eleven Miles Beach

Doch wir schlemmen nicht nur, sondern bereiten uns auch auf unsere Weiterreise vor, denn wir haben etwas Ungewöhnliches vor uns.  Die Durchquerung des „Nullarbor“! Darüber hörten wir von den Australiern bislang nichts Gutes: „im Sommer–zu heiß! da erwarten euch Temperaturen bis 47 Grad.“ „Es gibt kein Wasser. Nehmt einen Anhänger mit.“ „Die roadtrains werden euch platt machen.“ „Es gibt nichts zu sehen dort. Bleibt lieber hier bei uns.“ Wenn wir einem Australier erzählten, dass wir die Nullarborwüste durchqueren wollen, erzählte er stolz, dass er diese auch schon durchquert hätte. Aber mit dem Auto! Mit dem Fahrrad? „You are crazy!!“
Doch unsere Fahrradfreunde aus Regensburg haben die Wüste vor kurzem – allerdings nicht im Sommer – auch durchquert und alles lief nach Plan. Auch haben wir gute Informationen. Wir wollen es deshalb versuchen, denn schließlich wollen wir weiter nach Südaustralien.

Nullarbor. Was ist das eigentlich? Die Nullarbor-Ebene, auch als Nullarbor-Wüste bezeichnet (von lat. nulla arbor‚ kein Baum‘), ist eine flache, weit ausgedehnte Karstwüste im südlichen Australien direkt an der Großen Australischen Bucht. Sie ist mit rund 200.000 Quadratkilometern das größte Stück Kalkstein der Welt. An ihrer breitesten Stelle misst sie über 1200 km in Ost-West-Richtung. In der Nullarbor-Ebene befindet sich der trockenste Fleck Australiens – auch wenn dieser üblicherweise im Northern Territory vermutet wird.
Von Norseman bis Ceduna beträgt die Strecke auf dem Eyrehighway ca. 1.200 km. Dazu kommt die Strecke von Esperance bis Norseman mit ca. 200 km. Alles ohne große Einkaufsmöglichkeit, denn der letzte Supermarkt in Norseman wird bei unserer Ankunft am Sonntag geschlossen sein.

Wir machen also in Esperance noch einen Großeinkauf für die geplante 14 tägige Fahrt. Am Schluss sind 17 Kilo Lebensmittel in unserem Einkaufswagen, die wir in unseren Fahrradtaschen verstauen. Vor allem Nudeln, Reis, Mehl, Couscous, Trockenfrüchte, Haferflocken, Müsliriegel, Käse, Thunfisch, Obst und Gemüse. Dazu kommt eine Wassermenge von bis zu 9 Liter pro Person. Ein ganz schönes Gewicht wie wir es noch nicht hatten.

Am Samstag, den 21. Februar radeln wir von Esperance aus zeitig los und erreichen 2 Tage später das 200 km entfernt im Norden gelegene Kleinstädtchen Norseman, das Tor zum „nullharbor“. Bis hierher haben wir sogar Rückenwind und es läuft super.

03_Australien_nach Esperance_Panorama
In Norseman sind wir auf dem Caravanpark Gateway und brutzeln uns leckere Pancakes.
Morgen am 23. Februar wollen wir in Richtung Ceduna (1.200 km enfernt) aufbrechen. Auf unserer Strecke liegen lediglich ein paar „roadhouses“, bessere Tankstellen. Heute haben in wir noch starken Ostwind bekommen und der Sand auf dem Campingplatz fliegt uns um die Ohren. Leider pfeift der Wind genau aus der Richtung in die wir wollen.
Wir sind selbst gespannt, ob wir die Strecke in 12 Tagen schaffen werden. Was wird uns erwarten?

We did it!! Wir haben es geschafft! Yupieee!!
Wir kommen nach 12 Tagen gut in Ceduna an und wir fühlen uns glücklich und sehr sehr gut. Hier gibt es wieder einen Supermarkt und die nächsten Tage ist schlemmen, kochen, grillen und nochmals schlemmen angesagt.

20_Australien_Ceduna

Ein kleiner Rückblick:
Nachdem wir Norseman verlassen haben, hatten wir den ganzen Tag sehr starken Gegenwind und bereits am ersten Tag waren wir abends ziemlich platt. Wir brauchten für die ersten 100 Kilometer 8 Stunden – was für ein erbärmlicher Schnitt, obwohl es ziemlich eben war. Mittagstemperaturen von 41 Grad im Schatten und ein hoher Trinkwasserverbrauch – jeder trank etwa 6 Liter am Tag – ließen uns doch kurz zweifeln. Doch am zweiten Tag ging es schon besser und das setzte sich so fort.

Wetter? die ersten 3 Tage 41 Grad im Schatten in der Mittagszeit. Danach regnete es in der Nacht, dem folgenden Tag und nochmals in der Nacht. Und das am regenärmsten Flecken in ganz Australien! Die Temperaturen stürzten dann auf 21 Grad zur Mittagszeit mit starkem kalten Gegenwind, so dass wir 4 Lagen Bekleidung anhatten. Bei 12 Tagen hatten wir 4 Stunden Rückenwind!

Wasser? Kein Problem. Wir hatten immer genug, teilweise bis zu 18 Liter an den Rädern. Ein guter Tipp unserer Radlerfreunde Steph und Alex half uns auch sehr weiter. Wir sprachen 6 Mal Reisende an, die in unserer Richtung unterwegs waren und diese waren jedesmal so hilfsbereit uns 10 Liter Wasser abzunehmen und 50 bis 80 Kilometer entfernt am Straßenrand zu deponieren. So hatten wir weniger Last und schöne Kontakte mit Aussies und Touristen.

08_Australien_vor Nullarbor_Steppe_Panorama
Essen? Das wurde knapp. Wir hatten uns verschätzt oder zuviel gefuttert und am Ende fehlte uns das Essen für 2 Tage. Doch auch hier half uns ein Tipp von Steph und Alex weiter. Ein Stück Karton mit der Aufschrift „fruit & veggie??“ am Fahrrad angebracht, sorgte dafür, dass wir bereits 400 Kilometer vor der südaustralischen Grenze, aufgrund des Fruchtfliegenproblems, von Aussies und Touristen mit leckeren Früchten und Gemüse versorgt wurden. Die Reisenden dürfen über den Checkpoint vor Ceduna kein Obst und Gemüse bringen, in die andere Richtung
beginnt der Fruchtfliegencheckpoint kurz vor Eucla. Wir schätzen, dass da gut 7 Kilogramm zusammen kamen.
Und wir hatten wieder tolle Kontakte – jeder freute sich uns etwas zu geben und natürlich waren wir auch happy. Das erste Mal hielt ein Pkw mit zwei jungen völlig gepiercten und tätowierten alternativen Australieren vor uns, um uns 2 Kilo Äpfel zu spendieren. Das letzte Mal hielt ein rüstiges Rentnerpaar mit großem Caravan und wir bekamen im wahrsten Sinne einen frisch hergerichteten Obstsalat, Honig und Mandeln von ihnen.  

Tiere? Leider liegen entlang des Eyre Highways unzählige tote Kängurus. Alle angefahren, überfahren. Wir sahen auch 3 tote Kamele, 9 tote einst prächtige Adler, Schlangen, Lizards und Wombats. Toll war es 3 Dingos zu beobachten, eine große Emufamile und am Ende die unterschiedlichsten Vögel, vor allem Kakadus. Lästig waren die Scharen von Fliegen, die uns ab und zu überfielen.

Die roadtrains fuhren mit großem Abstand an uns vorbei. Viele Fahrer winkten uns zu. Alles kein Problem. Sehr oft passierten uns auch „oversized“ Lkws, doch denen konnten wir gut aus dem Weg gehen.

Wir trafen noch einen Radler aus Frankreich, aus Holland und am letzten Tag einen aus Australien, der uns gleich einmal zur erfolgreichen Durchquerung gratulierte.

Auf jeden Fall war es eine tolle Erfahrung mit schönen Kontakten zu den sehr hilfsbereiten Australieren und Touristen. Klasse war es auch 11 Nächte lang im Busch zu zelten: knallrote Sonnenunter- und aufgänge, ab und zu ein superklarer Sternhimmel. Unendliche Weite und ewig lange gerade Straßen ließen uns zeitweise richtig klein fühlen.

Auf dem Caravanpark in Ceduna, auf dem sich jedermann mit Fischen oder Krebse fangen beschäftigt, lernen wir die rüstigen Rentner Mike und Martin kennen, die uns zu Wein und Apfelstrudel einladen. Kurz bevor wir weiterradeln wollen, bekommen wir von ihnen ein super Angebot: „Wenn ihr wollt könnt ihr mit uns im Auto bis Adelaide fahren. Wir überführen dorthin unser Boot und eure Räder könnt ihr im Boot verstauen.“ Klasse! Dieses Angebot können wir nicht ablehnen, denn wir ersparen uns dadurch 780 km langweilige Fahrt durch Farmlandschaft.  Gesagt getan; am 11.3. werden wir in einem Rutsch nach Adelaide gefahren, wo uns unsere hilfsbereiten Bekannten direkt am Campingplatz absetzen. Das hat uns etwa 8 Tage Fahrt erspart. Bestimmt hätten wir auch Gegenwind gehabt!

Adelaide gefällt uns gut. In der Fussgängerzone tummeln sich bei bestem Wetter Scharen von Musikanten, Jongleure und Zauberer. Hier finden gerade mehrere Festivals statt. Besonders angetan sind wir von den Videos Bill Violas, die in der Artgalerie laufen.
Nach einer Nacht auf dem Caravanpark ziehen wir für 3 Nächte zu Ray, der für uns ein gigantisches BBQ zaubert, bevor wir weiter am Torren River bis zum Meer radeln.

64_Australien_Adelaide_bei Ray

Von hier aus radeln wir die Küste entlang bis Melbourne und passieren die schönen Orte Victor Harbor mit der Granitinsel, Meningie mit den vielen Pelikanen, entlang der Lagunenlandschaft des Coorongs, die Lobsterstadt Kingston, Robe mit seinen schönen Radwegen entlang den Dünen und Beachport mit dem berühmten Scenic Drive.

Mittlerweile hat der Herbst Einzug gehalten und es ist abends ziemlich kühl. So decken wir uns in Milicent mit warmen Klamotten und festen Schuhen ein. Seit China radeln wir in Flip-Flops und kurzen Hosen – und nun ist Schluss damit!

Ein Highlight ist Mount Gambier mit seinen Vulkanseen, dem Blue Lake. Hier sehen wir auch unseren ersten Koala, der fett in einem Eukalyptusbaum hockt. Auch in Mt Gambier, Dartmoor und Warrnambool sind wir Gäste von tollen Warmshowers-Mitgliedern und haben jedes Mal ganz tolle Begegnungen.

So haben wir in Dartmoor ein ganz besonderes einzigartiges Erlebnis. Terry und seinen Frettchen nehmen uns mit auf Kaninchenjagd und wir sind voll mit dabei. Insgesamt fangen wir an diesem Tag sechs Kaninchen, die es dann am Abend mit leckerem Wein als  „Lapin chasseur“ gibt.
Terry ist nicht nur Jäger, sondern auch Koch, der sein Handwerk versteht.
58_Australien_Dartmoor_Terry und Sandrine

In Port Fairy sehen wir im Hafen einen gigantisch großen Rochen, der graziös am Holzsteg entlang schwimmt. Auf der gegenüberliegenden Seite, wo die Fischer ihre Fische ausnehmen, vergnügt sich eine Robbe mit diesen Resten.

Nach Warrnambool, wo wir bei Shane wohnen und mal wieder ein leckeres Curry kochen, beginnt die spektakuläre Great Ocean Road, die wir in aller Ruhe befahren wollen.

Die Great Ocean Road ist spektakulär. Nach Peterborough folgt ein „lookout“ an der Küste dem anderen. Jedesmal hat man einen fantastischen Blick über Klippen, Buchten und Steilküste. Besonders toll finden wir die Bay of Island und die Steinformationen um die „London Bridge“. Es ist nicht einfach einen wilden Zeltplatz zu finden, denn überall drohen einem Verbotsschilder mit saftigen Strafen. Wir übernachten bei einer netten Farmerin, im vor dem starken Wind geschützten Vorgarten, und brauchen uns somit um die Kontrollen nicht zu fürchten.
Von den „12 Aposteln“ sind wir ein wenig enttäuscht, da wir plötzlich in einen Riesenrummel eintauchen. Die Mehrzahl der Touristen buchen von Melbourne aus ihre Touren bis zu diesem Aussichtspunkt, doch weiter westlich ist die Küste unserer Meinung nach um einiges spektakulärer.

26_Australien_Great Ocean Road_Loch Ard Gorge_Panorama

Bald darauf geht es in die Berge. Immergrüne Baumfarne, hohe Eukalyptusbäume, gut riechende Tannen und Pinien wechseln sich ab. Rote Papageien kreischen uns von den Bäumen aus entgegen. In Lavershill, am Roadhouse, erwartet uns seit langem mal wieder eine weiche grüne Wiese als Zeltuntergrund. Wir sehen am 4.4.15 die totale Mondfinsternis bei schönstem Sternenhimmel.

Kurz vor Apollo Bay entdecken wir sogar einen Regenwald, durch den wir den Maits Rest Rainforest Walk machen. Von dem schön angelegten Steg aus bewundern wir uralte Riesenbäume, manche bis zu 300 Jahre alt. Hier ist es richtig feucht und kühl.

40_Australien_Great Ocean Road_Maits Rest Rainforest Walk

Ab Apollo Bay windet sich die Straße wieder schön die Küste entlang. Ab und zu ein touristisches Dorf mit Cafés und Bakery. Sie sind jetzt zur Osternzeit gut besucht. Leider sind in dieser Zeit auch die Caravanparks immens teuer und verlangen an die 50 Dollar und mehr für einen Zeltplatz. Wir weichen wo es geht „in den Busch“ aus und gönnen uns lieber ab und zu einen leckeren Kuchen.

Eiskalt erwischt es uns in der Nähe des Kenneth Rivers auf einem Campingplatz im Eukalyptuswald. Abends beobachten wir noch bei Sonnenschein wie die süßen Koalas oben in den Bäumen ihre Blätter futtern, doch nachts kommt plötzlich ein Unwetter auf. Irgendwann stellt Agnès fest, dass sich ihre Luftmatratze wie ein Wasserbett anfühlt. Und so ist es dann auch, denn unser Zelt steht in einem braunen Schlammsee. Natürlich kommt das Wasser auch ins Zelt und alles was sich außerhalb der Ortliebtaschen befindet ist nass. So gibt es auf dem nächsten Campingplatz bei Lorne einiges für uns zu tun. Verdrecktes Zelt und Folie putzen, Klamotten waschen und die Ausrüstung wieder trocken bekommen, bevor es weiter geht.

In Ocean Grove werden wir von David aufgenommen und am zweiten Abend in die Sandbar zum Dinner eingeladen. Zur tollen live Gitarrenmusik von Ben Dew wird viel getanzt, die Stimmung ist Klasse.

Wir nehmen die Fähre von Queenscliff nach Sorrento und nähern uns über die Mornington Peninsula etwas der Großstadt Melbourne. Doch davor leisten wir in Rosebud bei Lesley und Graham noch ein wenig Gartenarbeit in deren Gärtnerei. Es macht uns Spass die Bestellungen für die kommenden Tage zusammen zu stellen. Das Paar ist sehr herzlich und sie zeigen uns mit ihrem Wagen die wilde Südküste. Von Rosebud aus führt ein schöner Radweg entlang der Küste nach Melbourne, wo wir am 15.4. bei schönstem Sonnenschein in der Stadtmitte ankommen. Es ist toll das Flair dieser Metropole zu spüren. Das Stadtbild und eine multikulturelle Bevölkerung trugen dazu bei, dass Melbourne in den Jahren 2002, 2004, 2005, 2011, 2012, 2013 und 2014  zu der lebenswertesten Stadt der Welt (unter Berücksichtigung der kulturellen Gegebenheiten, des Klimas, der Lebenshaltungskosten und des sozialen Umfeldes) gewählt wurde.

30_Australien_Melbourne
Wir wohnen bei Matt, Kate und ihrem Collie in Nordmelbourne und können von hier aus noch ein paar Ausflüge in die Stadt unternehmen, so weit dies wegen des Regenwetters überhaupt möglich ist. Von hier aus organisieren wir auch die Fahrradkartons für den Flug, die uns auf unsere Mailanfragen gleich mehrfach von den Händlern geschenkt werden. Zwei dieser unhandlichen Boxen tragen wir tags darauf zu Sandrine und Terry, die 6 km entfernt im Norden wohnen. Ein schweißtreibender Spaziergang. Von den Beiden wurden wir, als wir in Dartmoor waren, eingeladen. Sie wollen uns und unser Gepäck, das heißt die zerlegten Räder, mit ihrem Anhänger zum Flugplatz fahren.

Doch davor machen wir noch einen Besuch bei CERES – Centre for Education and Research in Environmental Strategies, einem sehr interessanten Ort in East Brunswick. Besonders interessant für Fahrradreisende ist, dass man hier die Räder durch Volontäre reparieren oder checken lassen kann. Alles Weitere kann man auf der homepage http://www.ceres.org.au/about/About.html erfahren.

An unserem letzten Abend in Australien organisiert Sandrine noch ein leckeres Essen für acht Freunde, bei dem Terry wieder als großer Koch auftritt. Nach diversen Vorspeisen werden gegrillte Lammhaxen in Rotweinsauce und verschiedene Gemüse mit Bechamelsauce serviert. Hmm, der Abschied wird uns nach diesem schönen ausgelassenen Abend nicht leicht gemacht!

Am Sonntag (19.4.15) dann, fahren uns die Beiden zum Flughafen und Melbourne verabschiedet sich von uns mit einem wunderschönen Regenbogen.

Die B777-200 startet pünktlich und Malaysia Air bringt uns sicher durch die Lüfte, versorgt uns prima mit leckerem Essen und guten Spielfilmen.

Fotos zu Westaustralien Perth bis Pemberton


Fotos zu Westaustralien  Pemberton bis Esperance

Fotos zu West-/Südaustralien  Esperance bis Ceduna

Fotos zu Südaustralien: Ceduna bis Mount Gambier

Fotos zu Victoria: Mount Gambier bis Warrnambool

Fotos zu Victoria: Great Ocean Road bis Melbourne

 

 

Indonesien 2014+2015

Indonesien – 17.508 Inseln, 129 aktive Vulkane

Nach einigem Hin und Her, ob wir einen Flug nach Bali nehmen sollen oder nicht, entscheiden wir uns mit der Fähre nach Java zu reisen. Doch dies ist nicht so einfach wie man denken könnte. In Singapur radeln wir entlang der Küste durch den Stadtpark, 20 km wunderschöner schattiger Radweg. Am Tanah Merah Ferryterminal werden unsere Räder samt Taschen wie bei einem Flug eingecheckt und die Crew kümmert sich um den Transport. Zwei Stunden später sind wir schon in Indonesien, nämlich auf der Insel Bintan. Diese müssen wir nun überqueren um zum nächsten Fährhafen zu kommen, der 26 km entfernt liegt. Unsere ersten Eindrücke „Hoppla, sovieeel Verkehr!!“ “ Oh die Eiswürfel sehen komisch aus. Da verzichten wir lieber.“ „Die Lokale sehen ziemlich einfach und heruntergekommen aus.“
Aber die überwiegend moslemische Bevölkerung ist sehr hilfsbereit auch wenn wir leichte Verständigungsprobleme haben. So erreichen wir den Fährhafen Kijang ohne Probleme, finden ein günstiges Zimmer und nehmen am 27.11.2014 die Fähre KM Sinabung. Statt wie auf dem Fahrplan um 06.00 Uhr fährt sie zwar erst um 11.00 Uhr los, doch dafür ist das Wetter gut.

10_Indonesien_Faehre Surabaya_KM  Sinabung
Eine kleine Kakerlakenreise:
Während einer auf die Räder aufpasst, verstaut der andere das Gepäck in der Economy-Class. Dies ist ein „Kampf“ gegen die vielen Hin und Her rennenden Gepäckträger in ihren orangefarbenen Jacken, die das schwere Gepäck der 1.500 Passagiere schleppen. Wir finden zwei Pritschen nebeneinander in einem Raum, in dem sich bestimmt 500 Personen ebensolche Pritschen suchen. „Ja super!“, denken wir als wir uns auf den Plastikmatten niederlassen. Doch nicht nur wir freuen uns, sondern auch unsere unzähligen Mitbewohner und Mitreisenden, deren kleine Fühler vor Freude zwischen den Matrazen zittern. Kakerlaken! Wir heben die Matten hoch und sehen in den Holz- und Metallgestellen Massen von Kakerlaken und anderem hungrigem Kleingetier. Martin juckt es schon am Arm. Ein erster Stich! Wir schauen geradeaus und über dem Kopf des Indonesiers gegenüber krabbelt eine mittelgroße Kakerlake. Nun sucht sich auch hinter dem Kopf von Agnès eine ihren Weg. Nun reicht es!! Wir sind gerademal 5 Minuten hier und überall wo wir hinschauen kriecht und wimmelt es. Hier sollen wir 60 Stunden verbringen? Das ist doch schlimmer als im Dschungelcamp. Und dies in einem Schiff deutscher Bauart! Unglaublich!
Wir haben genug und versuchen einen anderen Platz zu finden. Doch überall im Economy Bereich sehen wir das gleiche Bild. Könnte es in der ersten und zweiten Klasse besser sein? Wir bezweifeln dies. Das Schiff ist völlig verseucht. Wir verbringen die nächsten Stunden auf dem Oberdeck im Café im Freien und hoffen dort schlafen zu können. Doch dort wird um 24.00 Uhr geschlossen. Auf der Suche nach einem Schlafplatz kommen wir an der Diskothek vorbei, ein weiterer kakerlakenfreier Platz, wo wir 2 Stunden verbringen. Doch auch dort können wir nicht schlafen.
Auf den Toiletten, in der Dusche, im Restaurant auf den Tellern: Kakerlaken!
Das Wetter ist gut und wir finden letztendlich einen prima Platz im Freien, auf dem 7. Deck unter einer Treppe. Dort instalieren wir uns einen Schlafplatz, den wir die nächsten 2 Tage nicht mehr hergeben werden. Die Mannschaft duldet uns dort, auch wenn sie meinen es wäre dort nicht sicher! Wir fühlen uns dort jedoch ziemlich sicher, denn in den Schlafsälen haben wir nun auch schon zwei ausgewachsene Ratten gesehen. Auch schauen hier andere Passagiere vorbei, mit denen wir leicht ins Gespräch kommen.
Ja und das Essen? Wir bekommen drei Mal täglich eine Portion Reis mit einem kleinen Stück Fisch (maximal 2 cm groß) und einem halben Esslöffel Kraut. Aber dafür ist es all inclusive! Super gell?!
Doch Gott sei Dank kann man sich auch eine Aufbrühsuppe „Pop Mie“ in einem geschlossenen Styroporgefäß kaufen….

Java: Zwischen Bromo und Brummern
Ein Zwischenstopp der Fähre im Hafen von Jakarta, kündigt sich früh an, denn schon Kilometer davor verfärbt sich das blaue Meerwasser in eine schwarze Brühe, in welcher bestimmt kein angenehmes Leben mehr möglich sein dürfte.
Wir sehen kilometerlange Ölfilmspuren auf dem Meer – hier ist die günstige Entsorgung von Schadstoffen noch geduldet, obwohl es laut Reiseführer wohl entsprechende Gesetze dagegen geben soll.
Von unserem Schlaflager aus beobachten wir über Stunden hinweg das Treiben im Hafen von Jakarta. Containerschiffe werden beladen, die indonesische Post holt und bringt Pakete zu den Schiffen. Hoppla, ein Paket fällt ins Wasser und der Postangestellte springt hinterher. Triefend und wütend kommt er mit dem Paket an Land. Er sieht nicht mehr sehr lecker aus.
Unter üblen Arbeitsbedingungen werden 100 Liter Benzinfässer per Hand von einem Lkw abgeladen. Es ist schon erstaunlich dass dabei nichts passiert. Doch überall sehen wir Schilder „Safety first!“. Aha, deshalb.
Einen Tag später kommen wir endlich in Surabaya an und unser Fährabenteuer ist beendet. Surabaya ist eine nicht so schöne Großstadt und bei der Suche nach einem Hotel sehen wir in den dunklen Straßen dicke Kakerlaken und Ratten. Sind wir schon paranoid?

Wir freuen uns zunächst an der Küste entlang zu radeln doch der Verkehr ist immens. Java ist die am dichtesten besiedelte Insel der Welt. Hier tummeln sich 140 Millionen Einwohner, d.h. auf einen Quadratkilometer kommen 940 Personen. Und wie es scheint haben diese Personen alle dasselbe Hobby: Motorroller und LKw fahren.
Erst mit Hilfe von Pfeifen und Gestik können sich parkende Autos in den Verkehrsfluss einfügen. Dafür sind in jeder Ecke für ein paar Groschen Männer bereit diese Aufgabe zu erfüllen.

Ein weiterer Weltrekord den Java zu bieten hat: über 40 Vulkane, davon einige ziemlich aktiv.

Von Probolingo aus wollen wir einen Abstecher in das Landesinnere machen um den Vulkan Bromo, auf 2.392 m, zu sehen. Doch eine Busfahrt in das 40 km entfernte kleine Dorf Cemoro Lawang ist nicht so leicht zu organisieren und so entscheiden wir uns die steile Strecke hinauf zu trampen. Zu uns gesellt sich der Pole Robert und nach zwei Stationen Autostopp werden wir bis zum Kraterrand des Dorfes hinauf gefahren. Der rauchende Bromo, liegt in einer mondähnlichen Landschaft vor uns und wir sind von diesem Anblick überwältigt. Doch die Sicht ist nachmittags nicht so gut und wir sind gespannt, wie es am nächsten Morgen sein wird, denn wir wollen vor Sonnenaufgang an einem Aussichtspunkt sein.
Solange erkunden wir die Umgebung, sehen die Bauern in ihren fruchtbaren Feldern arbeiten, bestaunen die kleinen bunten Häuser und genießen das kühle Klima.

Am nächsten Morgen um 4.30 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Aussichtspunkt, einem Fußweg von 3 Kilometern auf 2.770 m Höhe.

44_Indonesien_Java_Bromo Semeru
Die Sicht ist prima und wir sehen vom alten Kraterrand aus über eine Ebene hinweg zum rauchenden Bromo und zwei weiteren Vulkanen. Der Bromo selbst wird im Hintergrund von dem höchsten Berg Javas, dem Gunung Semeru mit seinen 3.676 m, überragt. Auch dieser qualmt ruhig vor sich hin. Direkt neben dem Bromo liegt der erloschene Vulkan Batok, der aus der steppenähnlichen Ebene aufragt. Ein klasse Anblick und die Farben der Landschaft ändern sich von Minute zu Minute.
Nachdem wir uns satt gesehen haben, nehmen wir den Pferdepfad der vom Dorf bergab führt, durchqueren den alten Krater und umgehen damit die Kontrollstelle an der Straße, bei welcher man ein ordentliches Eintrittsgeld entrichten müsste. Vorbei an einem alten Hindutempel, geht es nun auf einem Lavafeld steil bergauf. 253 Treppenstufen bringen uns schließlich bis an den Kraterrand des dampfenden Bromo. Was für ein Spektakel – er hört sich wie ein gewaltiger Wasserfall an.
4 Stunden später gönnen wir uns ein leckeres Nasi Goreng Chicken bevor wir uns zusammen mit Robert auf die Rückfahrt, diesmal mit einem Bus, machen. In Probolingo, der Stadt die für ihre leckeren Mangos bekannt ist, erholen wir uns von dem anstrengenden Ausflug.

13_2_Indonesien_Java_bei Pasuruan

Java ist wirklich kein Paradies für Radfahrer, doch es gibt auch ein paar schöne Küstenabschnitte, an denen man sich zwischen  Meer, Reisfeldern und Vulkanen bewegt. Der Abschied fällt uns nicht schwer und wir nehmen so bald es geht die Fähre nach Bali. Die Fahrt von Ketapang nach Gilimanuk auf Bali dauert eine Stunde und kostet mit Rädern pro Person 60 Cent.

Bali: Insel der Götter
Das Besondere an Bali sind die Bewohner und ihr Umgang mit den Göttern. Jeden Tag werden mit Reis, Obst, Blüten und Räucherstäbchen geschmückte Bananenkörbchen auf die Wege, Eingänge, privaten Tempel und öffentlichen Tempel gelegt. Jedermann hat mindestens einen Tempel vor dem Haus und einen im Hof. Man sagt, auf Bali gäbe es mehr Tempel als Einwohner. Wir glauben dass dies stimmt. Als wir ankommen müssen wir erst einmal aufpassen nicht über die vielen Bananenkörbchen zu fahren oder darauf zu treten. Noch dazu ist Vollmond. Das bedeutet noch mehr Körbchen und Zeremonien. Gleich am ersten Tag sind wir mitten im Geschehen der Prozession in einem Bergtempel. Wir betrachten das Treiben um uns herum und werden gleich vom obersten Mönch angesprochen. Er war vor 2 Jahren in München und kann noch ein paar Brocken Deutsch. Er schwärmt von bayrischem Gulasch und Schweinebraten. Allerdings will er nicht noch einmal dahin, denn selbst im Hochsommer war es viel zu kalt.

06_Indonesien_Bali_Tempelprozession

Für uns ist Bali mit viel schnorcheln und gutem Essen verbunden. Das erste Mal schnorcheln wir bei Pemuteran, doch da ist sehr viel Plastik im Wasser und der Blick auf das schöne Korallenriff ist etwas getrübt. Wir sehen dort etliche Schwärme großer Fische. Wir schnorcheln bis unsere Kniekehlen aussehen wie Feuerquallen.
Bei Tulamben ist das Wasser viel sauberer und vor der Küste in guter Reichweite liegt das Wrack des US Frachters Liberty, der 1942 gesunken ist. Hier gibt es etwas weniger Korallen, dafür eine Menge an bunten Fischen, wie wir es uns nie vorstellen konnten. Als Höhepunkte sehen wir beim Wrack vier Riesenmeeresschilkröten, die dicht bei uns sind. Neben einer können wir sogar mitschnorcheln. Ein klasse Gefühl.
Unser dritter Schnorchelplatz ist bei Jemeluk im Nordosten. Dort gibt es während wir dort sind das klarste Wasser und die buntesten größten Korallen. Lionfische, eine Moräne und die ganze bunte Vielfalt begeistern uns.
Es gibt entlang der Küste zwar viele Tauchressorts, doch es ist gerade Nebensaison und somit sehr wenig los. Das Meer, die Strände und Restaurants sind leer, die Preise der Zimmer gut verhandelbar. Hier im Norden von Bali sind die Strände oft aus dunklem Vulkangestein oder schwarzem Sand.

Auch auf Bali spielen Vulkane eine große Rolle. Der 3.142 m hohe Agung ragt direkt neben der Küste in die Wolken und nur wer Glück hat, kann seine Spitze sehen. Von Lovina aus machen wir einen Ausflug mit einem Motorroller in die Berge. Diese Roller kann man schon für 2,50 Euro am Tag mieten. Es geht von Meereshöhe steil nach oben auf über 2.000 m, bis wir zwischen den schnell vorbeiziehenden Wolken am Vulkansee Buyan ankommen. Der Munduk Wasserfall ist sehr schön zwischen Kaffeeplantagen und wilderer Natur gelegen. Beim Spaziergang dorthin kommen wir an haushohen Baumfarnen und vielen blühenden Sträuchern vorbei. Wir passieren den See Bratan und kommen nachmittags zu den jahrhunderte alten grünen Reisterrassen von Jati Luwih. Sie wären fast Unesco Weltkulturerbe geworden, aber leider nur fast. Dafür sind sie sehr grün und lohnen einen Ausflug. Nach 140 Kilometern mit dem Roller haben wir genug Schönes gesehen und sind ziemlich platt.
41_Indonesien_Bali_Lovina_bei Munduk Wasserfall

Beim Radeln erleben wir oft die balinesischen Gastfreundschaft. Spontan werden wir zu einem Mittagsbuffet eingeladen, nur weil wir an einem Familienfest vorbeikommen. Es ist eine Art „Brautschau“, bei der drei junge bunt geschmückte Frauen im heiratsfähigen Alter vorgestellt werden. sie sind zwischen 13 und 15 Jahre alt.

Alle 210 Tage wird auf Bali das 3-tägige Fest Galungan gefeiert. Die Bedeutung des Festes nach den Vorstellungen der Balinesen ist der Sieg des Guten über das Böse, Dharma gegen Adharma. Für die Balinesen ist es ein großes Familienfest. Nahezu alle Hauseingänge werden mit Penjor geschmückt. Dies sind reich verzierte 6 bis 7 m hohe Bambusstangen, mit Fahnen, Früchten und Süßigkeiten. Am 2. Feiertag werden vor allem die Haustempel und öffentlichen Tempel aufgesucht und Opfergaben dargebracht.
Wir haben Glück denn wir sind am 17.12.14, dem Hauptfesttag, in Jemeluk im Nordosten. Uns fällt sofort auf, dass jedes Auto und jeder Motorroller geschmückt ist. Mit gewebten und verflochtenen Naturmaterialien wie Palm- und Bananenblättern. Auf den Wegen und bei den Tempeln sehen wir üppigere Opfergaben als bisher. Dann am Strand: jedes Boot, jeder Motor, hat ein prall gefülltes Bananenblattkörbchen. Viele Körbchen stehen auch auf dem Boden vor dem Meer. Noch vor dem Frühstück bekommen wir von einem festlich angezogenen Balinesen einen Teller mit Früchten, Süßigkeiten, Kuchen, Reis und Ei. Eine nette Geste!

72_Indonesien_Bali_Tulamben_Penjor

Von Jemeluk aus folgen wir der Nordostküste, einer sehr schweißtreibenden Route. Es geht durch verschiedene kleine Buchten, davor immer eine Talfahrt, die viel zu schnell vergeht und danach ein Anstieg, der uns an viele Saunagänge erinnert. Die Strecke ist jedoch mit unglaublichen Ausblicken auf das blaue Meer verbunden. Ein Muss auf Bali.
Wir erreichen die Hafenstadt Padangbai, die Flair hat, und nehmen von hier aus die Fähre zur Insel Lombok. Die Überfahrt dauert 5 Stunden und kostet gerade mal 4 Euro pro Person inklusive Fahrrad.

Lombok und Gili Air: langsam, langsam!

Die Schifffahrt bei schönstem Sonnenschein und ruhiger See motiviert viele Delphine zur Fähre zu schwimmen und diese eine längere Zeit zu begleiten. Sie schwimmen unter der Fähre durch und ein ganz motivierter Delphin hechtet sich aus dem Wasser über seinen anderen Artgenossen. Ein tolles Schauspiel im Preis inbegriffen!

Lombok ist völlig anders. Die Bauern tragen spitze Reishüte, wie in Vietnam, und es gibt kaum mehr Tempel. Dafür hören wir wieder fast täglich die Gebete des Muezzin aus den scheppernden Lautsprechern. Die Lomboker scheinen viel Zeit zu haben, denn ihren Lieblingsspruch „langsam, langsam“ werden wir die nächsten 2 Wochen sehr oft hören. Sie betonen auch immer wieder, dass die Balinesen, im Gegensatz zu ihnen, sehr geschäftig wären.

Bei leichtem Regen radeln wir bis kurz vor Senggigi. Es gibt entlang der Küste so gut wie keine kleinen Gästehäuser, sondern lediglich ab und zu ein großes Luxusresort. Zum Glück finden wir ein günstiges Homestay mit netten Besitzern, das wir uns auch gleich für die Rückfahrt vormerken. Der nächste Tag ist heiß und gerade heute haben wir die schwierigste Teilstrecke vor uns.

Auszug aus dem Tagebuch: „Ab Senggigi ist die Fahrt landschaftlich zwar sehr schön, aber auch ziemlich qualvoll bei der Hitze. Die Bergrücken ragen wie Finger ins Meer. Es ist ein ständiges auf und ab, von Bucht zu Bucht. Oft müssen wir schieben und es ist wieder ein Saunagang angesagt. Der Schweiß tropft im Sekundentakt und verdampft auf der Fahrbahn. “

06_Indonesien_Lombok
Da die Übernachtungssituation heute nicht besser wird, beschließen wir auf der touristisch erschlossenen Insel Gili Air unser Glück zu versuchen. Die Fahrt zu dieser kleinen Insel dauert wie man uns sagt nur 30 Minuten und kostet weniger als 1 Euro pro Person. Doch zuerst gilt es die beiden Fahrräder und das ganze Gepäck durch das Meerwasser zu tragen und in das Boot zu hieven. Kein Problem bei gutem Teamwork!

Auf Gili Air angekommen sind wir gleich begeistert – jede Menge tolle Bungalows, kein Motorlärm denn Autos und Scooter sind verboten, kristalklares Wasser und angenehme Atmosphäre. Eine halbe Stunde später beziehen wir einen sauberen, modernen Bungalow bei Youpy Bungalow mit Terrasse; das schöne Badezimmer unter freiem Himmel.
Nichts wie ins Wasser. Beim Schnorcheln sind wir zuerst ein wenig enttäuscht, denn die Korallenwelt bei Bali war erheblich schöner. Doch nur kurz, denn später sehen wir wieder mehrere Meeresschildkröten und bunte Fische. Auch ist das Wasser hier am  klarsten. Das erste Mal seit Langem bemerken wir, dass die Bevölkerung auf die Umwelt achtet.
Wir genießen die schönen Sonnenuntergänge im Norden der Insel, die man zu Fuß in 1 Stunde umrunden kann – immer am Strand entlang. Wir hatten weder geplant hierher zu kommen, noch lange zu bleiben, doch letztendlich bleiben wir Weihnachten und Silvester hier und irgendwann sind 15 Nächte rum. Eine richtig tolle Erholung für uns. Für Weihnachten und Silvester war die große Party angesagt, doch unserer Meinung nach blieb es ziemlich ruhig. Nur an 2 oder 3 Tagen waren mehr Touristen auf der Insel.

Trotz schlechtem Internet gelingen uns sogar die online-Visaanträge für Australien, die wir wiederum online 10 Minuten später erhalten. Den Flug nach Perth für 130 Euro inklusive Räder und Gepäck buchen wir für den 20. Januar ab Bali. Günstiger kommen wir nie wieder nach Australien.

Am 5. Januar hieven wir wieder unsere Räder in das kleine Boot, radeln zurück nach Lambar und setzen am 6. Januar mit der Fähre nach Bali, Padangbai, über.

Bali zum zweiten Mal:

Weiter geht es durch zahlreiche kleine Dörfer, vorbei an hunderten Tempeln. Wir wollen nach Ubud, einem schönen
Touristenstädtchen, von Reisterrassen und Palmen umgeben. Berühmt ist Ubud durch vielfältige Handwerkskünste, wie
Holzschnitzereien, Malerei, Steinmetzarbeiten. Doch kurz vor Ubud gibt es auf der Straße einen Wasserrohrbruch und Martin
weicht mit seinem Rad auf den gefliesten Gehweg aus. Da passiert es. Das Rad rutscht weg, ist nicht mehr zu halten und Martin schlittert über den unter Wasser stehenden Gehweg. Glück im Unglück, denn Martin kommt mit ein paar Schürfwunden am Knie und Arm noch glimpflich davon. Noch an der Unglücksstelle legt ihm Agnès Verbände an.

Wir besuchen in Ubud den „monkey forest“, eine grüne Oase in der Stadt mit an die 600 balinesische Makakken sowie gigantischen Urwaltbäumen und dunkelgrün bemoosten Brücken, Gebäuden und Steinen.

135_Indonesien_Bali_Ubud Monkey Forest

Wir machen auch einige Ausflüge mit den Rädern, ohne Gepäck, in der grünen Umgebung von Ubud. Wir spazieren durch die
idyllisch gelegenen Reisfelder im Norden von Ubud und genießen die Ruhe.

Die Weiterfahrt nach Sanur, bei der es nur bergab geht, führt uns an vielen Kunst- und Handwerkerläden vorbei: Buddhastatuen,
uns nicht bekannte Dämonen, Geisterwesen und bunte Malereien. Es ist Wochenende und unglaublich viele Indonesier aus dem Großraum Denpasar verbringen ihre Freizeit am „Strand“. Doch der ist mini, im Gegensatz zu den weiträumigen Stränden die sich die Luxusresorts unter den Nagel gerissen haben. Die Stadt ist zweigeteilt, im Norden halten sich die Einheimischen bei ihren einfachen Warungs /Essbuden und bei der Mole auf. Im Süden liegen die Touristen auf ihren Rattanliegestühlen beim Cocktail.

Da wir bis zu unserem Flug am 20. Januar noch ein paar Tage haben, entspannen wir am Balangan Beach, einem kleinen
Surferstrand, der zwischen Klippen eingebettet liegt. Hier beziehen wir in einem Stelzenholzhaus ein rudimentäres Zimmer in vorderster Front. Bei Flut rauscht das Wasser unter uns hindurch. Doch wir hören nachts auch noch andere Geräusche, denn es schüttet in Strömen und unter unserem Haus entsteht binnen Minuten ein wilder Bach. Das Haus zittert und wir denken schon, dass man uns bald im weiten Meer einsammeln kann. Aber das Haus hält. Noch wissen wir nicht, was genau diese Virbrationen verursacht hat. Am nächsten Morgen sind wir jedoch ziemlich erstaunt, als wir feststellen, dass große Baumstämme die der Fluss brachte, gegen die Stützpfeiler gedonnert sind. Wir genießen auch Sonne Strand und Meer, das jedoch seit dem Regen ziemlich mit Plastik verunreinigt ist.

171_Indonesien_Bali_Balangan Beach

Fünf Tage später nehmen wir uns in Flughafennähe ein luxuriöseres Zimmer. Es gibt die letzten vier Tage auf Bali noch einiges zu tun. Kartons für die Fahrräder beschaffen, Kettenwechsel, Räder putzen und zerlegen, Zelt schrubben, das Gepäck aufteilen und noch ein paar Einkäufe machen. Die Räder dürfen bei der Einreise keinerlei Erdantragungen haben, da sie ansonsten für drei Wochen in Quarantäne müssen. Organisches Material darf nicht nach Australien eingeführt werden.

Alles klappt prima und wir freuen uns schon auf Australien, auch wenn wir wissen, dass wir nur einen sehr kleinen Ausschnitt des riesengroßen 5. Kontinents befahren werden.

Fotos zu Java

Fotos zu Bali

Fotos zu Lombok und Gili Air

Fotos zu Bali zum zweiten Mal

Singapur 2014

Singapur- Stadt der Löwen

Nur eine Brücke trennt uns von unserem nächsten Land, aber man sucht vergebens nach seinem Namen. Nirgends ist sein Name zu sehen. Ist es vom Erdboden verschluckt worden? Endlich machen sich die unzähligen Stunden, die Agnès mit Vorliebe über Karten verbringt, bezahlbar! Ja, da haben wir es: Woodlands! Einfach den Schildern „Woodlands“ folgen!
Fahrräder sind zwar nicht vorgesehen, aber das kennen wir schon. Wir verwandeln uns in Mopeds und niemand merkt es!
Zwischen Hunderten brummenden Mopeds überqueren wir die Brücke und sind gespannt auf diese so sauber gepriesene Stadt. Aber erst kommt die Einreisepolizei in Form von zwei Dutzend kleinen Schaltern. Die Einheimischen brauchen dazu nur 2 Minuten aber wir müssen ein Formular ausfüllen und können kurz darauf ein 90 Tage Visa kostenlos erhalten. Der Zollbeamte winkt uns auch durch und schon sind wir da. Aber wo? immer noch kein Schild „Willkommen in Singapur“ –  nur „City“. Wir fahren im Schatten schöner Bäume auf einer wenig befahrenen Strasse, bevor wir die „City“ erreichen. Hier wird viel gebaut, aber wir finden unseren Weg in den Bezirk Little India. Kaum angekommen merkt Martin, dass er sich zunehmend schlechter fühlt, noch dazu fängt es an stark zu regnen! Agnès klappert die zahlreichen Hostels ab, aber alle sind teuer und bieten meistens nur Dormitory, das heisst z.T. 15 Personnen auf kleinstem Raum. Wir entscheinden uns für ein kleines Guesthaus, das wir gleich am Anfang als zu teuer abgestempelt hatten. Nun ist auch noch Martins Hinterrad platt! Jetzt heisst es schieben! Kaum angekommen und das Gepäck verstaut, legt sich Martin hin und glüht. Er wird das Bett 3 Tage lang nicht verlassen können!

In Alis Nest Guesthouse in der Roberts Lane haben wir ein kleines Zimmer mit Fan und Klimaanlage, eine Küche steht uns zur Verfügung und rund um die Uhr gibt es Kaffee und Tee. Ein idealer Ausgangspunkt, um Singapur mit der Metro oder dem Bus zu erkunden. Kaum ist Martin wieder fit, bestaunen wir die architektonischen Höhepunkte die Marina Bay Sands bei Tag und Nacht, das Finanzzentrum mit seinen Häuserschluchten, das quirrlige Chinatown mit Foodstreet und natürlich Little India.

22_Singapur_Marine Bay

Dieses verwandelt sich jeden Sonntagabend in einen gigantischen Bazar, wo sich tausende Inder treffen und kaum ein Durchkommen mehr möglich ist.

Auch der buddhistische Zahnrelikt-Tempel „Buddha Tooth Relic Tempel“ ist ein Muss. Auf 5 Etagen verteilt, findet man hier den  goldscheinenden Tempel, ein interessantes Museum über Buddha, einen Meditationsraum mit dem goldenem Schrein, in dem sich das Relikt befindet, einen wunderschönen Dachgarten mit großer Gebetsmühle und tausenden kleiner Buddhas. Auch wenn dieser Tempel erst 2007 gebaut wurde, ist er sehr beeindruckend.

26_Singapur_Buddha Tooth Relic Tempel

Wir machen einen Besuch beim Tree In Lodge Guesthouse, einer sehr fahrradfreundlichen Unterkunft, wo wir unseren Rädern nach 19.000 km vier neue Mäntel, Original Schwalbe, gönnen. Das Profil der alten Mäntel war noch recht gut, doch so haben wir erst einmal auf längere Sicht ausgesorgt. Solche guten Mäntel waren in ganz Südostasien bislang nicht aufzufinden.

Wie sauber ist denn nun Singapur eigentlich? Auf uns wirkt es nicht übertrieben sauber. Zigarettenkippen liegen vorwiegend in  Blumenbeeten, manchmal auf der Straße. In den Abwasserkanälen schwimmt viel Plastik. Bei Marina Bay wird unter der Brücke viel Alkohol konsumiert und gegrölt. Alles in allem eine ziemlich normale Großstadt.

Uns hat der flächenmäßig kleinste Staat Südostasiens ganz gut gefallen. Er ist eine gute Mischung aus Grün und Beton und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist jeder Punkt gut zu erreichen.

Doch nun sind wir mit unseren Rädern wirklich da angekommen, wo alle Straßen einfach am Meer enden. Freunde hatten uns schon prophezeit „wenn ihr so weiterradelt fallt ihr noch ins Meer“. Wir haben es nicht geglaubt. Und nun? Zurück? Flug? Boot?

Eine kleine Geschichte zu Kaugummis und Singapur aus www.welt.de:
Singapur will nicht vom Kaugummi-Tabu lassen

Es war eine revolutionäre Forderung: Man könne doch das Kaugummi-Verbot etwas lockern, fanden einige Parlamentarier in Singapur. Das sieht aber die Regierung des Stadtstaats ganz anders. Der freie Verkauf bleibt verboten – unter anderem aus Sorge um Verspätungen im U-Bahn-Verkehr.
Kaugummis findet man im Staate Singapur ausschließlich in den gut verschlossenen Glasschränken der Apotheker. Sicher hinter Schloss und Riegel, direkt neben den harten Medikamenten und verschreibungspflichtigen Drogen – und dort bleiben sie auch. Denn der Inselstaat soll auch in Zukunft sauber sein, sagen die Stadtväter.

Keine ausgewalkten Gummis auf dem Trottoir, keine klebrigen Überreste unter den Tischen der Restaurants oder den Sohlen der Touristen. Deshalb bleibt der freie Verkauf von Kaugummis in dem südostasiatischen Musterland weiterhin verboten. Einige Parlamentarier hatten mehr Freizügigkeit gefordert, doch das Nationale Entwicklungsministerium blieb hart.

1992 hatte die Singapurer Regierung den Verkauf der weltweit so beliebten Süßigkeit komplett untersagt. In jenem verhängnisvollen Jahr hatte nämlich ein ruchloser Fahrgast sein ausgekautes Gummi in die Tür einer U-Bahn geklebt und damit in dem wie ein Uhrwerk funktionierenden Nahverkehr für Verspätungen gesorgt. Grund genug für die Behörden, dem süßen Kauen ein für alle Mal einen Riegel vorzuschieben.

2004 wurde das strikte Verbot zwar aufgeweicht, doch auch heute sind Kaugummis nur zu medizinischen Zwecken erlaubt. Die Firma Wrigley hatte seit 2001 intensive Lobbyarbeit betrieben, und so landete die Kaugummifrage auf der Agenda des Freihandelsabkommens zwischen Singapur und den USA. Nach zweieinhalb Jahren zäher Verhandlungen gab Singapur schließlich ein winziges Stück nach. Und so wurde Orbit ohne Zucker genehmigt.

Dieses Produkt, so argumentierte Hersteller Wrigley, stärke die Zähne und gehe damit als Arznei durch. Nikotin-Kaugummis einer Pharmafirma folgten. Zwölf Jahre nachdem der Verkauf von Kaugummis per Gesetz komplett unterbunden worden war, war schließlich ein legales Schlupfloch gefunden.

Doch dabei bleibt es auch. Singapur bemüht sich zwar um ein weltläufiges, hippes Image, um Touristen und Investoren, doch eben nur innerhalb enger Grenzen. Auch Spucken und andere Unarten sind verboten. Die Geldbußen sind drakonisch. Wer künftig kauen will, braucht weiterhin eine Verschreibung.

Schließlich wolle man Vandalismus vermeiden, erklärte ein Staatssekretär gestern vor dem Parlament. Auch wenn Singapur im Ausland für diese gestrenge Regel Kritik und Spott ernte, Sicherheit und Sauberkeit seien nun einmal wichtiger als die Freiheit, zu kauen.

Fotos zu Singapur

Malaysia 2014

Malaysia – multi kulti

Diese Einreise war völlig einfach, denn kostenlos erhalten wir eine 3 monatige Aufenthaltsberechtigung und die ganze Prozedur dauert etwa 5 Minuten.
Malaysia begrüßt uns gleich mit einem steilen Pass, an dem wir ganz schön ins Schwitzen kommen. Hier toben sich Affen in den Bäumen aus: richtige Regenwaldstimmung. Hinzu kommt, dass wir wenig später einen heftigen Regenguss über uns ergehen lassen müssen.

Verglichen mit Thailand herrscht hier reger Straßenverkehr. Dort gab es überwiegend Pickup-Trucks, hier sind es unzählige normale Kleinwagen. Wir radeln auf dem Seitenstreifen für langsame Fahrzeuge. Wir passieren schöne Moscheen.

02_Malaysia_bei Alor Setar

In diesem moslemischen Land tragen die Männer lange Hosen und die Frauen sind bedeckt. Alkoholische Getränke gibt es nur noch bei den chinesischen Lokalen. Ja, hier an der malayischen Westküste herrscht eine bunte Vielfalt „multi kulti“. Chinesische Restaurants und Läden in Konkurrenz zu den malayischen, flankiert von indischen Lokalen.

Wir radeln auf direktem Weg nach Georgetown auf der Insel Penang. Unweit von „Little India“ nehmen wir uns ein schönes geräumiges Zimmer im Hotel Noble. Ein klasse sauberes Hotel, denn in dem großen Flurbereich, in dem große Holztische stehen, bekommt man schnell Kontakt zu anderen Reisenden. Wir lernen nette Leute aus Holland, Australien, England und der Schweiz kennen. Viele haben sich dauerhaft in Indonesien niedergelassen und sie kommen hierher um Visaangelegenheiten zu regeln.

Georgetown, ehemaliger britischer Besitz, nimmt uns in seinen Bann. Wir flanieren durch die Straßen und bestaunen die ehemaligen Kolonialhäuser der Briten. Dazwischen finden sich chinesische Läden und Lokale. Der Handel scheint hier in der Hand der Chinesen zu liegen. Sie haben auch große sogenannte „Clanhäuser“, die auch als Tempel dienen. Die Chinesen, die sich Anfang des 19. Jahrhundert hier niedergelassen haben, bauten lange Stege ins Meer hinaus, an welchen sie ihre Pfahlbauten errichteten, die sogenannten Jetties. Jeder Clan hatte einen eigenen Jetty.

11_Malaysia_Penang_Jettie

Ebenso wie die religiöse Vielfalt – Moscheen, indische, chinesische, thailändische, burmesische Tempel und Kirchen – fällt natürlich die kulturelle Vielfalt ins Auge. Handwerkskunst, Sitten und Gebräuche der unterschiedlichsten Arten finden wir in Georgetown.
Jede Nationalität hat natürlich ihre eigene kulinarische Spezialität hierher gebracht. Wir lieben das indische Essen und wir gönnen uns einige Curries, Dosais, Rotis, dazu leckere Chapatis und Chai. Aber auch die malayische Fischsuppe „Laksa asam“ ist nicht zu verachten. Fisch mit Tamarindenpaste mit dicken weißen Reisnudeln. Oder mal eine wenig knusprige chinesische Ente…..
Frisch gepresste Orangen- Mangosäfte oder Shakes gibt es an jeder Ecke.

Penang besitzt auch einige schöne grüne Anlagen, den botanischen Garten, Penang Hill und die Küste. Diese läd jedoch nicht gerade zum Baden ein.

30_Malaysia_Penang_burmes tempel

Toll ist auch die „Street-Art“, die wir im ganzen Stadtzentrum vorfinden. Kunstvoll bemalte Häuser, Skulpturen aus Metall und Stein, Cartoons an den Mauern und Wänden.

48_Malaysia_Penang_Streetart
Nun ist schon mehr als eine Woche vergangen und wir sind noch immer in dieser interessanten Stadt, aus der es schwer fällt weiter zu reisen.

Doch nach 9 Tagen schnappen wir unsere Räder, nehmen die Fähre auf’s Festland und radeln bei Sonnenschein weiter in Richtung Süden. Jeden Tag können wir mittlerweile ab 15 Uhr mit starkem Regen rechnen, so dass wir früh losradeln und uns auch früh ein Zimmer suchen. Die Verpflegung unterwegs gestaltet sich sehr einfach, da es überall Restaurants mit großer Essensauswahl gibt. Die verschiedenen Gerichte (Nasi Kandar) werden meistens in einem Duzent Töpfe ausgelegt. Man stellt sich sein Essen hieraus zusammen und bekommt leckeren Reis dazu. Oft trinken wir einen frisch gepressten Saft oder eiskalten Tee dazu.
Das Ganze kostet dann so an die 1 bis 1,50 Euro pro Person.

Die Kleinstadt Taiping, schön vor den grünen Bergen gelegen, ist auch einen Besuch wert: weiße verzierte Kolonialhäuser und ein schön angelegter Park. In diesem befindet sich eine einzigartige Regenbaumallee. Hunderte sehr alte Regenbäume stehen entlang der Straße und bilden mit ihren Ästen einen Bogen der die ganze Straße überspannt. Ein tolles Bild! Wir radeln
darunter hindurch und fühlen uns ganz klein.

75_Malaysia_Taiping_beim Park_samanea saman

In Ipoh bleiben wir einen Tag lang und besichtigen die chinesischen Tempelhöhlen mit alten Felsmalereien, goldenen Buddhas, anderen Gottheiten und mythischen Wesen. Diese Tempelhöhlen liegen unterhalb der steil aufragenden Karstberge, einer neben dem anderen. Süßlicher Weihrauchgeruch strömt uns entgegen.

83_Malaysia_Ipoh_Perak Caves
In der Sam Poh Tempel Höhle befindet sich im Freien ein versteckter „geheimer“ Innenhof, den man nur durch die Höhle erreichen kann. Steile, mehrere hundert Meter hohe Karstwände umschließen diesen Innenhof.
In der Stadt befindet sich auch der weiße „Tajmahal Bahnhof“, ein verziertes und verschnörkeltes Kunstwerk mit einigen Türmen, ein großer Park mit alten Bäumen und weißen Kolonialhäusern.

Auf dem Weg nach Kuala Lumpur, der Hauptstadt des Landes, nehmen wir die ruhigere Strecke entlang der Genting Highlands, kommen ganz schön ins Schwitzen, doch sehen dafür eine Horde Affen, Hornbill und Eisvögel. Noch hören wir lautes tropisches Gezirpe, dann geht es bergab und nach einer Kurve liegen die ersten Hochhäuser vor uns.

Wir erklimmen die 272 Treppenstufen, die zu den Kalksteinhöhlen Batu Caves führen und kühlen uns in der 100 m hohen Kathedralenhöhle ab. Die 42,7 m hohe goldene Statue Murugans, eine hinduistische Gottheit, auf dem Vorplatz wirkt selbst von hier oben richtig mächtig.

Am Montag, den 3.11. erreichen wir Kuala Lumpur und finden ein günstiges Gästehaus, das Oasis, direkt bei Chinatown in der Petaling Street. Von unserer schattigen Dachterrasse aus haben wir einen fast Rundumblick, der bis zu den Petronas Towers reicht. Hier und im Caféraum im 4. Stock treffen sich Reisende aus aller Welt und man sitzt gemütlich zusammen.

Es gibt einiges in KL zu besichtigen, doch uns gefallen die 452 m hohen Petronas Towers, die Zwillingstürme bei Nacht, einfach am Besten. Das Lichtspiel wirkt wie ein Sternenhimmel. Dazu gibt es die kostenlosen bunten Wasserspiele mit Musik hinterlegt.

137_Malaysia_Kuala Lumpur_Petronas Towers_Panorama

Die Zeit vergeht wie im Flug und vor den Läden werden schon die ersten künstlichen Weihnachtsbäume und Nikolause aufgestellt.

Wir finden einen gutes Fahrradgeschäft und lassen das nervige Gequietsche an Martins Pedalen reparieren. Die Angestellten wurden in Stuttgart, bei Hans im Fahrradladen, ausgebildet, wird uns erzählt. Gute Arbeit!
Fahrradladen in Kuala Lumpur: Joo Ngan, Jalan Ampang 377-1, 4th Mile, 50450 Kuala Lumpur, Tel. 03-42575249.

Eine Woche später machen wir uns auf den Weg in Richtung Melaka. Wir bleiben auf der Westseite des Landes, obwohl die Ostseite wesentlich schöner und ruhiger sein soll. Aber dort tobt seit Wochen der Monsun und es gibt heftigste Regenfälle. Wir wollen die Berge nach Osten auch nicht überqueren, da es aufgrund der Regenfälle schon einige schlimme Erdrutsche gab. Auf der Westseite dagegen haben wir meist bis zum Nachmittag Sonne, bevor sich kurze Regenschauer einstellen.

Das historische Melaka ist heute ein touristisches Städtchen mit hübschen Häusern aus der portugiesischen, holländischen und britischen Besatzungszeit. Dass der Town Square mit allen seinen Häusern in sattem Terrakottarot strahlt haben die Malaysier den Briten zu verdanken. Die sparsamen Briten entschieden sich alles in Rot zu streichen um Wartungskosten zu veringern.

177_Malaysia_Melaka

Melaka erlebte seine Blütezeit Dank seiner strategischen Lage ab dem 15. Jahrhundert. Hier machten die Schiffe auf ihren Wegen zwischen China und Europa halt. In dem geschützten Hafen konnte man die schlechten Monsunzeiten abwarten und Handel treiben. Singapur war damals noch völlig unbekannt.

Ruckzuck nähern wir uns der Meerenge zu Singapur und wir genießen die letzten Tage in Malaysia mit gutem indischem und malaysischem Essen, wir freuen uns über die sehr netten Malaysier die uns immer wieder gute Wünsche und Grüße zurufen „have a nice day“, „be careful“, „Germany is a good country“,….

192_Malaysia_nach Melaka_ABC speciale

Und zum Abschluß noch was in anderer Sache:

Wieso habt ihr so wenige Fotos wo ihr Beide zusammen drauf seid?
In einigen Ländern, auch hier in Malaysia, wollten wir uns Beide vor einem Gebäude oder einer Landschaft fotografieren lassen. Wir fragten daher eine Person die in der Nähe stand, ob sie das für uns tun könnte. Ohne zu zögern stellte sich daraufhin der Angesprochene wie selbstverständlich neben Agnès – es waren immer nur Männer die wir fragten – um sich mit ihr fotografieren zu lassen!!:-) Wir zogen es natürlich dann so durch….

How did you find my shop??
fragte uns die malaysische Verkäuferin als wir bei ihr eine Wasserflasche in ihrem kleinen Laden in der Pampa kurz nach Kuala Lumpur kauften.
Ähhhmm — so spontan fiel uns da nichts ein…..:-)

Fotos zu Malaysia:

 

Thailand 2014

Thailand – „easy living“
Wieso überhaupt „easy living“?? – eine kurze Aufzählung dazu:
Trotz Regenzeit bisher super Wetter, schöne Strände und sauberes Meer, gutes leckeres Essen, Eiswürfel die man verträgt, eine ganz Thailand umspannende Supermarktkette namens „7-eleven“ wo man Eiskaffee, Eisschoko, Eiswürfel, überhaupt Eis, Yogurt, heißen Kaffee und Suppe sowie Kaltgetränke für den Abend zu vernünftigen Preisen usw. bekommen kann. Soooo nun aber zu Thailand selbst…..

179_Thailand_ nach Prachuap Khiri Khan

An der Grenze Laos zahlen wir eine Sonntags“auscheck Gebühr“, passieren die laotische Seite am 27. Juli 2014 und kommen nach einem kurzen Zeitsprung am 27. Juli 2557 in Thailand an. Linksverkehr! Dies ist aber kein Problem, da die gute Straße in jede Richtung zweispurig ausgebaut ist, mit breitem Seitenstreifen für unsere Räder.
Von hier aus trennen uns noch ca. 1.600 km bis zum Treff mit unseren Kindern.

Sofort fällt auf, dass wir uns in einem wesentlich reicheren Land bewegen. Gut ausgebaute Straßen, dafür viel mehr Verkehr, aber dies ohne Gehupe. Was für eine Wohltat gegenüber China und Vietnam. Pfahlbauten gibt es auf dieser Strecke leider keine mehr.

Die Königsfamilie präsentiert sich am laufenden Band auf mannshohen Fotos, golden umrahmt. Meist stehen sie vor öffentlichen Gebäuden oder Fabriken mit parkähnlichen noblen Vorgärten. Der 12. August ist ein Feiertag in Thailand, denn Queen Sirikit hat Geburtstag. Sie wird wohl 82 Jahre alt, schaut jedoch auf den Postern gut 30 Jahre jünger aus. Gute Fotoarbeit!

21_Thailand_Koenig

Wir radeln bei Gegenwind Richtung Westen, viele kleine und größere Tempelkomplexe säumen unseren Weg. Desöfteren taucht wie aus dem Nichts ein übergroßer goldener Buddha auf. Für uns die Einladung für eine Pause in Ruhe und schöner Atmosphäre.

Wegen der schwülen Hitze (es hat täglich ca. 35 Grad im Schatten) legen wir mehrmals am Tag einen Getränkestopp ein und treffen auf sehr interessierte Thais, Da sie meist ein wenig Englisch sprechen haben wir unseren Spass mit ihnen.
Ab und zu treffen wir auf Ladyboys, das sogenannte 3. Geschlecht in Thailand. Eine Ladyboy-Bedienung begrüßt Martin gleich mit den Worten „Hi honey!!“.

Bei Nang Rong legen wir einen kleinen Stopp im Guesthouse California ein und lernen eine nette Franzosenfamilie kennen, die auch mit ihren Rädern in Thailand unterwegs ist. Ihre beiden Kinder radeln dieses Jahr zum ersten Mal mit eigenen Fahrrädern.

Im Umkreis von Nang Rong besuchen wir zwei sehr schöne Tempelanlagen im Khmer Stil. Diese 1.000 Jahre alten Tempel liegen auf einer Achse mit Angkor Wat.

Der Phnom Rung ist eines der beeindruckendsten Baudenkmäler der Khmer in Thailand. Die Gegend war zwischen dem frühen 9. Jahrhundert und dem 13. Jahrhundert ein von Angkor weitgehend unabhängiges Fürstentum der Dynastie Mahidharapura.
Die in 381 Metern Höhe liegende Tempelanlage symbolisiert die Wohnstätte Shivas auf dem heiligen Berg Krailasa (Kailash). Sehr schön sind die sorgfältig ausgeführten Steinmetzarbeiten über den Toren mit Darstellungen aus dem Ramayana oder von Shiva.

28_Thailand_Nang Rong_Phnom Rung

Der Prasat Muang Tam bezaubert uns mit abgebildeten Szenen aus der hinduistischen Mythologie, sowie Darstellungen von Blumen und Blattwerk. Nach einem 700 Jährigen Dornröschenschlaf wurde er vor 100 Jahren neu entdeckt und 1997 dem Publikum zugänglich gemacht.

Zügig radeln wir weiter, zu unserem nächsten Ziel – Ayutthaya. Ayutthaya war früher Hauptstadt des siamesischen Königreichs Ayutthaya und im 18. Jahrhundert die Metropole Südostasiens. Die Stadt ist völlig von Flüssen umgeben. Eine Insel, die von einigen Khlong (Kanälen) durchzogen wird. Hier gibt es sehr viele Tempel vom 14. bis 16. Jahrhundert anzuschauen, dementsprechend halten sich auch viele Touristen, „backpacker“ in der Stadt auf. Die meisten tummeln sich in den Restaurants und Gästehäusern um „Tony’s Place Beds & Breakfast“ in der Nareasuan road. Da dies überhaupt nicht unser Fall ist, beziehen wir etwas abseits das Gästehaus „Old Place“, das in genialer Lage an einem der Hauptkhlongs liegt. Hier können wir von der Terrasse aus beim Abendessen den Schiffsverkehr beobachten. Schlepper ziehen bis zu drei aneinander gekettete Frachter durch den Kanal, eine Fähre kreuzt vom rechten zum linken Ufer und wieder zurück, gleichzeitig rast ein Motorboot vorbei und am Rand des Kanals steht ein Fischer in seinem kleinen Boot und angelt. Wasserpflanzen treiben morgens nach rechts und abends wieder zurück.

91_Thailand_Ayuttaya_Wat Phra Mahathat

Zwei Tage lang radeln wir durch Ayutthaya und die Umgebung, besuchen dabei viele Tempelanlagen.
Hier kaufen wir auch gute Straßenkarten, so dass wir ab hier die kleinen Seitenstraßen nehmen können. Bangkok, die Stadt die wir schon kennen, wollen wir möglichst in großem Bogen umfahren.

So kommt es denn auch, dass wir auf den kleinen Seitenstraßen viele Begegnungen haben:

– Täglich sehen wir von Autos überfahrene Schlangen in allen Größen und Farben. Silbrige, manche mit Streifen, ockerfarbene, giftgrüne Schlangen. Es sind so viele, dass Martin anfängt pro Kilometer die toten Schlangen, die auf dem Seitenstreifen liegen, zu zählen. Pro Kilometer kommen da oft 5 bis 10 Schlangen zusammen! Eigentlich ganz gut, dass wir nur 2 lebende Schlangen sehen. Eine Wasserschlange in einem Reisfeld und eine Schlange die die Straße überquert. In der Nähe unserer Hütte wurde vor kurzem eine Kobra gesehen. Aber auch andere Giftschlangen wirken wohl in 10 Minuten tödlich.

– Wir sehen ein halbes Dutzend große Bindenwarane. Es ist toll diese Tiere, die einen an Jurassic Parc erinnern, in der Natur zu beobachten. Einmal sind wir nur 3 Meter von einem Waran entfernt und er hat uns noch nicht gewittert. Dann sieht er uns und er flüchtet in einen Khlong, wo er abtaucht und ein paar Meter weiter an die Oberfläche kommt. Da schwimmt er locker davon. Es sieht so leicht und elegant aus.

– An einem Mittag, beobachten wir gelbe Webervögel mit schwarzen Köpfen, die in Nester fliegen, die sie in Filigranarbeit an die Bäume gehängt haben. Wir dachten, dass es solche Nester in Kürbisform nur in Afrika gibt.

123_Thailand_Vogelnest

Eisvögel, Störche, Kormorane und viele andere bunte Arten sehen wir fast täglich.

– Schmetterlinge haben manchmal die Größe einer Buchseite. Oft sind sie dunkelblau. Leider sehen wir fast soviele tote Schmetterlinge wie Schlangen. Wir trafen einen französischen Jungen, der die Flügel solcher von Autos gekillter Schmetterlinge sammelt. Er hat bereits ca. 300 verschiedene Arten gesammelt.

– Auf unserem Seitenstreifen liegt ein totes kleines Krokodil. Wo sind wohl Mama- und Papakrokodil? Wir radeln weiter.

– Wir sehen Streifenhörnchen und andere Hörnchenarten, die in den Bäumen klettern oder über die Stromleitungen balancieren.

– bei Prachuap Khiri Khan radeln wir durch einen Nationalpark und sehen zum ersten Mal Affen die Maskengesichter haben. Sie starren uns unbeweglich an. Es sind Brillenlanguren, eine Primatenart die hier in Gruppen in den Wäldern leben.

Geckos sind unsere abendlichen Freunde. Es ist schon toll zu sehen, wie sie die Moskitos und kleinen Fliegen dezimieren. Oft sitzen mehrere in Lampen. Überhaupt lachen diese Geckos ziemlich laut. Ab und zu hörten wir tiefe Basstöne und schauten nach dem Verursacher. Da trafen wir auf Oma- und Opa-Gecko in Übergröße, die einen wenn man sie ärgert sogar anzischen.

20_Thailand_Nang Rong Guesthouse_Gecko

Doch wir haben auch menschliche, nicht ganz alltägliche Begegnungen auf dieser Strecke:

– wir treffen den jungen Holländer Tiem, der seit 2 Jahren durch die Welt radelt und gerade in Thailand sein Denguefieber auskuriert. Er will auch im Winter auf Bali sein. Mal sehen ob sich unsere Wege nochmals kreuzen.

– bei A. Pathio, am Strand, liegt ein älterer Schwede auf dem Balkon seiner 2,50 x 2,50 m großen Bambushütte. Als wir auch eine Bambushütte beziehen, erfahren wir, dass er seit einem Jahr auf dem Balkon hier liegt. Er war wohl sein Leben lang in der Welt unterwegs. Nun hat er sich hier niedergelassen und sich gleich 2 Motorroller, einer mit Seitenwagen und einer mit 120 kg Anhänger, angeschafft. Er hat 3 große Gasflaschen und Küchenutensilien mit denen man ein Restaurant ausstatten könnte. Jedoch sein Problem: Er weiß nicht wie er mit 2 Motorrollern hier wieder wegkommen soll. Auf Martins Frage, ob er denn nicht einen verkaufen will, reagiert er etwas entrüstet mit den Worten „I’m no businessman. I never made business“.—Ok.

– in der Nähe von Chumphon kommt uns ein Skifahrer auf Rollen im Kokoswald entgegen. Eine Fata Morgana?? Eine Stunde später treffen wir Kalle im Cafe „Pirates“, in der Thung Wua Lan Bay, bei einem Bier und erfahren, dass er als Norweger seit Jahren in Thailand mit seinen Rollerski fährt. 2012 hatte er ein Projekt: mit den Skiern von Chiang Rai im Norden nach Bangkok auf dem Highway unter dauernder Polizeieskorte. Dafür wurden Spendengelder für eine Schule in Chiang Rai gesammelt.
Das nächste Abenteuer soll eine Kanufahrt den Mekong hinunter sein, wobei es einige Wasserfälle zu überwinden gibt.

Seit wir südlich von Bangkok an der Ostküste entlang radeln sehen wir immer wieder sehr schöne palmenbewachsene Buchten. Alle Straßen, auch die kleinen, sind in Thailand super befahrbar und es macht richtig Spass.

165_Thailand_ Prachuap Khiri Khan_Panorama

Wir verweilen einige Tage in der Bucht Thung Wua Lan Bay, wo wir ein kleines Häuschen bezogen haben. Von der Terrasse zum Strand ins Wasser – 45 Sekunden!!
Hier erwarten wir mit Spannung Samantha und Nora mit David!

194_Thailand_Thung Wua Lan Bay

Wir erkunden per Rad die Gegend um Sapli und die Thung Wua Lan Bay. Bis heute, 19. August, sind wir 15.000 km geradelt!

Alles klappt wie am Schnürchen! Am 21. und 26. August trifft unser sehnlichst erwarteter Besuch ein. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl seine Kinder nach über einem Jahr wieder in den Armen zu halten und wir genießen jeden Augenblick: gemeinsames schwimmen im 29 Grad warmen Wasser, lecker Essen gehen, abends ein kühles Archa-Bier am Strand trinken, Billard spielen, den bunten Markt in Sapli besuchen…

200_1_Thailand_Thung Wua Lan
Doch die Zeit verrinnt und nach einer wunderschönen Woche ist es Zeit sich zu verabschieden. Nora und David wollen Thailand erkunden und einen Tauchkurs machen. Beide machen sich mit ihren Rucksäcken zielstrebig auf den Weg. Wenig später reist Samantha ab, denn sie möchte ein paar schöne Tage in einem Yoga-Resort verbringen.

Auch wir radeln deshalb am 1. September in Richtung Westen weiter. Dort wollen wir Annalena mit ihrer Freundin Anne und Samantha auf der Insel Kho Phayam treffen. Die Überquerung zur Ostküste in Richtung Ranong ist sehr schön. Wir sehen viele Palmenwälder, Kautschukplantagen und machen einen Abstecher zu dem Wasserfall Chum Saeng, wo wir uns erfrischen können. Dieser bahnt sich seinen Weg mitten durch den Dschungel und kommt über etliche Kaskaden schließlich bei uns unten im Bassin an.

232_Thailand_Chum Saeng Wasserfall
Wir beobachten wie Kokosnüsse auf einfache Weise geerntet werden. Ein dressierter Affe wird an einer langen Leine von seinem „Herrchen“ auf die Palme geschickt. Oben angekommen dreht der Affe die Kokosnüsse solange bis sie herabfallen.

Kurz vor Kraburi radeln wir am Fluss Kra entlang. Hier trennt uns nur der Fluss zu Myanmar. Wir schauen hinüber und staunen über das wild aussehende Ufer, das mit Palmen bis in den braunen Fluss hinein bewachsen ist. Wir passieren die Stelle, an der Thailand nur 50 Kilometer breit ist. Hier am Kra Isthmus könnte, so ein Hinweisschild, in den nächsten Jahren ein Kanal zwischen dem Andaman Meer im Westen und dem Golf von Thailand im Osten entstehen.

Auch am Pier von Kraburi sehen wir hinüber auf Myanmar und stellen fest, dass hier ein reger Bootsverkehr zwischen den beiden Staaten stattfindet. Für die Birmanen ist es mittlerweile einfach nach Thailand zu kommen und hier zu arbeiten.

247_Thailand_ Kraburi_Pier
Einen weiteren Wasserfall, der uns zum Baden einläd, finden wir kurz nach Kraburi. Dank der Nebensaison sind wir die einzigen Gäste.
In Ranong treffen wir wieder Samantha, die ihren Yoga- und Kochkurs voller Begeisterung beendet hat. Die Fähre bringt uns Drei und unsere Räder bei schönstem Sonnenschein auf die paradiesische Insel Koh Payam, wo wir im Resort Goldkey mehrere Bungalows belegen und reservieren. Hier erwarten wir mit Hochspannung Annalena und ihre Freundin, die am 8. September ankommen. Es lässt sich kaum in Worte fassen, wie schön es ist wieder zusammen zu sein.

317_Thailand_Koh Payam
Ein Überraschungsgast hat sich vor ein paar Tagen ebenfalls angekündigt. Unser Freund Klemens aus Herrenberg und Lung kommen angereist und sie beziehen den Bungalow gleich neben uns.
So sind wir auf der Insel eine prima Gruppe und die Zeit verrinnt wie im Flug. Wir machen einige Spaziergänge durch die autofreie Insel, besuchen verschiedene Strände, Mangrovenwälder, genießen das leckere Essen und baden jeden Tag, obwohl es immer wieder auch heftig regnet. Deshalb ist hier die Natur so üppig! Regenwald mit Affen, Hornbill Vögel mit ihren seltsam geformten großen Schnäbeln, dazu die tropische Musik vieler Insekten.
Annalena und Anne, beide das erste Mal in Thailand, haben noch viel vor und nach 4 gemeinsamen sehr schönen Tagen gilt es am Pier von Koh Payam Abschied zu nehmen. Auch Samanthas Rückflug nach Deutschland steht vor der Tür und wir winken der entschwindenden Fähre nach, bis sie im Dunst verschwimmt.

Wir bleiben noch ein paar Tage auf der Insel, bevor wir zu Viert abreisen. In größter Hitze radeln wir weiter nach Khao Lak, einem touristischen Ort mit schönen Stränden. Dort treffen wir Klemens und Lung im Happy Lagoon Resort. Nun ist wieder mal Urlaub vom Urlaub angesagt.  

343_Thailand_Bangsak Beach

Am 25. September jedoch wollen wir weiter und wir packen nach einer schönen gemeinsamen Zeit unsere Taschen. Uns zieht es Richtung Süden, Klemens nach Norden. Noch können wir bis 24. Oktober in Thailand bleiben. In Ranong haben wir unser Visa unproblematisch um einen Monat verlängern können.

Wir verlassen die Küstenstraße und radeln über einen Bergzug in Richtung Krabi. Vor uns tut sich eine bizarre Karstlandschaft auf. Steile Berge, die wie aus dem Nichts senkrecht aufragen, beherrschen das Straßenbild. Krabi, ein schöner Ort mit vielen
Märkten am Fluss gelegen, ist Ausgangspunkt für etliche touristische Attraktionen – James Bond Fels, Canoeing, Tempel,
Wasserfälle, Schnorcheln – , dementsprechend treffen wir auch viele Touristen. Doch dafür stimmt die Infrastruktur. Wir bekommen leckere Pancakes, Curries und Shakes. Kurzentschlossen buchen wir noch die 4-Inseltour und genießen einen sehr schönen Tag auf einem Longtailboat, welches uns von Insel zu Insel schippert.

357_Thailand_4 Islands Tour

Wir können schnorcheln und die Unterwasserwelt mit vielen bunten Fischen, ja ganzen Schwärmen, eine Seeschlange, Muscheln und Korallen, begeistern uns. Das Wasser ist klar und wir können gut 4 bis 5 Meter in die Tiefe sehen.
Beim Blick in die Tiefe sehen wir die vielen Touristen nicht, die ähnliche Touren gebucht haben. Es ist schon sehr viel los, dabei ist noch Nebensaison.

Seit dem 24. September werden wir immer wieder mit dem „Vegetarischen Festival“ konfrontiert. Wir sehen fahrende Umzüge mit Musik, Tempeln auf Pritschenwagen und in Trance versetzte Gläubige, die sich die Wangen mit dicken Eisenstangen durchbohrt haben. Einen Höhepunkt erleben wir zufällig in Krabi, als sich hunderte Gläubige auf der Straße selbst verletzen. Wir mögen  dieses blutige Spektakel, in das wir zufällig gerieten nicht, doch wer sich ein Bild davon machen möchte kann den folgenden
Link ansteuern.
http://www.krabi-magazine.com/announcements/vegetarian-festival-celebrations-in-krabi

Ende September nehmen wir ein Longtailboot zur Insel Koh Pu (oder auch Koh Yum genannt) und balancieren unsere Räder über einen schmalen Steg glücklich in das Boot hinein.

375_Thailand_Boat nach koh Yum

Die Insel ist sehr bergig, grün und hat einige schöne Strände. Es ist immer
noch Nebensaison, so dass viele Anlagen/Resorts und Restaurants geschlossen sind. Wir kommen im Golden Pearl, in einem kleinen Bungalow zwischen Palmen, gut unter. Im einzigen geöffneten und nächstgelegenen Restaurant, Honk Yok, lassen wir uns von der sympathischen Köchin gerne verwöhnen.

Was nicht so schön ist, das ist der ganze Plastikmüll, der immer wieder in Unmengen an die Strände gespült wird. Er wird dann
von den Thais oder den burmesischen Gastarbeitern schön zusammengekehrt und entweder weggeschafft oder wieder dem Meer überlassen. Ein ewiges Hin und Her.
In den 10 Tagen die wir auf der Insel verbringen erleben wir tagelang anhaltende heftige Stürme und Regengüsse, doch mit dem Vollmond kommt der Wetterwechsel. Zeit für uns weiter zu ziehen.
Kleine schattigen Straßen, mit vielen Palmöl– und Kautschukplantagen, bringen uns nach Pak Meng Beach.
Hier gibt es nur die thailändischen Urlauber oder Wochenendausflügler aus Trang. Einfache Imbissstände und Essbuden beherrschen das Bild, so dass wir uns gut und sehr günstig verpflegen können. Wir gehen schwimmen, doch Agnès macht mit einer Qualle Bekanntschaft. Ihr Arm wird mit Limone behandelt und verheilt sehr schnell. Sie ist nochmals glimpflich davon gekommen, denn unterwegs haben wir gesehen, wie qualvoll so eine Berührung sein kann.  
Erst diesen Sommer gab es auf Koh Tao einen Todesfall wegen Würfelquallen, die vor allem in Australien  vorkommen. 

Neben unserem Bungalow mietet sich eine sympatische Italienerin ein und wir verbringen eine schöne Zeit zusammen.

Langsam nähern wir uns der malaysischen Grenze und die Bevölkerung vermischt sich. Oft sehen wir am gleichen Tisch Buddhisten und Moslems zusammen essen. Manchmal ergibt sich ein eigenartiges Bild – Frauen in Shorts, daneben Frauen mit Kopftuch und bedeckter Bekleidung, daneben Kathoeys.

Nach Trang besichtigen wir den Penisular Botanic Garden mit seinem „Canopy Walkway“. Dies ist ein Weg über den Baumkronen mit super Sicht über den Dschungel. Dann führt der Weg wieder nach unten, durch Sumpfgelände mit fleischfressenden Pflanzen, Orchideen und majestätisch wirkenden Bäumen.

403_Thailand_bei Trang_Botanic Garden

Bei La Ngu machen wir noch einen Abstecher ans Meer. Von hier aus nehmen wir die Straße nach Osten, über Berge mit Baumriesen und bizarren Kalksteinfelsen.

Die Grenze zu Malaysia passieren wir bei Wang Prachan. Hier liegt auf thailändischer Seite der gut besuchte Grenzbasar mit
seinen Klamotten, alkoholischen Getränken und Souvenirs.

Es ist unsere 24. Grenze und wir fragen uns wieviele Stunden wir schon an Grenzen verbracht haben….
Doch fest steht, dass wir es jedes Mal unheimlich spannend finden Neuland zu betreten.

Fotos zu Thailand:

Laos 2014

Laos – Sabaidee!!!

Wenn der Bär Balou aus dem Dschungelbuch tatsächlich gelebt hat, dann hier in Laos. „Versuch’s mal mit Gemütlichkeit“ könnte das Motto der Laoten sein, zu deren Mannausstattung mindestens eine Hängematte gehört.
Dazu gibt es auch einen alten Spruch. Man sagt „der Vietnamese pflanzt den Reis, der Kambochaner schaut ihm beim Wachsen zu, der Laote hört den Reis wachsen“.

Uns kommt dieses Motto entgegen, da es im Gegensatz zu China und Vietnam auf der Strasse viel ruhiger zugeht. Kaum Gehupe, weniger Verkehr und rücksichvolle Fahrer.

Wir passieren am 19.07 die Grenze und radeln westwärts durch die wenig bergige Strecke bis Seno, dann in den Süden bis Pakse in der Mekongebene. Die Landschaft wechselt von Regenwald zu Reisfeldern in üppigem Grün.

09_Laos_Regenwald (1024x768)

Wir kommen durch viele kleine Dörfer mit Stelzenhäusern aus Holz, zwischen denen Kühe, Buffel, Schweine, Ziegen, Hühner und Hunde ihre Nahrung suchen. Aus diesen Häusern schallt uns auch immer wieder ein „Sabaidee“! entgegen. Neu für uns ist, dass ganze Kinderhorden uns aufgeregt begrüßen und uns zuwinken. Die Bevölkerung macht im Vergleich mit Vietnam einen deutliche ärmeren Eindruck auf uns.

04_Laos_Kanan (1024x768)

Immer wieder sehen wir Hilfsprojekte wie Welthungerhilfe oder vor allem Spenden der Japaner für Brücken oder Projekte im Agrarbereich.

Viele kleine buddhistische Tempel säumen unseren Weg. Sie dienen auch als Klosterschulen oder als Friedhöfe und sind oftmals sehr klein.

31_Laos_Pakse (1024x768)

Zur Zeit ist Regen-, d.h. Monsunzeit und wir suchen auf unserer Fahrt vor der heftigen Regenfällen immer wieder Schutz in einem Lokal oder sonstigen Unterschlupf. Doch trotzdem werden wir immer wieder von dem warmen Regen eingeweicht. Abseits der Hauptstraße sind die Wege schlammig und die Flüsse führen sehr viel Wasser. Deshalb bemühen wir uns auch nicht um einen Zeltplatz, sondern suchen uns abends rechtzeitig ein gemütliches Zimmer.

Im Vergleich zu Vietnam wirkt Laos wesentlich ärmer auf uns. Die freundliche Laoten leben einfacher und ursprünglicher. Etwas kompliziert gestalten sich für uns die Mittagspausen, denn in den einfachen Lokalen am Straßenrand gibt es meistens nichts als Nuddelsuppe. Nach fünf Tagen Nudelsuppe können wir diese nun wirklich nicht mehr sehen, denn das Rezept ist stets das Gleiche: Zu den Nudeln wandern Innereien sowie Tintenfischstücke! Eine etwas eigenartige Mischung! So sind wir denn auch froh als wir die touristische Kleinstadt Pakse erreichen und wir etwas Abwechslung in einem italienischen und indischen Restaurant finden. Hier treffen wir an drei Abenden auch nette Franzosen und Laoten zu leckerem Essen und BeerLao, das als das beste Bier in Südostasien gilt. Im Delta Cafe, mit deren Motto „von der Plantage in die Tasse“, genießen wir Americano und Cafe Frappé. Die Besitzer bauen Schulen für die Kinder der Plantagenarbeiter.

Von Pakse aus fahren wir mit einer organisierten Tour in einem Minibus, zusammen mit Franzosen und zwei Wienerinnen, auf das Hochplateau Bolaven. Dort werden in 1.300 m Höhe die besten und teuersten Kaffeebohnen der Welt geerntet. Arabica, Arabica typica „champagne of coffee“ und Robusta. Die Farmer bekommen weniger als 0,50 US Dollar pro Kilo – einfach unglaublich! Eine „fairtrade“ Kooperative bietet seit 2004 pro Kilo 1,36 US Dollar, immerhin mehr als Doppelte.

Wir sehen einige Wasserfälle, wobei der spektakulärste für uns der Doppelwasserfall Tat Fan mit einer Fallhöhe von 120 Metern ist. Die Kulisse ist einfach atemberaubend.

41_Laos_Bolaven Plateau_Tat Fan (1024x768)

Die Dorfbesuche bei den Katu und Alak, die auf dem Hochplateau leben, sind eher unangenehm für uns, gehören aber mit zum Programm. Interessant ist deren Webtechnik mit Hand und Fuß – siehe Galerie.
Die angelegte, jedoch schöne Natur des Eco Phassoum Resorts gefällt uns wieder sehr gut. Dschungelatmosphäre mit gigantisch hohen Bäumen, Lianen, dazwischen Baumhäuser und Hütten die man mieten kann, bunte Blumenpracht und Wasserfälle.

75_Laos_Bolaven Plateau_Exo Resort (1024x768)
Doch hier ist auch ein Freilichtmuseum angegliedert, in welchem sich die Katu und Laven in ihren Kostümen präsentieren und die Touristen unterhalten sollen. Alles wirkt surreal und aufgesetzt, doch dem Gründer W. Kijbamrung ging es darum für die Völker Arbeitsplätze und eine gesunde Umgebung zu schaffen.

61_Laos_Bolaven Plateau_Exo Resort (1024x768)

Gegenüber unserem Gästehaus frühstücken wir in der Bäckerei „Laovida“ einem interessanten Hilfsprojekt für Laoten, denen dort Englisch, Lebenskunde und Backen vermittelt wird. Sie sollen als Multiplikatoren ihr Wissen in den Dörfern weiter geben.

Auf unserem Weg in Richtung Grenze sehen wir noch einmal Karaoke Werbeschilder an den Restaurants, die uns ab Vietnam bis heute immer wieder aufgefallen sind. Die Laoten lieben Musik, vor allem Karaoke und thailändische Lieder. Diese klingen auf unserer Fahrt zur thailändischen Grenze noch nach.

Fotos zu Laos:

Vietnam 2014

Vietnam – Wir haben es geschafft!

Kurz gesagt: Unsere Räder haben durchgehalten! Wir haben Ha Noi am 03.07.2014, nach 12.053 geradelten Kilometern erreicht.

31_Hanoi Ankunft
Wir können es selbst kaum glauben. Am 08.07.2014 jährte sich unsere Abfahrt und wir trinken in Ha Noi ein kühles „Bia Ha Noi“ darauf. Wir bekamen viele Mails von Familie, Freunden und Bekannten zum Jahrestag, die sich nun alle fragen wie es weitergehen wird. Schließlich haben wir Ha Noi als unser großes Ziel genannt. Bei unseren Planungen hatten wir uns nicht vorstellen können die Route noch weiter zu planen. Damals erschien uns dies alles ziemlich abstrakt und unwirklich. Wenn man uns unterwegs fragte, wohin die Reise geht, trauten wir uns oftmals nicht „nach Hanoi“ zu sagen.
Und nun? Nun sind wir wieder bei den berühmten „w’s“ wohin, wielange, wieso, ….Hier unsere kurzen Kommentare zu den Fragen, die man uns nun so stellt:

Wie lange noch? wir wollen auf jeden Fall den kommenden Winter im Warmen verbringen und weiter radeln. Wir haben noch viel Zeit und Lust.

Wohin soll es gehen? derzeit radeln wir nach Süden durch einen Teil Vietnams. wir wollen danach nach Laos, vielleicht nach Kambodcha, auf jeden Fall nach Thailand. In Thailand haben wir sehr wichtige schöne „Termine“. Drei unserer Töchter wollen uns, ab August, nacheinander dort besuchen. Wir freuen uns schon jetzt riesig auf ein Wiedersehen. Jetzt gilt es rechtzeitig nach Thailand zu radeln!
Danach wollen wir noch andere asiatische Länder besuchen und im Frühjahr per Flugzeug nach Istanbul reisen. Von dort aus wollen wir dann den Rückweg antreten. Auf keinen Fall wollen wir mit dem Flieger direkt nach Hause düsen.

Was fehlt euch nach einem Jahr? Am meisten fehlt uns der Kontakt zu unseren Kindern und Freunden. So ist es immer wieder schön, per Email von euch zu hören und ein wenig auf dem Laufenden gehalten zu werden. Vielen Dank!
Ansonsten gab es seit Monaten keinen Käse mehr. Agnès träumt von Camembert, Martin von Brezeln (gab es aber in Nepal in einer deutschen Bäckerei). Aber das verkraften wir noch.

Was war das schönste Land per Rad? Von der Herausforderung her, waren Armenien und Kirgistan sehr schöne Länder, mit toller Natur. Von den Leuten her ist nach wie vor der Iran unsere „number one“.

Was hattet ihr nicht geplant? Armenien war nicht geplant. Wir wollten ja durch Aserbaidchan, haben dieses Land aber wegen der hohen Visagebühren und in unseren Augen korrupten Einreiseformalitäten gestrichen.
In China wollten wir ursprünglich 3 Monate bleiben, doch die Visagesetze wurden geändert und wir bekamen nur 2 Monate. Aber nach 6 Wochen hatten wir genug, wir fuhren viel Bus und waren froh als wir in Vietnam ankamen.
 
Was für gefährliche Situationen gab es? Von der Bevölkerung her war kein Land „gefährlich“. Wir hatten diesbezüglich nie das Gefühl, dass wir einer Gefahr ausgesetzt sind. Wir hatten viel Kontakt mit der „ärmeren Bevölkerung“ und diese Leute waren sehr zuvorkommend, freigiebig und interessiert. Es gab zwar unangenehme Leute, aber die Kontakte mit ihnen waren sehr gering.
Der Schneesturm in Kirgistan, kurz vor China, war für uns sehr grenzwertig.
Mit angreifenden Hunden haben wir gelernt umzugehen.

Vietnam – Xin Chao!

Erste Eindrücke bei unserer Ankunft in Vietnam:

Yuhuu, wir werden verstanden oder besser man will uns verstehen. Die Vietnamesen lachen, sprechen uns an und nehmen Kontakt auf. An einem Tag in Vietnam lernen wir mehr Wörter als in 6 Wochen in China.

Wir heben nach der Grenze Geld ab. 2 Millionen VND in 4 Geldscheinen. Supiiee wir sind mal wieder Millionäre. (ok es sind nur ca. 70 Euro). Statt Mao lächelt uns nun Ho Chi Minh entgegen.

Werbung für „Bia Ha Noi“ steht ab der Grenze alle paar Meter am Straßenrand, hinterlegt mit Fotos von eisgekühlten Biergläsern . Bier ist das vietnamesische Nationalgetränk. Bei über 35 Grad in schwüler Hitze radeln wir an vielen Schildern vorbei, doch dann müssen wir schon bald das erste Bier testen. Dieses gibt es auch immer wieder frisch gezapft aus der Anlage.
Ansonsten gibt es Bierkisten mit Flaschenpfand, was gleich eine Menge Müll erspart.

Müll? Ist hier im Flussbett oder Straßengraben Mangelware. Echt prima. Dosen werden recycelt.

Es gibt keine Hochhäuser mehr, auch Autobahnen fehlen. Das ganze Leben scheint viel einfacher. Die Baustellengerüste sind aus Bambus. Highheels und Miniröcke wie in China – Fehlanzeige. Dafür gibt es viele Mopeds und Sturzhelmpflicht.

Das Essen ist gut, leicht bekömmlich und nicht so fettig und salzig wie in China.

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Auf kleinen Straßen radeln wir von der Grenze aus in Richtung Hanoi, vorbei an vielen Reisterrassen, durch kleine Dörfer und grüne Berge.

05_Vietnam_vor Pho Rang

Eine Flussdurchquerung bei einer Baustelle meistern unsere Räder mit Bravour.
Anfangs radeln wir am Roten Fluss entlang, doch die Straße ist zu klein, nicht asphaltiert und zu schlecht. So entscheiden wir uns in Richtung Süden die Hauptstraße Nr. 1 zu nehmen. Doch dazu müssen wir eine Bergkuppe queren. Nach vielen Kilometern bergauf, endet die Straße. Ab hier ist wieder mal Baustelle angesagt. Wadentiefer Schlamm!
Wir schieben, radeln, schieben wieder. Die Räder und Taschen sind völlig verschlammt, wir völlig nass geschwitzt. Dies war eine unserer schlimmsten Schlammschlachten. Wir schaffen nur 37 km in 4 Stunden.

14_Vietnam_vor Pho Rang_Baustelle

In Richtung Hanoi ist die Straße, auf den nächsten 200 km, klein aber gut und wir kommen prima voran. Der Verkehr ist mäßig. Die Natur ist sehr schön und auf vielen Feldern sieht man die Vietnamesen mit ihren Kegelhüten Reis anpflanzen. Erwachsene und Kinder rufen ihr „Hallo“ und winken. Ab und zu müssen wir einem Regenschauer ausweichen und so suchen wir Schutz unter Vordächern oder Läden und bekommen sofort netten Kontakt mit der Bevölkerung.

Leider wird die Hauptstraße ab Yen Binh, ca. 180 km vor Hanoi, wieder schlecht. Es wird gebaut und wir radeln durch Ballungsgebiete die zugebaut sind. Ja, wir nähern uns offensichtlich der Hauptstadt Hanoi und Wir können es kaum selber glauben, als wir am 3.7.14 unser Ziel erreichen.
Die Hauptstadt selbst ist übersichtlich, mit vielen Seen und Parks. Der Verkehr fließt unaufhörlich und man muss sich nur einreihen und mitfließen. Warten oder bremsen sollte man vermeiden.

82_Vietnam_Hanoi_Essen

Nach China geht uns hier in Vietnam alles sehr leicht von der Hand. Wir verschicken ohne Probleme unsere Winterklamotten per Post, beantragen ruckzuck ein 2-monatiges Thailandvisa, lassen das Fahrrad von Agnès reparieren und werden noch nebenher Weltmeister im Fussball. Was will man mehr? Aber wir hätten auch gefeiert wenn Frankreich gewonnen hätte….

Von Hanoi aus machen wir eine Abstecher mit Bus und Fähre zur Insel Cat Ba, südlich der berühmten, jedoch sehr touristischen Halong Bucht. Dort steht eine eintägige Bootstour auf dem Programm. Bei prima Wetterverhältnissen shippern wir am 7.7.14 mit einem Holzboot durch die Lan Ha Bay und die Halong Bucht und bestaunen die einmaligen Kalkinseln, die teilweise über 100 Meter aus dem Wasser ragen. Kajaking, Höhlenbesichtigung und Badestopps runden das Programm ab. Ein Klasse organisierter Ausflug, mit wenigen Touristen an Bord.

70_Vietnam_Lan Ha Bay_Grotte

Schön auch dass wir 100 Kilometer weiter südlich an Kalksteinfelsen vorbeiradeln können. Bei Ninh Binh befindet sich diese einzigartige etwas verschlafene Landschaft und wir haben ein Zimmer mit grandiosem Ausblick auf die Felsen.

95_Vietnam_bei Ninh Binh
Wir besichtigen einen halben Tag lang den buddhistischen Komplex „Chua Bai Dinh“, mit über 500 aus Stein gemeiselten lebensgr0ßen Arhats (erleuchtete Buddhisten), verschiedenen Tempeln mit vergoldeten Riesenbuddhas und tausenden kleinen Buddhas.

Leider wird die Hauptstraße Nr. 1 von Hanoi aus bis Ho chi Minh Stadt auf einer Länge von ca. 1.700 km ausgebaut bzw. verbreitert. Hier sind wir mittendrin zwischen Lkws, Bussen, Staub, Lärm und Abgasen. Es wird gehupt und gerast was das Zeug hält. Ziemlich atemberaubend! Wir haben uns mittlerweile Mund/Nasenschutz zugelegt und müssen unsere Kleidung jeden Abend komplett auswaschen. An zelten denken wir schon länger nicht mehr, denn wir sind froh uns in einem Hotel oder Nha Nghi (Gästehaus) abends zu erholen und wieder in Ordnung zu bringen.
So sind wir auch sehr froh, dass wir eine Klasse Unterkunft direkt am Strand vor Dong Hoi finden, wo wir uns 3 Tage lang erholen. Vom Zimmer und Balkon aus sehen wir über Palmen zum Sandstrand und zum Meer.

107_Vietnam_Motel vor Dong Hoi

Andere Touristen gibt es unter der Woche keine und wir haben den kilometerweiten Strand und das Restaurant für uns alleine. Der Englisch sprechende Manager und die Crew sind supernett.

Wir radeln weiter Richtung Süden und sind immer wieder erstaunt darüber was sich auf einem Fahrrad oder auf den unzähligen
Mopeds so alles transportieren lässt. So werden lebende Schweine, manchmal im 2-er Pack, einfach auf dem Gepäckträger verschnürt. Die Beine ragen in die Luft. Eine ausgewachsene Ziege wird auf dem Schoß des hinten sitzenden Mitfahrers balanciert. Unmengen Hühner und Enten werden in Bambuskäfigen auf dem Moped gestapelt, festgezurrt und los geht es. Es ist erlaubt, maximal zwei schwere oder drei leichte Personen mit einem Moped zu befördern, doch sehr oft sind ganze Familien zu viert auf einem Moped unterwegs. Bei Regen wird der Poncho des Fahrers über die hinten Sitzenden gezogen – alles in allem ein praktischer Pack.

112_Vietnam_Fahrrad

Wir passieren die ehemalige Grenze zu Südvietnam, auch entmilitarisierte Zone genannt. Trotz dieser Wortwahl liegen hier seit der Übernahme durch die Kommunisten immer noch sehr viele Minen versteckt – in ganz Vietnam liegen,

111_Vietnam_DMZ

Schätzungen zufolge, mehr als 3,5 Millionen Minen und bis zu 800.000 Tonnen unexplodierte Bomben. Jedes Jahr sterben ungefähr 1.000 Leute und ungefähr 1.700 Leute, vor allem Kinder und Angehörige der Bergvölker, werden verletzt.
Ein interessanter Artikel in der Berliner Zeitung:

http://www.berliner-zeitung.de/archiv/taeglich-werden-in-vietnam-alte-minen-gefunden–auf-feldern–in-gaerten–ein-kleiner-berliner-verein-hilft-beim-raeumen-noch-immer-bombi-land,10810590,10591638.html

Bei Dong Ha biegen wir auf die Straße Nr. 9 in Richtung Laos, also nach Westen, ab. Es wird wieder hügelig und auf der
Schwitzskala bewegen wir uns auch nach oben, denn es hat bis zu 38 Grad. Dafür sehen wir mehr Natur, die Gegend ist weniger
bebaut. Ab hier sind es nur noch ca. 80 km bis zur Grenze nach Laos.
Fotos zu Vietnam:

China Yunnan 2014

Yunnan: viel Staub und Schlamm!

Es vergeht kein Tag an dem wir nicht durch kilometerlange Baustellen fahren müssen. Hier ein Auszug aus dem Reisetagebuch:
„Der Staub, den wir gestern noch in Massen einatmen mussten, liegt heute in Form von Schlamm unter unseren Rädern. Es hat geregnet und die Staubpiste hat sich in ein Schlammloch verwandelt, in dem selbst die schweren Lkws nicht mehr durchkommen.
Als es dann noch bergauf geht und unsere Räder sich kaum noch bewegen lassen, drehen wir um und nehmen kurzerhand die für Fahrräder verbotene Autobahn. Dem Kontrolleur an der Mautstelle zeigen wir die Fotos von der Schlammpiste und deuten auf unsere eingedreckten Räder und Schuhe. Wir verstehen ihn nicht, diskutieren auch nicht lange, sondern radeln einfach los.“

Ähnliche Bedingungen haben wir immer wieder in China und unsere Fahrräder sind hohen Belastungen ausgesetzt. Die Landstraße G323 ist auf 50 km am Stück eine Baustelle, später eine neue hergerichtete Autobahn mit Fahrradstreifen.

Für uns stellt es sich so dar, dass ganz China eine einzige Baustelle ist.

02_China_Yunnan_Richtung Kunming

Überall werden gleichzeitig neue Hochhaussiedlungen mit bis zu 50 Hochhäusern gebaut, Landstraßen erweitert, Autobahnen neu gebaut, Zugstrecken erneuert. Eine unvorstellbar große Menge an schweren Lkws transportiert dazu die Materialien. Alle Lkws sind gnadenlos überladen und verlieren unterwegs entweder ihre Ladung oder kippen manchmal auch um.

02_China_Yunnan_bei Jingning G213

Dazu kommen Abgaswolken wenn wir überholt werden, speziell bergauf.
Für uns ist es kein Spass hier herumzuradeln und wir sind froh als wir das erste Schild mit der Aufschrift „Hekou 202 km“, die chinesische Grenzstadt zu Vietnam, sehen.

Die Sehenswürdigkeiten in Yunnan liegen hauptsächlich im Westen im Bergland. Die Tigersprungschlucht (tiefste Schlucht der Welt), Dörfer in denen man die „ursprünglichen“ Dorfbewohner „besichtigen“ kann, schöne Reisterrassen….wir verzichten darauf diese Attraktionen zu besuchen, denn nach unseren bisherigen Erfahrungen spielt sich dort ein kommerzieller Touristenrummel ohnegleichen ab. Was wir sahen wirkt auf uns aufgesetzt und unecht, eine Mischung aus Disneyland und Plattensee.

Sehr schön war für uns die Fahrt durch die bewaldeten Berge zwischen Tonghai und Jianshui mit vielen klaren Bächen und wenig Verkehr. Später im Tal wurden Lotusfelder bestellt.
Doch die schönen Streckenabschnitte mit einigermaßen guter Straße sind rar.

Da wir abends völlig eingestaubt und eingedreckt sind nehmen wir uns abends regelmäßig ein Hotelzimmer. Dies bietet auch die Chance etwas Fussball-WM anzuschauen.
Die Chinesen spielen zwar nicht mit, bringen aber den ganzen Tag auf CCTV5 Spielausschnitte, WM-Quiz und in der Nacht die Spielübertragungen (um 00.00, 03.00, 06.00 a.m.) Wir schauen uns mit chinesischem Fifa-Bier u. a. die Deutschlandspiele an.
Immerhin durften die Chinesen die Fußbälle produzieren, wie wir aus dem TV erfahren….

Ein weiterer Grund sich ein Hotelzimmer zu nehmen ist, dass jeder Zentimeter Erde bepflanzt ist oder wenn dies nicht der Fall ist, vermüllt ist. Es regnet viel und heftig, was die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz erschwert.
Findet man einen geeigneten Platz, wird man nicht unbedingt willkommen geheißen. Es ist das erste Mal seit Beginn unserer Reise, dass wir solche Erfahrungen machen durften.
Wir haben den Eindruck, dass die Landbevölkerung Angst vor uns hat. Es wundert uns dann nicht mehr, wenn wir die Bilder im TV sehen, die dauernd über „Feindschaft mit den USA, Japan, Vietnam und den Philipinen“ berichten. Hält man uns für Amerikaner?
Es scheint sowieso kein anderes Land mit „Langnasen“ in der Welt zu geben. Deutschland („Dö Gwa“) oder Europa sind ziemlich unbekannt.

Mehrmals machen wir auch die kurze Bekanntschaft mit Leuten – Professoren, Lehrer –  die etwas Englisch sprechen. Oft werden wir gefragt, weshalb wir nicht nach Tibet radeln. Dort wäre die Luft gut und das wasser klar. Viele Chinesen würden deshalb dorthin radeln. Uns erstaunt, dass nicht bekannt ist, dass es für uns Individualreisende nicht möglich ist nach Tibet zu radeln. Die politische, religiöse oder kulturelle Lage war unseren Gesprächspartnern entweder unbekannt oder unwichtig.

In Kunming verbringen wir 5 Tage damit auf das Vietnamvisa zu warten, das wir ohne Probleme bekommen. In dieser Zeit checken wir die Fahrräder, bringen die Ausrüstung in Ordnung und erwerben einen neuen Fotoapparat, da der alte rumzickt.
Die Stadt ist hochmodern. Viele Hochhäuser mit blinkenden Lichtern, jeder 5. Laden ein Ipod-Shop, gigantische Flachbildschirme an den Hausfassaden auf denen Dauerwerbung läuft, moderne Metro und viele Modeläden. Wir finden MC-Donald und daneben KFC. Nichts wie weg! Die englischsprachige Werbung an vielen Shops lässt leider keine Rückschlüsse auf Englisch sprechende Chinesen zu.
Doch es gibt auch schöne Parks mit hergerichteten gut aussehenden Tempeln und Pavillons.

14_China_Yunnan_Kunming_Yuantong Tempel_Panorama

Nach Sonnenuntergang tanzen hier jung und alt, um sich fit zu halten.

Wir radeln auf direktem Weg weiter Richtung chinesische Grenze. In Mengzi besuchen wir den Markt. Schon lange vorher haben wir uns die Frage gestellt, ob die Chinesen wirklich Hunde essen oder ob es sich um ein Gerücht handelt. Nun denken wir, wir sehen nicht recht. Vor uns liegen halbe gekochte Hunde, mit Schwanz und Füßen. Die Köpfe können auch gekauft werden. Kein Kommentar! Zwei Tage später sehen wir einen Lkw mit Hunden vor einer Schlachterei stehen…

Eine andere Delikatesse, die man im Supermarkt kaufen kann sind Hahnenkämme und Hühnerfüße in verschiedenen Saucen. Wir können es uns verkneifen dies zu probieren.

Während unserer letzten drei Tage zeigt sich China aber von seiner schönsten Seite: wunderschöne Landschaft, neue breite Strasse, wenig Verkehr und Sonnenschein.

20_China_Yunnan_vor Hekou

Wir kommen gut voran und machen täglich ca. 100 Kilometer. Die Strecke führt durch Bergland, vorbei an kleinen Dörfern der Yi, einer Minderheit welche hauptsächlich vom Obstanbau lebt.
Dementsprechend wurde viel gerodet und Bananenplantagen prägen das Bild.
Wir fahren viel bergab und das Klima ändert sich. Es ist heiß und sehr schwül. Im Schatten messen wir 38 Grad und Wir schwitzen wie in der Sauna, selbst auf der Ebene. Vor Hekou wachsen neben Bananen, die gerade geernet werden, auch Mangos, Papayas, Ananas, Jackfrucht und Lychies. In Hekou selbst hat es nachts um 21.00 Uhr noch 32 Grad.

Aus einer Email an eine Freundin nach Herrenberg:
Liebe S…!
…Leider hatten wir mal kein internet mehr, ein anderes mal keinen Strom im Hotel und heute wollten wir zur Post um das Paket abzuschicken. Die Chinesin am Schalter hat null und nada verstanden. Es ist wirklich eine Katastrophe hier. Du kommst in einem Hotel an und die schauen dich nur an. Du sagst „room“ machst ein Zeichen für „schlafen“. Sie verstehen nix. Du malst ein Bild: 2 Männle, 1 Bett + 1 Haus. Haaa!!! die Erleuchtung! Wir wollen da schlafen! Die Rechnung wird gleich in Angriff genommen. Wir sagen „nein“ erst wollen wir wissen wieviel es kostet! Nix verstanden. Wir zeigen Geld. Nix verstanden. Wir schreiben auf ein Blatt 60 RMB? Haaa!! Sie wollen den Preis wissen. Ach so! Ich sags dir: Katastrophe! Martin meint das Paket würde nie ankommen. Wir werden es aus Hanoi wegschicken.
Und so geht es fast jedes Mal wenn wir etwas checken wollen. Ein Zugticket? ohjemine! du kommst, hast alles vorbereitet: Zugnummer, Bahnhof etc. zeigst es stolz der „netten „Frau am Schalter und sie? sie winkt einfach ab. Du probiert’s mehrmals in allen Variationen: Datum andern z.B. nix geht. dann kommt eine andere Angestellte die 3 Wörter Englisch kann und sie sagt es geht nicht, weil der Zug nicht um 22:34 fährt sondern um 23:12!!!! ohjemine!!!! du brauchst Nerven!….

19 km vor Hekou wird Agnès von einem Polizeiauto gestoppt und wir werden zum ersten Mal in China kontrolliert. „Wo soll es hin gehen?“ werden wir gefragt. Na ja, die Straße führt ausnahmslos nach Hekou und weiter nach Vietnam 😉

Die Grenze nach Vietnam wollen wir am Sonntag, den 29. Juni 2014 passieren. Bald würden wir unser erstes großes Ziel Hanoi erreichen. Aber unsere Räder sind schwer mitgenommen. Das Fahrrad von Agnès hat einen breiten Riss im Mantel, ein Lager klappert und die Pedale drehen sich beim Schieben mit. Der Mantel am Hinterrad von Martins Rad wurde zwar geflickt, aber durch den starken Druck auf den Mantel zeigt sich eine fast eigroße Auswölbung und das Rad läuft nicht mehr rund.
Werden wir Hanoi so erreichen können?

Fotos von China Yunnan:

Bus in Yunnan:
Daibu – Kunming: 170 km

China Sichuan 2014

Sichuan: Reis in Sicht

Mit unserer Busfahrt nach Chengdu ändern sich nicht nur die klimatischen, sondern auch die kulinarischen Verhältnisse. Wir passieren die „Nudelgrenze“ und ab heute steht überwiegend Reis auf dem Speiseplan.

05_China_Chengdu

Ihn gibt es in fast allen Restaurants in großen Bambusbehältern, wo man soviel man möchte holen kann. Zum eigentlichen Gericht, wird meistens eine heiße Brühe als Durstlöscher serviert. Tee gibt es nicht zum Essen.
Kurz vor Chengdu sehen wir auch die ersten grünen Reisfelder, Bananenplantagen, vereinzelte Palmen und bald Bambuswälder mit Riesenbambus.
Es ist schwülwarm, die Sonne sehen wir die ersten 10 Tage nicht. Dafür regnet es fast immer, mehr oder weniger stark. Eine neue Erfahrung für uns ist es nun unsere Ausrüstung einigermaßen trocken zu halten. Einmal naß, immer feucht….
Auch ist es viel schwerer geworden einen geeigneten Zeltplatz zu finden, denn jeder Zentimeter Erde wird bepflanzt oder die Erde ist matschig.

In Chengdu übernachten wir im Dragon Youth Hotel mitten im belebten Zentrum. Hier ist eine Fußgängerzone entstanden, durch die sich alle chinesischen und ausländischen Touristen drängeln.
Nach einem kurzen Aufenthalt in der 10 Millionenstadt radeln wir bei strömendem Regen los. Agnès deckt sich noch schnell mit einem chinesischen roten Poncho ein, doch der Wind bläst seitlich und ruckzuck ist auch sie nass.

06_China_Chengdu

Ein kompletter Regentag steht uns bevor. Abends ist an zelten nicht zu denken, so betreten wir triefendnass ein nobles Hotel, doch man scheint an nasse Gäste gewöhnt zu sein. In der Hotellobby sitzen gerade mehrere Polizisten in weichen Sesseln und vertreiben sich die Zeit. Als sie uns sehen, sind wir wieder mal die Attraktion. Später helfen uns zwei dieser Polizisten, sowie ein Securitymann und die Putzfrau, unser Gepäck in den Aufzug und ins Zimmer zu bringen.

Die Doppelzimmer in China kosten so zwischen 70 (8,50 Euro) und 200 Yuan (24 Euro). Ab ca. 150 Yuan ((18 Euro) bekommt man schon eine richtige luxuriöse Suite.
Leider ist der nächste Tag nicht besser. Es regnet so stark, dass die Autos mit Warnblinkanlagen fahren.

Wir radeln bis Leshan (von Chengdu 175 km) und checken im 7 Days-Inn ein. Leshan ist weltberühmt für seinen in die Felswand geschlagenen Großen Buddha, den größten sitzenden Buddha der Welt, mit dessen Bau im Jahr 713 n. Ch. begonnen wurde.  Dieser ist 71 m hoch. Er hat 7 m lange Ohren und jeder seiner Zehen ist 8,5 m lang. Der große Zeh bietet einer Fußballmannschaft Platz!

14_China_Leshan_Grosser Buddha
Um den Buddha herum ist ein immergrüner Park entstanden, mit vielen Tempelanlagen, hohen Baumfarnen und in Stein gehauene Kaligrafien. Hier haben wir mal wieder einen regenfreien Tag, den wir im Park genießen.

Am Freitag, dem 6.6.14 geben wir unsere Anträge auf eine Visaverlängerung im PSB Büro ab und bekommen gleich die Auskunft, dass wir die Visas am Montag abholen können. Es verlief ohne Probleme, die Angestellte sprach sogar etwas Englisch und unseren Reiseplan, den wir angeben mussten interessierte niemand. Das ganze dauerte 15 Minuten und kostete 160 Yuan (20 Euro). Nun können wir bis 11. Juli 2014 in China bleiben!

Während wir die 3 Tage auf unsere Verlängerung warten, machen wir einen Ausflüg zum Mt. Emei, zum dortigen Pilgerweg. Der Emei Shan ist einer der vier berühmten buddhistischen Berge des Mittleren Reiches. Von den ursprünglichen rund 100 Tempeln ist wenig geblieben. Sie wurden im Krieg oder durch die Kulturrevolution zerstört. 10 Tempel, über den Berg verteilt, sind in gutem Zustand. Hier findet man Kost und Logie. Wir wandern 3 Tage lang in diesem Gebiet und übernachten selbst zweimal in diesen Klöstern.
Leider sehen wir die Sonne in dieser Zeit nicht, dafür werden wir immer wieder neu eingeweicht.
Unsere Tour beginnt, nach einer kurzen Fahrt mit der Seilbahn, auf 1.020 m und endet am ersten Tag bei 2.540 m im Kloster Taizi Ping. Nach unserer Berechnung steigen wir dabei über sage und schreibe 12.000 Treppenstufen!
Die gesamte Anlage ist mit Treppen ausgebaut! So was schaffen nur die Chinesen.

45_China_Leshan_Mt Emei
Am nächsten Tag trennen uns nochmals 3.000 Treppen bis zum Gipfel, dem Golden Summit auf 3.077 m Höhe. Dieser Tempel mit seiner 48 m hohen vergoldeten Statue liegt nahe am Rand der Klippen, von denen man einen sagenhaften Blick auf die gegenüberliegenden Bergketten hat, wenn das Wetter gut ist. Doch leider sehen wir nur eine weiße Wand.
Beim Abstieg übernachten wir auf 1.752 m im Kloster Magic Peak. Nachts träumen wir vom Treppen steigen.
Dieser Teil der Strecke ist wunderschön, denn es sind hier kaum Touristen unterwegs und die Natur gigantisch. Wasserfälle, klare Bäche und Regenwald. Ab und zu ein tibetischer Makake, an dem wir schnell vorbeihuschen.
Der Abstieg erweist sich als viel schwieriger, denn wir haben schon oben Muskelkater und die insgesamt nun 18.000 Treppenstufen geben uns den Rest. Unsere Muskeln erinnern uns die nächsten 7 Tage lang an diesen Berg.

Wir radeln weiter Richtung Süden, Richtung Kunming, und kommen immer wieder an großflächigen Bambushängen vorbei. Aus diesen dringt ein Gezirpe und Gezwitscher — Tropenmusik.
Die Strecke fordert uns, denn sie ist sehr hügelig. Dazu kommt das schwülwarme Wetter. Mittlerweile sind wir froh, wenn vor uns ein Tunnel auftaucht und uns einen Pass erspart.

Die Fahrt führt entlang eines breiten Flusses, den wir auf unserer Chinakarte nicht lokalisieren können. Klare Bäche, die aus schönen Seitentälern hier einmünden, ab und zu ein toller Wasserfall.

71_China_3 Schluchtendamm

Immer wieder fragen wir die Bevölkerung und auch an einem Polizeicheckpunkt nach dem Weg nach Kunming und werden in diese Richtung geschickt.
Wir wundern uns, dass der Straßenverkehr abgenommen hat und wir keine Straßenbezeichnung mehr sehen. Dann, nach ca. 100 km stehen wir vor einem überdimensionalen Plakat mit der Aufschrift „Drei-Schluchten-Damm“. Hat nicht Luki, der Freund einer Tochter von Martin, sein mündliches Abitur darüber gehalten? Ja, freuen wir uns und machen ein Foto von dem Plakat für ihn.

Nichts ahnend schieben wir unsere Räder zum dortigen Polizeicheckpunkt. Der Ordnungshüter winkt uns schon heran und wir erfahren mit ein paar energischen Handbewegungen, dass unsere Fahrt hier zu Ende ist. Sackgasse! Kein Durchkommen für Touristen zum umstrittenen Drei-Schluchten-Damm. Sperrgebiet, was uns nicht sonderlich wundert, denn auch Internetdienste wie facebook, youtube, google und viele blogs mit themen zu Tibet, den Uiguren usw. sind für uns gesperrt.

Es wird telefoniert und nach einer halben Stunde kommt ein Offizier, der ein spärliches Englisch spricht um uns zu dolmetschen. Wir erfahren, dass wir zurück müssen – 198 km meint er – um wieder auf unsere Route zu kommen. Letztendlich, nach mühsamem hin und her, wird uns gesagt, dass uns auch ein Bus zurückfahren kann. Wir haben Glück, denn kurz danach können wir einen Reisebus besteigen, unsere Räder verladen und es geht zurück auf unsere Route. Ein schöner ungeplanter Ausflug zum Drei-Schluchten-Damm, von dem wir einen Teil aus der Ferne sehen konnten.

So fahren wir bei strömendem Regen nicht mit unseren Rädern in die nächste Provinz Yunnan, sondern mit dem Bus.

Fotos von China Sichuan:

Bus in Sichuan:
Hanzhong – Chengdu:   450 km
Irgendwo im Niemandsland beim Drei-Schluchten-Damm, vermutlich bei Leibo – Zaotong: 200 km

China Gansu 2014

Gansu: Seidenstraße bye bye

Mit dem Bus reisen wir in 8 Stunden von Hami nach Jiayuguan, wo wir die Große Mauer sehen wollen. Die Wüstenlandschaft zieht sich bis kurz vor Jiayuguan, dann wird es stechend grün und die Stadt selbst hat viele schöne Parks. Wir checken im Yuesheng ein; kein Mensch im Hotel spricht ein Wort Englisch. Abends sind wir in der Fußgängerzone, der sogenannten „Fressmeile“ unterwegs. Hier reiht sich ein Straßenlokal an das andere und bunte blinkende Leuchtreklamen erhellen die Szene. Die Chinesen bestellen kartonweise warmes Bier (12er Pack) und essen Fleisch im Übermaß. Wie die Tische und der Boden hinterher aussehen ist unbeschreiblich.

Wir radeln zu der berühmten Festung von Jiayuguan und machen noch zwei weitere Ausflüge zu Abschnitten der Großen Chinesischen Mauer inklusive Museum. Faszinierend ist es schon die Große Mauer direkt vor sich zu sehen.

29_China_Jiayuguan_Grosse Mauer
Die Große Mauer ist eng mit dem Handel an der Seidenstraße verknüpft, denn sie schützte die Kaufleute vor den Mongolen aus dem Norden und Turkvölkern aus dem Westen. Hier in Jiayuguan verläuft der westlichste Abschnitt der Mauer. Das Westtor diente dazu unbeliebte Bürger oder Kritiker in die Wüste zu verbannen.
Die Festung liegt in der Mitte des Tales, dem Hexikorridor, von wo aus die Mauer in beide Richtungen bis zu den Bergen und darüber hinaus verläuft.

Unsere Campusräder werden auf das Dach des großen Sleeperbusses gezogen, festgezurrt und schon geht es los. Wir verbringen 760 km bis Lanzhou über Nacht im Bus. Bei Regen kommen wir in Lanzhou an, übergroße Pfützen erschweren uns das Vorwärtskommen, doch das Wetter bessert sich. Wir tun uns schwer, in der fast 4 Millionenstadt, die Landstra0e nach Lintao zu finden. Jeder zeigt in eine andere Richtung. Doch nach ca. 2 Stunden sind wir auf dem richtigen Weg, der leider stetig nach oben führt. Es ist schwülwarm doch die Landschaft ist sehr schön. Bepflanzte Terrassen, chinesische Bauern pflegen ihren Anbau. Bald wird die Straße zur Baustelle, abwechselnd Schlaglochschotterpiste und Schlammlöcher. Wir werden entweder eingestaubt oder verschlammt, und das auf einer Strecke von 40 Kilometern.

03_China_Gansu_nach Lintao

Zu den chinesichen Autofahrern:
es wird gehupt und gedrängelt. Die Chinesen würden auch den Worldcup für Dauerhupen gewinnen. Vom kleinsten Elektroroller bis zum gigantischen 6-Achser – mit Hupen wie ein Dampfer – meint jeder Fahrer an jeder Kurve, an jedem Ortseingang, bei jedem Überholen, bei jedem Fußgänger ……hupen zu müssen. Selbst beim Einfahren auf eine Baustelle wird wie wild gehupt, aber nicht gebremst. Motto: immer hupen, nicht bremsen. Auf den Straßen sind sämtliche Automarken unterwegs, aber vor allem europäische, japanische und chinesische neue Nobelkarossen. Ja, wir sind im kapitalistischen Kommunismus unterwegs.

In Gansu sind wir im richtigen China angekommen. Es gibt nur noch chinesische Schriftzeichen. Auffallend für uns, nach den moslemischen Ländern, sind die vielen Frauen die am Leben in der Öffentlichkeit teilnehmen. Hier wird es einem so richtig bewusst, dass in den sogenannten „Stan-Ländern“ die Frauen von der Bildfläche verschwunden waren. Gegensätzlicher geht es kaum, denn hier arbeiten sie auf dem Bau und beim Straßenbau genauso mit wie die und die Mode in den Städten, sprich highheels, kurze Hosen oder Miniröcke, sind wir schon lange nicht mehr gewöhnt. Und je heller die Haut desto höher die Absätze. Speziell die Rad- und Rollerfahrerinnen mummeln sich bei warmem Wetter mit Handschuh und Kopftuch ein, um ja nicht braun zu werden.

Unser Weg führt uns durch viele Lehmdörfer und vorbei an unzähligen Feldern. Es wird überwiegend Getreide, Mais, Soja und Gemüse angepflanzt. Reisfelder? Sehen wir die ersten drei Wochen gar keine.
Abseits der Autobahnen und der gepflegten Parks in den Städten sehen wir schnell wohin der chinesische Müll wandert. Jedes Flussbett ist völlig vermüllt. Nicht einzeln hineingeworfener Müll, nein, die ganzen Ladungen aus den Müllcontainern wandern in das Flussbett! Kein Fluss ohne Müll bei den Dörfern. Die Abfälle die wir in die oft vorhandenen Mülleimer werfen, nachdem wir sie stundenlang herumfuhren, werden wohl auch im Flussbett landen…

Orientierung? Wir fotografieren die chinesischen Schriftzeichen aus dem Reiseführer oder von der Landkarte oder Straßenschildern ab und zeigen unterwegs den Leuten das jeweilige Foto, wenn wir nicht mehr weiter wissen. Sehr oft kommt es vor, dass ältere Frauen nicht lesen können. Wir sind schon erstaunt über die vielen Analphabeten.

Bei Lomen machen wir einen Abstecher zum Lashao Tempel, mit seinen 42,3 Meter hohen Buddha-Wandmalereien, mitten in einer 500 m hohen, wie aus dem Nichts, herausragenden Bergkulisse. Hier gibt es eine Vielzahl von Tempeln und Höhlen die besichtigt werden können und nach 3 Stunden schwingen wir uns voller Eindrücke wieder auf unsere Räder.

30_China_Gansu_Luomen_La Shao Tempel

Die Fahrt am nächsten Tag entlang der „Roten Berge“ ist sehr schön und wir sehen immer wieder Felsentempel hoch oben an den senkrechten Hängen.

Eine weitere größere Tempelanlage möchte von uns besichtigt werden. Der Daxian Mountain Rock Cave Komplex, der sich über einen langen Bergrücken nach oben zieht. Eine Höhle namens „Buddha Cave“ mit etlichen teils kitschigen, teils dämonenhaften Figuren ist besonders erwähnenswert.

59_China_Gansu_vor Tianshui_Daxiang Mountain Rock Cave

Bei der Besichtigung dieser Höhle geht das Licht aus. Wir denken: Aha, mal wieder Stromausfall in China. Wir warten, doch als nichts geschieht, tasten wir uns im Dunkeln an den Figuren vorbei zurück in Richtung Eingang. Ein spärliches Notlicht beleuchtet die Szenerie bei der Tür. Kein Mensch weit und breit. Schnell stellen wir fest, dass auf der anderen Türseite ein Vorhängeschloss montiert wurde. Wir sind in der kühlen Höhle eingechlossen! Wir rufen, schreien, klopfen, treten gegen die Tür, treten noch wilder dagegen….nichts geschieht. Die Holztür aufzubrechen ist nicht so einfach wie gedacht, obwohl sie oben eine Öffnung hat. Irgendwie sind wir doch nicht so wie Jackie Chan. Irgendwann, es kommt uns wie eine Ewigkeit vor, kommt der Aufseher der unseren Lärm gehört hat. Er schliest nicht sofort auf, denn er sieht uns durch die Öffnung: zwei wütende Ausländer – ähnlich wie die Dämonen in seinem Kabinett. Er faltet die Hände und bittet erst um Entschuldigung – dann schliesst er uns auf.
So können wir doch noch den 23,3 m hohen Buddha oben am Bergrücken besichtigen.

Wir gehen essen:
Wir haben eine Auswahl an chinesischen Schriftzeichen mit Aussprache für verschiedene Gerichte gesammelt. Unsere Versuche diese Wörter verständlich anzuwenden scheitern kläglich. Also zeigen wir die Schriftzeichen vor. Auch dies klappt nicht, da jedes Lokal eine andere Spezialität kocht. Bei manchen Lokalen ist es recht einfach, denn es gibt ein Menü mit Fotos zu den Speisen. Am einfachsten geht es in kleinen Lokalen in dem andere Gäste bereits essen. Wir zeigen der Bedienung einfach dass wir dasselbe wollen. Wir haben auch schon aufgegeben und das Lokal wieder verlassen, nachdem gar nichts ging.
Einmal landen wir versehentlich in einem Nobelrestaurant mit viel schicker Bedienung. Natürlich kann wieder niemand Englisch, doch es gibt eine Speisekarte mit vielen Fotos. Wir bestellen Nudeln (sie sind immer selber gemacht und lecker) und Hähnchenteile mit „Sauce“. Es dauert nicht lange und wir bekommen einen großen 4 Liter-Topf mit Brühe, Muskatnüsse und andere Gewürze, zusammen mit unseren rohen kalten Nudeln. Der Topf wird in der Mitte des Tisches auf eine Platte gestellt und erhitzt. Wir werfen unsere Nudeln in das kochende Wasser, schlürfen bald unsere Nudeln und die Brühe. Die Chef-Bedienung kommt bald an den Tisch, denn irgendwie machen wir ein klägliches Bild. Er nimmt Martin mit in die Küche und zeigt die vielen Zutaten, die normalerweise in den Topf gehören. Eigentlich wird uns erst jetzt so richtig klar, dass wir ein Fondue bestellt haben und wir ordern noch einige Zutaten. Ab in den Topf!

68_China_Gansu_vor Tianshui_Hot Pot

Auf dem Weg nach Tianshui kommen wir durch eine Monokultur von Kirschplantagen. Die Kirschenernte ist in vollem Gang und hunderte Kirschverkäufer/innen säumen die Straßen. Wir können nicht widerstehen.
Die ältere Stadt an der Seidenstraße mit sehenswerten Tempeln und Plätzen gefällt uns sehr. Wir besichtigen zwei große Tempel anlagen und flanieren durch den Bazar. Mit eigenen Augen sehen wir, wie neben Fischen auch verschiedene Sorten lebender Schildkröten und Riesenkröten im Angebot sind. Nebenan in der Apotheke werden verschiedene Sorten getrockneter Seepferdchen verkauft.

Die chinesischen Berge haben es in sich. Im Prinzip fahren wir jeden Tag an dem wir radeln einen Pass. Höhenangaben gibt es nicht und es nicht absehbar wo der Pass endet. Die Strecke zwischen Tianshui und Hanzhong ist erwähnenswert, denn die Berghänge sind sehr dicht, dschungelartig bewachsen und beheimaten viele Vogelarten. Entlang der Straße treffen wir auch immer wieder auf Imker mit vielen Bienenstöcken. Diese Imker leben in Zelten bei ihren Bienen und verkaufen den Honig vor Ort. Mehrmals sehen wir auch reisende Bienenstöcke, die auf Lkws verladen wurden. Wir sind immer froh wenn wir durch die herumschwirrenden Bienen schadlos durchradeln konnten.

Die Chinesen selbst:
Wo wir auftauchen gibt es verschiedene Reaktionen. Entweder erstarren die Chinesen, von jung bis alt. Sie sehen uns, der Mund öffnet sich und die Bewegung in der sich der Chinese gerade befindet, erstarrt. Wie eingefroren!
Oder sie sehen uns und sie reagieren hyperaktiv. Sie stürzen sich in unsere Richtung und wollen Fotos, Fotos, Fotos.
Oft werden wir auch heimlich fotografiert – zumindest denken sie dies.
Auf jeden Fall, egal wo wir auftauchen, gibt es Reaktionen. Es wird getuschelt oder gelacht oder geschaut.

08_China_Gansu_Weiyuan

Der Chinese den man um Hilfe bittet geht erst einmal weg von einem. Hat man ihn eingeholt und ihm einen Zettel oder den Foto entgegen gestreckt ist er hilfsbereit. Ab diesem Moment kommen die anderen und wollen neugierig wissen was los ist.
Aber Vorsicht! Oft wird man irgendwo hingeschickt. Nur nicht dahin wo man hin will. Und mit Englisch geht null komma null.

Erstaunt sind wir auch darüber, dass die Han-Chinesen mit denen wir Kontakt hatten nichts über Deutschland, Frankreich oder Europa gehört haben. Auch wenn wir das chinesische Schriftzeichen für Deutschland zeigen ändert dies nichts. Manchmal, jedoch ganz selten, kommt es vor, dass jemand weiß dass die Deutschen gut in Fussball sind…
Auch wenn wir unsere Reiseroute erklären, kann niemand etwas mit den Nachbarländern Kirgistan, Vietnam usw. anfangen.

Gebaut wird überall wo wir durchradeln. In den Städten entstehen unglaubliche neue Hochhaussiedlungen. Sie können locker tausende von Menschen auf einmal auffangen wenn sie fertig sind. Autobahnen entstehen ständig neu und sind in super Zustand. Sie sind gebührenpflichtig. Auch neue Tempel werden überall gebaut, denn die alten wurden ja in den „früheren Zeiten“ einfach abgerissen. Schade, dass die neuen Tempel wenig Flair haben. Neue Anlagen werden als Altstädte deklariert, sind aber aus Beton. Über den Städten liegt Staub und Smog und der Himmel ist kaum mehr zu sehen.

In den Parks ist es grün und zur Zeit blühen und duften die Robinien. Auch blau-weiß blühende Schwertlilien sind oft zu sehen.

Nach der dritten Woche in China müssen wir an die Verlängerung unseres Visas denken. Dies soll in Lechan recht einfach und flott gehen. Deshalb wollen wir um den 4. Mai herum in Lechan sein. Wir nehmen von Feng Xian mit Stop in Hanzhong den Bus nach Chengdu um rechtzeitig dort zu sein. Nach Feng Xian reisen wir durch die chinesische Provinz Sichuan.

Bus in Gansu:
Hami    – Jiayuguan:  620 km
Jiayuguan – Lanzhou:  760 km
Feng Xian – Hanzhong: 180 km

Gesamt:             1.560 km

Fotos von China Gansu: